Obersteinbacher Burgenwanderweg

Eine Patrone hab ich noch im Revolver, für diesen Monat. Ich bin zurück in Obersteinbach, dem elsässischen Wander-Eldorado an der deutschen Grenze, um dieses mal tiefer in die Nordvogesen einzudringen. Drei Felsenburgen liegen auf dem Weg, beziehungsweise werden über kurze Stichwege erwandert. Darunter eine der größten Ruinen im Elsass: Burg Schoeneck. Tolle Felslandschaften, ziemlich genau fünfzig Prozent Pfadanteil und mal kleine, dann wieder große Aussichten machen die Rundtour mit dem Fischeracker Weiher durchaus lohnenswert. Es gilt elf Kilo- und vierhundert Höhenmeter zu bewältigen.

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Die Kleine Arnsburg über Obersteinbach.

Logo PWV17.jpgDas Auto kann im Ortskern von Obersteinbach oder nahe des Pferdehof geparkt werden, der deutlich ausgeschildert ist. In der Hauptstraße sind in beiden Richtungen die Markierungen des Club Vosgien angebracht, was die Orientierung erheblich vereinfacht. Ich suche den roten Balken, der mich bis zur ersten Ruine begleitet und folge diesem zum östlichen Ende Obersteinbachs. Durch die Ausläufer des Steinbachtal geht es über Wiese zur Waldnarbe. Über dem Ort thronen die beiden Wahrzeichen Wachtfels und Kleine Arnsburg: schön!

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Typisches Wegstück im ersten Viertel.

Die Wanderung hält im Grunde nur zwei Anstiege bereit, wovon sich der erste vom Ort bis zur ersten Burg erstreckt und anfänglich noch moderat bergan führt. Über sandigen Pfad erreiche ich schließlich die Wegspinne Col du Wittschloessel, die wie überall um Obersteinbach hervorragend beschildert ist. Die perfekte Gelegenheit mal unsere Nachbarn zu loben, die in Sachen Markierung wirklich nichts anbrennen lassen: toll. Hier zweigt auch mein Stichweg zur ersten Ruine ab, der in wenigen Minuten zur Burg führt und unterwegs für eine kleine Aussicht sorgt.

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Kleine Aussicht kurz vor Wittschloessel.

Burg Wittschloessel ist eine leider verschmähte Felsenburg, die ganz im Schatten ihrer beiden Nachbarn untergeht. Zugegebenermaßen gibt es auch nicht mehr allzu viel zu sehen, lediglich die Balkenlöcher ehemals angelehnter Fachwerkbauten, ein nahezu verschütteter Burggraben und eine recht große Felsenkammer haben sich erhalten. Der Ort wirkt fast etwas verwunschen und einsam. Jedenfalls bin ich hier noch nie einem Menschen begegnet und nutze die Stelle für die erste kurze Verschnaufpause. Ausblicke bleiben mir verwehrt.

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Am Burgfelsen von Wittschloessel.

PWV17Ich laufe die kurze Strecke zurück zur Wegspinne und setze die Route dann über das gelbe Dreieck bis zur nächsten Kreuzung fort. Leider erstmal über breite Waldautobahn, die meinen Füßen leicht die Stimmung verhagelt. Der Weg trägt mich sanft bergab und verliert ein paar Höhenmeter, ist aber bis zur nächsten Burg mit einer Vielzahl kleiner und größerer Buntsandsteinmassive garniert, deren Wände passend zur Logofarbe, mit gelber Schwefelflechte überzogen sind. Nach circa zwanzig Minuten erreiche ich schließlich die Wegspinne Col du Wineck: mein Ausgangspunkt zur zweiten Ruine.

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Sandsteinrieße vor Wineck.

Kreis 3Ich verlasse Col du Wineck halblinks und folge ab hier dem gelben Kreis zur nahegelegenen Burg Wineck. Ein niedriger Mauerring umspannt den Felsen der Oberburg, der für Kletterer freigegeben ist. Im Burghof stehen mehrere Sträucher von Schwarzer Apfelbeere, die gegessen werden kann, durchaus schmeckt und etwas an Heidelbeere erinnert. In mehreren Metern Höhe erkennt man den Eingang zur Oberburg mit ihren erhaltenen Felskammern, die heuer nur noch mit Klettergeschirr erreicht werden kann. Auf dem Felsen ragen die eindrucksvollen Reste von Palas, Turm und Schildmauer in den Himmel. Es folgt der Abstieg ins Winecker Tal bei Dambach.

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Ober- und Unterburg Winecks.

Logo PWV19Über das Maison Forestier Herrenhof erreiche ich den Wanderparkplatz westlich von Wineck und folge dem gelben Balken ab hier parallel zur Straße talaufwärts, der mir als Markierung bis zurück nach Obersteinbach erhalten bleibt. Hier zeigt bereits ein Schild zur nahegelegenen Burg Schoeneck, die in weniger als einer halben Stunde erreicht wäre, dem ich aber vorerst keine Beachtung schenke, um die Wanderung um den idyllisch gelegenen Fischweiher zu ergänzen. Was eine Straßenquerung und etwas Asphalt mit sich bringt, aber einen Tod muss man immer sterben!

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Schildmauer und Palasreste Winecks.

Ich folge dem Bachlauf bis zum Fischeracker Weiher im Norden: der perfekte Kontrast zum felsen- und burgenreichen Teil bisher und Quelle seltener Tier- und Pflanzenarten. Allen voran die Segge, ein Sauergrasgewächs, das auch als Zierpflanze und nicht gerade günstig, in der Gartengestaltung Verwendung findet und hier in freier Natur gedeiht. Sie bildet bis zu einem Meter hohe Grasknubbel, die in dieser Menge hier ein selten anzutreffendes, skurriles Bild abgeben. Es folgt der letzte, recht knackige Anstieg.

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Schwefelflechte in den Felsenwänden um Wineck.

Der Weg führt hinauf zur Burg Schoeneck, die als die besterhaltene Ruine der Nordvogesen gilt: sie setzt also eine deutliche Duftmarke und ist das unangefochtene Highlight dieser Wanderung. Hier ins Detail gehen zu wollen, würde glaube ich etwas ausarten. Erwähnenswert ist jedoch der schöne Ausblick von der Oberburg und Details wie Brillen- oder Maulschießscharten. Die Anlage befindet sich seit fast zwei Jahrzehnten im Wiederaufbau durch den Burgverein, ist aber weiterhin frei zugänglich. Tipp: vorm Eintritt erst eine komplette Runde ums Äußere drehen, um die monumentalen Ausmaße zu erfassen und die kleinen Türmchen und Tore nicht zu übersehen, die von oben verdeckt bleiben.

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Westseite der Unterburg. Im Hintergrund oben: die Anfänge der Oberburg Schoenecks.

In einem Flankierungsturm ist ein Museum installiert, das eine kleine Auswahl von Fundstücken präsentiert, die während der Instandsetzung auftauchten. Wer bei seinem Besuch auf den archäologischen Leiter trifft, sollte sich nicht vor Fragen scheuen! Denn im Gegensatz zu allen angestaubten Vorurteilen gegenüber Franzosen, ist er sich nicht zu schade seine Arbeit zu unterbrechen und in deutsch sein Wissen über die Burg zu teilen. Eine ausleihbare Infomappe in mehreren Sprachen kann mit auf die Erkundungstour genommen werden und erklärt die einzelnen Stationen. Hinter dem Burggraben lädt zudem eine Sitzgruppe zur letzten und wohlverdienten Rast, bevor es auf den Rückweg geht.

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Ausblick vom obersten Punkt Schoenecks.

Über die Ostflanke des Burgberges verlasse ich die Ruine und wandere gemächlich zurück nach Obersteinbach. Der Rückweg schraubt den Pfadanteil nochmal ordentlich in die Höhe, ehe ich nach etwa einer Stunde erneut auf das Steinbachtal treffe. Ich erreiche den westlichsten Teil Obersteinbachs und wandere durch den Ortskern zurück zum Ausgangspunkt. Wer mag kann hier einen gelungenen Abschluss begehen und sich an den elsässischen Speißen erfreuen, für die der Ort überregional bekannt ist. Ich kann zwei Lokalitäten empfehlen, bei denen man mit verschwitzter Wanderkleidung nicht den Rahmen sprengt. Infos zur Speisekarte, Preisen und den Öffnungszeiten bitte den Links entnehmen: >Restaurant am Wachtfels / >Alsace Village

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Oberburg der Ruine Schoeneck.

Fazit: Eine kurzweilige Wanderung die lediglich im Anstieg zu Wittschloessel und Schoeneck etwas Kondition erfordert und mit drei elsässischen Felsenburgen belohnt. Ausreichend Verpflegung ist Pflicht, da keinerlei Einkehrmöglichkeiten auf der Strecke liegen. Wer danach in Obersteinbach einkehren will, sollte sich vorab unbedingt über die Öffnungszeiten der Restaurants erkundigen. Die Markierungen sind lückenlos, überschneiden sich aber häufig und stiften so beim ein oder anderen vielleicht Verwirrung. Also Karte sicherheitshalber mitnehmen! Lediglich an der Wegspinne Col du Wineck habe ich die sonst allgegenwärtigen Hinweisschilder vermisst. Burg Schoeneck ist für jeden Burgenbegeisterten ein Muss im grenznahen Elsass. Wem die Anfahrt für einen Tag zu aufwendig ist, kann in Obersteinbach nächtigen (80€/Nacht) und übers Wochende den felsen- und burgenreichen Maimont im Norden erkunden: >Obersteinbacher Felsenwanderweg / >Maimonter Ostschleife

Absolute Wanderempfehlung und vor allem: bleibt wandern!

Patrick Scheller

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Zurück in Obersteinbach. (=Wachtfels)

 

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ÜBERSICHT

Ort: 67510 Obersteinbach (Elsass/Frankreich)

Parkplatz: im Ortskern

Länge: 11 Kilometer

An- und Abstieg: 400 Höhenmeter

Karte: Westlicher Wasgau mit Dahn (Blatt 7 Landesvermessungsamt – 1:25000) / Hagenau Wissembourg (L’outre-Foret PNR des Vosges du Nord – 1:25000 (ISBN: 978-2-7585-1425-1))

Karte Obersteinbacher Burgenwanderweg

 

 

4 Gedanken zu “Obersteinbacher Burgenwanderweg

  1. samojedenerlebnisse schreibt:

    Lieber Pat, deine tollen Burg- und Felsbilder machen mir Lust, gleich mal dort ein Wanderwochenende zu verbringen…überhaupt sind deine Wanderberichte tolle Inspirationen und ich habe vor kurzem schon zwei deiner Tips (die Wege beim Annweiler Forsthaus Schwarzer Fuchs und die Hohle-Felsen-Tour) erwandert und hatte dabei viel Freude.

    LG Andrea

    Gefällt 1 Person

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