Burgen – Eine Literaturempfehlung

Burgen sind nicht nur Sehnsuchtsorte hoffnungsloser Romantiker und Relikte längst vergangener Zeiten, sondern neben Hütten, Felsen und Aussichtspunkten auch wichtige Zutat einer abwechslungsreichen und spannenden Wanderung. Für manche existiert sogar eine eigene Gattung: das Burgenwandern! Wer wie ich läuferisch in der Südwestpfalz beheimatet ist, hat es sowieso recht schwer, keine der über 500 Burgruinen anzutreffen, die ein Ausdruck der ehemaligen Kernzone des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation sind. Eine pfälzer Spezialität ist hierbei die Felsenburg. In diesem Beitrag stelle ich euch meine Top 5 der Burgenliteratur vor, bezogen auf die Anlagen im Pfälzerwald.

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Erst- und Neuauflage von „Auf rotem Fels“.

1.   AUF ROTEM FELS von Walter Hermann

Walter Hermann, Baujahr 1915, war Architekt, Historiker und Burgenforscher, der 40 Jahre seines Lebens in dieses liebevoll gestaltete Buch investiert hat. Sein Werk greift 50 der schönsten und besterhaltenen Burgen im Pfälzerwald auf, aber auch und das ist der große Vorteil, eine Vielzahl der elsässisch/lothringischen Anlagen in Grenznähe. Die Ruinen sind alphabetisch geordnet und en detail beschrieben. Den Anfang macht immer ein kurzer geschichtlicher Überblick, etwa über die Besitzer und Machtverhältnisse, Geschehnisse und Fehden und den Niedergang. Es folgt eine detaillierte Beschreibung des heutigen Zustandes der Burg, bauliche Besonderheiten werden meist mit Bild hervorgehoben. Etliche Farbfotografien, aber auch Lithografien und Sepiazeichnungen aus vier Jahrhunderten verschaffen einen visuellen Überblick. Jede Burg enthält außerdem eine  Grundrisszeichnung und Informationen zu Anfahrtsweg und eventuellen Öffnungszeiten. Wandervorschläge sind keine enthalten! Das Besondere: als Bauzeichner unterfüttert Hermann manche Burgen mit selbstgefertigten Rekonstruktionszeichnungen und Aquarellen. Ein Glossar erklärt die im Buch verwendeten Fachbegriffe.

Auf Rotem Fels – Ein Führer zu den schönsten Burgen der Pfalz und des elsässischen Wasgau

Autor: Walter Hermann                          Verlag: Der kleine Buchverlag

Seiten: 222                                                  Abmessungen: 12,6 x 2 x 20 cm

Preis: 19,90€                                               ISBN: 978-3765087172

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„Wie Schwalben Nester an den Fels geklebt“ und „…wie eine gebannte, unnahbare Zauberburg“.

2.   …WIE EINE GEBANNTE, UNNAHBARE ZAUBERBURG von Alexander Thon, Hans Reither und Peter Pohlit

3.   WIE SCHWALBEN NESTER AN DEN FELSEN GEKLEBT von Alexander Thon, Hans Reither und Peter Pohlit

Zwei Bücher die sich ergänzen und zusammen einen kleinen Teil der nord- und südpfälzer Burgen abdecken. Trotz dessen, dass beide Bücher etwa eine Stärke von 180 Seiten haben, behandeln sie gerade einmal 10 Burgen mehr als „Auf rotem Fels“, also 30 Burgen pro Band. Das heißt einen großen Teil der beiden Bücher machen die Farbfotografien aus, die im Vergleich zu Walter Hermanns Werk deutlich in der Überzahl sind. Der Aufbau bleibt im Grunde gleich. Auch wenn hier eine deutliche Unterscheidung zwischen Geschichte und Baubefund fehlt, behandelt der zusammenhängende Text beide Themen. Auch einen Glossar und Anfahrtswege finden sich im Anhang.  Wandervorschläge fehlen hier ebenso. Der größte Unterschied zum erstgenannten Buch ist das Fehlen jeglicher Rekonstruktionszeichnungen und Beschreibungen grenznaher, französischer Anlagen: schade! Ein Plus ist, dass sich die Bände auch mehreren vermeintlich unbedeutenden Ruinen widmen, die Hermann konsequent umgeht. Die Schnittmengen von „…wie eine gebannte, unnahbare Zauberburg“ zu „Auf rotem Fels“ sind enorm, da sich beide auf die Südpfalz beschränken, während Schnittmengen mit „Wie Schwalben Nester an den Felsen geklebt“ kaum vorhanden sind, da das Buch die Nordpfalz abhandelt und Teile des Nordpfälzer Bergland, bis an die Grenze des Hunsrück.

Wie Schwalben Nester an den Felsen geklebt – Burgen in der Nordpfalz

Autoren: A. Thon, H. Reither, P.Pohlit     Verlag: Schnell + Steiner

Seiten: 187                                                      Abmessungen: 15,1 x 1,5 x 20,8 cm

Preis: 12,90€                                                   ISBN:  978-3795416744

…wie eine gebannte, unnahbare Zauberburg – Burgen in der Südpfalz

Autoren: A. Thon, H. Reither, P.Pohlit     Verlag: Schnell + Steiner

Seiten: 176                                                      Abmessungen: 15,1 x 1,3 x 21,1 cm

Preis: 12,90€                                                   ISBN: 978-3795420734

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„Burgen in der Pfalz“ von Alexander Thon.

4.   BURGEN IN DER PFALZ von Alexander Thon

Das Buch für Burgen-Nerds und Liebhaber, die gerne schmökern und ein gesteigertes Interesse an den Ruinen der Pfalz mitbringen sollten. Das Buch ist ein reiner Bildband, der 2013 vom Sutton Verlag zum Leben erweckt wurde. Alexander Thon, Baujahr 1966 und Historiker mit Schwerpunkt auf der Erforschung pfälzischer und elsässischer Landeskunde sowie Burgen- und Pfalzenforschung, hat mit Hilfe des Europäischen Burgeninstituts und der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz eine Unmenge alter Schwarzweiss-Fotografien zusammen getragen, die die Burgen der Nord- und Südpfalz zur Kaiserzeit und vor dem Zweiten Weltkrieg zeigen. Beeindruckende Zeitdokumente, die manchesmal die krassen baulichen Veränderungen im Laufe der Jahrzehnte zu Tage fördern.

Burgen in der Pfalz

Autor: Alexander Thon                                      Verlag: Sutton Verlag

Seiten: 130                                                            Abmessungen: 24 x 17 x 1,4 cm

Preis: 9,99€                                                           ISBN: 978-3954002719

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„Burgen in Europa“ von G. Ulrich Großmann. (altes Cover)

5.   BURGEN IN EUROPA von G. Ulrich Großmann

Das Buch für den größeren Geldbeutel und das Standardwerk in Sachen Burgenarchitektur. Der großformatige Prachtband ist eine Mischung aus Sachbuch und Bildband und zeichnet einen Querschnitt durch den gesamten europäischen Kontinent. Auf 288 Seiten werden 500 Burgen porträtiert, von den heute noch 50.000 mehr oder weniger gut erhaltenen Anlagen. „Für den Experten liefert Großmann in dem neuen Standardwerk viele aktuelle Forschungserkenntnisse, der Laie wird mit über 200 Farbabbildungen und 65 farbigen Grundrisszeichnungen an das Thema herangeführt und auch mit allerlei Kuriosem überrascht – zum Beispiel mit dem „größten mittelalterlichen Klo“ oder einer Burganlage, deren Grundriss die Form einer Schildkröte hat.“ Deutschland und im Besonderen Rheinland-Pfalz, ist mit einigen bedeutenden Burgen vertreten.

Burgen in Europa

Autor: G. Ulrich Großmann                            Verlag: Schnell + Steiner (neues Cover)

Seiten: 288                                                          Abmessungen: 25 x 2,9 x 30,7 cm

Preis: 39,95€                                                       ISBN: 978-3795416867

Fazit: Wer sich wie ich gerne Anregungen für seine nächste Wanderung holen möchte und sich seine eigene Route um den Ort seiner Begierde herumbaut, ist mit den ersten drei Büchern bestens aufgehoben. Sofern man nicht gerade Burgen wie Berwartstein, Hardenburg oder Trifels per Führung oder Audioguide begeht, bleiben die kleineren Ruinen mitten im Wald und abseits der Touristenströme gänzlich unerklärt. So bieten die Führer, für jeden der sich dafür interessiert, die Gelegenheit im Nachgang mehr über diese Orte in Erfahrung zu bringen. Auch für mich als Blogger eine gute Informationsquelle, um meine Beiträge mit mehr als dem üblichen Palaver zu füttern. Wessen Interesse über die Planung eventueller Wanderziele hinausgeht, dem seien Nr. 4 und 5 wärmstens empfohlen.

Bleibt wandern!

Patrick Scheller

 

Anmerkung: Ich stehe in keinerlei Verbindung zu den Autoren oder Verlagen, habe dementsprechend auch keinerlei Profit von der Bewerbung der fünf hier vorgestellten Bücher!

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