Obersteinbacher Felsenwanderweg

Die durchaus fordernde Halbtageswanderung steht ganz im Zeichen der beiden Hauptattraktionen: des Wachtfels und Bayrisch Windstein über und westlich von Obersteinbach, das durch seine elsässischen Gaumenfreuden überregional bekannt ist. Phänomenale Ausblicke in die grenznahen Nordvogesen und zwei außergewöhnliche Burgruinen fern ab der überfrequentierten Routen um den Wasigenstein, machen diese grenzüberschreitende Wanderung am „Zweiländerberg“ Maimont so lohnenswert. Es müssen 13,5 Kilo- und ~ 400 Höhenmeter bewältigt werden.

DSC_0046.JPG

Auf dem Bayrisch Windstein.

DSC_0002 (2)Das Auto steht in Petersbächel, einem 250 Seelenort zu Füßen des Maimont und gegenüber des französischen Obersteinbach. Ich parke am Wanderheim >Walthari-Klause, das einen gelungenen Abschluss in zwangloser Atmosphäre garantiert und anders als die Hütten des Pfälzerwaldverein täglich geöffnet hat. Mein rotgelb markierter Zuweg lenkt mich durch die Ausläufer von Petersbächel zügig in den Wald und hinauf zur Wegspinne Florenberger Hals (= Col du Florenberg) und das mit erheblicher Steigung! Die erste Konditionsprobe heute.

DSC_0074

Felskammer des Bayrisch Windstein.

DSC_0018 (2)Ist man erstmal oben, kann man sich vorläufig auf der erreichten Höhe ausruhen. Mit blauweiss gelange ich zum ersten Aussichtsfelsen. Leider über Waldautobahn, aber für Maimontverhältnisse in maximaler Abgeschiedenheit: toll. Der Weg folgt für die nächsten zweieinhalb Kilometer der Flanke des Großen Florenberg und mündet später in den Felseinstieg oberhalb des Bayrisch Windstein. Durch mächtige Findlinge gelange ich zur Stahlleiter, die mich auf das Aussichtplateau bringt. Und das hat es in sich: atemberaubender Blick über die endlosen Bergketten des Elsass und zur westlich gelegenen Ruine Lützelhardt: meinem nächsten Wegpunkt.

DSC_0150

Burg Lützelhardt.

DSC_0110 (2)Ein Anblick der in Ruhe genossen werden will, bevor ich weiter über blauweiss in Kehren und mit deutlichem Gefälle ins nordwestliche Steinbachtal absteige. Ein  fischreicher Weiher kommt mir noch entgehen, ehe ich auf das Naturschutzgebiet Adelsberg-Lützelhardt treffe. Eine Infotafel in beiden Sprachen informiert über das länderübergreifende, 400 Hektar große Naturwaldreservat, das von der europäischen Union gefördert wird. 241 Pflanzen-, 112 Moos- und 50 Vogelarten haben hier ein Zuhause, im Buchenurwald von Morgen: toll. Ich folge dem gelben Kringel wenige Meter bis zur nächsten Kreuzung.

DSC_0234

Palasruine auf dem obersten Plateau.

DSC_0124 (2).JPGIch befinde mich unlängst auf elsässischer Seite und rufe mir in Erinnerung, wie gut wir es eigentlich haben, einfach so nach Lust und Laune die Grenze überschreiten und mit unseren Nachbarn einen Schwatz in verkrüppeltem Englisch halten zu können. Eine Selbstverständlichkeit, die eigtl. nicht selbstverständlich ist. An der folgenden Kreuzung wechsle ich erneut die Markierung zur roten Raute, die mir für sehr lange Zeit erhalten bleibt und laufe an der Schranke vorbei zum ersten Abstecher. Die Waldautobahn geht zügig in Pfad über und führt mit moderater Steigung zur Ruine Lützelhardt.

DSC_0232.JPG

Traumausblick vom obersten Punkt Lützelhardts.

Eine elsässische Felsenburg wie sie im Buche steht und seit jeher eine meiner Favoriten. Sie nimmt einen rießigen Felsen in Beschlag, der über mehrere Holz- und Stahlleitern erklommen werden kann. Zweigeschossige Ringmauerreste, zwei Felsenkeller und die Ruine des Burgtors bilden die Unterburg. Auf der mittleren Ebene hat sich kein Mauerwerk erhalten, lediglich die Balkenlöcher im Fels und akkurat herausgeschrotete Kammern lassen Rückschlüsse zu. Wer sich bis ganz noch oben traut, kann wie vor 600 Jahren in den erhaltenen Sitznischen der Palasruine Platz nehmen und eine Rast einlegen: Traumaussicht ist garantiert!

DSC_0262.JPG

Autobahn nach Obersteinbach.

DSC_0124 (3)Ich reiße mich los und gehe auf selbem Wege zurück, folge weiterhin der roten Raute nun in anderer Richtung bis nach Obersteinbach, was vor dem Ort eine recht hässliche Schotterpiste mit sich bringt. Man kann nicht immer alles haben! Dafür erhält man die Möglichkeit auf halber Strecke einkehren zu können. Für verschwitzte Wanderer bieten sich hier zwei Lokalitäten an: das >Alsace Village und das >Restaurant am Wachtfels mit Terrasse, unterhalb des gleichnamigen Buntsandsteinmassivs. Wer Enttäuschungen vorbeugen will, informiert sich am besten vorab durch meine Links über die Öffnungszeiten!

DSC_0386.JPG

Der Wachtfels.

DSC_0286 (2)Kleiner Tipp: wer tatsächlich einkehrt, sollte bei der Speisewahl den nachfolgenden Anstieg mit einkalkulieren! Hinter dem letztgenannten Lokal geht es weiterhin über rote Raute steil bergauf und später über herrlichen Pfad zur Ruine Klein Arnsburg, der ich vorläufig keine Beachtung schenke um den letzten, zehnminütigen Abstecher zum Wachtfels zu nehmen: mit der Burg eines der Wahrzeichen Obersteinbachs und beliebter Kletterfels. Wer rechts hinabsteigt, gelangt zu einem großen Felsauge, das geradezu nach Pause schreit und Schatten spendet. Der Blick hinunter zum Ort und auf die gegenüberliegenden Hänge ist unbezahlbar.

DSC_0384.JPG

Blick durchs Felsauge auf Obersteinbach.

Ich laufe zur Ruine zurück, die die deutlich kleinere der heutigen ist und als Turmburg einen schmalen Felsen in Beschlag nimmt. Eine Stahlbrücke überspannt den Halsgraben, die originalen Felsentreppen führen an Wachstube und Kammer vorbei, aufs oberste Plateau und zum Wohnturmrest. Der Ausblick bleibt der gleiche, kann dem Gefühl auf dem Wachtfelsen aber nicht das Wasser reichen. Ich verlasse die Anlage auf anderer Seite nun wieder über die rote Raute und steige ins Langenbachtal ab. Und das weiterhin über Pfad: schön.

DSC_0400

Blick auf die Vorburg und den Aufgang zur Kernburg der Ruine Klein Arnsburg.

DSC_0408 (2)Nach überqueren des Flüsschens wechsle ich ein letztes Mal die Markierung und folge dem roten Kreis zur allerersten Wegspinne – Florenberger Hals (= Col du Florenberg). Es geht über breite Waldautobahn und anfänglich parallel zum Langenbach stetig bergauf. Nach vierzig Minuten ist die Kreuzung erreicht. Ich steige den rotgelben Zuweg, der mich heute morgen noch in die Waden gezwickt hat, nun gemütlich ab und zurück nach Petersbächel. Die Aussicht auf einen kühlen Radler in der Walthari-Klause beschleunigt deutlich meine Schrittfrequenz.

DSC_0334

Originaler Aufgang im Felsen der Kleinen Arnsburg.

Fazit: Die vielen knackigen Anstiege nagen deutlich an der Substanz und fordern einiges ab. Die Autobahnen und Schotterpisten nerven ein wenig, allerdings hält die Strecke auch einige tolle Pfadpassagen bereit. Die Wegpunkte sind exquisit, die Aussichten spektakulär. Die Ruinen wissen ebenso zu begeistern, auch wenn sie im Schatten der östlich gelegenen Legende >Wasigenstein stehen. Einkehren kann man sowohl in Obersteinbach, als auch nach der Tour in Petersbächel. Rucksackverpflegung bleibt trotzdem Pflicht! Die Markierungen sind eindeutig und lückenlos, wer sich sicherer fühlt oder umdisponieren will, packt die Karte ein. Absolute Wanderempfehlung.

Bleibt wandern!

Patrick Scheller

DSC_0391.JPG

Ein letzter Blick vor dem Rückweg.

Tipp: Wer mag, kann nach dem Abstieg von der Kleinen Arnsburg an gleicher Stelle statt über den roten Kreis, weiterhin der roten Raute folgen und verlängert die Wanderung so um den Besuch der Ruine Wasigenstein. Wer sie noch nicht kennt und so schnell nicht wieder in der Nähe ist, sollte sich das vielleicht nicht entgehen lassen! Die Höhenmeter verändern sich dadurch nicht, lediglich der Anstieg fällt deutlich steiler aus. Von Wasigenstein gelangt man zur Wegspinne Col du Wasigenstein und trifft dort erneut auf den roten Kreis, dem man dann nach links zum Florenberger Hals folgt. Weitere lohnende Wanderungen um den Maimont und in seiner Nähe sind die >Maimonter Ostschleife, >Maimonter Burgenrunde und die >Schönauer Pfaffenfels-Tour.

 

Wenn Dir der Artikel gefallen hat, gib mir ein „Like“ oder zeig der Kommentarspalte ein wenig Liebe. Danke.

 

ÜBERSICHT

Ort: 66996 Petersbächel

Parkplatz: an der Walthari-Klause (Gebüger Straße)

Länge: 13,5 Kilometer

An- und Abstieg: ~ 400 Höhenmeter

Karte: Westlicher Wasgau mit Dahn (Blatt 7 Landesvermessungsamt – 1:25000)

GPX-Track: >Obersteinbacher Felsenwanderweg

Obersteinbacher Felsenwanderweg.jpg

 

 

 

 

2 Gedanken zu “Obersteinbacher Felsenwanderweg

    • Patrick Scheller schreibt:

      Hi Andrea,
      das war er allerdings: Wetter in Feierlaune und nahezu allein im Wald. Einer der Tage, an denen alles passt! … da bin ich mal auf deine Meinung gespannt, wenn du dort unterwegs warst. Vll gehen wir da auch mal zusammen auf Achse.

      LG Pat

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s