Rimbach-Steig

Der Rimbach-Steig: längster Premiumwanderweg Hauensteins, mit der zweithöchsten Bewertung von 69 Erlebnispunkten. Also eine vielversprechende Rundtour, die mit etwas mehr als 17km Länge rund um Schwanheim und Darstein führt. Tolle Waldpfade führen zu urigen Rastplätzen und malerischen Aussichtspunkten im östlichen Wasgau. Eine Reihe der typischen Buntsandsteinformationen säumen den Weg oder werden über kurze Stichwege erwandert. Die Wasgauhütte des Pfälzerwaldverein sorgt zur Mitte hin fürs leibliche Wohl. Satte 830 Höhenmeter gilt es zu überwinden und machen den Premiumweg zur anspruchsvollsten Wanderung im Umkreis.

Gipfelkreuz auf dem Hockerstein.

Namensgeber war und ist der Rimbach, der rechte Zufluss der Queich, der das Tal um Schwanheim in zwei Hälften teilt und stilisiert als Wegelogo dient: fließend blaues „R“ auf weissem Grund. Das Auto steht in Schwanheim, einem 580 Seelendorf Hauensteins, direkt am Einstieg zur Lourdesgrotte. Wer mag, kann genauso gut in Darstein parken und starten. Bergan und vorbei an sandsteinernen Stelen mit Reliefbildern, die Szenen aus der Bibel zeigen, gelangt man zur Grotte, deren Marienstatue nachweislich seit 1750 Ziel von Wallfahrten ist.

Toller Felsenpfad Richtung Häuselstein.

Ich gehe die Strecke im Uhrzeigersinn und bilde mir ein, dass die Anstiege so etwas moderater ausfallen. Der folgende Aufsteig bringt die Muskulatur auf Betriebstemperatur und mündet schon wenig später am Hockerstein, einem rießigen Buntsandsteinmassiv mit bis zu 36m hohen Steilwänden. Wer Glück hat, kann hier Kletterern zusehen, die laut Alpenverein auf zehn möglichen Routen zum Gipfel gelangen: höchste Schwierigkeit VIII. Die Wanderer gelangen über einen mit Stahlseil gesicherten Weg zum Plateau mit Gipfelkreuz, das den Ausblick auf die gegenüberliegenden Hänge gewährt. Der Anfang ist gemacht: toll!

Am (unteren) Häuselstein mit Felsenfenster.

Schmaler Pfad führt ab hier an mehreren bizarren Felswänden vorbei und über die Rücken von Weimersberg und Hockköpfel, durch herrlich duftenden Nadelwald mit etwas Eichen- und Kastanieneinschlag. Ein Stück Waldautobahn führt später zum Häuselstein, der auch Wegpunkt des >Dimbacher Buntsandstein Höhenweg und bereits bestens bekannt ist. Der Felsen liegt direkt über Darstein und kann als Rastplatz genutzt werden. Die Aussicht ist etwas eingeschränkt aber schön. Wer links hinabsteigt, gelangt zu einem kleinen Felsenfenster in der Wand: ein schönes Motiv.

Immersbergaussicht: auf dem vorderen Bergkegel Ruine Lindelbrunn.

Das folgende, vielleicht schönste Wegstück verläuft nun einige Zeit durch dunklen, atmosphärischen Wald, an unzähligen Sandsteinformationen und bizarren Felsknubbeln vorbei. In den von Schwefelflechte bedeckten Wänden, lassen sich meterlange Bienenwabenmuster erkennen, die durch Jahrmillionen der Erosion entstanden sind. Der nächste Anstieg bringt mich auf den 463m hohen Immersberg mit Aussichtspunkt. Und die hat es in sich: Traumblick zur direkt gegenüberliegenden Ruine Lindelbrunn!

Felsknubbel auf dem Pfad Richtung Darstein.

Über Serpentinen verlasse ich mit drastischem Gefälle den Gipfel und steige nach Darstein ab. Der Ort wird zügig durchschritten, liegt aber direkt an der L490, was für einige Zeit den Geräuschpegel etwas anhebt. Die Schutzhütte Kochelstein bietet sich hier vor dem Anstieg zum Haselstein zum Rasten an und bietet eine Unmenge an Schatten- und Sonnenplätzen, plus Feuerstelle. Der Haselstein ist eines der markantesten Felsmassive in der Region, wird aber (nur) umwandert. Wer mag, kann allerdings unterhalb dem unmarkierten Pfad zum Felsen folgen.

Toller Kontrast: offene Wiesenlandschaft vor Darstein.

Mit der Wasgauhütte des Pfälzerwaldverein, meinem nächsten Wegpunkt, liegt gen Mitte eine schöne Einkehrmöglichkeit auf der Strecke. Mittwochs und am Wochenende kann hier für wenig Geld deftig und gut gegessen werden. Auch Kaffee und selbstgebackenen Kuchen gibt es hier, den ich nur empfehlen kann. Ich nutze den Ort für die erste echte Rast, bevor es abermals hinauf geht. Ein knackiger steiler Anstieg führt zum Kühhungerfels, von dem man zurück auf den Haselstein schaut: toll! Wer die Augen offen hält, entdeckt danach eine Vielzahl an Grenzsteinen aus dem 18. Jahrhundert, die alle recht nahe zur Wegnarbe stehen.

Blick vom Kühhungerfels auf den Haselstein.

Abwechselnd Waldautobahn und Pfad führt nun wieder bergab und über den Hahnenstein, dessen Aussichtspunkt aber nicht die Qualität der vorherigen erreicht. Ganz anders der Hühnerstein, vorletzter Weg- und Aussichtspunkt, der sich mit dem >Hauensteiner Schusterpfad überschneidet und über eine abenteuerliche Stahlleiter erklommen wird. Von oben hat man den vielleicht besten Ausblick der gesamten Wanderung, zudem benennt eine Metalltafel die Sichtpunkte in der Umgebung. Aber Vorsicht: zwischen Februar und Juli kann es kurzfristig zu Sperrungen kommen, da hier Uhus und Wanderfalken gerne brüten. Am besten vorab über den Link des >Wanderfalkenschutz informieren!

Am Hühnerstein.

Ich steige erneut ab und quere vor dem Anstieg zum Nesselberg wieder die Landstraße. Ein recht hässliches Stück Schotterpiste, das so überhaupt nicht zum Rest der Tour passen will, geht dafür nach einiger Zeit in traumhaften Waldpfad über. Die steilen Serpentinen verbrauchen meine letzten Kraftreserven und führen zur ersten, der zwei Nesselbergaussichten. Ich laufe weiter, zum deutlich attraktiveren Aussichtspunkt, der direkt auf dem gewaltigen Nesselbergmassiv thront. Der Blick hinunter auf Schwanheim kündigt das baldige Ende der Wanderung an.

Tolle Lichtstimmung unterwegs.

Immer hart an den Steilwänden des Nesselbergfels entlang, geht es zügig ins Rimbachtal hinab und schließlich die letzten anderthalb Kilometer über Teerweg und Wiese zurück in den Ort.

Fazit: Über sieben Stunden reine Nettogehzeit und eine Vielzahl an harten Anstiegen verlangen dem Wanderer einiges ab: nur für Menschen mit guter Kondition geeignet! Dafür hält der Weg mehrere grandiose Ausblicke bereit und Abwechslung in Form von Felsenpfaden, Tälern, Wiesen und Massiven. Verpflegung ist hier essenziell, auch wenn mit der Wasgauhütte eine Einkehrmöglichkeit auf der Strecke liegt. Die Markierung ist premiumweggewohnt lückenlos, eine Karte quasi überflüssig. Absolute Wanderempfehlung.

Bleibt wandern!

Patrick Scheller

Zweite Nesselbergaussicht.

Tipp: Wer mag, kann die Strecke um zwei lohnende Abstecher verlängern: einmal über die Markierung des Buntsandstein Höhenwegs zum Rötzenfels (siehe Artikel) und über die Markierung des Lindelbrunn-Weg zur gleichnamigen Burgruine. Beide Abstecher kommen jeweils auf 4km in Summe, also 2km hin und zurück. Unterhalb Lindelbrunns liegt mit dem Cramerhaus zudem eine weitere Einkehrmöglichkeit. Auch kürzen lässt sich die Strecke: wer nach der Wasgauhütte nach Schwanheim absteigt, verringert die Route von 17 auf 10,5km!

Im Rimbachtal: zurück auf Los.

 

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ÜBERSICHT

Ort: 76848 Schwanheim (alternativ Darstein)

Parkplatz: in der Ringstraße, am Einstieg zur Lourdesgrotte

Länge: 17 Kilometer

An- und Abstieg: 830 Höhenmeter

Karte: Östlicher Wasgau mit Bad Bergzabern (Blatt 8 Landesvermessungsamt – 1:25000)

4 Gedanken zu “Rimbach-Steig

  1. samojedenerlebnisse schreibt:

    Hallo und mal stellvertretend für die vielen anderen Wanderungen in der Pfalz hier ein herzliches Dankeschön für die tollen Tourberichte! Als ganzganz frische Neupfälzerin und Wandersüchtige ist deine Seite eine richtige Fundgrube für mich!
    LG Andrea, die mit einem weißen Hund und einer Kamera auf dem Boden liegt 😉

    Gefällt 1 Person

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