Luger Geiersteine-Tour & Höllenbergüberschreitung

logo geiersteine-tourDie Geiersteine, eines der beiden Wahrzeichen Lugs, sind Namenspatron und Motivvorlage dieses premiumwegprämierten Wanderquickies. Die vielleicht schönsten zwei Wanderkilometer Hauensteins bilden das Herzstück dieser sechs Kilometer langen Tour, die den Heischberg vollständig erschließt und bei fast fünfzig Prozent Pfadanteil ein Buntsandsteinmassiv an das nächste reiht. Mit dem benachbarten Höllenberg baue ich die Wanderung zur Halbestagestour aus: Ein unschlagbares Duo mit rekordverdächtiger Felsdichte und einer Vielzahl toller Aussichtspunkte, die alle Mühen über Gebühr belohnen.

dsc_0231
Vor der Hornsteingruppe.
dsc_0245
Blick über den Hornsteingipfel nach Lug und zum Friedrichsfelsen.

Es ist das dritte Januarwochenende und Sonnenschein bis in den Nachmittag gemeldet. Höchste Zeit also, ein weiteres Kapitel zu schließen und den siebten und letzten Premiumweg Hauensteins anzugehen. Ausgangspunkt ist das kleine Lug, das relativ nahe an Annweiler liegt und auch für den Start eines zweiten Premiumweges genutzt werden kann. Perfekt, denn wer nicht in der Nähe wohnt oder gerade in der Südwestpfalz seinen Urlaub verbringt, wird wegen sechs Kilometern allein, keine längere Anreise in Kauf nehmen. Da ich den Höllenberg bereits beschrieben habe, starte ich diesen Beitrag mit der Geiersteine-Tour und gebe im Anhang allen, die ihn noch nicht kennen, eine kurze Zusammenfassung der Höllenberg-Tour mit entsprechender Verbindung nach Lug.

dsc_0313
Namenloser Felsknubbel auf dem Heischbergkamm.

Das Auto kann im Ortskern, direkt an der Kirche geparkt werden. Satte 76 Erlebnispunkte und 46 Prozent Pfadanteil halten, was sie versprechen. Eine einzige Straße muss ich queren und befinde mich schon im Wald, folge der Markierung gegen den Uhrzeigersinn. 250 Höhenmeter klingen zwar vergleichsweise gering, beschränken sich aber auf einen einzigen Anstieg. Und dieser kommt gleich zu Beginn, führt ohne Unterbrechungen erst moderat, später mit erheblicher Steigung bergan und mündet schließlich in den Heischbergkamm. Ist diese Hürde überwunden, hat man bereits so viele Punkte auf das Höhenkonto verbucht, dass der gesamte Streckenrest zum Kinderspiel wird und keinerlei Ansprüche mehr an die Kondition gestellt werden.

dsc_0319
Zugang zum Geiersteinplateau.
dsc_0333
Beginn des Geiersteinplateau.

Erstes Aha-Erlebnis ist der Hornstein, eine freistehende, dreiteilige Felsgruppe, die mit bis zu 30 Meter hohen Türmen in den Himmel ragt. Grandioser Pfad folgt den roten Wänden aus Buntsandstein und trifft oberhalb auf eine Ruhebank mit tollem Blick auf Lug und den kreuzbewährten Gipfel, der für die konventionellen Wanderer aber unerreichbar bleibt. Der Blick schweift über Lug zum gegenüberliegenden Friedrichsfelsen des Höllenberg, der im Westen an die Gemeinde grenzt. Der Anfang ist gemacht. Nun geht es Schlag auf Schlag. Die Felsdichte ist phänomenal hoch, unzählige kleinere Massive und versprengte Trümmer dekorieren den schmalen Pfad, der über einen Höhenweg zu den Geiersteinen führt.

dsc_0340
Ausblick von den Geiersteinen.
dsc_0356
Am vordersten Punkt der Geiersteine.

Es liegen so viele Felsen auf der ersten Hälfte, dass man nicht einmal für alle Namen gefunden hat. Die Geiersteine sind das größte Massiv dieser Wanderung und seit ihrer Erstbesteigung 1908 zu einer Ikone der pfälzer Kletterergemeinschaft geworden. Diese erklimmt auf über sechzig verschiedenen Wegen die Steilwände mit Höhen von bis zu 45 Metern. Die ausladende Felsterrasse ist für jedermann zugänglich und Garant für erhabene Ausblicke zum benachbarten Dimberg und zur Reichsburg Trifels über Annweiler. Wer hier im Frühjahr wandert, sollte sich unbedingt bei der >Nabu darüber erkundigen, ob der Felsen gesperrt ist, was schon mehrmals zwischen Februar und Juni wegen seltener Vogelbrut der Fall war. Über den Link bekommt ihr pünktlich zur neuen „Brutsaison“ die tagesaktuelle Liste aller betroffenen Felsen angezeigt.

dsc_0374
Toller Felsenpfad zum Runden Hut.

Ich verlasse das Spektakel und folge den Flanken endloser Felsketten, mit gelb leuchtenden Wänden voller Schwefelflechte. Ein schöner Aussichtspunkt garniert die Mitte der Verbindung zum Runden Hut, einem charismatischen Pilzfelsen, der das Ende der grandiosen ersten Hälfte einläutet. Mit ein paar Verrenkungen und etwas Wagemut gelangt man auch zu dessen Fuß, oberhalb befindet sich der letzte Aussichtspunkt dieser Wanderung, der zumindest was den Blick zum Trifels betrifft, sogar die Geiersteine übertrifft. Der Abstieg nach Lug fällt dafür etwas misslungen aus, führt nun ausnahmslos über unschöne Waldautobahnen zurück in den Ort und will qualitativ und landschaftlich so gar nicht zum Rest der Wanderung passen. Sehr schade! Zweieinhalb Kilometer später und kurz vor beginnendem Fußkrebs, erreiche ich die Ränder Lugs und gelange links der Kirche wieder zurück ans Auto.

dsc_0380
Aussichtspunkt zwischen Runder Hut und Geiersteine.

schilder_hoellenbergHalbtagesvariante: Da der zweite Premiumweg genau gegenüber der Luger Geiersteine-Tour verläuft, ist die Kombination denkbar einfach. Mit dem Verbindungsstück und der Höllenberg-Tour bringt man angenehme 16,5 Kilometer zustande. Zwei Möglichkeiten gibt es, um von ihr nach Lug abzusteigen, die einige hundert Meter vor und direkt am Friedrichsfelsen beginnen und deutlich ausgeschildert sind. Also keine Angst, man kann den Zubringer unmöglich übersehen. Bleibt einem nur noch die Wahl, in welchem Ort man startet. Für mich ist das Spirkelbach, das der vorgesehene Ausgangspunkt der Höllenberg-Tour ist, die ich mittlerweile bestens kenne und aus Gewohnheit im Uhrzeigersinn gehe.

dsc_0020
Am Kleinen Ferkelstein.
dsc_0034
Kleiner Kamin des Kleinen Ferkelstein.

Die Tour startet am Friedhof, der am Ortsrand gelegen, gerademal fünf Autominuten von Lug entfernt ist. Die Wanderung tut sich anfangs etwas schwer bis sie in Fahrt kommt, streift zu Beginn noch einmal die Sportplätze Spirkelbachs und entwickelt sich danach aber doch noch zu einem äußerst kurzweiligen Trip über den Höllenberg und seine Ausläufer. Mit 67 Erlebnispunkten etwas weniger wertgeschätzt als die Geiersteine-Tour, verläuft die Strecke dafür zu über 50 Prozent auf schmalen Pfaden, die schon im ersten Viertel einen bedeutenden Beitrag zur guten Laune leisten. Der Kleine Ferkelstein bereichert das Opening mit einem kompakten Felsen, samt kleinem Kamin und zweierlei Rastmöglichkeiten.

dsc_0113
Auf dem Klingelkopf.

Sein großer Bruder (Großer Ferkelstein), der nach einigen hundert Metern folgt, birgt die erste kleine Aussicht von seinem Felsplateau, das über einen minimalen Stichweg erwandert wird. Die Ausmaße des Massivs lassen sich allerdings nur erahnen. Nur wer rechterhand steil absteigt und den Kanten bis zum Anfang folgt, erhascht einen Blick auf die gewaltige Formation, die den Aufwand in jedem Falle lohnt, wie ich nach einem Selbstversuch zu berichten weis. Es folgt der Aufstieg zum Gipfel, der die einzige echte Herausforderung bleibt und geradewegs zum Klingelkopf führt. Während die Älpler vermutlich müde lächeln, gehen die 455 Höhenmeter dem Flachlandtiroler gehörig auf die Pumpe und so schwellt die Brust auch ein klein wenig an, sobald man den felsbesetzten obersten Punkt erreicht. Aussichten bleiben hier leider verwehrt.

dsc_0137
Ausblick von der Drachenfliegerschneise.
dsc_0139
Rastplatz auf der Drachenfliegerschneise.

Auf anderer Seite geht es sofort wieder bergab, mit knackigem Gefälle nach Westen und zum Drachenfliegerplatz: eine Narbe im sonst so dichten Wald, die den Nahblick auf Hauenstein ermöglicht und mit mehreren Bänken objektiv den schönsten Rastplatz stellt. Die Höllenberghütte, ein Schutzraum des Pfälzerwaldverein, markiert oberhalb der Schneise bereits den Abstieg. Von nun an geht es kontinuierlich hinunter, bis man schließlich über eine Nordostschleife zurück in den Ort gelangt. Dennoch warten noch zwei weitere, gesalzene Wegpunkte auf der letzten Hälfte, darunter eine echte sandsteinerne Berühmtheit.

dsc_0169
Am Luger Fritz. (Friedrichsfelsen)

Der Luger Fritz (Friedrichsfelsen) ist das unangefochtene Highlight und größte Massiv der Höllenberg-Tour und wie Rötzenfels oder Asselstein, Topadresse für Kletterbegeisterte. Von der gesicherten Aussichtskanzel blickt man geradewegs zum vorgelagerten Sandsteinturm, der mit seiner 59m hohen Südwand sowieso die höchste Formation um Lug, aber auch generell zu den höchsten der Pfalz gehört. Benannt nach seinen Erstbesteigern Friedrich Schenk (=Friedrichsfelsen) und Fritz Hörner (=Luger Fritz im Volksmund), zwei Kletterern aus Landau, die 1909 den Gipfel erreichten, ist er heute in den Sommermonaten fast immer mit Athleten bevölkert, die aus sicherer Entfernung ehrfurchtsvoll bestaunt werden dürfen.

dsc_0202
Am Höllenfels.
dsc_0199
Ausblick vom Höllenfels.

Der Höllenfels bildet den Abschluss und bietet fürs Finale einen kleinen Ausblick an, der aber gegen die vorangegangenen nicht anstinken kann. Auf der Ruhebank darf kurz vor Ende noch eine letzte Rast eingelegt werden. Da die Pfade längst erschöpft sind, führen nun breite Forstwege die letzten Kilometer vom Berg und münden in die Landstraße, die Spirkelbach mit Lug verbindet. Links von ihr, geht es die wenigen Meter zurück zu Parkplatz und Auto. Wer jetzt tatsächlich glaubt, ich ende ohne einen einzigen Ritterstein, irrt sich natürlich. Ab Parkplatz der Straße Richtung Lug folgend, zweigt nach 800 Metern ein Wirtschaftsweg nach rechts ab, der kurz darauf zu Ritterstein Nr. 182 – St. Pirmansborn führt. Eine Quelle abseits der populären Wanderwege, die im Mittelalter als Grenzmarkierung diente. Also nutzt die Gelegenheit: mit dem Auto eine Sache von nur anderthalb Minuten.

dsc_0152
Erste Verbindung zur Luger Geiersteine-Tour, 600m vor erreichen des Friedrichsfelsen.

Fazit: Die Luger Geiersteine-Tour gehört sicherlich zu den schönsten Kurzrunden im Pfälzerwald, ist aber zwiegespalten, durch den langweiligen Abstieg, der das krasse Gegenteil der perfekten ersten Hälfte ist. Alleine ist die Tour für Anreisende wohl kaum geeignet, in Kombination mit der Höllenberg-Tour entsteht hier aber eine der gehaltvollsten Halbtagestouren, mit überragenden Wegpunkten, Felsen am laufenden Band und tollen, pfadigen Passagen. Die Markierungen sind premiumweggewohnt lückenlos und unverlaufbar. Wer die Geiersteine-Tour einzeln geht, kann sich die Verpflegung sparen, im Doppelpack sollte der Rucksack aber gut gefüllt sein, zumal sich auf beiden Strecken keine Einkehrmöglichkeiten befinden. Danach kann sowohl in Lug als auch in Spirkelbach zünftig eingekehrt werden. Absolute Wanderempfehlung.

Bleibt wandern!

Patrick Scheller

 

Hat Dir der Beitrag gefallen? Dann gib mir ein „Like“ und oder zeig der Kommentarspalte ein wenig Liebe. Vielen Dank! Fragen, Anregungen oder Kritik? Dann wende Dich per email an mich: patrick_scheller@hotmail.com . Antwort kommt zu einhundert Prozent!

 

ÜBERSICHT

Ort: 76848 Spirkelbach / … Lug

Parkplatz:

am Friedhof > Höllenberg-Tour

an der Kirche > Geiersteine-Tour

Länge:

8 Kilometer > Höllenberg-Tour

6 Kilometer > Geiersteine-Tour

An- und Abstieg:

380 Höhenmeter > Höllenberg-Tour

250 Höhenmeter > Geiersteine-Tour

Karte: Östlicher Wasgau mit Bad Bergzabern (Blatt 8 Landesvermessungsamt -1:25000)

GPX-Track:

>Luger Geiersteine-Tour

>Spirkelbacher Höllenberg-Tour

>Geiersteine & Höllenberg-Tour (mit beiden Zuwegen kombiniert)

karte geiersteine & höllenberg-tour

 

 

7 Kommentare zu „Luger Geiersteine-Tour & Höllenbergüberschreitung

  1. Hallo Patrick, zwei wunderschöne Felstouren! Ich bin sie vor einigen Jahren während eines Herbsturlaubs gewandert und war begeistert. Seither bin ich immer wieder mal an den Geiersteinen unterwegs und liebe ihr Aussehen in den verschiedenen Jahreszeiten.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s