Oberschlettenbacher Rotsandsteinweg

rotsandsteinwegEin Lokalwanderhighlight, das es so vielleicht kein zweites mal gibt. Zumindest nicht in der Region! Zwei überragende Felsformationen liegen auf der Strecke, die von der beeindruckenden Ruine Burg Lindelbrunns und unzähligen Aussichtspunkten angereichert wird. Ein toller Mix aus Wald und Wiese; Pfad und Autobahn halten sich die Waagschale. Von den  Felsbastionen aus typisch rotem Sandstein erlebt man phänomenale Ausblicke zu benachbarten Ruinen und Felsformationen. Mehrere Einkehrmöglichkeiten sorgen zur Mitte hin, fürs leibliche Wohl oder einen gelungenen Abschluss. Sammler dürfen auch einen Ritterstein abhaken.

DSC_0033

Steinmännlipfad auf dem Kamm des Löffelsberg.

Zwei Varianten stehen bereit, beide mit demselben Logo. Die kürzere (gelb statt rot) kommt auf 12km Länge und knapp 300m An- und Abstieg und spart im Grunde nur die Schlaufe um den Löffelsberg aus, die ihr aber auf keinen Fall verpassen wollt. Meine Strecke stimmt mit dem südlichen Teil des Wasgau Felsenweg überein, ist für mich aber die deutlich bessere Variante. Zeit ist das Stichwort: die 15km Wegstrecke erlauben es mir, alle Aussichts- und Wegpunkte in Ruhe erforschen und genießen zu können, was bei den 21km des Wasgau Felsenweg doch kaum möglich ist. Die Wasgau-Hütte und der Haselstein, die man so verpasst, können durch den >Rimbach-Steig erwandert werden!

DSC_0057

Zweite Aussicht auf dem Löffelsberg.

Ich starte auf dem Wanderparkplatz im verschlafenen Oberschlettenbach, das zur Verbandsgemeinde Bad Bergzabern gehört und gerade mal 138 Einwohner zählt. Im Kern aus Fachwerkhäusern und umgeben von malerischem Wald, ist der Ort Idylle pur! Die Beschilderung lässt keine Zweifel aufkommen und lenkt mich ein kleines Stück über Asphalt, hinauf zur Bühlhofschänke, ehe traumhafter Pfad die Führung übernimmt und mich rechts in den Wald führt. Ich erreiche wenige Zeit später die erste Wegspinne, an der eine Vielzahl weiterer Regional- und Prädikatswanderwege beginnen. Es folgt die erste Konditionsprobe.

DSC_0051

Blick zum Pferchfeldfelsen.

Bald darauf führen Serpentinen hart bergan auf den Löffelsberg, der die Mühen mit den ersten beiden Aussichten belohnt. Ein kleines, namenloses Felsmassiv garniert die Wegstrecke zum ersten Wegpunkt, der eingefasst von rießigen Sandsteinkegeln, den Nahblick zur Ruine Lindelbrunn gewährt, die mir nun genau gegenüber liegt: toll. Weicher, federnder Waldboden verbindet die beiden Aussichtspunkte, mehrere große Steinmännli weisen mir in wohldosierten Abständen den Weg über den Kamm. Der Opener ist bereits eine Augenweide.

Draht-Schmiele und Wiesen-Glockenblume.JPG

Drahtschmiele und Wiesen-Glockenblume.

Die zweite Löffelsbergaussicht setzt noch einen drauf. Der gesicherte, exponierte Felsvorsprung ist die ideale Vorraussetzung für ein 180° Panorama. Rechts ragen über dem Bärenbrunnertal die monumentalen Pfeiler des Pferchfeldfelsen aus den Baumkronen, der mit einer Länge von knapp einem Kilometer und Wänden mit bis zu 39m Höhe zu den gewaltigsten Massiven weit und breit gehört! Ein erhabender Anblick. Links ragen über dem Ort Busenberg die Reste der Raubritterburg Drachenfels in den Himmel: ehemaliges Heim von Franz von Sickingen. Neben Götz „Er kann mich im Arsche lecken“ von Berlechingen, der wohl bekannteste Ritter, den Deutschland je hervorbrachte.

DSC_0099

Kleiner Teil der Puhlsteine.

Mehr Wasgau innerhalb einer Stunde ist eigentlich kaum möglich. Breiter Forstweg führt über die Bergflanke zügig hinunter. Eine ausladende Wiese trennt mich vom zweiten Anstieg zu den Puhlsteinen, die ungeschnitten einen umwerfenden Strauß von allerarten Wildblumen bildet. Tüpfel-Hartheu, Drahtschmiele, Glocken- und Kornblume und Waldplatterbse bilden dann einen farbenfrohen Blütenreigen, der wiederum unzählige Schmetterlinge anlockt: ein Paradies für Fans der Makrofotografie! Ein kleiner Rastplatz bietet sich hier an, um den Wasserhaushalt wieder ins Reine zu bringen, ehe hart ansteigender Pfad zum nächsten Wegpunkt führt.

DSC_0127

Traumpfad zum Puhlsteinpfeiler.

In Serpentinen geht es zu den Puhlsteinen, das nächste monumentale Felsenriff, das sich über nahezu den gesamten Gipfelkamm erstreckt. Der Weg folgt den bizarren Felswänden und -türmen und mündet später im freistehenden Puhlsteinpfeiler, der östlich von Busenberg aus dem Berg herausragt: eines der schönsten Wegstücke dieser Wanderung. Toller, wurzeldurchzogener Pfad, duftende Kiefern und rießige Wurmfarnfelder, die stellenweise jeden Zentimeter der Hänge bedecken. Auf dem Pfeiler erlebt man die dritte große Aussicht. Gegenüber leuchten die roten Ziegel des Berwartstein, der einzigen, noch bewohnten Burg des Wasgau. Links thronen Lindelbrunn und Rödelstein auf ihren Bergkegeln: grandios.

DSC_0141

Auf dem Puhlsteinpfeiler.

IMG_20180808_120244,2

Andy genießt den Traumblick vom Puhlsteinpfeiler.

Der folgende Abstieg ins Erlenbachtal bestätigt meine Entscheidung, die Tour gegen den Uhrzeigersinn zu gehen. So oder so ändert sich freilich nichts an den 475 Höhenmetern, aber es gibt Steigungen und solche Steigungen. Und diese, die ich nun hinab gehen darf, gehört definitiv zur Kategorie Wadenbrecher. Über Wiese und parallel zum Erlenbach, erreiche ich schließlich Vorderweidenthal, das mit 591 Einwohnern deutlich größer als Oberschlettenbach ausfällt, aber immer noch überschaubar bleibt. Die kurze Verbindungsstrecke durch den Ortskern erlaubt (zur richtigen Zeit) eine Einkehr im >Goldenen Lamm.

DSC_0154

Blick zur Ruine Drachenfels.

Teerweg führt vom Ort weg, durch die großen Weiden und Wiesen darüber. Ein Kontrast, der von grasenden Pferden und weidenden Kühen verstärkt wird. Der Blick zurück legt ein lohnendes Panorama frei, das die tief eingeschnittenen Täler und felsbewehrten Gipfel zeigt. Ein schöner Anblick. Nach vorne hat man nun stets den Rödelstein im Auge, das nächste Monument aus Buntsandstein und nachfolgender Wegpunkt. Auch dieser wird mit Schweiß erkauft und wenig später über einen Pfad erwandert: Ritterstein Nr. 299, mit Namen Rödelstein-Pfad, markiert den Anfang dieses 1927 erbauten Stichweges.

DSC_0297

Oberhalb Vorderweidenthals.

Der Gipfel des Hauptfelsens ist nur mit Klettergeschirr erreichbar, das kleinere Westplateau hingegen, ist auch für Wanderer zugänglich, die allerdings eine kleine Portion Wagemut und Schwindelfreiheit mitbringen sollten. Der Pfad führt geradewegs dorthin, der Einstieg ist leicht gefunden. Ein Felskamin ist mein Tor zum Gipfel, der in drei bis vier Zügen erreicht ist. Die Aussicht ist selbstredend überwältigend, hält allerdings nichts neues bereit. Das Gefühl jedoch, hier oben zu stehen, während einem der Wind um die Ohren pfeift und sich zu allen Seiten rießige Abgründe auftun, bleibt einmalig und unbeschreiblich.

DSC_0202

Blick zum Rödelstein.

Breite Waldautobahn trägt mich danach geradewegs zum >Cramerhaus, unterhalb der Ruine Lindelbrunn. Der perfekte Ort für eine Rast nach etwas mehr als der Hälfte des Weges. Der familiengeführte Betrieb kredenzt die pfälzer Landesküche zu fairen Preisen, der kühle Radler kann im Biergarten genossen werden. Wer Größeres vorhat, kann hier auch übernachten. Die Details könnt ihr dem Link entnehmen. Da die Burg auf einem steilen Bergkegel thront, rate ich jedem, die Einkehr hinter die Besichtigung zu legen. Mit leichtem Magen ist der letzte, krasse Anstieg dieser Wanderung leichter zu bewerkstelligen.

DSC_0273

Auf dem Westplateau des Rödelstein.

Burg Lindelbrunn nimmt einen großen Sandsteinfelsen in Beschlag, auf dem sich noch große, ansehnliche Mauerreste erhalten haben. Teile des Bergfried, zweigeschossige Palasmauern, Ringmauerreste, Felsenkeller mit Durchblick und die Grundmauern der Burgkapelle wollen entdeckt und erforscht werden. Durch ihre einzigartige Lage, gewährt die Ruine einen 360° Rundumblick, der alle bisherigen Stationen mit einschließt und spektakuläre Aussichten auf den mächtigen Rötzenfels und sogar zur Burg Trifels über Annweiler ermöglicht. Als finaler Wegpunkt ein würdiger Abschluss.

DSC_0295

Auf dem Weg zum Cramerhaus: Blick auf Burg Lindelbrunn.

Drei Kilometer trennen die Burg von Oberschlettenbach. Der Rückweg führt nun stetig leicht bergab. Teer, etwas Pfad, Forst- und Naturweg wechseln sich ab und leiten mich durch dunkle Waldpassagen und offene Hochflächen, mit einigen schönen Ausblicken zurück zur Burg. Hat man die Landstraße überquert, geht es die letzten Meter zurück durch Oberschlettenbach und zum Auto. Wer hier einen Abschluss begehen will, kann in der >Bühlhofschänke einkehren, die für gewöhnlich Dienstags, Mittwochs und an Wochenenden von 11-18 Uhr geöffnet hat und gutbürgerliche Küche bietet.  Einzelheiten und Änderungen sind über den Link zu erfahren.

IMG_20180808_161843

Burg Lindelbrunn.

IMG_20180808_161026

Blick aus der Kapellruine.

Fazit: Eine Wanderung, die das ganze Repertoire wasgauischer Landschaftsbilder bietet. Eine reichhaltige, wie vielfältige Wanderung, die Traumaussichten am laufenden Band garantiert und mit knackigen Anstiegen durchaus zu fordern weis. Die Ruine Lindelbrunn weis ebenso zu begeistern, wie die vielen, kolossalen Felsformationen, die der Tour ihren Namen gaben. Sicherlich eine Wanderung, die es mit einigen Premiumwegen aufnehmen kann und mich vollends begeistert hat. Die Markierung ist prägnant und lückenlos, eine Karte überflüssig. Trotz einiger Einkehrmöglichkeiten, bleibt ausreichend Verpflegung Pflicht.

DSC_0377

Zurück nach Oberschlettenbach.

Da ich ja von einer Rundwanderung berichte, ist die Gehrichtung im Grunde egal. Empfehlen würde ich aber dennoch meine Variante, aufgrund zweier Vorteile. Erstens fallen die Steigungen weniger drastisch aus, besonders zu den Puhlsteinen und zweitens ist Lindelbrunn als Finale unschlagbar. Zumal man so drei Kilometer vor Schluss einkehren kann und der Rückweg ab Cramerhaus denkbar einfach ausfällt und auch mit vollem Bauch kein Problem darstellt. Absolute Wanderempfehlung.

Bleibt wandern!

Patrick Scheller

IMG_20180808_162022 (3)

Ein eingespieltes Team: Andy und ich auf Lindelbrunn.

 

Wenn Dir der Artikel gefallen hat, gib mir ein „Like“ oder zeig der Kommentarspalte ein wenig Liebe. Danke.

 

ÜBERSICHT

Ort: 76889 Oberschlettenbach

Parkplatz: Wanderparkplatz im Ort (Beschilderung „Bühlhof“ folgen)

Länge: 15,3 Kilometer

An- und Abstieg: 475 Höhenmeter

Karte: Östlicher Wasgau mit Bad Bergzabern (Blatt 8 Landesvermessungsamt – 1:25000)

Karte Rotsandsteinweg

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s