Dornröschen Rundwanderweg

Logo Dornröschen RundwanderwegWas im ersten Moment nach Disneykitsch klingt, ist in Wahrheit eine sehr spannende und abwechslungsreiche Wanderung nahe Bad Bergzabern, die ihren Namen dem Ort Dörrenbach verdankt, der zweimal zum schönsten Dorf der südlichen Weinstraße gekürt wurde und im Volksmund als Dornröschen der Pfalz bekannt ist. Sage und schreibe sechs Rittersteine gibt es zu sammeln, die sich über den zwölf Kilometer langen Weg verteilen. Der Farrenberg, im Zweiten Weltkrieg als Teil der Siegfried-Linie heftig umkämpft, ist mit seinen rießigen Bunkeranlagen und Nazirelikten ebenso Teil der Strecke, wie die Ruine Burg Guttenbergs und der Stäffelsbergturm, der fürs Finale einen 360° Panorama-Rundumblick bietet: eine Prädikatstour des Deutschen Wanderverband.

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Ritterstein Nr. 194 – Am alten Bild, auf dem gleichnamigen Wanderparkplatz.

Nachdem ich es das letzte mal geschafft habe, an gleich vier Rittersteinen vorbei zu laufen und mich im Nachhinein dermaßen darüber geärgert habe, war klar, dass die Tour wieder zurück auf meine ToDo-Liste muss. Nun war es also wieder soweit, nur diesmal mit der richtigen Karte, vorbereitet und mit Andy an meiner Seite. Was ich mir zum Anlass nehme, euch mit einer neuen Tourenbeschreibung samt aktuallisierter Karte zu beglücken, auf der ich euch die Rittersteine vermerkt habe. Offiziell beginnt die Runde im Ortskern von Dörrenbach, das zwar wie im Einleiter schon angerissen, mit seinen Fachwerkhäusern, dem Renaissance-Rathaus und seiner (Stadt-)Mauer unheimlich schön anzusehen ist, aber als Anfang völlig ungeeignet ist.

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Laufgräben der Wehrmacht auf dem Westwall-Weg.

Zum einen kann man den Ort nach der Wanderung für eine Einkehr nutzen und so automatisch erkunden, zum anderen erspart man sich einen zwei Kilometer langen Stichweg zur eigentlichen Rundwanderung, der zudem auch noch über Asphalt führt und im oberhalb gelegenen Wanderparkplatz Am alten Bild mündet, auf dem Andy und ich unser Auto abstellen. Hier zweigen  gleich mehrere Lokalwanderwege ab, die sich alle um die zehn Kilometer Wegstrecke bewegen und unter anderem zur Kolmerkapelle und weiteren Rittersteinen führen. Das Gebiet um Dörrenbach und Böllenborn ist neben Kaiserslautern und Bad Dürkheim eines der Epizentren mit der höchsten Rittersteindichte: Sammler-Eldorado also.

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Auf dem Farrenberg.

Auf dem Parkplatz steht zugleich der erste von sechsen heute: Ritterstein Nr. 194 – Am alten Bild. Wir folgen unserer Markierung, einer roten Rose auf weissem Grund, auf den ebenen Forstweg und laufen die Tour somit im Uhrzeigersinn, Richtung Drei Eichen und Farrenberg. Der Opener kommt eher unaufgeregt daher. Breite Waldautobahn trägt uns ohne Mühe zum Westwall-Weg, der sich für einige Zeit mit unserem überschneidet. Kleinere Bunkerruinen, Panzersperren, Schützengräben und Wasserreservoirs säumen auf beiden Seiten den Weg. Ein Stichweg führt später mit dreißig Prozent Steigung auf den Gipfel des Farrenberg, zu den drei größten Bunkeranlagen: auf keinen Fall verpassen!

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Bunker 1 auf dem Farrenberg.

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Bunker 1 auf dem Farrenberg.

Die Bunker können allerdings nur von außen betrachtet werden und stehen mittlerweile unter Naturschutz, da sich hier seit einiger Zeit Fledermäuse und Feuersalamander häuslich eingerichtet haben. Trotzdem lässt sich hier Geschichte hautnah erleben. Vor allen Anlagen stehen Infotafeln, die die Gebäudereste erklären und anhand historischer Dokumente auch die Geschichte und das Leid der Bunkerbesatzungen erläutern. Der Farrenberg und Hohe Derst im Westen waren Teil des Westwall, Hitlers Neuauflage des römischen Limes, eben nur im Westen gegen Frankreich und seine Alliierten gerichtet, die im Spätjahr 1944 mit dem 409. Infantarieregiment der US Armee hier eintrafen und alles dem Erdboden gleichmachten.

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Bunker 3 auf dem Farrenberg.

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Bunker 3 auf dem Farrenberg.

Die deutschen Truppen, die Angst vor standrechtlichen Erschießungen hatten, gaben die Bunker nicht auf, die mittlerweile völlig veraltet waren und vor neuer panzerbrechender Munition kaum Schutz boten. Eine Todesfalle, die allen Besatzungen das Leben kostete. Bis 1946 dauerte es, die umliegenden Minenfelder zu räumen und die Leichen zu bergen, die in den angrenzenden Dörfern noch heute begraben liegen. Noch immer sind Teile des Farrenbergs nicht öffentlich begehbar. Wir verlassen den Gipfel wieder über den Stichweg und setzen die Wanderung Richtung Burg fort.

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Schönes Wegstück Richtung Burg.

Ein kleines Stück traumhaften Pfades führt uns bergab, ehe es erneut über Forstweg zur großen Wegspinne unterhalb der Ruine geht, genau im Sattel zwischen Kanzel- und Schlossberg. Hier steht auch schon der zweite Ritterstein: Nr. 15 – Ruine Schlosshütte. Ein Hinweis auf die Hütte, die bis ins Jahr 1840 an gleicher Stelle stand und wegen der Nähe zur oberhalb gelegenen Feste Schlosshütte genannt wurde. Nur ein steiniger Pfad, der mit erheblicher Steigung hinauf führt, trennt uns noch von der 150m entfernt gelegenen Burg Guttenberg, die mit dem Mundatwald nach dem Zweiten Weltkrieg in französischen Besitz überging und erst 1986 zurückgegeben wurde.

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Felsen mit Turmstumpf von Burg Guttenberg.

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Tor und Ringmauer der Ruine Guttenberg.

Die Anlage gehörte einmal zu den eher weniger gut besuchten Ruinen des Pfälzerwald, was sich seit sie in die Prädikatswege Pfälzer Weinsteig und Dörnröschen Rundwanderweg eingebunden ist, doch deutlich gebessert hat. Durch das erhaltene Burgtor gelangt man in die Unterburg, in der sich noch eingeschossige Ringmauerreste mit Schießscharten erhalten haben. Im Burgfelsen sind mehrere Reihen Balkenlöcher zu sehen, die die Pfosten ehemals angelehnter Fachwerkbauten trugen. Über steinerne Treppen geht es auf den Rücken des gewaltigen Burgmassivs, das den Stumpf des Bergfried trägt und in mehreren Richtungen überwältigende Ausblicke in Rheinebene, Wasgau und Elsass bietet: toll!

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Traumkulisse: In der südlichen Kanzel des Burgfelsens der Ruine Guttenberg.

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Nördliche Kanzel auf dem Burgfelsen der Ruine Guttenberg.

Nach der Burg beginnt der für mich schönste Streckenabschnitt der Tour: ausnahmslos weicher, federnder Pfad unter den Füßen, der sich durch traumhafte Waldbilder über die Flanke des Hohen Derst schlängelt und später in einer kleinen Wegspinne mit drei Abzweigungen mündet: der Ausgangspunkt des zweiten Stichwegs zur Felsformation Steinerner Tisch, der in 500m Entfernung auf uns wartet. Als einer von über zwanzig Tischfelsen dient er heute nahe Böllenborn nicht nur als steinerner Weg- und Orientierungspunkt, sondern sieht auch noch gut aus und ist zudem Ritterstein Nr. 20, mit Namen Tisch. Der dritte für heute.

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Der Steinerne Tisch nahe Böllenborn: Ritterstein Nr. 20.

Ein Extrakilometer, der sich auf jeden Fall gelohnt hat! Wir steigen weiterhin über Traumpfad hinab, zur Wegspinne Drei Eichen, mit Schutzhütte und dem vierten Ritterstein: Nr. 21 – Drei Eichen, der etwas versteckt im Dickicht steht und den Standort dreier alter Eichenbäume markiert, die bei der Stürmung der Westwallbunker zerschossen wurden. Heute wachsen dort wieder drei junge Bäume. Ein allerletztes Mal haben wir ein kurzes Stück Pfad unter den Füßen, ehe sich die Strecke bis zum Ende ausnahmslos über Forstwege fortsetzt. Wir schneiden den Gebrüder-Grimm-Weg, der uns den Aufstieg zum letzten Wegpunkt mit geschnitzten Märchenfiguren garniert.

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Traumpfad Richtung Stäffelsberg.

Die Wegspinne Am Bild, im Sattel zwischen Stäffels- und Kohlbrunnberg, hält mehrere Rastplätze bereit und beherbergt die letzten beiden Kleinstdenkmäler: Ritterstein Nr. 24 – Am Bild weist nur auf den direkt gegenüberliegenden Ritterstein Nr. 25 – Am Bild 1756 hin, der ganz gerne übersehen wird und als Bildstocksäule in früheren Zeiten die vorbeiziehenden Menschen zum Gebet aufforderte. Der finale Anstieg bringt uns zügig auf den 480m hohen Stäffelsberg mit seinem -turm, der, man muss es sagen, im Vergleich mit dem >Bismarck– oder Luitpoldturm, so ziemlich das hässlichste Bauwerk seiner Art im Pfälzerwald darstellt.

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Alte Bildstocksäule: Ritterstein Nr. 25 an der Wegspinne Am Bild.

Die gute Nachricht: Er erfüllt seinen Zweck und bietet zum Finale den schönsten Ausblick der gesamten Wanderung. Einen 360°-Rundumblick bis nach Heidelberg, zum Schwarzwald, ins Elsass und über die endlosen Bergketten des Wasgau im Westen: grandios! Ein Anblick der in Ruhe genossen werden will. Eine Schutzhütte und mehrere Rastplätze zu seinen Füßen, eignen sich für die letzte Rast. Der Rückweg zum Auto fällt denkbar einfach aus. Es geht die letzten 1,1km ausnahmslos über breiten Forstweg bergab. Das letzte Stück zum Parkplatz haben windige Dörrenbacher Steinerner Weg getauft und somit die wohl lieblichste Beschreibung für eine Schotterpiste gefunden, die mir bis dato untergekommen ist.

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Der Stäffelsbergturm.

Fazit: Sofern man beide Stichwege geht, weis die Runde mit 450 Höhenmetern und einigen herzhaften Anstiegen durchaus zu fordern. Die Belohnung gibts in Form einer echten, wasgauischen Felsenburg und traumhaften Aussichten. Die Bunker des Farrenberg lassen einen Teil deutscher Kriegsgeschichte wieder auferstehen und hautnah erleben und erinnern uns daran, dass früher eben doch nicht alles besser war! Pfad und Autobahn halten sich die Waagschale, für Sammler von Rittersteinen ist die Tour ohnehin Pflicht. Es gibt zwar viele Rundwege mit sechs oder mehr Steinen, aber keine mit solch einer Fülle toller Wegpunkte. Wer die Strecke verlassen oder ausbauen will, packt die Karte ein, für alle anderen ist die Route lückenlos und eindeutig markiert. Absolute Wanderempfehlung.

Bleibt wandern!

Patrick Scheller

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Aussicht vom Stäffelsbergturm.

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Aussicht vom Stäffelsbergturm.

Tipp: Wer von der Tour angefixt ist oder generelles Interesse an historischen Dingen und deutscher Geschichte hat, kann innerhalb von nur neun Minuten das >Westwallmuseum in Bad Bergzabern erreichen, das ehrenamtlich geführt wird und an Feiertagen und jeden zweiten und vierten Sonntag im Monat geöffnet hat. Allerdings nur von Karfreitag bis Ende Oktober! Es können mehrere intakte Bunker mit originalgetreuer Inneneinrichtung besichtigt werden, die einer Sprengung entgingen oder widerstanden und seit Anfang des Jahrtausends unter Denkmalschutz stehen. Adresse und Anfahrtsweg könnt ihr dem Link entnehmen.

 

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ÜBERSICHT

Ort: 76889 Dörrenbach

Parkplatz: Wanderparkplatz Am alten Bild, oberhalb des Ortes (über Talstraße Richtung Guttenbergstraße, rechts in den Wald hinauf)

Länge: 9,5 Kilometer (~ 12km mit beiden Abstechern)

An- und Abstieg: 380 Höhenmeter (~ 450m mit beiden Abstechern)

Karte: Westlicher Wasgau mit Bad Bergzabern (Blatt 8 Landesvermessungsamt – 1:25000)

Karte Dornröschen Rundwanderweg

Karte Westwallweg Bad Bergzabern

Von Station 10 bis 18 liegt alles auf der Strecke des Dornröschen Rundwanderwegs.

 

4 Gedanken zu “Dornröschen Rundwanderweg

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