Festungsweg – Route Vauban

2644_1837_1_mHeute gebe ich euch einen Wandertipp der ganz besonderen Art. Wer mit dem Auto über die A65 in die Südwestpfalz reist, um tief in die Eingeweide des Pfälzerwald einzudringen, wird spätestens vor Landau mit dem braunen Autobahnschild „Festung Landau“ konfrontiert, das ein Beleg für die Größe und Bedeutung der einstigen französischen Barockstadt ist, die Vauban, der Baumeister des Sonnenkönigs zum wehrhaften Bollwerk gegen die Rheinlande ausbaute. Der Festungsbauverein hat nun zusammen mit Landau einen brandneuen Rundweg entwickelt, der die reichhaltigen Überreste, die sich über den gesamten Stadtkern verstreuen, aufgreift und erklärt. Eine 7,6 Kilometer lange Wanderung durch sechs Parkanlagen und den historischen Stadtkern.

Einlassschleuse

Einlassschleuse und Schleusenhaus.

Geschichte

Landau in der Pfalz hat schon im Mittelalter eine bedeutende Stellung eingenommen. Bereits 1274 erlangte sie durch König Rudolf von Habsburg das Stadtrecht und gehörte ab 1521 zum Zehnstädtebund des Elsass. Der Dekapolis oder Decapole genannte Bund, war eine Vereinigung freier Reichsstädte mit dem Ziel, sich gegenseitig bei der Verteidigung ihrer Rechte und Freiheiten zu helfen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg und dem Westfälischen Frieden fiel die Stadt an Frankreich und Ludwig XIV.. Unter dem Sonnenkönig wurde sie zur schwer befestigten Garnisonsstadt ausgebaut. Federführend war Sebastien Le Prestre de Vauban, eine französische Legende: Ludwigs Festungsbaumeister, der es bis zum General und Marschall von Frankreich brachte.

Deutsches Tor

Deutsches Tor: eins von zwei Festungstoren.

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Relief über dem Torbogen. Darin der Wahlspruch des Sonnenkönigs: „Auch einer Mehrzahl überlegen.“

Die alten Stadtmauern wurden in der Folge niedergerissen und mit 14000 Arbeitern eine neue Verteidung geschaffen, die nach Fertigstellung von 4095 Mann Infantarie und 240 Mann Kavallerie geschützt wurde. Auch wurden neue, breitere Straßen gebaut, die dem Stadtkern ein neues Aussehen verliehen und bis heute bestehen. Trotz  Erweiterungen durch ein zusätzliches Kronwerk und Sternfort, fiel die Stadt im Spanischen Erbfolgekrieg viermal hintereinander an die jeweiligen Belagerungsarmeen. Danach noch einmal durch Vorwerke und Minenstollen verstärkt, hielt sie den Preussen schließlich während der Napoleonischen Kriege, bei der Belagerung 1793 stand. Nach Napoleons Abdankung fiel Festung und Stadt Landau an das Königreich Bayern und verlor 1867 letztlich ihre Bedeutung, als sie zum Depotplatz herabgestuft wurde.

Bastion

Nordwestliche Bastion des Forts.

Heutiger Zustand

Neben den Aufmarschstraßen sind von den ehemals 198 Bauten eine beachtliche Zahl noch immer erhalten. Der ehemalige Exerzierplatz ist heute der Rathausplatz. Alte Gebäude, die während der Festungszeit umfunktioniert wurden, sind heute wieder ihrer usprünglichen Bestimmung zugeführt. Beispielsweise wurde das Augustinerkloster als Zeughaus genutzt. Andersherum gilt das allerdings ebenso. So ist die ehemalige Kommandantur das jetzige Rathaus, die Armeeunterkünfte in der Roten Kaserne gehören heute zum Gebäudekomplex der Universität Koblenz-Landau. Der größte, zusammenhängende Teil ist das ehemalige Fort, deren Wallmauern immerhin noch eine Länge von drei Kilometern erreichen. Die eigenständigen Außenwerke wie Lunettes und Ravelins stehen über den Stadtkern verstreut. Zu den eindrucksvollsten und sichtbaren Relikten gehören neben den Ein- und Auslassschleusen auch die beiden Festungstore mit den Wappenreliefs des Sonnenkönig.

Siftskirche

Stiftskirche

Der Weg

Um die Festungsreste Landaus sichtbar und dem Tourismus zugänglich zu machen, wurde 2017 das Festungsleitsystem Route Vauban installiert: Ein fast acht Kilometer langer Rundweg, der neben der Altstadt auch durch Luitpold-, Schiller-, Goethe-, Ost-, Nord- und Savoyenpark führt. Man bekommt also auch etwas Grün serviert. Das eigens entwickelte Logo führt einen dabei zielsicher durch die Häuserschluchten. Aktuell stehen acht Stahlstelen mit Infotafeln an den bedeutendsten Bauwerken und geben dort einen kurzen geschichtlichen Überblick. Wer nahe des Hauptbahnhof parkt, kann sich im gegenüberliegenden Archiv und Musem oder in der Touristinformation am Rathaus den Printfaltplan ergattern, der dort kostenlos ausliegt. Meine erste Wahl; wer sich mit der PDF-Datei zufrieden gibt, klickt einfach auf die nachfolgenden Links: >Broschüre „Route Vauban“ / >Stadtkarte „Route Vauban“

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Rathausplatz (Exerzierplatz) mit Rathaus in der Mitte (Kommandantur).

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Auf dem Rathausplatz Landaus.

Angebote

Der Festungsbauverein Landau – Les amis de Vauban e.V.  ist bemüht, die Geschichte der Festung bei Tages- und Laternenführungen elebnisreich abzubilden. Dabei werden Festungsteile zugänglich gemacht, die der Öffentlichkeit sonst verschlossen bleiben, beispielsweise per Untergrundführung durch die Lunette 41. Aber auch Führungen durch die Altstadt bietet der Verein an, der erst vor vier Jahren gegründet wurde und schon über 14000 Besucher beglückt hat. Die Homepage informiert über deren Ausgrabungsfunde, aktuelle Veranstaltungen und die Führungstermine: >Festungsbauverein Landau

Marienkirche

Marienkirche

Fazit: Weshalb komme ich jetzt damit? Ich finde sieben Kilometer Wegstrecke, noch dazu ebenerdig, sind perfekt für die Wintermonate geeignet, zumal man automatisch auf den Rathausplatz trifft, der in der Adventszeit einen der größten und schönsten Christkindelsmärkte in der Pfalz beherbergt. So hat man die Möglichkeit, nicht nur die wunderschöne Altstadt Landaus, mit ihren Mittelalter-, Renaissance- und Barockhäusern zu erkunden, sondern nimmt gleichzeitig noch etwas Grün und pfälzische Kulturgeschichte mit, mit einem Pragerschinkenbrötchen und Glühwein zum Abschluss. Ich finde das klingt doch recht einladend!

Bleibt wandern!

Patrick Scheller

 

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ÜBERSICHT

Ort: 76829 Landau in der Pfalz

Parkplatz: mehrere ausgeschilderte Parkhäuser (wer die Printbroschüre haben möchte, sollte an der Festhalle in Bahnhofsnähe oder am Rathausplatz parken)

Länge: 7,6 Kilometer

Karte Route Vauban

 

5 Gedanken zu “Festungsweg – Route Vauban

    • Patrick Scheller schreibt:

      Hallo Harald. Danke für dein Feedback. Germersheim hab ich jetzt noch nicht besichtigt, aber die kommt auf jeden Fall noch dran. Hab Ende letzten Monat noch zwei Lokalwanderwege veröffentlicht, in Rinnthal. Jeweils um die 7km mit der Jungpfalzhütte. Vll ist da noch was für dich dabei. Meine mich erinnern zu können, dass du es _aktuell_ eher kürzer magst.
      LG Patrick

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