Slevogt-Panorama-Rundweg

Augen- und Fußfasching verspricht die heutige Wanderung durchs Annweiler Land, die mich bis in den nördlichen Mundatwald führt. Sage und schreibe vier Rittersteine verbinden sich mit traumhaften Pfaden und zwei Burgruinen zu einem Wandererlebnis der Premiumklasse. Unzählige Stellen mit Traumblickgarantie, der Slevogthof und -felsen, Cramerpfad, Madenburg und Neukastell sind die klingenden Wegpunkte auf der Strecke, die mich zwei Berge überschreiten lassen und für ausreichend Abwechslung und Kontrast sorgen. Max Slevogt, bedeutender Impressionist und Maler zehntausend Euro schwerer Pfalzlandschaften, dient mir als Namenspatron der Tour, dessen Herrenhaus über Leinsweiler, am Ostrand des Pfälzerwald auf mich wartet. Der finale Nahblick zum Annweiler Burgenensemble wird jedem ein unvergessliches Erlebnis sein.

Ritterstein Nr. 42.

Das Auto steht auf dem Wanderparklatz Windhof, südwestlich der Ruine Scharfenberg (Münz) und etwa 2km östlich von Kletterfels und -hütte Asselstein, direkt an der Kreisstraße 2 (Trifelsstraße). Die Rundtour bringt es auf 14km Länge und annähernd 500 Höhenmeter. Sie beginnt am Cramer-Pfad, der seit 1904 die Burgen Scharfenberg und Madenburg ohne drastische Steigungen (wie vorher) miteinander verbindet. Eine Leistung Heinrich Cramers, der 1927 verstorben ist und dafür mit zwei Rittersteinen geehrt wurde. Der erste von vieren heute, mit Namen Windhof, ist Ritterstein Nr. 221 und steht direkt auf dem Parkplatz.

Auf dem Cramerpfad.

PWV30Meine Markierung, ein weisser Balken mit schwarzem Punkt, bringt mich auf den Cramerpfad und Richtung Rothenberg. Der Wegname ist Programm: schmaler Pfad folgt den Flanken des Wetter- und Schletterbergs. Es folgen die nächsten zwei Rittersteine Nr. 42 und 43, beide mit Namen Cramer-Pfad 1904, die jeweils Anfang und Ende der fünf Kilometer langen Verbindung markieren. Letzterer findet sich angrenzend zum Wanderparkplatz Madenburg, der auch einige Sitzgelegenheiten, eine Schautafel mit den regionalen und überregionalen Wanderwegen bietet und eine kleine Kapelle, in der der Abguss einer Madonnenstatue aus dem 15. Jahrhundert steht.

Ostseite der Madenburg.

Ab hier beginnt der ein Kilometer lange Abstecher zur >Madenburg, der weiterhin über die bisherige Markierung verläuft. Die rießige Anlage ist über einen ansteigenden Forstweg recht zügig erreicht und befindet sich in Privatbesitz. Ist also nur zu den Öffnungszeiten der Burgschänke begehbar, die im Winter Mittwochs bis Sonntags von 11.30 bis 18 Uhr (Küche bis 17 Uhr) geöffnet hat. Die Ruine stammt aus dem 11. Jahrhundert und ist in sehr großen Teilen erhalten. Alleine die Schildmauer misst noch immer 35m Länge und 12m Höhe. Sie schützt die große Kernburg, die mit ihren in Teilen begehbaren Palasresten und Treppentürmen, mit Renaissenceportalen und Wappenreliefs begeistert.

Blick vom Slevogthof.

Die gesamte Burg ist von einem Zwinger umgeben und wurde zusätzlich durch zwei Halsgräben geschützt. Teile der ehemaligen Bastion bewachen noch immer das äußere Burgtor, in der Vorburg sind die Schänke und dutzende Sitzgelegenheiten untergebracht, die sich zur Rast anbieten und einen überwältigenden Blick in die Rheinebene zulassen. Die Burg steht oberhalb Eschbachs auf einem Ausläufer des Rothenbergs, also genau am Ostrand des Pfälzerwald. Sie befindet sich aber bereits im wasgauischen Mundatwald, da der südlichste Ausläufer des Haardtgebirges schon bei Albersweiler, nordwestlich von Landau endet!

Auf Burg Neukastell.

12004272Ich beende meinen Aufenthalt und laufe nun den Abstecher zurück zum letztgenannten Wanderparkplatz unterhalb der Ruine und folge von nun an, der Markierung des Pfälzer Weinsteig zum Slevogthof Richtung Leinsweiler. Der Abstieg führt zügig nach unten und mündet oberhalb Eschbachs in den Weinbergen, gewährt rückwärtsgewandt den Blick zur Madenburg und später zum gegenüberliegenden Slevogthof, samt Burg darüber. In Leinsweiler angekommen, beginnt der schwächste, aber relativ kurze Streckenabschnitt der Tour. Über die Slevogtstraße gelange ich mit knackiger Steigung zum Slevogthof.

Blick zur Madenburg.

Der ehemalige Bauernhof der Burg Neukastell, heute unter Slevogthof bekannt, ist vom 1932 verstorbenen Impressionisten Max Slevogt erworben worden, der sein Domizil in der Folge durch Anbauten in ein Herrenhaus verwandelte. Der Ort wird in den etwas älteren Wanderkarten noch als Gaststätte geführt, ist aber seit Anfang des Jahrzents nicht mehr zugänglich. Das Haus befindet sich nun im Besitz eines Landauer Architekten, der nach umfangreicher Restaurierung, die Schänke und die musealen Räume wiedereröffnen möchte. Die Aussicht von hier ist dennoch überwältigend, aber es kommt noch besser.

Blick zum Föhrlenberg.

Direkt darüber und weithin sichtbar, ragt der Burgfelsen von Neukastell aus dem Berg, zu dem ich nun über einen krass ansteigenden Pfad gelange. Der Weg verlangsamt deutlich meine Schrittfrequenz und meine Beine liegen mir schon kurze Zeit später in den Ohren. Die Ruine ist heute nur noch in wenigen Resten erhalten, die sich auf winzige Mauerstümpfe und gut erhaltene Felsentreppen beschränken. Die große Felskammer im Innern und das Aussichtsplateau mit Traumblickgarantie über die Rheinebene und zurück zur Madenburg, sind die Highlights hier oben. Ich genieße die Einsamkeit und das Panorama noch etwas, bevor ich mich auf den Weg zum Föhrlenberg mache, dessen Gipfel deutlich höher und mir nun gegenüber liegt.

Auf dem Föhrlenberg.

DSC_0309.JPGIch bleibe nach Verlassen der Burg noch eine Weile auf dem Weinsteig, ehe ich den Weg verlasse, um den harten Aufstieg zum Slevogtfelsen zu nehmen. Ein kleines Stück Pfad bringt mich hinunter zur Wegspinne Hexentanzplatz, ab der die weisse 7 über Serpentinen zum Gipfel führt. Der große Findling mit der gelben Aufschrift Förläcker, sieht zwar aus wie ein Ritterstein, ist aber keiner! Der Anstieg zieht die letzten Energiereserven aus dem Körper, was aber nicht weiter schlimm ist, denn sind die 533 Meter erst erklommen, geht es fortan nur noch bergab. Ein breiter Kammweg, der oberhalb einer Drachenfliegerschneise beginnt, verbindet die west- und östlichen Enden des Berges und bringt mich zum westlich gelegenen Felsvorsprung, an dessen Beginn die gelbe Gravur Slevogtfelsen lesbar ist.

Auf dem Slevogtfelsen.

Zwar bietet die Schneise und an einigen Stellen auch der Gipfel überwältigende Ausblicke, aber der letzte große Aussichtspunkt toppt alles bisher gesehene auf der Tour. Ein royaler Anblick, der lange im Gedächtnis bleiben wird: gegenüber steht das Annweiler Burgenensemble mit Namen Scharfenberg, Anebos und Trifels, die sich auf drei dicht beieinander stehende Bergkegel verteilen. Links davon erhebt sich der Rehberg mit seinem Aussichtsturm, noch weiter links der kleine Hahnstein, ein Felsmassiv auf dessen Ausläufer. Eine Bank lädt zur letzten Rast vor dem Abstieg ans Auto und bietet die Gelegenheit, den Traumblick in Ruhe genießen zu können. Wer hier keinen Endorphineinschuss bekommt, in dem schlägt kein echtes Wanderherz.

Blick zu den Annweiler Burgen.

Ein abfallender Pfad führt vom Felsen weg und mündet später wieder in den Weinsteig. Die nachfolgende Waldautobahn vermag es nicht, mir meine glänzende Laune zu verderben und endet bereits nach kurzer Zeit am Parkplatz Ahlmühle, auf dem zugleich der vierte und letzte Ritterstein Nr. 222 steht, mit Namen Ahlmühle. Meine erste Markierung, die anfänglich nochmals mit dem Weinsteig übereinstimmt, führt mich die letzten 500m Wegstrecke unterhalb von Burg Scharfenberg, zurück zum Ausgangspunkt.

Fazit: Die Namen Burgentour oder Rittersteinetour hätten es auch getan. Die Wanderung hält alles bereit, was die Pfalz so sehenswert macht. Mächtige Ruinen, grandiose Aussichten und der Wechsel zwischen Laub- und Kiefernwald, Weinbergen und schroffen Felslandschaften. Der hohe Pfadanteil ist ein weiteres Plus. Einkehren kann man in der Madenburg oder in Leinsweiler, trotzdem ist Verpflegung Pflicht. Die Markierungen sind lückenlos angebracht. Absolute Wanderempfehlung.

Bleibt wandern!

Patrick Scheller

Am oberen Slevogtfels.

Tipp: Wer noch unter Strom steht, nimmt die Burg Scharfenberg noch mit, die sowohl vom Parkplatz Windhof wie auch Ahlmühle, in wenigen Minuten erreicht werden kann. Nochmalig Steigung, aber es lohnt, da die Ruine in sehr gutem Erhaltungszustand ist. Wer nach der Tour einkehren möchte, hält auf dem Rückweg an der >Klettererhütte am Fuße des Asselstein an, die natürlich keine bahnbrechenden Gourmethäppchen anbietet, sondern die gewohnt deftige pfälzer Kost in zwangloser Atmosphäre auftischt, sowie Kaffee und Kuchen. Besonders im Sommer ein Erlebnis, da dann dutzende Kletterer an diesem Hotspot ihr Können unter Beweis stellen und ehrfurchtsvoll bestaunt werden dürfen.

 

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ÜBERSICHT

Ort: 76855 Annweiler

Parkplatz: Parkplatz Windhof (Richtung Trifels, über Trifelsstraße/ Kreisstraße 2 – ausgeschildert)

Länge: 14 Kilometer

An- und Abstieg: ~ 500 Höhenmeter

Karte: Östlicher Wasgau mit Bad Bergzabern (Blatt 8 Landesvermessungsamt – 1:25000)

Karte Slevogt Panorama Rundweg.jpg

2 Gedanken zu “Slevogt-Panorama-Rundweg

  1. gsharald schreibt:

    Hallo Patrick,

    ich bin gern auf diese Tour mitgekommen. Früher sind wir öfter von der kleinen Kalmit (Ilbesheim) durch die Weinberge zum Slevogthof gelaufen und haben es uns dort auf der Terrasse gut gehen lassen. Bei herrlicher Aussicht konnte man dort gemütlich sitzen. Leider ist die Gaststätte im Slevogthof seit längerer Zeit zu. Schade.

    Liebe Grüße und alles Gute, vor allem Gesundheit für Dich.
    Harald

    Gefällt 1 Person

    • Patrick Scheller schreibt:

      Hallo Harald,

      danke dir. Freut mich zu lesen! Der Slevogthof soll ja wiedereröffnet werden. Wird vll noch ein paar Jahre dauern, aber immerhin kümmert sich jemand um den Gebäudekomplex. Dir ebenfalls ein frohes neues Jahr.

      LG Patrick

      Gefällt mir

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