Maimonter Ostschleife

(Neue Wegbeschreibung!) Heute wird die Maxitüte Kultur und Natur aufgerissen. Zum Vorschein kommen vier Burgen und drei Felsformationen, die mich in die Südpfalz und hinüber ins Elsass locken. Entgegen der sonstigen Rundtouren laufe ich die Strecke als Streckenwanderweg und beginne in Petersbächel, das genau an Frankreich grenzt und durch den Grenzberg Maimont vom französischen Obersteinbach getrennt wird. Die Burgen Blumenstein, Wasigenstein, Froensburg und Fleckenstein werden mir heute begegnen. Die Buntsandsteingiganten Klingelfels, Zigeunerfels und Langenfels runden das Programm mit vielen spektakulären Aussichten und dem Fleckensteiner Weiher ab. Die Route schickt mich von West nach Ost über das gesamte Kartenblatt meiner Wanderkarte: ich kratze an 20 Kilometern Länge, bei weit über 500 Höhenmetern und sehr hohem Pfandanteil.

Am Burgfelsen Blumensteins.

Der Maimont ist ein Grenzberg, der reich an Sagen und Ereignissen aus allen Epochen europäischer Geschichte ist. Seinen Gipfel krönt heute ein Friedenskreuz, das den Opfern der Schlacht von 1940 gedenkt und ebenfalls als Aussichtspunkt fungiert. Hunderte Soldaten beider Seiten ließen hier zu Beginn des Westfeldzuges ihr Leben und liegen nun auf dem Soldatenfriedhof in Dahn begraben. Eine Opferschale und Trümmer einer Ringwallanlage sind die letzten Zeugnisse keltischer Besiedlung. Der Felsen des Wasigenstein soll Austragungsort des Titanenkampfes gewesen sein. Schenkt man dem Waltharilied Glauben, dann hat Hagen von Tronje hier im Gefecht sein Auge verloren.

In der Kammer Blumensteins.

Es geht vom Parkplatz der Pfälzerwaldvereinshütte in Petersbächel ein paar Meter an Neubauten vorbei direkt in den Wald, der hier von Buchen dominiert wird und nur gelegentlich von Kiefern durchwirkt ist. Ich passiere einen Grenzstein von 1759, der immer noch wie neu aussieht und folge meiner Wegmarkierung, den rotgelben Balken, zur ersten Wegspinne, Zollstock genannt. Der Aufstieg zu dieser Kreuzung prüft gleich zu Beginn die Kondition, geht es doch mit heftiger Steigung bergan. Positiver Nebeneffekt: Auf der erreichten Höhe kann mich sich vorläufig ausruhen und man stellt fest, dass sich Wandershirts auch wunderbar als Handtücher eignen.

Auf Burg Blumenstein.

Logo PWV3Von nun an geht es nur noch mit marginaler Steigung Richtung Blumenstein. Die Markierung bis zur Burg ändert sich zu blauweiss, stimmt aber ebenfalls mit dem grünen Balken überein. Der Weg führt größtenteils über Waldautobahn, die um den Maimont und zur Ruine Wasigenstein führt. Vorm Eintritt in den Obersteinbacher Wald zweigt ein schmaler Pfad nach links ab, der mit deutlichem Gefälle zur Burg Blumenstein führt. (Ausgeschildert!) Die Burg ist seit 1332 belegt und der vorerst letzte Wegpunkt auf deutscher Seite. Die Ruine wurde ursprünglich als Kriegsbefestigung genutzt und nicht als Adelssitz, weshalb ihr nie größere Besitzungen übertragen wurden. Das Kleinod begeistert heute noch mit Pferdeanbindevorrichtungen, Zisterne, Felsentreppe und -kammer, sowie den eingeschossigen Resten des Wohnbaus. Gegenüber des Aufgangs steht eine Sitzgruppe, die einen schönen Ausblick auf die gegenüberliegenden Berge bereit hält. Auf den Resten des Bergfried klammert sich eine gebogene Kiefer fest: ein tolles Motiv.

Felsen und Mauern Großwasigensteins.

Nach Besichtigung der Anlage geht es das kurze Stück, das hinab zur Burg führte, wieder hinauf, um bis hinter Wasigenstein vorläufig der roten Raute zu folgen. Der Forstweg führt weiter um den Berg und erreicht nach einiger Zeit die Wegspinne Col du Maimont. Zehn Minuten weiter geradeaus und absteigend ist der Wasigenstein erreicht, eine der bekanntesten und schönsten elsässischen Ruinen. Nicht alleine des Waltharilied wegen, sondern weil die beiden gut erhaltenen Anlagen auf spektakulären Felsmassiven erbaut sind, die sich direkt gegenüber stehen. Mehrere Felsentreppen führen durch die Massive in den Kern. Von Altwasigenstein genießt man einen schönen Ausblick. Sie stehen in 340m Höhe über dem Langental, relativ nahe bei Obersteinbach. Kleinwasigenstein bietet drei in den Fels gearbeitete Stockwerke, auf die nochmals zweigeschossige turmartige Palasmauern aufbauen, die noch immer mit Sitznischen und Maßwerkfenstern begeistern.

Blick nach Obersteinbach.

Im Halsgraben führt die Raute weiter bergab und weg von der Burg. Kurze Zeit später zweigt nach links (Osten) der rote Balken ab, der mich fortan bis zur Ruine Fleckenstein begleiten wird. Die verlorene Höhe muss nun wieder über einen harten Anstieg erwandert werden. Über den Klingelfels, einem kleineren aber schönen Buntsandsteinmassiv gelange ich später auf einen Wanderparkplatz und zu den nahegelegenen Zigeunerfelsen, die bis ins 19. Jahrhundert bewohnt wurden. Die Zigeunerfelsen bestehen aus zwei Massiven, wovon das östliche über abenteuerliche Holz- und Steintreppen begehbar ist, die ihre besten Tage schon erkennbar hinter sich haben und bedrohlich von der Wand wegdriften. Vom Felsen hat man in den Sommermonaten vegetationsbedingt einen eher eingeschränkten Ausblick, der einen im Winter bis nach Niedersteinbach und zum Gallenwald blicken lässt.

Kleinwasigenstein.

Das Sandsteinspektakel verlassend, führt mich von nun an toller Waldpfad bis zur Ruine Froensburg, der nur noch geringfügig von Forstweg unterbrochen wird. Nach der Schutzhütte Col de Hichtenbach geht es über den Falkenberg und die Flanke des Engenteich zur Raubritterfeste, die bei Niedersteinbach über dem Tal thront und den Blick auf die gegenüberliegenden Hänge freigibt. Die Anlage ist über mehrere Treppen begehbar, die an der Felswand lehnen und ins Innere führen. Über eine Felskammer gelangt man zur Oberburg, auf der nur noch wenig Mauerwerk vorhanden ist. Die Unterburg ist mit Balkenlöchern und Kammern übersäht und durch eine Holzbrücke mit einer bebauten Felsnadel verbunden. Ich nutze die Ruine für eine kurze Rast und genieße den Ausblick bei Speckstangen und Wasser.

Westmassiv der Zigeunerfelsen.

Ausgeruht und mit leichterem Rucksack geht es über breiten Forstweg bergab zum Fleckensteiner Weiher, der Fuchsberg und Thalenberg voneinander trennt und zum elsässischen Lembach gehört. Ab Juli kann im See unter Aufsicht gebadet werden, der auch Standort eines Camping- und Zeltplatzes ist. Von Norden wird er durch die Sauer, einem Nebenfluss des Rhein durchflossen, im Süden zweigen Steinbach und Dentelbach ab, die durch die gleichnamigen Täler fließen. Der Weiher kann zu Fuß umrundet werden. Während der westliche Teil von kahlem Forstweg erschlossen ist, führt im Osten ein Traumpfad durch hüfthohe Gräßer und Wildblumen zu einer Schutzhütte, die Ausgangspunkt des Aufstiegs zur Ruine Fleckenstein ist.

Ostmassiv mit Aufgang.

Der harte Anstieg führt zum Fuße des Fleckenstein, der einen 90m langen Felsen einnimmt und in Sichtweite zu Langenfels, Burg Löwenstein und der Gaststätte Gimbelhof liegt. Die Anlage ist nicht frei zugänglich und darf nur gegen kleines Entgeld besichtigt werden. Das Ticket löst man im Burgshop, wenige Meter von der Ruine entfernt, an den sich Cafe und Museum anschließen. Die monumentale Anlage war Stammsitz des gleichnamigen Adelsgeschlechts und ist heute die bestbesuchte Burgruine Frankreichs, die jährlich fast 80000 Besucher anlockt und nur von der intakten Hohkönigsburg übertroffen wird. Die Mauern sind in stattlichen Teilen erhalten. Unter anderem können Ringmauer, Torwerk, Treppenturm und Palasreste bestaunt werden. Highlight ist der Aufgang durch unzählige Kammern, der auf die Oberburg führt, die mit 410m Höhe zugleich Aussichtpunkt über das Umland ist.

Ruine Froensburg.

Das Cafe eignet sich hervorragend zur Einkehr, die Toiletten dürften den Frauen in der Truppe gefallen. Analoge Menschen können im Shop noch Postkarten kaufen und verschicken oder Wanderkarten des Club Vosgien. Im Sommer lohnt der fünfminütige Anstieg zum Langenfels, an dem eigtl. immer eine Vielzahl Kletterer ihr Können zur Schau stellen. Über rotweissrot und die Flanke des Schlossbergs verlasse ich den Hotspot und wandere bis zum Gimbelhof, einer malerisch gelegenen Hotelgaststätte, die Anlaufstelle für hunderte Biker ist, die im Biergarten bei einem kühlen Radler den grandiosen Blick über die Viehwiesen hinweg, zum Fleckenstein genießen. Über den angrenzenden Erlebnisspielplatz hinweg, wandere ich danach nur noch bergab.

Am Fleckensteiner Weiher.

Kurz vor erreichen der Wegspinne Col du Litschhof zweigt nach links ein Teerweg ab, der nach wenigen Metern am Litschhof endet, einem Bauernhof, der idyllisch inmitten von Wiesen und unterhalb der Wegelnburg gelegen ist: toll! Ab hier folge ich der Markierung des >Grenzgängerwegs geradeaus am Hof vorbei und wandere die letzten anderthalb Kilometer über tollen Pfad nach Nothweiler. Immer links der ausgedehnten Weidefläche, auf der Pferde grasen. Ab Wanderparkplatz sind es nur noch wenige Meter zum Kern Nothweilers, einem romantischen Fachwerkdorf (wieder auf deutscher Seite), das mehrere Einkehrmöglichkeiten bereit hält. Wer Zeit hat, nimmt die öffentlichen Verkehrsmittel um zurück nach Petersbächel zu kommen oder das Taxi.

Blick vom Gimbelhof zum Fleckenstein.

Fazit: Eine Wanderung, die grenzüberschreitend wie kaum eine andere, Natur- und Kulturdenkmäler aneinander reiht und die Mühen vieler harter Aufstiege mit postkartenreifen Aussichten belohnt. Der Fleckensteiner Weiher bildet einen schönen Kontrast zum felsen- und burgenreichen Rest der anspruchsvollen Tour, die den Wanderer fordert und Kondition verlangt. Ein prall gefüllter Rucksack ist defintiv Pflicht, eine Karte schadet nicht, obwohl sämtliche Wegpunkte deutlich ausgeschildert und die Markierungen lückenlos angebracht sind. Einkehrmöglichkeiten gibts zuhauf: am Fleckenstein, im Gimbelhof oder in Nothweiler. In Ermangelung einer adäquaten Steigerungsform bleibt mir nur zu schreiben: Absolute Wanderempfehlung!

Bleibt wandern!

Patrick Scheller

Am Litschhof.

Tipp: Wer tatsächlich noch Saft in den Knochen hat und Zeit, kann der Eisenerzgrube Nothweilers einen Besuch abstatten, die jede Stunde Führungen durch den St. Anna Stollen anbietet. Das Bistro verkürzt die Wartezeit, im Shop können neben den Eintrittskarten auch Mineralien erstanden werden. Alle Informationen zu Preisen, Öffnungszeiten etc. gibts über den Link: >Eisenerzgrube Nothweiler. Im Mauerwerk des Mundlochs findet man die goldene Rittersteingravur!

 

ÜBERSICHT

Ort: 66996 Petersbächel

Parkplatz: an der PWV- Hütte

Länge: ~ 18 Kilometer

An- und Abstiege: >500 Höhenmeter

Karte: Westlicher Wasgau mit Dahn (Blatt 7 Landesvermessungsamt – 1:25000)

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