Rumberg-Steig

Der Rumberg-Steig ist eine junge Premiumtour, die 2016 ins Leben gerufen wurde und die seenreiche Talaue von Ludwigswinkel mit zwei Gipfeln und einer Quelle verknüpt. Ihren Namen verdankt sie dem Rumberg und seinen Buntsandsteintürmen, deren Silhouetten die orangefarbene Wegmarkierung zieren. Säg- und Rösselsweiher, ein Ritterstein, die Rösselsquelle und das ehemalige Kernwaffenlager Fischbach der US Army, dessen Gebäudekomplex nun zugänglich ist und unter Denkmalschutz steht, sind die Highlights auf der felsenreichen Wanderung, die es auf 11,2km Länge und 260 Höhenmeter bringt. Vom Deutschen Wanderinstitut mit 66 Erlebnispunkten bedacht, verspricht die Tour bei satten 73% Naturweganteil Halbtageswanderspaß der besonderen Art.

Toller Einstieg in die Tour.

Das Auto ist in der Dorfmitte von Ludwigswinkel, gegenüber der Gemeindeverwaltung geparkt; die jüngste Siedlung des Dahner Felsenland und an der Grenze zum Elsass gelegen. Hier zweigen neben dem Rumbergsteig gleich mehrere Lokalwanderwege wie die Horbachkanzel- oder Hohe-List-Tour ab, die sich allesamt zwischen 7 und 17km Länge bewegen und auch miteinander kombiniert werden können. Soll heißen: Ludwigswinkel ist ein lohnendes Wanderziel. Meine Markierung ist prägnant und führt mich über den Barfußpfad durch die Talaue und Ausläufer des Ortes.

Die Reste der Area One.

Der Waldeintritt ist schon das erste Highlight. Anfänglich noch ebener, lichtdurchfluteter Nadelwald und zu beiden Seiten der Wegnarbe ein Meer aus Moos, das der Nase mit seinem feinwürzigem Duft schmeichelt. Nach 1,3km erreicht man sogleich den ersten Wegpunkt: Area One. Die Reste des zu allen Seiten mit Bunkern gesicherten Hochsicherheitstraktes des ehemaligen Sonderwaffenlagers Fischbach, das bis in die neunziger Jahre in Betrieb war und nun unter Denkmalschutz steht.

Kleine Aussicht vom Rumberg.

Mehrere Schautafeln führen per Rundgang durch diesen kleinen Teil der ehemals 68 Hektar großen Anlage der US Armee und erklären die einzelnen Gebäudeteile und Hintergründe. Ein Relikt aus dem Kalten Krieg, das nun wie die Rumbergtürme nur durch Abzug der Truppen begehbar wurde: skuril, aber hoch interessant! Forst- und vereinzelt Teerweg führt von hier zum Rumberg (390m), dessen Gipfel über samtweichen Pfad und Serpentinen erwandert wird: der erste von insgesamt zwei Anstiegen heute.

An den Rumbergfelsen.

Die Belohnung folgt in Form der Rumbergfelsen und -türme, von denen die ersten fünf wie an einer Perlenkette aufgezogen, dicht beieinander in Reih und Glied stehen. Namentlich Ost-, Loch-, Wespen-, Habichts- und Kastenfels. Der vierte und spektakulärste, Wespe genannt, ist ausgewiesener Kletterhotspot des Alpenvereins mit gehobenem Schwierigkeitsgrad. Wer das Quäntchen Glück hat, kann den Athleten beim Üben zusehen.

Der Wespenfels.

Das genialste Wegstück folgt nun bis zum zweiten Gipfel weiterhin tollem Pfad bergab zum freihstehenden Buntsandsteinturm Spitzer Fels, bevor es zum letztem Mal in Serpentinen bergauf zum Guggenbühl (350m) geht, dessen Gipfel ein gewaltiges Felsenriff krönt. Von hier erreicht man den etwa einen Kilometer entfernten Rösselsweiher: ein traumhaft gelegener See, eingebettet in das 39 Hektar große Naturschutzgebiet Rohrweiher-Rösselsweiher. Mehrere Sitzgelegenheit zwingen einen förmlich zum Verschnaufen und bieten die Gelegenheit, den Froschkolonien bei ihrem Tagesgeschäft zuzusehen: ein Erlebnis.

Der Kastenfels.

Es fällt denkbar schwer, dass Märchfilmset zu verlassen. Die Rösselsquelle ist der nächste und vorletzte Wegpunkt. Kristallklares Wasser strömt aus der in der Kaiserzeit errichteten Sandsteinverkleidung und speist den nahegelegenen See, bevor sich das Wasser seinen Weg ins Tal bahnt. Der in unmittelbarer Nähe und direkt an der Wegnarbe stehende Ritterstein Nr. 273, mit Namen Rösselsbrunner Hof, markiert den Standpunkt der Hofgutruine gleichen Namens, die ehemals die umliegenden Wiesen bewirtschaftete.

Der Rösselsweiher.

Unschöner Forstweg und Schotterpiste führt zurück nach Ludwigswinkel und ist der Infrastruktur des ehemaligen Militärgeländes geschuldet. Der ausladende Sägweiher bietet an der Dorfgrenze Ludwigswinkels nochmals mehrere Sitzgelenheiten und dient in den Sommermonaten auch als Badesee. Über Pfad umrundet gelange ich durch den Ortskern zurück zum Auto und habe die angegebenen 4 Stunden Gehzeit deutlich überschritten, durch zwei Pausen an den Felsen und dem Rösselsweiher, die jeder erforschen und genießen sollte.

Ritterstein Nr. 273.

Fazit: Eine mittelschwere Halbtagestour die tolle Waldbilder bereit hält und kontrastreiche Wegpunkte bietet. Man quert oftmals Teerweg (aus oben genanntem Grund), aber das Traumstück zwischen Rumberg und Guggenbühl wiegt den Missstand vollends auf. Der Rösselsweiher ist ein wahrer und unerwarteter Seelenschmeichler. Ausblicke gibts so gut wie keine. Da keinerlei Einkehrmöglichkeiten auf der Strecke liegen, ist Rucksackverpflegung Pflicht. Die Markierung ist premiumweggewohnt lückenlos. Ludwigswinkel bietet nach der Tour mehrere Möglichkeiten für einen kulinarischen Abschluss. Absolute Wanderempfehlung.

Bleibt wandern!

Patrick Scheller

Zurück vor Ludwigswinkel.

Tipp: Im Südosten von Ludwigswinkel ragt der weithin sichtbare Burgfelsen der Ruine Lindelskopf aus den Baumkronen. Das große Felsenriff ist Wegpunkt des 20km langen Premiumweg Wasgau-Seen-Tour und bietet die Aussicht ins Elsass, die man auf dem Rumberg-Steig vermisst hat. Von der Burg ist, vergleichbar mit Ruppertstein bei Lemberg oder dem Backelstein in Hauenstein, eher wenig erhalten. Lediglich die Balkenlöcher ehemaliger Anbauten im Fels und eingemeißelte Treppenstufen zeugen von ehemaligem Leben auf dem Fels. (~ 30 Minuten ab Parkplatz) Für Sammler liegt im Nordwesten der Gemeinde ein zweiter Ritterstein parat. Nr. 197, mit Namen Reissler Hof, steht angrenzend zum Parkplatz des Schöntal-Badeweiher an der L478. (~ 3 Minuten mit dem Auto)

 

ÜBERSICHT

Ort: 66996 Ludwigswinkel

Parkplatz: Ortsmitte, ggü. der Gemeindeverwaltung

Länge: 11,2 Kilometer

An- und Abstieg: 260 Höhenmeter

Karte: Westlicher Wasgau mit Dahn (Blatt 7 Landesvermessungsamt – 1:25000)

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