Hinterweidenthaler Tal- und Höhenwanderweg

Der Name dieser Tour klingt zugegeben etwas eigenwillig, beschreibt aber wunderbar die Gegensätze dieser anspruchsvollen Halbtagestour. Erstklassige Wegpunkte und ein Ritterstein füttern die etwa 15km lange Runderwanderung, die durchs Zieglertal zur Burg Gräfenstein führt und zwei nahe gelegene Abstecher ermöglicht. Das Buntsandsteinmassiv Rotenstein bildet das Finale und sorgt zum Schluss für die spektakulärste Aussicht. Wie es sich gehört! Mehrere Seen und ein Naturschutzgebiet sorgen für Vielfalt und Abwechslung auf der Strecke.

An der Wieslauter.

Das Auto wird kostenfrei am Bahnhof Hinterweidenthals geparkt, der erhöht über dem Ort liegt. Die Gemeinde, im Landkreis Südwestpfalz gelegen und Hauenstein zugehörig, dürfte jedem ein Begriff sein, der den >Teufelstisch kennt, das wohl berühmteste Wahrzeichen des Pfälzerwald und einziges Geotop in selbem. Der Ort liegt direkt an der B10, könnte also einfacher kaum erreichbar sein.

Im Zieglertal.

Die Rundwanderung begann früher mal am alten Wanderparkplatz, der durch die aktuellen Arbeiten an der Bundesstraße aber nicht mehr angefahren werden kann. Macht nichts, denn ein Teerweg führt vom Bahnhof hinab in den Ort. Durch die Unterführung gelange ich in weniger als fünf Minuten ins Zieglertal und zum ursprünglichen Ausgangspunkt. Fast die gesamte erste Hälfte werde ich dem roten Balken folgen, der mich bis zur Wegspinne unterhalb der Ruine begleitet.

Einer von vielen.

Der Anfang ist sogleich ein Augenöffner, wandere ich stets parallel zur Wieslauter, deren Verlauf ich an mehreren Seen und Forellenzuchtstationen vorbei, bis zum Wieslauterhof folge. Das langsam fließende, kristallklare Wasser ist immer in Seh- und Hörweite und bringt die ersehnte Entschleunigung. Immer mal wieder erlauben offene Passagen den Blick auf die angrenzenden Wildkräuterwiesen im Osten, auf denen im Sommer unzählige Heuballen liegen.

Pfad zur Burg.

Die aufgerissene Erde ist Beweis für Wildschweine in der Nähe, von denen mir, Gott seis gedankt, keine über den Weg laufen. Kurz nach dem Wieslauterhof befindet sich Ritterstein Nr. 230, mit Namen Wieslauter-Ursprung. Der Stein erklärt sich somit von selbst. Das angrenzende Naturschutzgebiet ist Quelle einer Vielzahl von Tierarten, die in der Nähe des Gewässers prächtig gedeihen. Wer das Quäntchen Glück hat, wird die eine oder andere Smaragdlibelle erblicken, aber defintiv Ameisen, die auf der folgenden Strecke außergewöhnlich viele Kolonien an der Wegnarbe unterhalten.

Burg Gräfenstein.

Ein schmaler Pfad windet sich durch die Flanke des Wieslautereck, führt sogleich bergan und mündet später in die Wegspinne unterhalb der Burg. Mit zunehmender Höhe ändert sich auch die Vegetation und hält offenen, lichtdurchfluteten Kiefernwald bereit: toll! Über die Markierung des Pfälzer Waldpfad, einem der Prädikats-Weiterwanderwege, beginne ich an der Kreuzung den Schlussanstieg zur Ruine, der der heftigste heute sein wird.

In der Palasruine.

Burg Gräfenstein ist eine der am besten erhaltenen Burgen in der Pfalz und glänzt mit einem geschlossenen Bering, der zudem in voller Höhe erhalten ist. Auf dem zentralen Burgfelsen erheben sich die mehrgeschossigen Palasmauern, an die sich eine Mantelmauer und der Bergfried anschließen. Letzterer ist, unglaublich aber wahr, der einzige siebeneckige in der ganzen Bundesrepublik! Besonderheiten sind auch die Reste der Barbakane und oder des Aborterkers. Wer den Bergfried erklommen hat, darf das 360° Panaroma genießen und zum Winschertfels blicken, der über einen Abstecher erwandert werden kann.

Blick vom Bergfried.

Die Burg ist der perfekte Ort für die Brotzeit auf halber Strecke. Wem Sprudel und Brötchen schon aus den Ohren kommen, kann nach Westen gehend, die Gräfensteinhütte des Pfälzerwaldverein über einen Abstecher erreichen. (Mittwochs und an Wochenenden geöffnet.) Mein Weg führt mich zunächst wieder zur Kreuzung unterhalb, bevor ich die Markierung wechsle und vorerst dem grünen Kreuz folge.

An der Rotensteinhütte.

Schon wenig später löst ein weisser Kreis und letztlich die grüngelben Balken meine Markierung ab, die mich zum letzten großen Aussichtspunkt führen, der auch Wegpunkt des benachbarten >Münchweilerer Höhenwanderweg und später auch deutlich ausgeschildert ist.

Das Bundsandsteinmassiv Rotenstein ist mit Feuerstelle und Schutzhütte der vermutlich genialste Grillplatz weit und breit und hält zum Abschluss einen grandiosen Ausblick über das Wasgau bereit, der in aller Ruhe genossen werden kann. Denn ab hier geht es weiterhin über grüngelb, von nun an ausnahmslos bergab und gemütlich zurück zum Ausgangspunkt.

Auf dem Rotenstein.

Fazit: Ein pfälzer Allerlei, aber vom Feinsten! Burg, Tal, Höhe, Ritterstein, Traumaussichten und Seen: was will man mehr? Glänzt die erste Hälfte durch Pfad, verläuft die zweite fast ausschließlich über Waldautobahn, stört aber nicht. Die Ruine ist ein Augenschmaus, das Gräfensteiner Land sowieso. Für Wurstbrotverweigerer liegt eine Hütte in relativer Nähe zur Ruine (~30min). Der ruhige und kaum frequentierte Hinweg ist ein zusätzliches Plus. Absolute Wanderempfehlung!

Bleibt wandern!

Patrick Scheller

Der Teufelstisch.

Tipp: Wer schonmal in Hinterweidenthal ist, sollte sich den Teufelstisch nicht entgehen lassen, der mit dem Auto problemlos angefahren werden kann. (Ab Ortskern ausgeschildert!) Das Auto kann gegen kleines Entgeld auf dem Parkplatz des darunterliegenden Erlebnispark Teufelstisch geparkt werden. Ein steiler Weg führt umso schneller innerhalb von zehn Minuten zum Fuße des ~ 280 Tonnen schweren Steinpilz. Nach der Besichtigung kann im anliegenden Biergarten der gelungene Tag angemessen begossen werden. Bitte nicht verpassen!

 

ÜBERSICHT

Ort: 66999 Hinterweidenthal

Parkplatz: am Bahnhof

Länge: 15,5 Kilometer

An- und Abstieg: 320 Höhenmeter

Karte: Vom Johanniskreuz bis Pirmasens (Blatt 5 Landesvermessungsamt – 1:25000)

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