Leininger Klosterweg

Sage und schreibe 82% Naturweg- und 44% Pfadanteil gilt es auf dem noch recht jungen Premiumweg im Unteren Pfälzerwald zu entdecken. Seit 2015 verbindet die 15,6 km lange Strecke die beiden Klosterstätten Höningen und Hertlingshausen und führt durch traumhafte Waldlandschaften im Leininger Land. Die Rundtour glänzt weniger mit herausstechenden Wegpunkten, sondern vielmehr durch große Ruhe und Abgeschiedenheit und eine tolle Wegführung. Der Schlüsselstein und die Klosterruinen sind die Sinnstifter dieser Wanderung, die vom Deutschen Wanderinstitut mit 56 Erlebnispunkten bedacht wurde. Ab Parkplatz kann mit sehr wenig Aufwand noch ein Ritterstein gesammelt werden.

Am Alten Sauhäuschen.

Das Auto steht am Rahnenhof in Hertlingshausen, einem Ortsteil von Carlsberg, das im Landkreis Bad Dürkheim liegt. Das Naturfreundehaus ist bei Wanderern und Radfahrern äußerst beliebt und zugleich Hotel, Schullandheim und Gaststätte. Neben dem Leininger Klosterweg zweigen hier noch mehrere Lokal- und Fernwanderwege ab. Ich gehe die Strecke gegen den Uhrzeigersinn, also Richtung Schlüsselstein. Die Markierung zeigt den doppelten Torbogen des Kloster Höningen auf gelbem Grund.

Traumpfad zum Kieskaut-Berg.

Der Weg beginnt sofort mit schmalem Pfad und führt vom Eckbachtal über den Kieskaut- und Leuchtenberg. Erster Wegpunkt ist das Alte Sauhäuschen, eine Schutzhütte mit Rastplatz, die aber zu nah am Rahnenhof liegt, um schon genutzt zu werden. Die gesamten 9km Wegstrecke nach Höningen verlaufen ausnahmslos über Naturwege und schmalen Pfad: einfach toll! Innerhalb kürzester Zeit findet man sich in großer Abgeschiedenheit wieder und gelangt durch tolle Waldbilder und offenen Nadelwald.

Der Blick zum Donnersberg.

Der Anstieg auf den Kieskaut-Berg bringt die ersten Schweißtropfen zum perlen und führt auf den 460m hohen Kamm, der einige eingeschränkte Aussichten in den Süden und zum Donnersbergmassiv im Norden bereit hält. Zwei Bänke machen es möglich, den Blick in Ruhe genießen zu können, bevor der Weg mit deutlichem Gefälle vom Gipfel führt und nach einiger Zeit im Rastplatz am Schlüsselstein mündet: ein Sandsteinmonolith mit eingraviertem Schlüssel, der die ehemalige Klostergrenze zum Ganerbenwald der Leininger Grafen markiert.

Klosterruine und -schänke.

Durch den Altleininger Wald geht es nun über die Flanke des 491m hohen Leuchtenberg, der an einer offenen Stelle die beste Aussicht des Tages bietet. Schließlich erreicht man das überschaubare Höningen, dessen Dorfkern noch immer von den baulichen Resten der Augustiner geprägt ist. Die Klosterschänke im Schatten der Fassadenruine eignet sich zur Einkehr auf halber Strecke. Gegenüber lohnt die Kapelle mit umliegendem Friedhof einen Besuch, der mehrere jahrhundertealte Grabsteine beherbergt.

Alter Grabstein auf dem Friedhof der Jakobs Kirche.

Die Jakobskirche ist sogar noch etwas älter als das Kloster selbst und zählt zu den ersten Bauten seiner Art im Pfälzerwald. Ein sandsteinerner Kopf, der vermutlich als Wasserspeiher diente, starrt einen neben dem Eingang an, der für gewöhnlich verschlossen ist. Die Kapelle kann auf Wunsch aber durchaus besichtigt werden: dazu ganz altmodisch in der Klosterstraße 2 bei Frau Keth klingeln und um Einlass bitten. Das Gotteshaus ist seit der Reformationszeit in evangelischem Besitz, das Kloster ist seither aufgegeben! Eine Tafel vor der Westfassade mit Torhaus, gibt den Wanderern einen kurzen Überblick über die Geschichte und heutigen Sichtpunkte der Anlage, die direkt dem Papst unterstand und als Grablege des Leininger Adelsgeschlechts von großer Bedeutung war.

Westfassade und Torhaus.

Ein kurzes Stück Asphalt führt durch das Doppelportal (=Wegelogo) aus dem Ort und zum Wanderparkplatz Höningens. Mit marginaler Steigung geht es ein bißchen auf und ab, bevor man schließlich über den Neuhöfer Brunnen zum Biobauernhof Neuhof gelangt, der inmitten des Eckbachtals liegt und zu allen Seiten von Wiesen und Weideflächen umgeben ist. Auf dem Grün weiden neben Exoten wie dem Schottischen Hochlandrind auch die heimische Elsa und Schafe: ein besonderes Erlebnis für die Kinder in der Truppe! Im Hausladen kann man von Montag bis Samstag die hofeigenen Erzeugnisse erstehen.

Am Wegelogo: das romanische Doppelportal.

Das Haupthaus ist ebenfalls ehemaliges Klostergut und bildet mit dem offenen Tal einen tollen Kontrast zu den bisherigen Waldpassagen. Über das Wegekreuz Fünf Wege wandert man gen Ende parallel zum Eckbach, der mit seinen Fliessgeräuschen schon fast für meditative Stimmung sorgt. Ein paar Fischzuchtstationen kommen einem noch entgegen, bevor es final durch den Ortskern Hertlingshausens zurück zum Ausgangspunkt geht. Die Gemeinde wartet leider nicht mehr mit Klosterruinen auf, war aber sozusagen eine Filiale, bzw. eine Außenstelle Höningens und beherbergte ein Frauenkonvent der Augustiner.

Im Eckbachtal.

Fazit: Wer sich entschließt hier zu wandern, sollte sich im Klaren darüber sein, dass das Leininger Land im Unteren Pfälzerwald so gar nichts mit dem felsenreichen Wasgau gemein hat. Auch bleiben die großen „Aha-Erlebnisse“ auf dieser Tour aus, ebenso gibt es keine (großen) Aussichten! Sicherlich ein Premiumweg der etwas anderen Art, der aber auf seiner perfekt markierten Strecke einen unschlagbar hohen Anteil an Naturwegen, Ruhe und eine große Portion Kultur bietet. Die Klosterschänke in Höningen sowie der Rahnenhof, bieten zwei Einkehrmöglichkeiten mit guter pfälzer Küche. Eine Karte ist überflüssig, Proviant sollte mitgeführt werden.

Bleibt wandern!

Patrick Scheller

Im Kiefernwald.

Tipp: Wer Rittersteine sammelt, kann ab Rahnenhof über einen 700m langen Abstecher und die Markierung des Eckbach Mühlenwegs, die Eckbach-Quelle erreichen, die zugleich Ritterstein Nr. 286 ist, mit Namen Eckbach-Ursprung.

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ÜBERSICHT

Ort: 67316 Hertlingshausen

Parkplatz: am Rahnenhof (ausgeschildert)

Länge: 15,6 Kilometer

An- und Abstieg: 430 Höhenmeter

Karte: Mittel- und Unterhaardt mit Bad Dürkheim und Leininger Land (Blatt 4 Landesvermessungsamt – 1:25000)

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