Karlstal-Rundwanderweg

Dieser 15,5 Kilometer lange Rundwanderweg führt ohne große Anstrengungen durch die mit maximalem Abstand schönste Klamm des Pfälzerwald, die Karlstalschlucht bei Trippstadt. Das Barockschloss des Freiherrn von Hacke, die Ruine der Wilensteiner Hausburg, ehemalige Hammerwerke aus dem 18. Jahrhundert und ein kurzer Teil des pfälzer Jakobsweges runden mit den stillen Wäldern hinter Oberhammer den Halbtagesspaß ab. Mit dem Cafe am Unterhammer, Johanniskreuz und der Gastronomie Trippstadts stehen genügend Einkehrmöglichkeiten zur Verfügung. Auf der Strecke können zudem gleich drei Rittersteine gesammelt werden.

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Trippstadter Schloss

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Wappen des Freiherrn von Hacke.

Zugegebenermaßen ist dieser Artikel nicht ganz neu, dafür aber komplett überarbeitet, mit neuen Bildern, Route und Karte. Das Auto ist in Trippstadt, direkt vor dem Schloss geparkt. Der Luftkurort gehört zum Landkreis Kaiserslautern und liegt etwa 15km vor den Stadttoren, mitten im Pfälzerwald. Das Barockschloss ist jetzt nicht gerade das „Pfälzer Versailles“, aber sehr schön anzuschauen. Über dem Portal findet sich das Wappen des Erbauers und seiner Gemahlin: Freiherr von Hacke und Amönia von Sturmfelder, die lokalen Größen früherer Jahrhunderte und er Jägermeister der Herrschaft Wilenstein, zu deren Burg ich später noch gelange. Das Schloss ist seit Ende der 1980er Jahre Sitz der Forstlichen Versuchsanstalt Rheinland-Pfalz, kann also leider nicht besichtigt werden.

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Schlosspark

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Kälber auf den Wiesen nahe des Schlosspark.

Einen Steinwurf daneben grenzt das Rheinland-Pfälzische Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen an, sowie die barocke Kirche St. Josef, die 1752 ebenfalls von Hacke erbaut wurde. Das Innere ist für jedermann zugänglich und beherbergt das Steinepitaph, das Hacke selbst, 1783 als künftiges Familiengrabdenkmal errichten lies. Das Interieur kommt allerdings weniger barock daher. Soll heißen: Putten, Marmorverkleidungen und Blattgold sucht man hier vergebens. Ich umrunde den Bau und gelange in die 4 Hektar große Gartenanlage auf der Rückseite des Schlosses, mit akurat geschnittenen Buchsbäumen, Brunnen und einigen seltenen Bäumen, wie Bergahorn oder Kanadische Helmlocktanne.

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Abstieg ins Karlstal.

PWV-Kreuz-GrünGelbMein Logo führt mich entlang der Parkmauer auf meinen Wanderweg (gelbgrünes Kreuz), der danach über eine ausgedehnte Weidefläche hinab ins Karlstal und das ehemalige Jagdrevier der Wilensteiner führt. Auf dem Weideland grasen abwechselnd mehrere Pferde und Rinderherden mit sehr vielen Kälbern, die im Schutze ihrer Muttertiere auf der Wiese liegen und das saftige Grün genießen. Ich schaue mir eine Weile die friedlichen Tiere an, die mir freundliche Blicke zuwerfen und mit den hundertfachen Atem- und Kaugräuschen fast schon eine beruhigende Melodie kreieren.

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Burg Wilenstein

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Burg Wilenstein

Ich gelange geradewegs zur Burg Wilenstein, die ich über einen kurzen, ansteigenden Teerweg erreiche. Der Ort dient heute als Schullandheim und kann deshalb nur in Teilen besichtigt werden. Die Ruine ist keine ausgewiesene Schönheit, der noch vorhandene Rest ist allerdings recht stattlich, steht aber auf relativ kleiner Fläche. Friedrich Barbarossa soll die Burg gegründet haben, zu allem anderen gilt: Genaues weis man nicht. Ich steige rechts über kurzen Pfad hinab zur Wilensteiner Mühle, die heute unter Klug’sche Mühle bekannt ist und als Ausflugslokal den Massen von Wanderern dient, die besonders an Wochenenden in Scharen anreisen. Der Ort wird ebenso Mittelhammer genannt: ein Verweis auf das ehemalige Hammerwerk des 18. Jahrhunderts, von dem das langgestreckte Hallengebäude gegenüber stammt.

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Klugsche Mühle und Halle des Hammerwerk.

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Mittelhammer: denkmalgeschütztes Hammerwerk aus dem 18. Jh..

Was folgt ist der vielleicht schönste Wanderkilometer der Pfalz. Entlang der Wegnarbe erklären einige Schilder die Besonderheiten vor Ort in deutsch und englisch. Die letzte Rechtskurve überwunden, steht man vor den ersten beiden Holzbrücken, über die man die folgenden Meter mehrmals die Moosalbe überquert, die einem durch die Schlucht entgegenfließt. Links und rechts des schmalen Pfades sind die Hänge mit unzähligen, moosbewachsenen Felsen übersäht – ein Meer von kleinen und größeren Sandsteinbrocken. Ein wahrer Augenöffner!

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Beginn der Karlstalschlucht.

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Beginn der Karlstalschlucht.

Ein Anblick den schon Könige genossen, wie die Plakette zu Beginn informiert: Mitte des 19. Jahrhunderts unternahmen König Ludwig I. von Bayern, der Großherzog von Hessen und die Erzherzogin von Österreich die Wanderung zum Pavillon, dessen Nachfolgebau noch heute die Mitte der Klamm markiert. Der alte Baumbestand, die vielen Gesteinsbrocken und das langsam fließende Wasser der Moosalbe, das seinen Höhepunkt in vielen kleinen Wasserfällen findet, sorgt bei den hoffnungslosen Romantikern schonmal für die ein oder andere Schnappatmung.

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In der Karlstalschlucht.

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In der Karlstalschlucht.

logo-und-markierung-pfaelzer-waldpfad.pngLeider ist das Spektakel viel zu schnell vorüber und so steige ich schon wenig später völlig reizüberflutet am Oberhammer, einem weiteren ehemaligen Hammerwerk mit angrenzendem See, aus der Schlucht und folge dem Logo des Pfälzer Waldpfad Richtung Johanniskreuz. Von nun an geht es stets parallel zur Moosalbe durchs gleichnamige Tal, bis zu ihrem Ursprung. Ein schönes Wegstück, dass nur die wenigsten Wanderer nutzen, während es im Karlstal doch recht überfüllt war, wie gewohnt. Ich treffe bald auf den ersten von drei Rittersteinen heute. Ritterstein Nr. 124 mit Namen Amoenenhof markiert die Stelle eines ehemaligen Bauernhofes, den Hacke erbauen lies und nach seiner Mutter, Amöna Maria Karolina benannte. Ritterstein Nr. 102Moosalbursprung 40 Schritte ist der Hinweis auf die Moosalbquelle, die wie der Stein schon sagt, vierzig Schritte entfernt entspringt.

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Kurz vor Oberhammer.

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Am Pavillon im Karlstal.

Schon wenig später treffe ich auf Johanniskreuz, nördlich der Frankenweide, wo sich die Grenzen der Landkreise Bad Dürkheim und Kaiserslautern treffen. Der Name geht auf den Ritter Johannes von Wilenstein zurück, der 1269 widerrechtlich in das Wegekreuz der Hohenecker Herrschaft sein Wappen zur Grenzmarkierung meißeln lies. Von des „Herrn Johanns Creutz“, das seit 1551 urkundlich belegt ist, ist nur noch wenig erhalten. Heute finden sich dafür zwei neuere Kreuze direkt daneben. Außerdem steht hier ebenfalls der dritte und letzte Ritterstein Nr. 111, mit Namen Johanniskreuz, der ein Hinweis auf die eben erzählte Geschichte ist. Der Ort bietet auch verschiedene Einkehrmöglichkeiten, die allerdings besonders in den Sommermonaten extrem beliebt sind und Treffpunkt von aberhunderten Bikern ist. (Keine Übertreibung!)

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Spektakuläre Trümmerlandschaft im Karlstal.

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Trümmerfeld im Karlstal.

PWV-Kreuz-GrünGelbIch nutze den Ort für eine kurze Verschnaufpause, bevor ich mich nun wieder über das grüngelbe Kreuz auf das letzte Wegstück, zurück in den Ort begebe. Die Strecke verläuft hier anfänglich sehr nahe zur Landstraße, was zu deutlichen Geräuschen führt. Auch wird der Weg nun niemals mehr die Qualität der ersten Hälfte erreichen, was allerdings nach der Schlucht auch fast unmöglich scheint. Über Forstwege überschreite ich den Großen Rothenberg, der mir eventuelle Aussichten verweigert und gelange südöstlich von Trippstadt zum Sägmühlweiher, einem Badesee mit Gastronomie. Ab hier erreiche ich innerhalb weniger Minuten über einen kleinen Anstieg die Ausläufer der Gemeinde und wandere durchs Zentrum zurück zum Schloss.

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Ritterstein Nr. 111 – Johanniskreuz

Fazit: Eine schöne Halbtagestour, die ihre Highlights in der ersten Hälfte versammelt. Das Karlstal zählt zu den Top-Sehenswürdigkeiten im Pfälzerwald und ist ein Muss für jeden Natur- und Pfalzliebhaber. Bei kaum vorhandenem Pfad und fehlenden Wegpunkten, ist die zweite Hälfte eher wenig erlebnisreich. Einkehrmöglichkeiten gibts reichlich, für Sammler steigern gleich drei Rittersteine die Attraktivität. Verlaufen, sofern man sich an die Logos hält, kann man sich eigentlich nicht, zumal Trippstadt zu den herkömmlichen Baummarkierungen auch Schilder installiert hat. Verpflegung ist Pflicht, die große Speicherkarte für die Kamera schadet nicht. Absolute Wanderempfehlung.

Bleibt wandern!

Patrick Scheller

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Unterhammer

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Blick zum Cafe am Unterhammer.

Tipp: Wer unterwegs sämtliche Einkehrmöglichkeiten ausgelassen hat, aber nach der Tour noch gerne etwas essen oder einen Kaffee trinken möchte, dem sei zu einem Besuch des >Unterhammer geraten. Der fünfteilige Gebäudekomplex steht unter Denkmalschutz und ist malerisch und umgeben von Bergen, an einem See gelegen. Über obigen Link könnt ihr euch über Anfahrtsweg und Öffnungszeiten des Cafes informieren.

 

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ÜBERSICHT

Ort: 67705 Trippstadt

Parkplatz: am Schloss

Länge: 15,5 Kilometer

An- und Abstieg: 240 Höhenmeter

Karte: Vom Johanniskreuz bis Pirmasens (Blatt 5 Landesvermessungsamt – 1:25000)

GPX-Track: >Karlstal-Rundwanderweg

Karlstal Rundwanderweg

 

 

18 Gedanken zu “Karlstal-Rundwanderweg

  1. samojedenerlebnisse schreibt:

    Ja! Wasser, Felsen, Rittersteine, Geschichte…mal wieder genau mein Beuteschema. Und die tollen Bilder!
    Aber Patrick, wenn du so weitermachst mit Wandervorschlägen die mich immer total reizen, dann werd ich ja mit meinem Kapellen-Weg nie fertig…immer kommt mir was dazwischen 😉
    LG Andrea

    Gefällt 2 Personen

  2. gsharald schreibt:

    Hallo Patrick,

    ich kann dir nur Recht geben was die Schönheit des Karlstales angeht. Du berichtest von vielen Wanderern. Offensichtlich hattest du aber das Glück relativ alleine unterwegs zu sein. Das Schloss kenne ich auch nur vom Vorbeigehen. Dein Bericht bringt aber die Anregung auch den Schlossgarten zu besichtigen. Auch die Karlstalschlucht habe ich noch auf meiner Liste. Ich muss die Strecke zwar ein bisschen kürzen aber das geht bestimmt.

    Liebe Grüße Harald und einen schönen Tag.
    Harald

    Hast du übrigens schon mal davon gehört? http://www.trippstadt.de/entdecken/trippstadter-brunnenstollen.html

    Gefällt 2 Personen

    • Patrick Scheller schreibt:

      Hallo Harald. Das täuscht auf den Bildern. Da ist immer was los. Ich hab mir nur angewöhnt, die stark frequentierten Orte unter der Woche und relativ früh anzufahren. Und falls das nicht hilft, warte ich so lange, bis niemand mehr im Bild steht. 😋 Zu deiner kürzeren Strecke: Du kannst ja am Schloss starten und gehst über Unterhammer nach Mittelhammer und dann durch die Karlstalschlucht. Auf gleichem Weg zurück, dann kannst du es unter Stippvisite abhaken. Dürften dann so 6 Kilometer sein. Falls du eine Karte brauchst, sagst du mir nochmal bescheid.

      LG Patrick

      PS: Den Brunnenstollen kannte ich noch nicht. Danke für den tollen Tipp!

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    • Patrick Scheller schreibt:

      Hallo Elke, ja da hast du recht. Die Schlucht solltest du wirklich besuchen, wenn du in der Pfalz bist. Da kann man nichts verkehrt machen! Freut mich, dass ich dir ein paar Anreize geben kann. Bin außerdem gerade dabei, meine selbstgebauten Wanderungen mit GPX-Track auszustatten, was es glaube ich nochmal einfacher macht, die Wanderungen nachzulaufen. Findest du dann in den Übersichten.
      LG Patrick
      PS: Du darfst mir gerne noch ein Like hinterlassen. 😉 😀

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