Hohe List-Tour

Dieses lokale Wanderhighlight führt mich heute erneut in den Luftkurort Ludwigswinkel, der im Dahner Felsenland und unweit der französischen Grenze liegt. Die Hohe List, bedeutende Hütte des Pfälzerwaldverein, zwei Rittersteine, drei Felsmassive, der Sauerursprung und zwei Seen reichern die 14km lange Wegstrecke mit tollen Wegpunkten an. Bei knapp 300 Höhenmetern, die sich auf mehrere Anstiege verteilen, eine anspruchsvolle Halbtagestour in großer Abgeschiedenheit!

Der Schöntalweiher.

Das Auto steht entgegen der offiziellen Wegbeschreibung auf dem Parkplatz des Schöntalweiher im gleichnamigen Ortsteil von Ludwigswinkel (ausgeschildert!). Somit kürzt man die Tour von 17 auf 14 Kilometer und erspart sich die vollkommen überflüssige Schlaufe durch den Ortskern! Gegen den Uhrzeigersinn folge ich der Wegmarkierung, die die Silhouette der Hütte auf rotem Grund zeigt. Wer den Parkplatz verlässt und direkt nach der Treppe nach rechts schaut, findet sogleich den ersten Ritterstein Nr. 197, mit Namen Hier stand das Reissler Forsthaus, der sich somit von selbst erklärt.

Ritterstein Nr. 197.

Das erste Wegstück stellt sofort die Kondition auf die Probe und verläuft nahezu ausnahmslos über Forstweg bergan. Die kleinen Pfadpassagen, die die Autobahnen unterbrechen, geben einem dafür beinahe das Gefühl, querfeldein zu wandern. Trotz der Nähe zur allzeit gut besuchten Hütte, läuft man hier in maximaler Abgeschiedenheit: toll! Nach einiger Zeit ist mit dem Zigeunerfels der erste Wegpunkt erreicht: ein bizarres Felsmassiv, aus dem die Erosion zwei identische Sandsteinsäulen gewaschen hat.

Toller Pfad zum Zigeunerfels.

Ganz in der Nähe steht auch schon der Reitersprung, ein Buntsandsteinmassiv mit Rastplatz und eingeschränkter, aber schöner Aussicht. Kurz vor der Bruchkante lässt sich ein hufeisenförmiger Abdruck erkennen, der der Sage nach von einem Kosaken stammt, der von seinen Verfolgern gejagt, hier mit seinem Pferd in den Tod stürzte. Wer noch nicht vor Hunger stirbt, sollte sich die Pause sparen und stattdessen zur nun folgenden Hütte wandern, die etwas über einen Kilometer entfernt ist.

Am Zigeunerfels.

Die >Hohe List stammt aus königlich bayrischer Zeit und wurde bereits in den 1830ern als Forsthaus erbaut. Im 20. Jahrhundert von der Ortsgruppe des Pfälzerwaldverein übernommen, ist das Wanderheim heute zur beliebten Anlaufstelle avanciert. Und das, obwohl die Hütte ausschließlich per Mountainbike oder zu Fuß erreicht werden kann: der Forstweg ist für alle Kraftfahrzeuge gesperrt! Die Küche kredenzt die pfälzer Landesküche zu äußerst fairen Preisen: die ideale Einkehrmöglichkeit auf halber Strecke.

Auf dem Reitersprung.

Der Rückweg schraubt deutlich den Pfadanteil in die Höhe und führt mit hartem Gefälle ins Saarbachtal. Über das Felseneck, einem felsgespickten Waldabschnitt mit kleiner Sandsteinwand, gelange ich nach einiger Zeit zum Saarbrunnen. Der zugehörige Ritterstein Nr. 198, mit Namen Saarbach-Ursprung, misst dem Ort die angemessene Bedeutung bei. Das Rinnsal entwickelt sich später zu einem ansehnlichen Strom und wird zum Elsass hin, Sauer genannt: eines der großen Entwässerungsysteme des Pfälzerwald und Rheinzufluss!

An der Hohen List.

Ab hier geht es von nun an immer parallel zum Flussverlauf, bevor ich durchs Reißler Tal zum Mummelsweiher und dem nahegelegenen Reißlerhof gelange. Die Landstraße auf anderer Seite des Saarbach, die zwar wenig befahren ist, stört das Wanderfeeling trotzdem erheblich! Der Reißlerhof ist der letzte Wegpunkt auf der Strecke und eine Besonderheit. Das Haus reicht bis in die 1740er zurück und gilt als Geburtsstätte des Ortes Ludwigswinkel, das Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt gründete und namensgebend war. Ein kleines Stück Teerweg führt ab hier innerhalb weniger Minuten zurück zum Ausgangspunkt.

Am Felseneck.

Fazit: Die Wanderung hält sicherlich einem Vergleich mit dem >Rumberg-Steig (Premiumweg des gleichen Ortes) nicht stand, ist aber für einen Lokalwanderweg perfekt markiert und führt zu tollen Wegpunkten. Wem der hohe Anteil an Waldautobahnen nichts ausmacht und gerne seine Ruhe hat (zumindest in der ersten Hälfte), ist auf diesem Weg gut aufgehoben. Alle die Ludwigswinkel noch nicht kennen, sollten aber zuerst die Premiumvariante gehen! Einkehren kann man in der Hohen List, direkt am Schöntalweiher oder im Ortskern.

Bleibt wandern!

Patrick Scheller

Am Mummelsweiher.

Tipp: Ludwigswinkel bietet eine Fülle an Möglichkeiten. Neben dem Rumberg-Steig (siehe Link oben) und der Hohe List-Tour, bietet der Luftkurort weitere drei Lokalwanderwege, die zu lohnenswerten Zielen führen: namentlich Horbachkanzel-Runde (7km), Lindelskopf-Tour (7km) und Reißlerhof-Weg (10,4km), die alle im Ortskern beginnen. Gegenüber der Gemeindeverwaltung lädt außerdem ein Barfußpfad zur Rundtour der besonderen Art.

 

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ÜBERSICHT

Ort: 66996 Ludwigswinkel

Parkplatz: am Schöntalweiher im Ortsteil Schöntal (ausgeschildert)

Länge: 14 Kilometer

An- und Abstieg: 300 Höhenmeter

Karte: Westlicher Wasgau mit Dahn (Blatt 7 Landesvermessungsamt – 1:25000)

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