Dürkheimer Römer- & Keltenwanderweg

Eine anspruchsvolle Runde für Natur- und Kulturliebhaber: Nadelgepflasterte Traumpfade durch die herrlichen Kiefern- und Kastanienwälder der Haardt erwarten uns heute ebenso, wie die bedeutendsten Relikte römisch-keltischer Besiedlung im Pfälzerwald, ganz nahe der Kurstadt Bad Dürkheim. Bismarckturm, Teufelsstein, die Reste einer hallstattzeitlichen Keltensiedlung und ein perfekt erhaltener Römersteinbruch mit 1800 Jahre alten Graffiti römischer Legionäre liegen auf der Strecke. Die Pfälzerwaldvereinshütte an der Weilach und das Forsthaus Lindemannsruhe komplettieren dieses zwölf Kilometer lange Wanderhighlight Marke Eigenbau, am Ostrand des Pfälzerwald, das Sammlern auch mit zwei Rittersteinen dient.

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Waldautobahn deluxe zum Bismarckturm.

12004272Andy und ich sind zurück in der Haardt, nahe Bismarckturm, den wir das letzte Mal von Westen über den >Rahnfels erwandert haben. Heute fällt der Süden und Osten. Als Ausgangspunkt dient uns das Forsthaus >Lindesmannsruhe, das direkt an der L518 liegt und mit großem Parkplatz idealer Start- und Schlusspunkt ist. Den Anfang macht die Premiumvariante einer Waldautobahn, die zum nahegelegenen Aussichtsturm durch herrlichen Mischwald mit massivem Edelkastanieneinschlag führt: Tüte zum Sammeln mitnehmen! Wir folgen dem Logo des Pfälzer Weinsteig zum Turm, der einer von über hundert seiner Art (= besondere Form des Bismarckdenkmals) in Deutschland und alleiniger in der Haardt ist. Gegen kleines Entgeld erlebt man gleich zu Beginn die beste Aussicht der Tour.

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Am Bismarckturm.

Wir steigen den 493m hohen Peterskopf zur Wegspinne Schlagbaum ab und passieren sogleich Gayersbrunnen und Schillerfels, wenige Meter unterhalb. An der Kreuzung leitet uns die makellose Markierung zielsicher Richtung Teufelsstein. Ab jetzt haben wir, Achtung Ansage, bis zurück zum Bismarckturm, mit minimalen Unterbrechungen ausnahmslos schmalen Pfad und Naturweg unter den Füßen: phänomenal! Wir ersteigen mit dem Teufelsstein den Südostausläufer des Peterskopf und erreichen schließlich den Monolith gleichen Namens auf dessen Gipfel: Ein über zweitausend Jahre alter Opferstein der Kelten, die in seine Spitze eine Opferschale mit Blutrinne meißelten. Der Ort ist zugleich Rastplatz mit kleinem Aussichtspunkt.

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Keltischer Kultplatz Teufelsstein.

Die Attraktionsdichte steigt erheblich und wir leiden schon bald an Reizüberflutung. Es folgen die Reste des größten und besterhaltenen Ringwall des Pälzerwald, weniger als einen Kilometer entfernt. Ein geschlossener, zweieinhalb Kilometer langer Mauerring beschreibt auf dem Kästenberg einen gewaltigen Kreis, der 500 vor Christus eine 26 Hektar große Keltensiedlung im Innern schützte. Die steinernen Reste der Heidenmauer erreichen noch heute eine Scheitelbreite von vier Metern, an der Basis sogar zwanzig, und bis zu zehn Metern Höhe: sehr beeindruckend! Die Sammler wenden sich, sobald der Weinsteig das erste Mal auf den Wall trifft, nach links und laufen den schmalen Pfad etwa hundert Meter parallel zur Mauer entlang. Nach einem Rechtsknick schaut man sofort auf den ersten Ritterstein Nr. 280, mit der Inschrift Heidenmauer/ Hallstatt-Latene-Zeit.

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Auf dem Wall der Heidenmauer.

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Ritterstein Nr. 280.

Ein kurzer Traumpfad folgt dem Wall und mündet schon wenige Minuten später an der Kaiser-Wilhelm-Höhe mit Rastplatz, die einen traumhaften Blick zum gegenüberliegenden Kloster Limburg freigibt: Eine der beudeutendsten Stätten romanischer Baukunst mit echtem Königinnengrab. Die Kaiser-Wilhelm-Höhe ist ein Denkmal zu Ehren Wilhems I., erster deutscher Kaiser preussischer Herkunft, das 1888 erbaut wurde. Wir folgen weiterhin demselben Logo und erreichen erneut innerhalb weniger Minuten das Plateau des Kriemhildenstuhl, einem perfekt erhaltenen Steinbruch der Römer, mit 1800 jähriger Geschichte. Links von uns stehen Schutzhütte und Bänke bereit, vor und unter uns liegen die Ausläufer Bad Dürkheims und die unendlichen Weiten der Oberrheinischen Tiefebene.

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Traumblick zur Klosterruine Limburg.

Hier wird der monumentale Unterschied zwischen den Kulturen und man muss es leider so sagen, das Unvermögen unserer Vorfahren mit den Römern standhalten zu können, erst richtig ersichtlich. Während (wir) in strohgedeckten Hütten lebten, uns ranzige Butter (als Gel) in die Haare schmierten und fürs Geschäft in den Wald liefen, bauten die Römer hier und an anderen Stellen Sandstein ab, um steinerne Straßen, Abwasserkanäle, Aquädukte, Thermen und Kolosseen in ihren Städten zu errichten, deren Paläste mit heizbaren Mamorfußböden ausgestattet waren. Ganz nebenbei importierten sie auch noch ihren Wein und legten so den Grundstein für den Weltruhm des heutigen Anbaugebiet Pfalz und der Südlichen Weinstraße, deren in Teilen antiken Reben dem östlichen Verlauf des Pfälzerwald von Grünstadt über Bad Dürkheim, bis ins elsässische Wissembourg folgen. Wahnsinn!

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An der Kaiser-Wilhelm-Höhe.

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Kaiser-Wilhelm-Höhe.

Der Steinbruch bildet in 250m Höhe einen Halbkreis auf dem Südosthang des Kästenberg. Fünfundzwanzigköpfige Arbeitstrupps der 22. Legion aus Mogontiacum (Mainz) schnitten hier 200 nach Christus bis zu drei Meter breite Blöcke aus dem Sandstein. Die Transportrinne ins Tal ist noch immer sichtbar, die akkurat bearbeiteten Kanten im Fels sind sehr beeindruckend. Infotafeln des Drachenfelsclub, des Eigentümers dieses und weiterer Denkmäler in und um Bad Dürkheim, ordnen die Sichtpunkte ein und erläutern die Geschichte und Arbeitsweisen. In den Wänden finden sich unzählige Bilder, die Legionäre in ihren Pausen eingemeißelt haben. Von Tierköpfen, über Namen, Standartenabzeichen und Geschlechtsmerkmalen in eindeutigen Posen lässt sich alles finden. 1800 Jahre alte Graffiti: das antike Pendant zu unserem „Ich war hier am…“ und besprayten Wänden. Ganz großes Kino!

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Am Römersteinbruch Kriemhildenstuhl.

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Ostwand mit Relief des Pfälzerwaldverein, zu Ehren der Weltkriegsopfer der Ortsgruppe Bad Dürkheim.

Logo PWV4,2Wir nutzen das üppige Angebot an Rastplätzen für unsere erste und einzige Verschnaufpause, genau in der Hälfte der Tour und frönem bei belegten Broten diesem grandiosen Anblick. Ein letztes Mal folgen wir dem Logo des Weinsteig bis kurz vor die Schäferwarte, ehe links die weissroten Balken abzweigen, die uns bis zur PWV-Hütte erhalten bleiben. Die Geräusche in Stadtnähe sind erfreulicherweise zu gering, um wirklich zu stören. Ein halbes Stündchen schnellen Schrittes über traumhaften Pfad und wir treffen auf eine Pferdekoppel mit angrenzendem Forsthaus, das allerdings dauerhaft geschlossen ist.  Dort folgen wir der Beschilderung zur 500m entfernten >Hütte an der Weilach, die Sams- und Sonntags geöffnet hat.

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Toller Naturpfad durch duftenden Kiefernwald.

Hier kann in uriger Atmosphäre herzhaft und günstig gegessen werden. Der Duft von Leberknödeln, Saumagen und Sauerkraut, der pfälzer Landesspeisen, weht uns schon von Weitem ins Gesicht. Die Sammler haken dreihundert Meter entfernt, ihren zweiten und letzten Ritterstein ab. Es geht an der Hütte vorbei, den angrenzenden Pfad immer parallel der Lichtung zur Ruine eines gräflichen Hofguts, das bis ins Jahr 1381 zurückreicht und nach einem Raubzug im Jahre 1790 aufgegeben wurde. Es stehen noch ein Eckpfeiler und ein kleiner Mauerzug, wenige Meter rechts von ihm. Davor findet sich Ritterstein Nr. 281, mit der Inschrift Leiningische Hofruine Weilach: Ein Grund mehr, unser einzigartiges Rittersteinenetz zu loben, ohne das die Ruine, wie vermutlich viele andere auch, übersehen und vergessen würde.

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PWV-Hütte an der Weilach.

Logo PWV7Zurück an der Hütte folgen wir bis zurück zum Bismarckturm, den grünweissen Balken, die anfänglich noch mit weissrot übereinstimmen. Von nun an gilt es, die verlorenen Höhenmeter wieder wett zu machen. Mit jedem zurückgelegten Kilometer steigert sich der Anstieg, der seinen Höhepunkt einige hundert Meter unterhalb des Turms erreicht. Kondition wäre von Vorteil! Wir erreichen erneut den Bismarckturm und folgen der unaufgeregten, ebenen Waldautobahn (Logo: Pfälzer Weinsteig) zurück zur Radlertankstelle Lindemannsruhe und unserem Auto und vollenden eine der schönsten Wanderungen in der Haardt. Wer das Forsthaus vor 17.30 Uhr erreicht, kommt noch in den Genuss warmer Küche, allerdings liegen die Preise deutlich über denen der Pfälzerwaldvereinshütte.

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Eckpfeiler der Hofruine Weilach.

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Ritterstein Nr. 281.

Fazit: Eine Bilderbuchwanderung mit überragendem Pfadanteil und herausragenden Aussichts- und Wegpunkten. In der ersten Hälfte wird man förmlich mit Kulturdenkmälern überschwemmt, in der zweiten Hälfte ist der Wanderweg ansich das Highlight. Die Abstecher zu den Rittersteinen sind nicht der Rede wert, der Schlussanstieg geht auf die Pumpe und zwickt in die Waden. Wer an Wochenenden unterwegs ist und die Hütte an der Weilach zur Einkehr nutzen möchte, kann den Rucksack um ein paar Gramm erleichtern. Die Markierungen des Weinsteig und Pfälzerwaldverein sind lückenlos. Wer sich also an die Beschreibung hält, kann sich die Karte sparen. Absolute Wanderempfehlung.

Bleibt wandern!

Patrick Scheller

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Zurück auf Los: Forsthaus Lindemannsruhe.

Tipp: In Anlehnung zum Tourenthema rate ich zu einem Besuch der >Villa Rustica in Ungstein, die von der Lindemannsruhe innerhalb von nur 9 Minuten mit dem Auto erreicht ist. Hier können die Reste eines römischen Weinguts bestaunt werden, das vor 2000 Jahren entstand. Zu sehen sind die ansehnlichen Ruinen des Herrenhaus mit Säulenreihe, Badetrakt, Pferdestall, Kelterhaus und ein antiker Friedhof. Die Außenanlagen sind frei zugänglich, die musealen Innenräume nur in Begleitung. Anfahrtsweg, Bilder und weitere Informationen könnt ihr dem Link entnehmen.

 

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ÜBERSICHT

Ort: 67098 Bad Dürkheim

Parkplatz: Forsthaus Lindemannsruhe, Lindemannsruhe 1 (über L518)

Länge: 12 Kilometer

An- und Abstieg: 540 Höhenmeter

Karte: Mittel- und Unterhaardt mit Bad Dürkheim und Leiningerland (Blatt 4 Landesvermessungsamt – 1:25000)

Dürkheimer Römer- und Keltenwanderweg

7 Gedanken zu “Dürkheimer Römer- & Keltenwanderweg

  1. samojedenerlebnisse schreibt:

    Lieber Patrick,
    ohne dich würde mir so viel Schönes entgehen! Da hast du ja mal wieder die perfekte Wanderung für mich beschrieben: Wunderbare Natur mit Pfaden, Ritterstein, herrliche Ausblicke und soviele Stationen die das Archäologenherz höher schlagen lassen!
    LG Andrea

    Gefällt 1 Person

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