Hans-Trapp-Tour

markierungszeichen-hans-trapp-tour.jpgDie Hans-Trapp-Tour ist ein lokaler Wanderweg mit eigener Markierung, der mit 12,3 Kilometern Streckenlänge und 312 Höhenmetern alle Erlenbacher Gemeindeteile einschließt und zur wohl berühmtesten und bekanntesten Burg im Pfälzerwald führt: Burg Berwartstein. Mit dem benachbarten Geschützturm Klein-Frankreich und dem Schniddelfelsen liegen zwei überragende Aussichtspunkte auf dem Weg, der unter anderem auch an Süddeutschlands höchsten Douglasien vorbei führt. Mehrere Seen, ein Ritterstein und die ausgedehnte Wiesenlandschaft bei Lauterschwan vervollständigen die Tour.

Burg Berwartstein.

Das Auto wird am Fuße Burg Berwartsteins in Erlenbach geparkt, eine Gemeinde im Dahner Felsenland, die etwa 10 Kilometer von der Stadt entfernt und mit 320 Einwohnern recht überschaubar ist. Der Ort existiert nachweislich bereits seit dem 14. Jahrhundert. Burg Berwartstein, das Wahrzeichen der Gemeinde und neben den Lämmerfelsen, Teufelstisch und Alt-Dahn auch Top-Sehenswürdigkeit in der Südwestpfalz, ist Wegpunkt einer Vielzahl von Regional- und Weitwanderwegen. Die einzige noch bewohnte Burg im länderübergreifenden Wasgau spare ich aber für das Finale auf und folge stattdessen meiner Markierung zum ersten Wegpunkt.

Klein Frankreich.

Ich folge dem schwarzen Helm mit Vogel (=eine Anspielung auf den Raben – das Wappentier von Trohta’s) mit erheblicher Steigung auf einen Ausläufer des 402 Meter hohen Nestelberg, auf dem das Vorwerk des Berwartstein steht: Klein Frankreich. Der Geschützturm machte es möglich, Angreifer von zwei Seiten unter Kreuzfeuer zu nehmen. Eine effektive Verteidigung, die dazu führte, dass die Bevölkerung das angrenzende Tal Leichenfeld nannte. Die perfekt erhaltenen Schießscharten konnten auf mehreren Etagen kleinere Geschützkaliber aufnehmen. Der Ort dient heute auch als Rastplatz und ist der erste große Aussichtspunkt, blickt man hier doch zur Burg und die umliegenden Berge. Toll!

Blick von Klein Frankreich.

Es folgt der Abstieg zum nahegelegenen Campingplatz, den ich über Forstweg umrunde und an einigen Insektenhotels vorbeikomme. Der Seehofweiher ist der nächste Wegpunkt und der größte See von einer Vielzahl, die nun folgen werden. Im Osten, direkt an der Wegnarbe, steht Ritterstein Nr. 29, mit Namen Ehemalige Bleierzgrube. Das Mundloch des Stollens ist noch erkennbar, aber bis auf wenige Zentimeter bis zur Decke verschüttet. Ich umrunde den See und passiere mehrere Sitzgelenheiten mit Traumblick auf den Ruheort und gelange schließlich zum nordöstlich angrenzenden Frauenwoog, der am westlichen Ende des Metzgertal liegt.

Am Seehofweiher.

Über die Flanken des Heidenberg und Hohe Eiche geht es nun nach Lauterschwan, einem Gemeindeteil Erlenbachs, der einen kurzen Abstecher (200m) zur schönen Michaelskapelle bietet. Unterwegs komme ich an rießigen Douglasien vorbei, die laut Wegbeschreibung die höchsten Süddeutschlands sein sollen. Keine Ahnung wer die Bäume nachmisst, aber toll anzusehen sind sie allemal. Ein kurzes Stück Asphalt führt mich durch den Ort, bevor ich sofort wieder in den Wald gelange. Rechts von einer ausgedehnten Weidefläche geht es nun bereits zurück zur Burg. Kurz nach dem Ort führt ebenfalls ein ausgeschildeter Abstecher (200m) zum Bethof, einer Gaststätte die an einen Campingplatz angrenzt und sich zur Einkehr auf halber Strecke anbietet.

Mundloch und Ritterstein.

Weiter über Schotterpiste und schlimmeres erreiche ich den Wanderparkplatz von Lauterschwan und quere hier die Kreisstraße. Die Nähe zur Straße ab Lauterschwan, die zugegebenermaßen nicht gerade stark befahren ist, stört trotzdem. Über die Ausläufer des Grünberg geht es jetzt die letzten 5 Kilometer Wegstrecke zum letzten Weg- und Aussichtspunkt. Das Plateau des Schniddelfels, der über einen 200 Meter langen, ansteigenden Pfad erreicht werden kann, hält den Nahblick zur Burg Berwartstein bereit und den Fernblick über den Wasgau bis ins Elsass. Der Finale Abstieg zur Burg schraubt nochmal ordentlich am Pfadanteil und führt über samtweiche Pfade durch lichten Kiefernwald, der immer mal wieder den Blick auf die Burg gewährt.

Alte Douglasien.

Ein letzter Rastplatz mit Bank und Nahblick zum Berwartstein kommt mir noch entgegen, bevor ich wieder zu Füßen der Burg, auf dem angrenzenden Parkplatz ankomme. Das Finale hat es in sich. In 2 Minuten ist der Burghof erreicht, an den die Folterkammer, der originale Felseingang und der Burggarten angrenzt. Eine kleine Kapelle mit Wandgemälden steht dem modernen Souveniershop gegenüber. An einem erhalten Spitzbogenportal vorbei, geht es die Treppen hinauf in den Palas und zur Schänke, die im großen historischen Rittersaal untergebracht ist und die pfälzer Landesküche kredenzt. Gegen kleines Entgeld kann man die Burg wahlweise alleine besichtigen oder per Führung.

Der Schniddelfels.

Die gesamte Anlage ist durch ein einzigartiges Kammern- und Höhlensystem begehbar. Highlights sind die nachgestellte Burgküche, das Schlafzimmer Hans Trapps oder die Rüstkammer. Ein über 100 Meter tiefer Brunnen lädt zum Steinwurftest, die Felsterassen bieten tolle Ausblicke auf das Umland. Auch übernachten kann man hier oder an einem der regelmäßig stattfindenden Rittermahle teilnehmen. Alle Informationen, Bilder und Preise zur Burg sind über den >Link erhältlich. Der einstige Burgherr war, bzw. ist genauso legendär wie seine Feste und war zu Lebenszeiten schon berühmtberüchtigt. Das Wandgemälde im Rittersaal zeichnet seine berühmte Fehde mit den Franzosen nach.

Ausblick vom Schniddelfels.

Hans von Trotha, Trapp oder Trott im Volksmund genannt, war schon wegen seinen zwei Metern Körpergröße zur damiligen Zeit eine Ausnahmeerscheinung. Als Marschall des Kurfürstentums Pfalz mit der Burg belehnt, baute er diese für damilige Standards zur uneinnehmbaren Festung aus. Das Vorwerk Klein-Frankreich geht ebenso auf ihn zurück. Berüchtigt ist er für seine Fehde mit dem Kloster Weißenburg (Wissembourg), denen er das Wasser durch Stauung der Wieslauter entzog. Nach der erwarteten Beschwerde des Abtes, schickte er ihnen wieder das kühle Nass. Aber in Form einer Flutwelle, indem er den Damm aufbrach, der mittlerweile einen Stausee gebildet hatte.

Pfad zur Burg.

Der darauf folgende Kirchenbann ließ ihn nicht etwa zu Kreuze kriechen, sondern veranlasste ihn, im geforderten Erklärungssschreiben an den Papst (=Borgia), eben diesen durch die Blume als sittenlos, geld- und machtgeil zu bezichtigen. Ein Rockstar zu seiner Zeit, der heute noch im Elsass den Kinderschreck gibt und an Nikolaus den Posten des Knecht Ruprecht einnimmt.

Fazit: Eine Wanderung die sehr durchwachsen ist und durch seine Wegpunkte und weniger durch die -führung glänzt. Die berühmteste Burg im Pfälzerwald ist das Herzstück der Tour, die bis auf ein winziges Stück vor Lauterschwan und dem Schlussabstieg, ausnahmslos über Waldautobahn und Schotterpiste führt. Die Seen sind ein schöner Kontrast, die Aussichtspunkte überragend. Einkehren kann man im Berwartsein, Lauterschwan, Erlenbach oder am Bethof. Die Markierung ist generalüberholt und lückenlos angebracht.

Bleibt wandern!

Patrick Scheller

Zurück auf Los.

Tipp: Der Berwartstein befindet sich nur 5km entfernt von zwei weiteren, sehr sehenswerten Burgen, die direkt mit dem Auto angefahren werden können. Im benachbarten Busenberg steht die gewaltige Ruine des Drachenfels, samt gleichnamiger Hütte des Pfälzerwaldverein. In Vorderweidenthal findet sich die Ruine von Burg Lindelbrunn, die mit ihrer einzigartigen Lage auf einem steilen Bergkegel, ein spektakuläres 360° Panorama bietet. Ebenfalls mit Gastronomie zu ihren Füßen! In Niederschlettenbach (7min) steht die St. Anna Kapelle, die Grabstätte Hans Trapps.

 

ÜBERSICHT

Ort: 76891 Erlenbach

Parkplatz: an der Burg (ausgeschildert)

Länge: 12,3 Kilometer

An- und Abstieg: 312 Höhenmeter

Karte: Östlicher Wasgau mit Bad Bergzabern (Blatt 8 Landesvermessungsamt – 1:25000)

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