Burghalder-Weg

Logo Burghalder-WegDer Hauensteiner Sandstein-Adel gibt sich die Ehre. Der zehn Kilometer lange Lokalwanderweg führt mit eigener Markierung zu herausragenden Felsformationen südlich von Hauenstein und klammert konsequent die altbekannten Felsen der west- und östlich verlaufenden Premiumwege aus. Dabei stellt die Himmelsleiter zum Lanzenfahrter Felsplateau alles bekannte in den Schatten! Einzige Schnittmenge ist die Hütte Dicke Eiche, um genau zur Mitte hin, die Wanderer mit Kalorien zu versorgen. Natürlich reichern auch drei Rittersteine die Strecke an, die vom Wechsel zwischen bizarrem Buntsandstein und dem romantischen Stephanstal lebt. Im Weiher kurz vor Schluss darf sogar gepaddelt werden, die zweihundertfünzig Höhenmeter stellen niemanden vor Probleme.

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Am Lanzenfahrter Fels. (Nur ein kleiner Ausschnitt)
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Aufgang zum Lanzenfahrter Plateau.

Das Auto stelle ich auf dem Parkplatz des >Wasgaufreibad ab, das besonders im Sommer einen zusätzlichen Anreiz gibt. So könnte man nach erfolgreicher Halbtageswanderung, im Anschluss ein kühles Bad mit Blick auf die umliegenden Berge nehmen. Der Ort Hauenstein dürfte mittlerweile hinlänglich bekannt sein: Wandereldorado mit sieben Premiumwegen, mehreren Lokalwanderwegen und Herberge von Deutschlands erstem und einzigen Schuhmuseum, da der Ort wie Pirmasens und viele andere in der Region, früher bedeutender Standort der Schuhproduktion war.

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Himmelsleiter am Lanzenfahrter Fels.

Eine Schautafel informiert auf dem Parkplatz bei Bedarf noch einmal über die unzähligen Rundwandermöglichkeiten. Da ich aber weis wo ich hin will, verlasse ich den Ort zügig und folge dem Burghalder-Logo über Forstweg um das Freibad herum. Auf anderer Seite führt toller Pfad über den Hang stetig hinauf und endet in weniger als zwei Kilometern Entfernung bereits am Lanzenfahrter Fels: der erste Paukenschlag. Ein großes, langgestrecktes Felsmassiv mit bizarren Verwitterungsmustern und einer abenteuerlichen Stahlleiter, die beinahe senkrecht auf das winzige Aussichtsplateau führt und die des Hühnerstein auf dem Schusterpfad noch in den Schatten stellt. Nichts für schwache Nerven!

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Auf dem Weg Richtung Burghalder Fels.

Wir haben den zweiten Weihnachtsfeiertag, minus ein Grad Celcius und neblig: mit Aussicht ist heute also nicht zu rechnen, obwohl man von hier oben für gewöhnlich einen tollen Ausblick genießt. Ist mir natürlich völlig egal, da es ja um das Waldbad ansich geht und die fünf Kilo Christstollen nicht früh genug abtrainiert werden können. Der nächtliche Frost hat alles Holz in einen feinen Mantel aus Eiskristallen gehüllt, also hoffe ich zumindest auf stimmungsvolle Bilder. Der Pfad bleibt dankenswerterweise noch etwas erhalten und führt durch schöne Waldbilder Richtung Gipfel des Hohenkopf.

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Auf dem Burghalder-Plateau.
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Schlüsselstelle auf dem Burghalder. Springen oder nicht?

Der Berg, dessen Ausläufer alle weiteren Felsformationen trägt, wird allerdings nur um-  statt überschritten. Nach einer Weile zweigt ein vierhundert Meter langer Stichweg ab, der durch die makellose Markierung nicht zu übersehen ist und den ihr auf gar keinen Fall versäumen solltet, aus zweierlei Gründen. Erstens ist der Burghalder Fels ein kolossales Felsenriff mit breitem Plateau und toller Aussicht auf Hauenstein und die umliegenden Berge, zweitens ist er Burgstall. Also eine fast vollständig abgegangene Burgruine, von der lediglich ein Halsgraben und ein winziger Mauerzug erhalten ist. In ersterem findet sich Ritterstein Nr. 219 – Burghalder Fels/ Karolingische Fliehburg.

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Wie man sieht, sieht man heute nicht so viel.

Wer auf dem Plateau das Quentchen Mut mitbringt, kann per Sprung zum vordersten Punkt und mit ein wenig Klettern auch auf die Spitze gelangen. Was in Sachen Aussicht und Feeling nochmal eine ganze Schippe drauflegt. Vorgelagert ragt die Hauensteiner Puppe auf: Ein Felsturm, der mit dem Burghaldermassiv einen großen Kamin bildet. Die Silhouetten beider Felsen bilden zudem das Wegelogo ab. Ich wandere die vierhundert Meter wieder zurück zum eigentlichen Wegverlauf und umgehe den Gipfel des Hohenkopf. Der Felsen am Kurzen Dümpfel ist der vorletzte und glänzt mit Durchbruch und Pilzformation.

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Waldautobahn um den Hohenkopf.

Der Wolfsfelsen, auch Ebenfällter genannt, ist das letzte Massiv in der ersten Hälfte und herrlich anzusehen, aber in Größe und Form kein Vergleich zu den ersten beiden. Er eignet sich zudem mit Ruhebank auch für die Rast, die ich aber zugunsten der PWV-Hütte Dicke Eiche noch etwas verschiebe, da das Wanderheim ab hier nur wenige hundert Meter entfernt auf mich wartet. Wie (fast) alle Häuser des Pfälzerwaldverein kann hier Sams-, Sonn- und Feiertags eingekehrt werden, von Mai bis Oktober zusätzlich auch Mittwochs. Aufgetischt wird wie gehabt Pfälzer Landesküche und Kaffee und Kuchen. Die ideale Einkehrmöglichkeit auf halber Strecke!

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Felsen am Kurzen Dümpfel.
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Felsdurchbruch am Felsen am Kurzen Dümpfel.

Direkt an der Hütte folgt der Abstieg ins Stephanstal. Mit hartem Gefälle und über schönen Pfad gelange ich zur Quelle der Queich, die mit Kneippbecken und überdachtem Rastplatz den Eingang des Tals markiert. Ritterstein Nr. 214 mit Namen Queich-Ursprung steht direkt am Wegrand und misst dem kleinen Flüsschen die angemessene Beachtung bei. Die Queich zählt neben Speyerbach, (Wies-)Lauter und Schwarzbach zu den vier großen Entwässerungssystemen des Pfälzerwald und begibt sich von hier auf eine einundfünzig Kilometer lange Reise, staut im Stephanstal zwei kleine Wooge und den Paddelweiher und mündet schließlich bei Germersheim in den Rhein.

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Am Wanderheim Dicke Eiche. Eine „Hütte“ des Pfälzerwaldverein.

Breite, ebene Waldautobahn führt mich danach schon wieder auf den Rückweg zum Auto und zum kurz vor Hauenstein gelegenen Paddelweiher. An dessen Beginn steht der dritte und letzte Ritterstein Nr. 218 – Ruine Karolingisches Gehöft. Ein Hinweis auf einen ehemaligen Bauernhof, der als Außenposten des Kloster Hornbach im 8. Jahrhundert an gleicher Stelle entstand. In der angrenzenden >Hütte am Paddelweiher kann nochmalig kurz vor Ende eingekehrt und in den Sommermonaten auch Tretboote geliehen werden. Für nähere Informationen zu Öffnungszeiten, Speisekarte und für weitere Bilder klickt ihr bitte auf den Link. Durch die Ränder Hauensteins gelange ich schließlich wieder an den Ausgangspunkt und umrunde kurz vor Schluss noch einmal den Burghalder Fels mit Blick auf die Hauensteiner Puppe.

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An der Queichquelle im Stephanstal.
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Im Stephanstal.

Fazit: Eine tolle und kurzweilige Runde, die fernab von Hauensteins populärsten Massiven Backel- und Hühnerstein zu herausragenden Felsformationen führt. Absoluter Hit ist der Lanzenfahrter Fels mit seiner Himmelsleiter. Jede Menge exquisiter und abwechslungsreicher Wegpunkte werten die Runde auf, auch wenn die Tour deutlich mehr Forstweg als Pfad aufweist. Für jeden, der nicht wie ich unter Pfadfetischismus leidet, ist das aber fast egal. Wer zu den Öffnungszeiten die beiden Hütten ansteuert, kann sich die Rucksackverpflegung getrost sparen. Die Markierung ist lückenlos und unverlaufbar, die Anstiege schön verteilt und nicht der Rede wert. Absolute Wanderempfehlung.

Bleibt wandern und ein frohes neues Jahr, euch allen!

Patrick Scheller

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Ritterstein Nr. 219

Tipp: Für wen Hauenstein noch ein unbeschriebenes Blatt ist oder die Region noch nicht vollständig erschlossen hat, sei zu einer Wanderung auf den folgenden sechs Premiumwegen geraten, die ich euch unten per Artikellink bereitstelle. Zusätzlich könnt ihr euch den Flyer zu allen sieben Premiumwegen über den nachfolgenden Link downloaden: >Flyer Hauensteiner Premiumwege

>Spirkelbacher Höllenberg-Tour ( 9km / 380Hm )

>Rimbach-Steig ( 17km / 830Hm )

>Dimbacher Buntsandstein-Höhenweg ( 10km / 550Hm )

>Hauensteiner Schusterpfad ( 15km / 250Hm / 1 Ritterstein )

>Hinterweidenthaler Teufelstisch-Tour ( 10km / 380Hm )

>Wilgartswieser Biosphären-Pfad ( 8km / 340Hm / 2 Rittersteine )

 

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ÜBERSICHT

Ort: 76846 Hauenstein

Parkplatz: am Wasgaufreibad (Backelsteinstraße)

Länge: 10,1 Kilometer

An- und Abstieg:  250 Höhenmeter

Karte: Östlicher Wasgau mit Bad Bergzabern (Blatt 8 Landesvermessungsamt – 1:25000)

GPX-Track: >Burghalder-Weg

Karte Burghalder-Weg

4 Kommentare zu „Burghalder-Weg

  1. Hallo Patrick, frohes neues Jahr!
    Der Jahresstart auf deinem Blog ist ja echt gelungen mit dieser Tour 🙂 Mal sehen, ob ich mich bei der nächsten Gelegenheit mit schönem Wetter an die Leiter traue…die Tour wird auf jeden Fall gegangen.
    Liebe Grüße,
    Andrea

    Gefällt 1 Person

  2. Hallo Patrick,

    zunächst mal alles Gute für das neue Wanderjahr. UNd gleich wieder ein interessanter Bericht über eine schöne Wanderung. Hört sich gut an. Mit dem Wetter hattest du ja wohl Glück.

    Ich freue mich auf viele weitere „gemeinsame“ Wanderungen“.

    Liebe Grüße
    Harald

    Gefällt 1 Person

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