Wilgartswieser Biosphären-Pfad

Mit 8km Wegstrecke ist der Biosphären-Pfad zwar der zweitkleinste Hauensteiner Premiumweg, aber mit 56 Erlebnispunkten und 40% Pfadanteil ein lohnendes Ziel. Zumal er auf diese Distanz eine Fülle an tollen Wegpunkten bereit hält, wie die Reste der Reichsfeste Falkenburg, ein 38 Hektar großes Naturschutzgebiet oder den Kletterhotspot Deichenwand: Traumausblicke sind garantiert! Für Sammler liegt ein Ritterstein direkt an der Strecke. 340 Höhenmeter mit teils sehr steilen Anstiegen verlangen eine gute Kondition.

Aufgang zur Oberburg der Falkenburg.

Startpunkt ist die Falkenburghalle in Wilgartswiesen. Der Ort liegt direkt an der B10 und im Landkreis Südwestpfalz, gehört wie bereits erwähnt zu Hauenstein und ist durch seine neoromanische Kirche von weither erkennbar: Die einzige Sandsteinkirche mit Doppelturmfassade im gesamten Pfälzerwald und von den Einheimischen liebevoll Dom des Queichtal genannt. Ich laufe die Rundtour im Uhrzeigersinn und folge der Markierung Grüne Spirale.

Auf der Falkenburg.

Angrenzend zum Parkplatz führt sogleich ein Pfad in den Wald und bergauf zur Falkenburg, die innerhalb weniger Minuten erreicht ist und ein gewaltiges, 120m langes Felsenriff in Beschlag nimmt. Nichts für Menschen mit Höhenangst: eine hölzerne Treppe, die aus dem Fels herausragt, verbindet Ober-und Unterburg. Durch das steinerne Portal gelangt man auf das 15m breite, teils überhängende Felsplateau, auf dem sich die letzten Mauerreste von Bergfried und Palas finden lassen, sowie eine Kammer und die Zisterne: Traumaussicht garantiert!

Im Tiergarten.

Ich verlasse die Ruine in anderer Richtung und folge meiner Markierung mit deutlichem Gefälle bergab, die nun einige Zeit mit dem Prädikatsfernwanderweg Pfälzer Waldpfad übereinstimmt. Ich erreiche das 38 Hektar große Naturschutzgebiet Tiergarten, das auf den leininger Grafen Hans Heinrich zurückgeht, der den Zoo für die Fleischversorgung der Falkenburg anlegen lies. Heute ist das Gebiet die Heimat seltener Tier- und Pflanzenarten, wie Fadenmolch, Geburtshelferkröte oder Bienen-Kugeldistel, die in den Sumpfwiesen und Weihern prächtig gedeihen.

Ausblick von der Schneise.

Nach dem Idyll folgt der anstrengendste Teil der Runde. Der anfänglich noch moderat beginnende Anstieg zum Wanderparkplatz an der Kreisstraße 56 steigert sich immer mehr zu einem fast alpinen Pfad, der seinen Höhepunkt unterhalb der Stromtrasse findet und konservativ geschätzt, mit 35° Steigung die Schneise hinauf führt. Rauchern fliegt hier vermutlich die Pumpe weg. Der Blick von oben über das Heidekraut hinweg ins Wasgau, macht alle Mühe vergessen!

An der Kanzel.

Weiter geht es in großem Bogen über Forstweg und die Flanken des kleinen und großen Breitenberg. Ich passiere unterwegs den Rastplatz Wasgau-Blick, der aber die Aussicht von der Schneise zuvor nicht toppen kann. Am folgenden Wegekreuz mit Schutzhütte, beginnt der Abstieg zur Deichenwand mit Aussichtskanzel. Am Einstieg des Pfades steht ein Gedenkstein, der einem Ritterstein verblüffend ähnlich sieht, aber keiner ist: ein Andenken an den ehemaligen Ortsgruppenvorsteher des Pfälzerwaldverein, Kurt Reinhard, nach dem der Weg benannt wurde.

Kanzel mit Blick zur Falkenburg.

Die Kanzel der Deichenwand bietet die letzte Rastmöglichkeit vor dem Schlussabstieg und hält den Traumblick zur direkt gegenüberliegenden Falkenburg bereit. Der Abstieg führt hart an den bis zu 20m hohen Steilwänden der Deichenwand entlang, die von Kletterern allzeit gut besucht ist. Der Alpenverein listest zwanzig mögliche Routen: höchster Schwierigkeitsgrad ist VII. Ein kleines Stück Forstweg führt unterhalb vom Felsen weg, bevor schmaler Pfad erneut die Führung übernimmt und an der Hangquelle vorbei, durch einen Schulwald zurück zum Parkplatz führt. Angrenzend zum Zeltplatz an der Falkenburghalle streift man nochmals den Tiergarten und den gleichnamigen Ritterstein Nr. 46, der neben einer Infotafel steht.

An der Deichenwand.

Fazit: Durch ihre brutalen Anstiege, eine anspruchsvolle Rundwanderung, die zwei Probleme hat: erstens die Nähe zur Bundestraße, die die Geräuschkulisse deutlich vergiftet und wohl die meisten Punkte bei der Bewertung gekostet hat. Denn 56 Punkte sind eigtl. deutlich zu wenig! Zweitens die Länge: die Tour ist leider viel zu schnell vorbei. Gewohnt lückenlos markiert, reiht sie tolle Wegpunkte und Aussichten aneinander, bietet aber keine Einkehrmöglichkeiten, also ist Selbstverpflegung Pflicht. Absolute Wanderempfehlung.

Bleibt Wandern!

Patrick Scheller

Kletterer in der Deichenwand.

Tipp: Der Ort bietet mit der Wilgartswieser Burgen-Tour auch einen 15km langen Lokalwanderweg, der neben der Falkenburg auch die Wilgartaburg einschließt, die als Vorgängerbau der ersteren gilt. Die Rittersteinjäger können ohne Mühe noch einen zweiten Stein einsammeln: Nr. 45, mit Namen Ruine Neu-Falkenburg steht unterhalb der Falkenburg am Ortsausgang Richtung Hermersberg, vor einer Infotafel über die Falkenburg. Er markiert den Standort des ehemaligen Schlosses, das nach der Sprengung der Burg durch Truppen Ludwigs XIV. erbaut wurde.

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ÜBERSICHT

Ort: 76848 Wilgartswiesen

Parkplatz: an der Falkenburghalle (ausgeschildert)

Länge: 8 Kilometer

An- und Abstieg: 340 Höhenmeter

Karte: Vom Johanniskreuz bis Pirmasens (Blatt 5 Landesvermessungsamt – 1:25000)

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