Burg Beilstein

Die heutige Wanderung ist nur für absolute Burgenfetischisten geeignet, die auch mal 6km Strecke zurücklegen, nur um die wenigen Mauerreste einer Ruine zu sehen, die sie noch nicht kennen. Ein Traum für mich, da ich die Anlage bisher nur aus Büchern und von Fotos kenne, die noch dazu weniger gut erhalten wie besucht ist und am Rande von Kaiserslautern, nahe der B37 thront. Eine reine Stippvisite, die in dem landschaftlich wenig reizvollen Umland der Ruine begründet liegt, mir aber immerhin noch einen Ritterstein beschert.

Klassischer Weg hier.

Das Auto wird vor der Schule am Beilstein (Velmannstr. 13) am Rande Kaiserslauterns geparkt, ganz in der Nähe zu den Amerikanischen Panzerbaracken. Der angrenzende Staatsforst hält um den Beilstein fast ausnahmslos ebene Wege bereit, die zudem geteert sind oder über breiten Forstweg verlaufen. Anfänglich biegen immer mal wieder Wege ab und bilden ein Rundwegegeflecht, das den Städtern zur Naherholung dient, die sich für eine Stunde die Beine vertreten wollen und hier ihre Kinderwägen durch das Grün schubsen.

Zugang zur Burg.

Ich passiere zuerst noch über eine endlos erscheinende gerade Waldautobahn das Lauterer Forsthaus, indem das Forstamt seinen Sitz hat und folge den Pfeilen mit Burgruine Beilstein -Beschriftung tiefer in den Wald hinein. Weiterhin völlig eben und eintönig. Wie zu erwarten hält sich der Familientross überwiegend in Häusernähe auf und so bin ich relativ alleine unterwegs und beginne nach etwa 2,5km den kurzen Aufstieg zur Ruine, die in 313m Höhe auf dem Beilsteiner Kopf steht.

Burgfelsen Beilsteins.

Burg Beilstein ist noch weniger gut besucht wie bekannt und im Vergleich zu anderen Ruinen in und um Kaiserslautern, wie Diemerstein, Hohenecken, Frankenstein oder eben die Lauterer Kaiserpfalz, geradezu ein Winzling. Ihren Namen verdankt die Ruine der Beilform ihres Burgfelsens, um den noch brusthohe Außenmauern der Kernburg stehen, die zum Portal hin Geschosshöhe erreichen. Ein erhaltenes Spitzbogenportal, das Unter- und Oberburg verbindet, ist das architektonisch einzige Highlight der Anlage.

Mauerzug und Zisterne.

Der Zugang geschieht über eine hölzerne Brücke, die den Halsgraben überspannt, an dessen Beginn die spärlichen Reste der einstigen Barbakane sichtbar sind. Von ihr verläuft noch ein kleiner Mauerzug um den Graben, indem sich der Stumpf eines Halbschalenturms erhalten hat. Steinerne Treppen, die heute ins Nirgendwo führen, zeigen den Erdwall hinauf. Im Felsen hat sich die eingemeißelte Zisterne erhalten, eine Metallplakette gibt Auskunft über ein Waldgelage mit Vereinsgründung auf der Burg.

Portal und Gedenkplakette.

Ein Ring von Balkenlöchern zieht sich über den gesamten Fels und lässt den Schluss zu, dass er zu allen Seiten von Gebäuden umfasst wurde. Zur Geschichte ist relativ wenig bekannt, nicht zuletzt deshalb, da die Burg nur etwa zweieinhalb Jahrhunderte existierte. Erste schriftliche Erwähnung findet sie 1185 als Ministerialienburg. Wir würden heute (königliche) Beamtenburg sagen. Ihre genaue Entstehungszeit ist ebenso ungewiss, wie die der meisten pfälzer Anlagen. Bereits ~250 Jahre nach ihrer Ersterwähnung findet sie durch Waffengewalt ihr Ende und bleibt fortan Ruine.

Außenmauern der Kernburg.

Ich genieße nach der Besichtigung noch eine Weile die eingeschränkte, aber schöne Aussicht. Etwaige Bahngeräusche sind der Nähe zur südlich gelegenen Trasse geschuldet. Eine Holzbank lädt zum Ausruhen ein, bevor ich den Rückweg auf gleichem Weg antrete. Ich nehme aber vorher noch Ritterstein Nr. 162, mit Namen Beilstein – 300 Schritte mit, der etwa 200m nördlich der Burg, an einer Wegspinne nahe dem Toten-Kopf steht.

Ausblick von der Burg.

Fazit: Diese Tour ist vermutlich wirklich nur für Cracks geeignet, die dann aber auch auf ihre Kosten kommen. Selbstredend kann man die Burg auch in eine Rundwanderung einbinden, die dann aber über 10km Wegstrecke durch Tristesse führt und (man möge mir verzeihen) durch keinerlei landschaftlichen Höhepunkte unterfüttert werden kann. Für Gegenargumente oder Routenvorschläge, die das widerlegen, wäre ich nicht nur offen, sondern äußerst dankbar. Wer die Burg als Stippvisite besichtigen möchte, kann das mit einem Besuch der Stadt Kaiserslautern verknüpfen, die mit beachtlicher Einkaufsmeile, >Spaßbad oder der >Kaiserpfalz durchaus lohnt.

Bleibt wandern!

Patrick Scheller

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ÜBERSICHT

Ort: 67657 Kaiserslautern

Parkplatz: Schule am Beilstein (Velmannstraße 13)

Länge: 6 Kilometer

An- und Abstieg: ~ 100 Höhenmeter

Karte: Kaiserslautern und Umgebung (Blatt 3 Landesvermessungsamt – 1:25000)

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