Rinnthaler Höhen- & Hüttenweg

Für die vermutlich letzte Wanderung 2018 kombinieren wir zwei Lokalwanderwege zu einer Halbtagestour mit 14 Kilometern Länge und 552 Höhenmetern. Sie führt von Rinnthal und vor den Stadttoren Annweilers, zu mächtigen Felsen und grandiosen Aussichtspunkten. Von der Sandsteinbastion Buchholzfels erleben wir den Traumblick zur Reichsfeste Trifels, über den Rindsberggrat erreichen wir den kleinen Wackelstein. Willi-Metzger- und Grimmeisenpfad bereichern den ohnehin schon hohen Pfadanteil, die Jungpfalzhütte, eine der schönstgelegenen Häuser im Pfälzerwald, bietet vor dem Abstieg die perfekte Möglichkeit zur Einkehr. Sammler können gleich zwei naheliegende Rittersteine durch kurze Stichwege erreichen.

DSC_0044

Auf dem Mühlenfelsplateau.

Das kleine Rinnthal, unter der B10 gelegen und zu allen Seiten von Bergen umgeben, kommt gerademal auf 670 Einwohner und wird von Kosten- und Buchholzfels flankiert. Der Ort gehört zur Verbandsgemeinde Annweiler, die Stadt selbst ist nur einen Katzensprung entfernt. Wir parken im Ortskern, gegenüber der außergewöhnlich schönen Kirche, dem Schmuckkästchen der Gemeinde und die einzige klassizistische Kirche in der Südwestpfalz. Der bayrische König Ludwig I. höchstselbst, hat den Bau mit seiner Privatschatulle mitfinanziert. Sie zählt heute nicht nur zu den bedeutendsten Kirchenbauten in der Pfalz, sondern ist auch eine der wenigen vollständig in diesem Baustil gehaltenen Kirchen in der Bundesrepublik! Das Innere präsentiert sich noch immer im Originalzustand der 1830er Jahre.

DSC_0114

Traumpfad entlang der Wände des Buchholzfels.

DSC_0124

Am Buchholzfels.

Logo Höhenweg Rinnthal

Eine Schautafel informiert gegenüber über das üppige Wanderwegenetz: Der Ort ist Ausgangspunkt von gleich sieben Lokalwanderwegen mit eigener Markierung, die sich zwischen 3 und 14,5 Kilometern Länge bewegen und Themen wie die Holztrifftanlagen oder die alten Römerstraßen im Norden aufgreifen. (zum >Flyer) Wir starten mit dem Höhenweg und laufen im Uhrzeigersinn, was den Vorteil hat, dass wir die Hütte für die Einkehr als letztes erreichen. Die Geräusche der Bundestraße sind im ersten Streckenviertel deutlich wahrzunehmen, danach wandert man in großer Abgeschiedenheit und Stille, was für beide Rundwege gilt.

DSC_0086

Auf dem Felsbalkon des Buchholzfels. Man kann sie gerade noch erkennen, die Silhouetten der Annweiler Burgentroika.

Ein minimales Stück Forstweg geht alsbald in Traumpfad über, der uns (Achtung) bis kurz vor den Ort erhalten bleibt: phänomenal! Gleich zu Beginn geht es ausnahmslos bergauf, was unsere Waden sofort auf Betriebstemperatur bringt. Dachten wir eben noch bei der Witterung unmöglich ins Schwitzen zu kommen, werden wir doch eines Besseren belehrt. Erster Halt ist das kleine Plateau des Mühlenfels, der gegenüber der Kirche aus dem Berg herausragt und über einen kurzen Stichweg erreicht werden kann. Allerdings bietet der Aussichtspunkt durch dichten Bewuchs nur eingeschränkt Ausblicke in zwei Richtungen.

DSC_0142

Auf dem Rindsberggrat.

Vor dem Rechtsknick auf den Gipfelkamm des Rindsberg, zweigt eine kleine Ehrenrunde zum Buchholzfelsen ab, der uns deutlich mehr zu begeistern weis: Ein ausladendes, in die Länge gestrecktes Buntsandsteinmassiv in 385m Höhe, das auf dem östlichen Ausläufer des Rindsberg thront. Über steinerne Treppen erreichen wir den Felsbalkon mit 35m hohen Steilwänden, der über dem Queichteil liegt und den Traumblick zum Annweiler Burgenensemble garantiert, das uns hier genau gegenüber liegt. (Gutes Wetter vorausgesetzt.) Der Traumblick bleibt uns allerdings verwehrt, da um 10 Uhr noch alle Berge im dichten winterlichen Nebelkleid lagen: schade.

DSC_0152

Rindsbergsolitär auf dem Gipfel.

Rechterhand der bizarren Sandsteinwände und Überhänge vollenden wir das kurze Sahnestück und treffen wieder auf die eigentliche Wegstrecke. Über einen lang anhaltenden Kammweg überschreiten wir den Rindsberggrat mit seinen unzähligen Grenzsteinen und treffen an dessen Ende auf zwei Solitärfelsen. Ein tolles Wegstück! Letzterer, Wackelstein genannt, ist einer von über einem Dutzend Tischfelsen im Wasgau und die Miniaturausgabe des berühmten Teufelstisch in Hinterweidenthal. Hier hat die Erosion über die Jahrhunderte das weichere Gestein herausgewaschen und lediglich einen kleine Verbindung erhalten, die die große Steinplatte trägt. Eine Ruhebank bietet unterhalb die Möglichkeit zur ersten Pause, mit kleiner aber feiner Aussicht.

DSC_0164

Andy stützt die Tischplatte des Wackelstein.

DSC_0172

Am Wackelstein.

Logo Hüttenweg RinnthalÜber teilweise äußerst steilen Pfad steigen wir danach schon wieder ab. Über das Tal der Generationen, einem Seitenarm des Qeichtal mit Abenteuerspielplatz für die Kleinen, gelangen wir schließlich zurück in den Ortskern und beenden die erste, äußerst kurzweilige und launige Rundtour. Auf anderer Seite führt uns ein kurzes Sträßchen unter der B10 hindurch, das danach in die eigentliche Strecke des Hüttenweg mündet und den Kostenfels passiert, der beim Bau des gleichnamigen Tunnels seine Felsnase verlor. Anfänglich erneut breite Waldautobahn, danach wieder durchgängig Pfad: reiner Sohlensex.

DSC_0180

Ruheposten mit (eigentlich) schöner Aussicht am Wackelstein.

Hoch über dem Gräfenhauser Tal geht es über die Flanke der Immenteichhalde Richtung Kehrenkopf. Endlose Traumpfade graben sich durch das Bergmassiv und führen anfänglich ausnahmslos bergan. Schließlich müssen wir die eben verlorene Höhe wieder gutmachen. Vor dem Gipfel biegen wir rechts ab und folgen dem ebenen Grimmeisenpfad zur Wegkreuzung kurz vor der Hütte. Die Sammler folgen hier dem blauen Balken geradeaus, zum gerade einmal sechs Minuten entfernt gelegenen Ritterstein Nr. 228, mit Namen Holderquelle. Ein kurzer Abstecher der sich allemal lohnt und eine tragische Geschichte offenbart.

DSC_0192

Erster Abstieg nach Rinnthal.

Die in Sandstein gefasste Quelle wurde 1913 errichtet und nach Heinrich Holder benannt, der Mitbegründer und Vorsitzender der Ortsgruppe Annweiler des Pfälzerwaldverein war. Am 24.07.1908 ist er mit seinem Freund und Seilschaftspartner Albert Grimmeisen, beim Bergsteigen am Wetterhorn im Berner Oberland tödlich verunglückt. Beiden hat der Pfälzerwaldverein durch ihre Rittersteine ein Denkmal gesetzt und nach dem Tode wieder vereint. Da zu Beginn des Grimmeisenpfad Ritterstein Nr. 184 mit Namen Grimmeisenpfad steht und dieser Adels- und Almersberg miteinander verbindet, stehen sich heute beide Steinmarken und somit die Freunde wieder gegenüber: schöne Geste!

Ich möchte nicht im Tal verderben, den letzten Blick beengt von Zwang. Auf einem Berge möcht ich sterben, beim goldnen Sonnenuntergang. – Heinrich Holder

DSC_0214

Traumpfad zum Kehrenkopf.

DSC_0227

Auf dem Grimmeisenpfad Richtung Hütte.

Wir lassen Schutzhütte und Rastplatz an der Holderquelle zugunsten der nahegelegenen Jungpfalzhütte links liegen und wandern zurück zur letzten Kreuzung. Das Haus ist in Windeseile erreicht und gehört zweifelsfrei zu den schönstgelegenen im Pfälzerwald. Durch Baumhaus und Spielplatz ist der Ort auch Anziehungspunkt für Familien mit Kindern. Von der in 468m Höhe gelegenen Terrasse erlebt man bei deftiger pfälzer Kost einen schönen Ausblick auf die Annweiler Berge. Aber Vorsicht: Da die Hütte nicht zum Verbund des Pfälzerwaldverein gehört, sondern dem Jugendpflegeverein Jung-Pfalz untersteht, hat sie nur Sams- und Sonntags geöffnet. Aktuelle Änderungen und nähere Informationen könnt ihr dem >Link entnehmen.

DSC_0235

An der Holderquelle. – Ritterstein Nr. 228

Wir nutzen den Ort für die zweite und letzte Rast und genießen den Blick auf die gegenüberliegenden Bergketten, da sich die graue Suppe aus Nebel endlich verzogen hat. Danach steigen wir final über schönen schmalen Pfad ab, der mit starkem Gefälle zurück ins Tal und in den Ort führt. Lediglich die Jungpfalzhütte und die Holderquelle, sofern man den Stichweg in Kauf nimmt, reichern den Hüttenweg mit Wegpunkten an, was die Strecke zwar qualitativ nicht an den Höhenweg heran bringt, aber mit ihrer tollen Wegführung und der phantastischen Einkehrmöglichkeit samt Aussicht durchaus zu punkten weis. Nach fünfeinhalb Stunden, inklusive ausgedehnter Pausen und Fotografierorgasmen, stehen wir wieder vor unserem Auto.

DSC_0263

Auf der Terrasse der Jungpfalzhütte.

DSC_0267

Ausblick von der Jungpfalzhütte.

Fazit: Rinnthal, das ich bis dato nur vom Durchfahren kannte, ist ein tolles Wanderziel, mit einem reichhaltigen Angebot an durchmarkierten Rundwanderwegen in sämtlichen Längen, von denen ich nach dem heutigen Erlebnis sicher noch einige mehr gehen werde. Der Pfadanteil beider Strecken ist phänomenal hoch und stellt so manchen Premiumweg in den Schatten! Klarer Favorit ist der Höhenweg, der mit seinen großen und kleinen Felsen und den überragenden Aussichtspunkten einfach mehr Abwechslung bietet. Trotzdem sind beide Strecken lohnenswert und ergeben zusammen eine äußerst gelungene Halbtagestour. Für Wanderer die es etwas kürzer mögen sowieso ideal: einfach einzeln gehen! Einziges feststellbares Manko ist die Nähe zur Bundesstraße, die aber nur in den ersten Wegvierteln das Wanderkharma ramponiert. Danach ist Stille angesagt. Absolute Wanderempfehlung.

Bleibt wandern!

Patrick Scheller

DSC_0289

Finaler Abstieg nach Rinnthal.

Tipp: Die Rittersteine-Nerds können natürlich den „Grimmeisenstein“ noch mitnehmen, der aber etwas aufwendiger zu sammeln ist. Sobald der Hüttenweg das erste Mal auf den blauen Balken trifft, nach links abbiegen und diesem folgen. Der Stein steht in einer Entfernung von etwa zwanzig bis dreißig Minuten normalen Schrittes.

Achtung: Wer im Frühjahr vorhat den Rinnthaler Höhenweg zu gehen, muss befürchten, dass der gesamte Buchholzfels und damit eine der Hauptattraktionen dieser Strecke gesperrt ist, da hier regelmäßig Wanderfalken und Uhus in den Felskanten brüten. Den aktuellen Stand könnt ihr vorher über den Link des >Wanderfalkenschutz-Pfalz einsehen, die ihre Tabelle mit den Felssperrungen in der Brutzeit täglich aktuallisieren.

DSC_0023

Zurück im Ort. Blick zur klassizistischen Pfarrkirche Rinnthals.

 

Wenn Dir der Artikel gefallen hat, gib mir ein „Like“ oder zeig der Kommentarspalte ein wenig Liebe. Danke.

 

ÜBERSICHT

Ort: 76857 Rinnthal

Parkplatz: am Bahnhof oder am Friedhof

Länge:

Höhenweg – 6,5 Kilometer

Hüttenweg – 7,5 Kilometer

An- und Abstieg:

Höhenweg – 283 Höhenmeter

Hüttenweg – 269 Höhenmeter

Karte: Oberhaardt von Neustadt a.d.W. bis zum Queichtal (Blatt 6 Landesvermessungsamt – 1:25000)

Karte Rinnthaler Höhen- & Hüttenweg

9 Gedanken zu “Rinnthaler Höhen- & Hüttenweg

  1. samojedenerlebnisse schreibt:

    Lieber Patrick, das Rinnthal kannte ich bisher noch nicht. Dein Bericht hat aber definitv Lust gemacht das zu ändern! Schön auch der Link zum Flyer, da habe ich jetzt Kurztouren entdeckt, die ich selbst an meinen kurzen freien Nachmittagen noch unterbringen kann.
    LG Andrea

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s