Traumschleife Masdascher Burgherrenweg & Hängeseilbrücke Geierlay

Seit 2015 führt die Traumschleife rings um Mastershausen und vereint Mühlen, Burgen, tolle Ausblicke, wildromantische Bachtäler und die Reste eines Erzstollens zu einer 14 Kilometer langen Rundtour, die vom Deutschen Wanderinstitut mit (Achtung!) satten 84 Erlebnispunkten geadelt wurde. Die 465 Höhenmeter verteilen sich auf mehrere An- und Abstiege und verlangen durchaus Kondition. Der Abstecher zur Geilerlay, Deutschlands zweitlängster Hängeseilbrücke ist das I-Tüpfelchen und hebt die ohnehin schon sehr gehaltvolle Wanderung nochmals auf ein anderes Niveau.

Reiner Sohlensex.

Nachdem ich an Pfingsten den Hunsrück in Bad Kreuznach schon gestreift habe und ich die Landschaft schwer beeindruckend fand, beschloss ich kurzerhand nochmalig in die entgegengesetzte Richtung zu fahren. Also statt in die Südpfalz und zur elsässischen Grenze, dieses mal nach Mastershausen, dass zur Verbandsgemeinde Kastellaun gehört. Da ich im Pfälzerwald manche Bäume mittlerweile schon beim Vornamen kenne, aber der Hunsrück völliges Neuland für mich ist, kein Kartenmaterial vorhanden ist und GPS-Gerät sowieso nicht, wusste ich schonmal, dass es ein Premiumweg werden musste, da eindeutig markiert und unverlaufbar.

Tolle Lichtstimmungen im Tal.

Im Internet stieß ich schnell auf auf die Traumschleife Masdascher Burgherrenweg, die die Netzgemeinde übereinstimmend großartig fand, was selten vorkommt und die zudem recht nahe an der Geierlay verläuft, die ich schon besuchen wollte, seit ich das erste Bild von ihr in einem Zeitungsartikel sah. Die Erwartungen sind also enorm, als ich das Auto im Ortskern von Mastershausen parke und der orangefarbenen Markierung des Zuwegs, 700m auf die Traumschleife folge. Zwei Straßen und ausgedehnte Wiesen- und Ackerflächen später, tauche ich das erste mal in den Wald ein.

Der Masdascher Bach.

Ich gehe die Strecke gegen den Uhrzeigersinn und treffe nach kurzer Zeit auf den ersten Wegpunkt, Windwurf genannt. Ein kleiner Aussichtspunkt mit Sinnesbank, hoch über dem Masdascher Bachtal. Zwei Unterschiede fallen mir sofort ins Auge: im Pfälzerwald ragen keine Windräder über die Baumkronen hinaus und unser Buntsandstein wird hier durch Schiefer ersetzt. Ein echter Traumpfad führt den Hang ins Tal hinab, die Fingerhüte säumen den Wegrand und mischen etwas Farbe ins Grün: ich bin zuhause.

Burgruine Balduinseck.

Im Tal wird erstmals der Bachlauf überquert, bevor es zum Rastplatz am Katzenloch geht, mit der angrenzenden Schiefergrube Balduin. Der Stollen ist heuer versperrt, sofern man keine Angst vor Spinnen hat, kann man aber durchs Mundloch bis zum Gitter gehen und durch die Stäbe einen Blick auf den Dom im Innern werfen, in dem sich ein kleiner See gebildet hat. Nun geht es immer hart am Masdascher Bach entlang, der noch einige Male über Holzbrücken überstiegen wird. Ein traumhaftes Wegstück, das der Seele schmeichelt und die ersehnte Entschleunigung bringt.

In der Wohnturmruine.

Der Weg hat mich längst abgeholt. Manchmal weis man einfach schon zu Beginn, dass man etwas Großartiges unter den Schuhen hat! Es folgen die Ruinen der Bucher- und Möhre Mühle, die zum Teil noch in stattlichen Mauerresten an der Bachnarbe stehen und bis ins Jahr 1700 zurückreichen. Der Rastplatz am Wendelinus ist der schönste im ersten Wegviertel und liegt ebenfalls direkt am Flüsschen. Parallel zur kristallklaren Wasserader und vorbei an mächtigen Schieferklippen, die den Weg rechtsseitig begrenzen, gelange ich zum Hexentürmchen und schließlich zur Burg. Die Strecke stimmt schon eine Weile mit dem Saar-Hunsrück-Steig überein.

Letzte Überquerung des Masdascher Baches.

Burg Balduinseck ist die Ruine einer Höhenburg aus dem 13. Jahrhundert, die der Erzbischof von Trier hier auf einem Schieferkegel in 300m Höhe erbauen ließ. Die Anlage ist in top Zustand, auch weil sie erst in den 2010ern restauriert wurde. Über eine Stahltreppe geht es zum Burghof, der von einer turmbewehrten Ringmauer umschlossen ist und einige Sitzgruppen beherbergt: ein schöner Rastplatz. An ihn schließt sich der rießige Wohnturm an, der noch immer in viergeschossiger Höhe erhalten ist. In seinem Innern befinden sich der Burgbrunnen und ein erhalter Kamin: toll. Einziger Nachteil: die Burg steht heute direkt an der L203, die aber erfreulicherweise kaum befahren ist und die Ruhe somit kaum stört.

Toller Felsenpfad Richtung Kaspers Mühle.

Die Landstraße wird nach verlassen der Burg durch einen Tunnel unterquert, bevor es durch ein kleines Stück Auenwald zum nächsten Anstieg geht. Es wird nochmalig der Masdascher Bach überschritten, bevor es hart an bizarren Schieferwänden hinauf zum Rastplatz Herges Garten geht. Bis dahin reichern Kaspers Mühle und ein schöner Ausblick die Strecke an. Die folgende Hochebene ist ein toller Kontrast zum wasser- und felsenreichen Waldteil bisher. Hat man die Wiesen und Felder östlich von Sosberg durchquert, folgt erneut Wald mit tollem Pfad und steilen, mit Stahlseil gesicherten Passagen: grandios. Es folgen die Schutzhütte auf dem Burgberg mit tollem Ausblick, auf dem schon die Kelten eine befestigte Siedlung hatten und ein antiker Brunnen der Römer.

Toller Kontrast nahe Sosberg.

Der Rastplatz Herzenauer Hannes, nächster Wegpunkt und am Zusammenfluss von Sosberger- und Masdascher Bach gelegen, ist der Schlüsselpunkt für alle, die die Geierlay mitnehmen wollen. Die Tour verlängert sich dadurch allerdings um 1,8km (einfach) auf knapp 18km Länge! Ein Abstecher der sich allerdings auch lohnt, denn die Hängeseilbrücke zählt zu den längsten Europas und war bis 2017 die längste Deutschlands. 62 Tonnen Stahl spannen einen 360m langen Bogen über das Mörsdorfer Bachtal und führen den Besucher auf Douglasienplanken in 100m Höhe sicher zum gegenüberliegenden Berg. Die Höhe und das Schwingen der Brücke zur Mitte hin sind sicherlich nicht jedermanns Sache, aber so oder so ist das doch extrem beeindruckend: großartig, zumal die Brücke kostenfrei überquert werden kann.

Auf der Geierlay Richtung Mörsdorfer Seite.

Ich laufe auf selbem Weg wieder zum Herzenauer Hannes zurück und führe die Traumschleife Richtung Grube Apollon, durchs Sosberger Bachtal fort. Das recht junge Erzbergkwerk, dass erst 1891 gegründet und bereits 1941 geschlossen wurde, ist zudem Rastplatz und hält eine Schutzhütte bereit. Der folgende Anstieg bringt nochmal das Salzwasser zum kochen und führt mich recht schnell in die Höhe und zu einem weiteren Aussichtspunkt. Auf dem Hunsrückplateau geht es durch weite Kornfelder zum Galgenturm und der nahegelegenen Eich, einem 500 Jahre alten Eichenbaum, der mittlerweile Naturdenkmal ist und trotz mehrerer Blitzeinschläge und ausgebranntem Innern, jedes Jahr von neuem Blätter austreibt: unglaublich.

An der Grube Apollon.

Fortan geht es die letzten Kilometer über endlos aneinandergereihte Felder hinab und zurück nach Mastershausen, mit ununterbrochenem Rundum-Traumblick. Und trotzdem für mich der schwächste Abschnitt: ich schätze, ich habe einfach gerne Bäume um mich herum. Ein Gehege mit dutzenden Rehkitzen, die alle im Schatten nahe des Zaun Schutz vor der brennenden Mittagssonne suchen, schauen mich erst skeptisch an, bevor sie sich doch entschließen, im Kollektiv das Weite zu suchen. Mein letztes großes Highlight. Der Hallgarten, ein Bauerngarten mit üppigen Blütenständen von Eisenhut, Wiesensalbei, Schafgarbe und vielem mehr, versüßt mir den Wiedereintritt in Mastershausen. Über den orangefarbenen Zuweg gelange ich schließlich zurück zum Auto.

An der „Eich“ auf dem Hunsrückplateau.

Fazit: Meine hohen Erwartungen wurden sämtlich erfüllt. Die 84 Punkte des Wanderinstituts sind mehr als verdient, auch wenn ich fand, dass das letzte Viertel etwas schwächer war. Die Streckenführung ist einfach grandios und gepflegt, die Wegpunkte schön und abwechslungsreich: eine tolle Mischung von Wald und Wiese, Aussicht und dichtem Wald, rauem Fels und idyllischen Bächen. Ein Weg der begeistert. Wem die Strecke nicht zu lange wird, sollte die Geierlay mitnehmen. Warnung: wer glaubt er könnte nach Mörsdorf fahren und ohne Aufwand zur Brücke gelangen, irrt. Denn auch dann muss man einen 1,6km langen Zuweg in Kauf nehmen. Die Strecke ist wie gewohnt lückenlos markiert, unterwegs zeigen zudem Wegmarken in Logofarbe die zurückgelegten Kilometer an: toll. Auf der Strecke kann nicht eingekehrt werden, dass heißt ausreichend Verpflegung ist Pflicht! Der Abschluss kann im Ort begangen werden. Hunsrück, wir sehen uns wieder: absolute Wanderempfehlung.

Bleibt wandern!

Patrick Scheller

Rehkitz im Gehege vor Mastershausen.

 

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ÜBERSICHT

Ort: 56869 Mastershausen (Kastellaun)

Parkplatz: im Ortskern, bei der Gemeindehalle

Länge: 13,9 Kilometer (+ 3,6 Kilometer mit der Geierlay)

An- und Abstieg: 465 Höhenmeter

Karte: Emmelshausen und Kastellaun (Wandergebiet Hunsrück Landesvermessungsamt – 1:25000)

4 Gedanken zu “Traumschleife Masdascher Burgherrenweg & Hängeseilbrücke Geierlay

  1. Nick Peter schreibt:

    Peter Nick
    Hallo Patrick,ein toller und wirklichkeits naher Bericht den du da verfasst hast.Bis auf eines :Mastershausen ist eine eigenständige Gemeinde und lediglich über die Verbansgemeinde mit Kastellaun verbunden.

    Gefällt 1 Person

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