Vitaltour Rheingrafenstein

Fern ab von meinem sonstigen Wandergebiet, dem Pfälzerwald, tauche ich heute in den Stadtwald von Kreuznach ein. Genauer gesagt, geht es nach Bad Münster am Stein- Ebernburg, wo sich Nordpfälzer Bergland, Hunsrück und Rheinhessen treffen. Zwei Burgruinen, ein spektakulärer, „alpiner“ Pfad und unzählige Traumaussichten garnieren die brandneue Strecke, die noch dieses Jahr als Premiumweg zertifiziert werden soll! Fünfzehn Kilo- und dreihundertachzig Höhenmeter bieten Anspruch und Abwechslung und verlangen nach Ausdauer und ausreichend Zeit.

Ziegenmelkerwiese mit Blick zum Rotenfels.

Das Auto steht auf dem Wanderparklatz am Freitzeitgelände Kuhberg in Bad Münster. Der Rundweg wird zwar erst noch zertifiziert, ist aber in beiden Richtungen bereits durchgängig markiert. Ich folge dem lila Wegzeichen: Eine von drei neukonzipierten Strecken rund um den Rheingrafenstein, die für jede Kondition eine passende Route bieten. Der Rucksack ist geschultert, die Schuhe gebunden und sofort tauche ich in den Eichenwald ein, der herrlich anzusehen, aber aktuell mit Vorsicht zu genießen ist. Die Raupen des Eichenprozessionsspinners fressen sich noch bis Ende Juni durch das Laub.

Zugang zur Altenbaumburg.

So hässlich wie sie aussehen, so gefährlich sind sie auch, denn ihre Haare können heftige allergische Reaktionen und Atemnot verursachen und hinterlassen übel brennende Quaddeln auf der Haut. Also einen großen Bogen um die Winzlinge machen. Die Angsthasen können ab Juli wiederkommen, da sie dann bereits verpuppt sind. Ansonsten weis mich die Strecke schon zu Beginn sehr zu begeistern und hält tollen Naturweg und schöne Waldbilder bereit. Ganz unvermutet muss ich gestehen, da die Anreise mit dem Auto ausnahmslos durchs offene Flachland führte.

Traumblick vom Uhufels zurück zur Burg.

Die Abwechslung ist rießig. Immer wieder führt der Weg an offenen Stellen vorbei, mit schönen Ausblicken ins Tal oder führt über Wiesen, bevor es erneut über Pfade durch den Wald geht. Das Forsthaus Spreitel ist der erste Wegpunkt, aber leider geschlossen. Weniger schlimm, da in unmittelbarer Nähe das Waldheim angrenzt und sich zur Einkehr eignet. Für mich zu früh, da ich die Strecke im Uhrzeigersinn gehe und gerade erst losgelaufen bin, wer gegen ihn läuft, kann hier aber kurz vorm Ende preisgünstig und in zwangloser Atmosphäre Kalorien tanken.

Ebernburg und Rotenfels.

Es folgt die Ziegenmelkerwiese, eine breite, offene Fläche, die hoch oben, über dem Nahetal liegt und den Blick auf den mächtigen Rotenfels freigibt. Der markanteste Berg weit und breit und eine echte Ausnahmeerscheinung, hat er doch die höchste Steilwand zwischen den Alpen und Skandinavien: toll. Wer würde das hier vermuten?! Der Ort dient zudem als Rastplatz. Von der Sitzgruppe lässt sich der Ausblick in Ruhe genießen, bevor es weiter auf und ab, zur ersten der zwei Burgen geht.

Blick auf Rheingrafenstein.

Die Altenbaumburg, ehemalige Residenz der Raugrafen, zählt zu den größten Burgen der Pfalz und thront auf dem Schlossberg über dem Ort Altenbamberg. Eine Stahlbrücke aus dem 19. Jahrhundert überspannt den rießigen Burggraben und führt ins Innere, das noch ansehnliche Mauerreste beherbergt und eine Schänke im rekonstruierten Wohnhaus. Die Anlage steht auf Kilometer siebeneinhalb, also exakt in der Mitte der fünfzehn Kilometer langen Rundtour. Eignet sich also hervorragend für eine kleine Verschnaufpause und Einkehr. Wenn auch nicht ganz preisgünstig. Mein Radler hat mich 3,50€ gekostet, was ja völlig okay ist, aber ein Salat mit Putenstreifen kann mit stolzen 13€ nicht mit den Hütten des Pfälzerwaldverein konkurrieren: schade.

Vorderer Porphyrfels, Nahe und Ebernburg im Hintergrund.

Der Weg setzt sich über einen tollen schmalen Pfad fort und mündet wenig später am Uhufels, einem Aussichtspunkt mit Bank und Traumblick zurück zur Burg. Die nächste Aussicht vor dem Abstieg nach Bad Münster gibt den Blick auf die Ebernburg frei, eine mächtige Anlage, die mit Werksteinen der Altenbaumburg errichtet wurde und direkt über dem Kurort liegt. Rechts davon ragen die Wände des Rotenfels in den Himmel und schon wenig später schaut man in anderer Richtung zur Feste Rheingrafenstein, deren Mauern auf dem marmorierten Porphyrgestein errichtet wurden.

Ausblick vom Rheingrafenstein.

Ein erhabener Anblick, der schon Maler inspirierte. Unter anderem reiste William Turner, englischer Romantiker, nach Bad Münster, um diesen Anblick in Öl zu verewigen. Die Aussicht vom Rheingrafenstein muss aber teuer erkauft werden! Das mit Abstand anstrengendste Wegstück führt über steile Serpentinen und Treppenstufen auf den Vulkanfelsen und zu den Resten der Ruine. Die Mauern sind in stattlichen Teilen erhalten, durch den Felsen führen Treppen auf das Aussichtsplateau mit atemberaubendem Blick auf Bad Münster, die unter mir fließende Nahe und zur gegenüberliegenden Ebernburg: ein Erlebnis!

Der Rotenfels.

Kaum zu glauben, aber das beste kommt erst noch. Ein alpiner Pfad führt von der Burg auf den angrenzenden Berg. Über Serpentinen geht es stets den Hang hinauf durch das Porphyrgestein mit ununterbrochenem Blick auf Bad Münster, Rotenfels und später zurück zum Rheingrafenstein. Der helle Wahnsinn. Mit dem Zwei-Bäder-Blick und Gans folgen noch zwei offzielle Aussichtspunkte, die mich etwas schmunzeln lassen, da ich sowieso seit den letzten anderthalb Kilometern eine Nonstop-Traumaussicht genieße. Auf dem Gipfel angekommen, geht es auf anderer Seite gemütlich die letzten zwei Kilometer hinunter und zurück zum Auto.

Traumpfad nach dem Rheingrafenstein.

Fazit: Ein Wandergebiet, das mir noch völlig fremd war, aber für echte Begeisterung gesorgt hat. Einzigartige Burgen und die grandiose Landschaftskulisse um Bad Münster machen den Weg zu einem Erlebnis. Ab Rheingrafenstein ist Kondition gefordert, der alpine Pfad verlangt nach Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Einkehren kann man auf der Altenbaumburg oder im Waldheim. Vom Rheingrafenstein sind es zudem nur 200m bis zum Kurpark. Die Markierung ist lückenlos und unverlaufbar, der Rucksack will gut gefüllt sein. Absolute Wanderempfehlung.

Bleibt wandern!

Patrick Scheller

Garstige Raupe des Eichenprozessionsspinners.

 

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ÜBERSICHT

Ort: 55543 Bad Kreuznach (Stadtteil Bad Münster)

Parkplatz: Wanderparkplatz am Freitzeitgelände Kuhberg, Rheingrafenstraße

Länge: 15 Kilometer

An- und Abstieg: 380 Höhenmeter

Karte: Bad Kreuznach, Langenlohnsheim, Bad Münster am Stein-Ebernburg, Bad Sobernheim, Rüdesheim (Blatt 4 Naturpark Soonwald-Nahe Landesvermessungsamt – 1:25000)

Karte Vitaltour Rheingrafenstein

2 Gedanken zu “Vitaltour Rheingrafenstein

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