Waldfischbacher Rundwanderweg

Heute wirds nicht mittelalterlich, sondern antik. Von Waldfischbach-Burgalben aus, geht es zur verwunschen gelegenen Heidelsburg, die in ihren Anfängen bis ins 4. Jahrhundert vor Christus zurückreicht. Erstmal nur eine langweilige Zahl, aber dasselbe Jahrhundert, in dem Platon und Aristoteles ihre Schulen in Athen gründen und Alexander der Große mit 35000 Makedonen nach Gaugamela marschiert, um als größter Feldherr der Antike in die Geschichtsbücher einzugehen: Für Kultur- und Geschichtsvernarrte also Gänsehaut vom Scheitel bis zur Sohle! Der Galgen- und Seelenfels und der Große Westrich komplettieren die Rundtour durchs Pfälzer Holzland, die mit einem Naturfreundehaus auch eine Einkehrmöglichkeit bietet.

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Auf den ersten Metern.

Das Auto wird auf dem Wanderparkplatz am Galgenfels geparkt, also unterhalb des Naturfreundehaus, auf dem ersten kleinen Parkstreifen nach dem Sportplatz: wichtig! Waldfischbach (-Burgalben) liegt, jetzt wirds etwas kompliziert, genau auf der Grenze von Pfälzerwald und Zweibrücker Westrich. Rechtlich gehört der Ort zum Biosphärenreservat, weil man der Einfachheit halber, die Bundesstraße 270 zur Grenze erkoren hat. Geographisch, bzw. naturräumlich liegt ein großer Teil Waldfischbachs bereits in der Westricher Hochfläche. Die Wanderung führt mich durchs Pfälzische Holzland, das zwischen Kaiserslautern und Rodalben den westlichsten Teil des Mittleren Pfälzerwald bildet und mit etwa fünf Prozent seiner Fläche einen fließenden Übergang in den Westrich schafft.

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Am Galgenfelsplateau.

Kreuz 4Es verdankt seinen Namen dem qualitätvollen Baumbestand, der seit dem Mittelalter die Holzwirtschaft vorantreibt und mit dem Holz der Traubeneiche bis heute Höchstpreise erzielt. Ich stelle die Runde selbst zusammen und komme auf etwa 14 Kilometer Länge und 300 Höhenmeter, die niemanden vor große Herausforderungen stellen dürfte. Es geht über die Markierung gelbes Kreuz. Unverfehlbar, da vom Parkplatz aus nur ein einziger Waldweg bergan führt und der reißt gleich zu Beginn ein Päckchen Wanderglück auf. Felsenpfad heist er und macht seinem Namen alle Ehre.

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Traumpfad zur Heidelsburg.

Rießige Wacker in allen Formen und Größen bevölkern die Grenze meines schmalen Pfades und den Hang links davon. An der ersten großen Formation führt ein Pfad hinauf zum ersten Aussichtspunkt, wenige Meter nach dem Parkplatz. Der Galgenfels bietet eine kleine Aussichtsplattform mit begrenztem Blick auf das unter mir liegende Waldfischbach und die Westricher Hochfläche, die sich jetzt deutlich erkennbar vom Pfälzerwald abgrenzt. In den Boden ist eine kleine Karte eingemeißelt, die die landschaftlichen und kulturellen Highlights in der näheren Umgebung benennt. Ich steige wieder hinab und folge dem Pfad zur ersten Wegspinne, etwa vierhundert Meter vom Naturfreundehaus entfernt, das ich mir für den Schluss aufspare.

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An der Heidelsburg.

Der Weg führt noch einmal geringfügig bergan, verliert aber dann doch deutlich an Höhe und trägt mich später über Waldautobahn zur Ruine, die in 340 Metern Höhe, circa drei Kilometer östlich von Waldfischbach liegt. Der Weg führt über steinerne Treppen auf das Burgplateau, vorbei an einem niedrigen Ringmauerrest und später zu Burgtor, Felsbild und den bizarren Sandsteinwänden. Man braucht also nur der Markierung folgen und man deckt alle Sehenswürdigkeiten automatisch ab: tolle Wegführung kann ich nur sagen. Ein Infoschild gibt im Halsgraben Auskunft über die Eckdaten der Feste, über ihm stehen Schutzhütte und Rastplatz bereit.

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Westtor der Heidelsburg.

Die Heidelsburg lässt beide Parteien auf ihre Kosten kommen. Als beeindruckendes Felsmassiv ein Augenschmaus und tolles Fotomotiv für Naturfans, die spärlichen Überreste der Burgmauern beschäftigen die Hobbiehistoriker. Zwischen dem vierten und ersten Jahrhundet vor Christus bauten die Kelten hier schon eine wehrhafte Höhensiedlung, ehe die Römer den Ort für sich entdeckten und ihn zu Lebzeiten Konstantins des Großen zur Festung ausbauten. Die rießigen, originalen Sandsteinquader wurden nach dem Ersten Weltkrieg wieder zum heutigen Westtor aufgeschichtet: sehr beeindruckend. Ansonsten gibt es kein Mauerwerk mehr zu sehen.

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Grabplatte des römischen Forstverwalters und seiner Frau.

Man fand auch eine römische Grabplatte, deren Double in der Wand des Burgfelsens eingelassen ist. Das Original kann im Pfalzmuseum für Geschichte in Speyer bewundert werden. Es zeigt den römischen Forstverwalter und seine Ehefrau: Die Anlage gilt offiziell als ältestes Forstamt der Bundesrepublik. Die römische Festung wurde bereits 352 von Alemannen zerstört. Zum Vergleich: Der Ort wird nach ~ 750 jährigem Bestehen vernichtet, während die allermeisten Burgen, deren Ruinen man heute in der Südwestpfalz antrifft, überhaupt erst 1000 Jahre später erbaut werden! Ich verlasse die Anlage und wandere dem Schwarzbachtal im Nordosten entgegen.

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Ziemlich beste Freunde: zwei Kaisermäntel mit Sitzfleisch.

Logo HolzlandwegDer Weg fällt weiter ab und mündet schließlich an der K32, die Waldfischbach mit dem Clausensee verbindet, der vom Schwarzbach weiter östlich gestaut wird und Standort eines Campingplatzes ist. Die Kreisstraße vergiftet leider für einige Zeit die Geräuschkulisse, aber es kommt noch schlimmer. Die verlorene Höhe muss sofort wieder erwandert werden und das leider über Waldautobahn erster Klasse, die auch noch frisch geschottert wurde und mit erheblicher Steigung bergan führt. Kommt man oben an, ist das Wanderkarma völlig ramponiert, der Pfad zu den Felsen macht dafür einiges wieder gut. Bis nach Heltersberg folge ich nun der Markierung des Holzlandweg.

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Im Schwarzbachtal.

Die Seelenfelsen sind das Highlight der Tour und erstrecken sich über eine Länge von fast 700 Metern: spektakulär! Der Weg verläuft anfänglich hart an den bizarren Wänden und Felstürmen entlang, weiter stetig bergauf, was mächtig auf die Pumpe geht. Über vierzig mögliche Routen führen laut Alpenverein in den Felskanten hinauf, die Höhen von bis zu zwanzig Metern erreichen. Kletterer sehe ich leider keine. Der Name der Felsen basiert auf einer Legende: 1875 wollte ein Mann aus Clausen mit seinem Sohn in der Nacht über die Felsen nach Hause gelangen, fand die Passage aber nicht, stürzte ab und verstarb. Dem Sohn erschien daraufhin ein schwaches Licht, das ihm den Weg durch die Felsen und nach Hause wies – die Seele seines Vaters.

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Sandsteinspektakel an den Seelenfelsen.

Logo NaturfreundeImmer wieder gewähren die weit auseinander stehenden Bäume einen Blick auf das unterhalb liegende Schwarzbachtal. Zwei Rastplätze und eine Hütte nehmen den Wanderer oberhalb in Empfang, ehe erneut Forstweg geradewegs nach Norden führt und auf den Großen Westrich, südlich von Heltersberg trifft: ein krasser Kontrast. Wer möchte, kann bis in den Ort wandern und über die Nr.2 die >Zimmerkopfhütte des PWV erreichen, andernfalls zweigt vor ihm die Markierung der Naturfreunde ab, die mich mitten durch die Hochfläche führt und leicht bergab. Die Markierung bleibt mir bis zurück zum Naturfreundehaus erhalten. Allerdings scheinen anfänglich einige Logos zu fehlen. Guter Orientierungssinn und oder eine Karte sei empfohlen!

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Nur ein Bruchteil der Seelenfelsen.

Das letzte Wegdrittel verliert leider deutlich an Qualität und erreicht niemals mehr den Spirit der ersten Hälfte: schade. Hab ich mich anfänglich noch wie in einer Wildlife Reportage von National Geographic gefühlt, erinnert mich das letzte Stück eher an ARTE plus. Es geht fortan ausnahmslos über Autobahn, auch fehlen hier die landschaftlichen Highlights oder Wegpunkte. Lediglich die große Abgeschiedenheit ist ein starkes Plus und das auch unter der Woche. Zur Hütte hin verläuft die Strecke über einen Waldlehrpfad, ehe ich schließlich zurück zum >Naturfreundehaus Galgenberg gelange. Das Haus hat nur Mittwochs und an Sonntagen geöffnet, die Zeiten könnt ihr dem Link entnehmen. Der perfekte Ort für einen gelungen Abschluss, ehe ich über den Zuweg wieder zum Auto absteige.

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Traumpfad bei den Seelenfelsen.

Fazit: Eine durchwachsene Tour, bei der man abwägen muss: Die erste Hälfte ist highend, die zweite zieht die Runde etwas in den Keller. Wer einen ausgeprägten Burgenfetisch hat und oder sich für monumentale Felsmassive begeistert, kommt an der Wanderung eigentlich nicht vorbei. Wanderer, die diesen Zwängen nicht unterliegen, können mit Sicherheit stimmigere Touren in der Umgebung erleben. Für Pfadanbeter wohl eher weniger geeignet. Verpflegung ist Pflicht, eine Karte sollte sicherheitshalber wegen der Verbindung in Heltersberg mitgeführt werden. Einkehren kann man entweder in Heltersberg oder im Naturfreundehaus. Die 300 Höhenmeter fordern im Grunde nur im Anstieg zu den Seelenfelsen, die dann aber auch mehr als liefern.

Bleibt wandern!

Patrick Scheller

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Im Großen Westrich in Heltersberg.

Tipp: Über die Kreisstraße erreicht man innerhalb weniger Minuten den Clausensee, der mit viereinhalb Hektar Fläche, für pfälzer Verhältnisse, eine beeindruckende Größe hat. In dem See darf auch geschwommen werden, die 450m Länge bieten für eine Bahn Kraul auch ausreichend Platz. Zudem befinden sich am west- und östlichen Ende zwei Einkehrmöglichkeiten. Wer noch Saft in den Knochen hat und keinen Zeitdruck verspürt, sollte der >Wallfahrtskirche Maria Rosenberg einen Besuch abstatten, die auf eine fast 1200 Jahre alte Geschichte zurückblickt. Wer sich noch etwas mit der Geschichte der Heidelsburg beschäftigen will, sei zu einem Besuch des >Waldfischbacher Heimatmuseum geraten, das auch ein rekonstruiertes Model der Festung und mehrere Fundstücke zweier Ausgrabungen zeigt.

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Höchststrafe: Autobahn von Heltersberg zum Galgenberghaus.

Ein rießiges Dankeschön geht an Arno Weiß, den stellvertretenden Direktor des UNESCO Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen, der mir nicht nur die Frechheit vergeben hat, ihn einfach anzuschreiben, sondern darüber hinaus auf all meine Fragen, die ich ihm in Vorbereitung auf den Artikel gestellt habe, in sämtlichen Einzelheiten geantwortet hat. Ganz großes Kino!

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Zweites Fotomodel. Manchmal hat man einfach Glück.

 

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ÜBERSICHT

Ort: 67714 Waldfischbach-Burgalben

Parkplatz: am Galgenfels (Im Ort Richtung Heltersberg/Friedhof fahren, am Sportplatz vorbei zum ersten kleinen Parkstreifen.)

Länge: ~ 14 Kilometer

An- und Abstieg: ~ 300 Höhenmeter

Karte: Vom Johanniskreuz bis Pirmasens (Blatt 5 Landesvermessungsamt – 1:25000)

Karte Burgalbener Rundwanderweg

 

4 Gedanken zu “Waldfischbacher Rundwanderweg

    • Patrick Scheller schreibt:

      Hey Harald,

      danke Dir. Da bist du mir voraus, denn meine ist mittlerweile eine Backstube. Macht also keinen Unterschied mehr. Nur der Rucksack ist halt randvoll mit Wasser. 😉 Grüße und ein schönes Restwochenende.
      Pat

      Gefällt mir

  1. samojedenerlebnisse schreibt:

    Du weisst ja, für Felsen und Burgen bin ich immer zu haben. Daher kommt auch diese Tour auf meine „will ich machen“-Liste. Aber erstmal muss ich auf schlittenhundetauglichere Temperaturen warten 😉
    LG Andrea

    Gefällt 1 Person

    • Patrick Scheller schreibt:

      Hey Andrea, ja ich denke die erste Hälfte stanzt dir ein Lächeln ins Gesicht. Bin auf dein Feedback gespannt! Das mit deinen Vierbeinern kann ich nachvollziehen. Musste selbst einen Abstecher zu einer Quelle machen, um mein Wasser wieder aufzufüllen. Aber ist ja nicht alles: wir Zweibeiner können ja wenigstens schwitzen…
      Hab übrigens noch ne tolle Tour für dich, auf der du deine Rittersteinsammlung um 10!!! erweitern kannst. Mail ich dir die Tage. 😉

      Liebe Grüße (auch an Mann und Hunde) 🙂 Pat

      Gefällt 1 Person

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