Rittersteine

EINE GANZ BESONDERE SAMMLUNG

 

Bedeutung

Unter Rittersteinen versteht man Steinmarkierungen und Inschriften im Pfälzerwald, die Auskunft über den kulturellen und geschichtlichen Hintergrund des Ortes geben, an dem sie errichtet wurden. Dafür wurden die vor Ort befindlichen Natursteine verwendet oder Steinstelen und Findlinge aufgestellt. Wenige Ausnahmen bilden ganze Felsmassive, Burgen oder das Mauerwerk von Bergwerken. Sie sind steinerne Geschichtsschreibungen und bilden ein Netz von Kleinstdenkmälern, das einzigartig in der Bundesrepublik Deutschland ist! Da vom Pfälzerwaldverein ins Leben gerufen, kommen sie auch ausschließlich im Pfälzerwald vor.

Nr 281 - Leiningische Hofruine Weilach (Bad Dürkheim)

Ritterstein Nr. 281 – markiert die Überreste eines Hofgutes der Leininger Grafen.

 

Aussehen und Formen

Rittersteine bestehen zumeist aus großen Monolithen oder Stelen, in die der Name, die Bedeutung des Ortes und das Kürzel PWV für Pfälzerwaldverein eingraviert wurden. Die Schriftzüge sind überwiegend in gelber, seltener auch in goldener Farbe gehalten. Walter Eitelmann, der 6 Jahre jeden einzelnen Stein aufgespürt, erforscht und in seinem umfassenden Werk Rittersteine im Pfälzerwald katalogisiert hat, teilt die Marken in folgende acht, heute anerkannte Gruppen ein:

  • Orientierungspunkte
  • verschwundene Siedlungen
  • Schlachtfelder, Schanzen (Festungsbauten), historische Begebenheiten und Legenden
  • Holzwirtschaft und Flößerei
  • Forst- und Jagdbetrieb
  • Viehwirtschaft und Wolfsplage
  • Industrien
  • Persönlichkeiten

 

Nr 46 - Tiergarten (Wilgartswiesen)

Ritterstein Nr. 46 – markiert das ehemalige Wildgehege der Reichsfeste Falkenburg, das zu deren Fleischversorgung diente.

 

Name und Geschichte

Schon ab 1908 wurden bereits die ersten Steinmarken im Pfälzerwald auf Initiative von Peter Häberle aufgestellt, der 1864 geboren, ein zu dieser Zeit anerkannter Geologe, Paläontologe und Heimatforscher war. Zeitgleich war das Gründungsmitglied des Pfälzerwaldvereins, Karl Albrecht von Ritter, Forstdirektor und Unterstützer der Aufstellung und entscheidend bei der Findung neuer Standorte. Da die überwältigende Mehrheit der damals aufgestellten Steine auf die Vorschläge von Ritter zurückgingen, entschied die Mitgliederversammlung von 1912, eben diesen seinen Namen zu geben. Von da an, bis in unsere Zeit, sind die Markierungen als Rittersteine bekannt.

Nr 280 - Heidenmauer (Bad Dürkheim)

Ritterstein Nr. 280 – markiert einen zweieinhalb Kilometer langen Ringwall, der vor 2500 Jahren von Kelten erbaut wurde.

Der Erste Weltkrieg und seine Folgen lies die Rittersteine allmählich in Vergessenheit geraten, bis ab den 30er Jahren ihre Suche und Erforschung begann. Emil Ohler, der 1959 starb, widmete diesem Ziel 20 Jahre seines Lebens und bekam dafür das Bundesverdienstkreuz. Bis 1966 führte Karl Becker Ohlers Arbeit fort, die insbesondere darin bestand, eine aktuallisierte Liste aller bisher aufgestellten und verbliebenen Rittersteine zu erstellen, deren Anzahl zwischenzeitlich gestiegen war. Der 2009 verstorbene Walter Eitelmann brachte dieses Vorhaben zu seinem würdigen Abschluss, indem er sein Buch Rittersteine im Pfälzerwald veröffentlichte. Bis 1972 durchkämmte er den Pfälzerwald, setzte Steine wieder instand, befragte die Ältesten der angrenzenden Dörfer und sammelte das bisher umfassendste Wissen zu allen bekannten Rittersteinen. Sein Buch ist neben einer 1916 erschienenen, unvollständigen Liste, das erste vollständige und umfassende Werk über diese einzigartige Sammlung Kleinstdenkmäler.

Nr 282 - Rote Hohl (Bad Dürkheim)

Ritterstein Nr. 282 – markiert die Kreuzung zweier bedeutender Handelsstraßen aus dem Mittelalter.

 

Sinn

Die Rittersteine sind mehr als Wegmarken und -weiser. Sie sind steinerne Geschichtsschreibungen, die zwei Weltkriege überlebt haben und den Wanderer seit 100 Jahren über die naturkundlichen und geschichtlichen Besonderheiten vor Ort informieren, die für uns sonst unsichtbar blieben und diese so vor dem Vergessen bewahren. Außerdem wird das Andenken berühmter pfälzer Persönlichkeiten und verdienter Mitglieder des Pfälzerwaldverein geehrt. Das Sammeln der Rittersteine ist bei vielen Pfalzwanderern beliebt und längst Bestandteil einer eingeschworenen Gemeinschaft. Neben Felsen, Aussichtspunkten oder Burgen, eine wichtige Zutat für eine gelungene Wanderung im Pfälzerwald.

dsc_0408

Ritterstein Nr. 220 – markiert eine frühmittelalterliche Holzburg, die Friedrich Barbarossa als Jagdschloss nutzte.

 

Anzahl und Standorte

Es existieren heute noch 306, von ehemals 315 Rittersteinen. Sie verteilen sich über alle Himmelsrichtungen im Pfälzerwald und sind in den neueren Wanderkarten des Landesvermessungsamtes auch mit eigenem Symbol, teilweise auch namentlich abgebildet. Was die Suche im Vergleich zu Eitelmanns Zeiten erheblich vereinfacht. Denn als sein Buch erschien gab es bekanntlich noch kein GPS oder Markierungen in den einschlägigen Wanderkarten. Damals musste man nach dem Gauß-Krügerschen Gitternetz, mit Hilfe des Rechts- und Hochwert den genauen Standort auf dem Meßtischblatt ermitteln. Dankenswerterweise liegen die meisten Marken genau auf den Wanderwegen des Pfälzerwaldverein oder den Premium- und Prädikatswegen. Lediglich die Ruinen weit abseits gelegener Gutshöfe mitten im Nirgendwo stellen eine echte Herausforderung dar. Die vollständige Liste mit Name, Bedeutung, Kategorie und Standort kann über nachfolgenden Link bei Wikipedia eingesehen werden: >Liste

Nr 21 - Drei Eichen (Böllenborn)

Ritterstein Nr. 21 – markiert den ehemaligen Standort dreier Eichen, die bei der Stürmung des Farrenberg im Zweiten Weltkrieg zerschossen wurden. Heute wachsen an gleicher Stelle drei junge Eichen nach.

 

Verschollen

Neben den 306 verbliebenen und dokumentierten Rittersteinen gab es noch weitere 9 Marken, die heute als verschollen gelten. Namentlich:

  • Flößholzhof
  • Melkerplätzel
  • Eichertshals
  • Teufelstisch
  • Oberer Hammer
  • Ruine Jagdschloss
  • Ruine Neu-Falkenburg
  • Nußknick
  • Zollsträßchen

Von der Mehrheit der Steine wird vermutet, dass sie dem Krieg, beim Bau des Westwalls oder der Zivilisation, etwa durch den Straßenbau zum Opfer fielen. Belegt ist davon allerdings nichts und so hat der ein oder andere Jäger des verlorenen Schatzes doch noch insgeheim die Hoffnung, einen der neun Rittersteine zu finden. Und eines steht fest: Dem, dem das Meisterstück gelingt einen zu finden, sieht möglicherweise bald seinen eigenen Namen mit gelber Schrift in Stein graviert.

 

Nachfolgend alle bisher in diesem Blog vorkommenden Rittersteine:

Diese Diashow benötigt JavaScript.