Dürkheimer Drachenfels-Tour

Die vermutlich letzte Tour diesen Jahres verschlägt mich ins relativ nahe gelegene Bad Dürkheim, das genau am nördlichen Ausläufer der Haardt liegt. Der Drachenfels, allerdings schon im Mittleren Pfälzerwald gelegen, ist nicht nur nach Eschkopf, Kessel- und Weißenberg, der vierthöchste Gipfel in diesem Teilgebirge des Pfälzerwald, sondern auch sagenumwobene Herberge des Nibelungenlindwurms und Festungsruine der Römer. Mit einem Abstecher zur Pottaschhütte samt Ritterstein und dem Lambertzkreuz samt Pfälzerwaldvereinshaus, komplettiere ich die Rundwanderung, die es auf knapp 13km Länge und über 400 Höhenmeter bringt.

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Westfels mit Plateau.

Logo PWV18Das Auto wird am >Waldhaus Saupferch abgestellt, dessen Kamin bereits die Düfte der Köstlichkeiten ausatmet, die der Koch schon für den Mittagsandrang vorbereitet. Meine Markierung, ein blauer Balken, lenkt mich rechts der Hütte über ein winziges Stück Forstweg, der zügig in federweichen Pfad übergeht. Die Markierung stimmt anfänglich mit dem Regionalwanderweg Nr. 3 überein und führt bis zum Gipfel ausnahmslos bergauf und das mit knackiger Steigung, die sogleich das Salzwasser auf der Stirn zum perlen bringt.

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Auf dem westlichen Plateau.

Vorteil: um so schneller gewinne ich an Höhe und gelange bereits nach knapp einer Stunde zum Westmassiv der Drachenfelsformation. Über die letzten Serpentinen und durch die umgebende Felstrümmerlandschaft, erreiche ich das relativ kleine Aussichtsplateau, das wie sein südlich gelegener Verwandter, einen grandiosen Ausblick gewährt. Wer im Sommer und oder bei klarem Herbst- und Winterwetter herauf kommt, erlebt sein blaues Ausblickwunder. Ein breiter Kammweg verbindet die beiden Aussichtspunkte und trägt die letzten, spärlichen Reste der römischen Festung, die nur noch in winzigen Wallmauerresten erhalten ist.

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Auf dem Verbindungsstück zwischen Süd- und Westfels.

Nur ein winziger Höhenmeter Unterschied macht den Drachenfels, mit seinen 571m Höhe, zur zweithöchsten Burgruine der Pfalz. Nach der Wegelnburg im Wasgau. Kurz vor erreichen der Südfelsen führen links steinerne Treppenstufen hinab zur Drachenhöhle, die der Sage nach die Behausung des Nibelungendrachen stellte, den Siegfried erschlug. Ich denke das Malu Dreyer mich nicht ins Saarland ausweist, wenn ich sage, dass die Geschichte unglaublich weit hergeholt ist. Bewiesen ist dagegen, dass bis zu den Goldenen Zwanzigern ein Paar Schlangenadler in den Bruchkanten ihren Horst hatten.

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Abgang zur Drachenhöhle.

Der Zugang zur Höhle ist erst durch die Arbeit des Drachenfels-Club ermöglicht worden, der sich 1873 gründete und sich seither um die Erhaltung und Pflege zahlreicher Kultur- und Naturdenkmäler in und um Bad Dürkheim kümmert, deren Eigentümer er in Teilen ist. Die gesamten Felsen stehen außerdem seit 1972 unter Naturschutz. Das Plateau der Südfelsen ist deutlich größer und gewährt u.a. den Fernblick nach Kaiserslautern und auf den Donnersberg. Am äußersten Ende führt links ein steil abfallender Felsgang zur Drachenkammer, der aber besonders jetzt, bei Schnee und Eis und durch fehlende Sicherungen lebensgefährlich ist.

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In der Drachenhöhle.

Zahlreiche Steinbänke und -tische stehen auf dem Gipfel zum Rasten bereit, die ich verschiebe um weiterhin über den blauen Balken hinunter zum Wegkreuz Sieben Wege abzusteigen. Da der Drachenfels der höchste Punkt auf der Wanderung ist, fallen ab sofort keine weiteren Anstiege mehr an, stattdessen geht es fortan kontinuierlich bergab. Das Wegekreuz hält abermals Rastmöglichkeiten bereit und für Sammler von Rittersteinen einen kurzen Abstecher zur relativ nahe gelegenen Pottaschhütte.

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Blick auf das Massiv des südlichen Plateau.

Logo PWV17Abstecher: Ich folge ab hier der Markierung roter Balken nach rechts (geografisch nach Westen) und erreiche nach etwa 15 Minuten (einfach) die Pottaschhütte mit dem wichtigeren, ihr gegenüber stehenden Ritterstein Nr. 261, mit Namen An der Pottaschhütte. Ein Hinweis, dass ehemals an gleicher Stelle eine Pottaschhütte stand, die den salzähnlichen Stoff produzierte. Lediglich die Weihnachtsbäcker/-innen können Pottasche noch unter diesem Namen kaufen und als Triebmittel verwenden. Die heutige Industrie verwendet sie unter dem Namen Kaliumcarbonat, unter anderem zur Herstellung von Glas, Dünger, Farbe und manchem mehr. Der Ursprungsname geht auf die damalige Gewinnungsmethode zurück: Planzenasche mit Wasser auswaschen und anschließend in einem Topf (=Pott) eindampfen.

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Auf dem Südplateau.

Ich laufe dieselbe Strecke wieder zurück zur Kreuzung und folge derselben Markierung nun in anderer Richtung zum Lambertzkreuz. Es folgt der deutlich schwächste Streckenabschnitt, der über Waldautobahn führt und erfreulicherweise nicht lange dauert. Die Lambertzkreuzhütte geht bis ins Jahr 1907 zurück und ist damit die älteste aller Pfälzerwaldvereinshütten. Für Salatfetischisten und Veganer vielleicht weniger geeignet, lockt das beliebte Ausflugsziel die Fleischfresser jeden Mitwoch mit einem Schlachtfest, das kontinuierlich von Oktober bis März stattfindet. Die typischen pfälzer Gerichte können Dienstags bis Sonntags von 10-18 Uhr genossen werden. Alles andere ist über den >Link einsehbar.

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Blick auf auf das Südmassiv und zur Drachenhöhle.

Das kleine Steinkreuz (=Lambertzkreuz), das direkt gegenüber dem Eingang steht, geht auf den heiligen Lambertus zurück, ehemals Bischof in Maastricht und später ermordert. Die Urkundenlage belegt das Kreuz ab dem 13. Jahrhundert, die Experten datieren seine Entstehung ins 8. oder 9. Jahrhundert. So oder so: das ehemalige Wegekreuz ist das älteste noch erhaltene in der Pfalz! Ich nutze den Platz, um meinen Rucksack um mehrere Brote und Wasser zu erleichtern, bevor ich zurück zum Waldhaus Saupferch absteige.

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Ritterstein Nr. 261 – An der Pottaschhütte.

Logo PWV19Für den Rückweg nutze ich die blauroten Balken, die mich rechts des Hütteneingangs (geografisch nach Norden), mit starkem Gefälle über die Steilflanke des Schacherbergs ins Dreibrunnental führt. Der anfängliche Teil des Rückwegs reißt nochmal ein Päckchen Wanderglück auf, führt doch ein wurzeldurchzogener Traumpfad immer parallel zum Bächlein hinab, das mich bis zur Waldgaststätte begleiten wird. An der letzten Wegkreuzung wechsle ich nochmal die Bachseite und gelange in wenigen Minuten zurück zum Ausgangspunkt.

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Lambertzkreuz und -hütte.

Fazit: Eine anfänglich fordernde Runde, die ihre Mühen aber mit tollen Ausblicken von einem der bekanntesten Buntsandsteinmassive belohnt. Bis auf das Verbindungsstück zwischen Wegkreuz Sieben Wege und Lambertzkreuz, sowie der letzte Teil vor Saupferch, verläuft die Route ausnahmslos über Pfad. Die beiden Hütten eignen sich perfekt für die Einkehr auf halber Strecke oder den gelungenen Abschluss. Was die Markierungen betrifft: die Ortsgruppe Lambrecht (PWV) versteht ihr Handwerk und hat sich selbst übertroffen. Absolute Wanderempfehlung!

Bleibt wandern!

Patrick Scheller

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Abstieg ins Dreibrunnental.

Tipp: Wer nach der Wanderung noch Sauerstoff und Zeit übrig hat, kann in weniger als zehn Autominuten, drei lohnenswerte Ziele erreichen: das >Pfalzmuseum der Naturkunde, welches die Flora, Fauna und Geologie des Pfälzerwald veranschaulicht; die gewaltige Festungsruine >Hardenburg mit interaktivem, brandneuem Museum und oder die Klosterruine >Limburg. Ein sehr gut erhaltener, bedeutender Bau der Salier mit Cafe und Königinnengrab im Innern. Alle drei liegen direkt an der B37.

4 Gedanken zu “Dürkheimer Drachenfels-Tour

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