Gimmeldingener Wolfsburg-Pfad

Wir haben es kurz über dem Gefrierpunkt und nebelig: perfektes Wetter also zum Herbstwandern und für meine kleine Japanerin (Nikon), zumindest wenn man dramatische Bilder mag. Das Schönste was die Haardt zu bieten hat, steht heute auf dem Programm. Dabei sorgen zwei Burgruinen, ein Ritterstein, mehrere Aussichtspunkte, eine Hütte des Pfälzerwaldverein, zwei Sandsteinformationen und ein Aussichtsturm für jede Menge Highlights auf dem 10km langen Oneway-Trail, der gesalzene Anstiege mit spektakulären Waldbildern und sehr hohem Pfadanteil belohnt. Aber zäumen wir das Pferd von hinten auf…

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Oberhalb des Benjentals. (Weinsteigvariante)

Kreis 4Das Auto steht direkt am Sportplatz in Gimmeldingen, einem 2500 Seelen-Ort, der besonders für seinen vergorenen Traubensaft und das Mandelblütenfest bekannt ist. Gimmeldingen ist Stadtteil von Neustadt und liegt direkt vor den Toren der Kernstadt und genau an der Waldnarbe des Pfälzerwald. Meine Markierung, ein grüner Kreis, beginnt am Ende des Spielfelds und direkt hinter der Vereinsgaststätte. Gleich zu Beginn führt ein obszön ansteigender Pfad hinauf zum ersten Wegpunkt, der sicherlich schon einige ungeübte Waden gesprengt hat. Zeit zum Durchschnaufen bietet der Aussichtspunkt direkt über dem Ort.

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Traumpfad zum Weinbiethaus. (Weinsteigvariante)

Oberhalb eines ehemaligen Steinbruchs, der jetzt als Klettergarten genutzt wird, blickt man von der Abbruchkante hinunter auf Gimmeldingen und seine am östlichen Ende gelegene Burg Alte Burg. Eine der wirklich sehr seltenen Turmhügelburgen in der Pfalz, die nur noch in einem gewaltigen Wohnturmstumpf erhalten ist. In unmittelbarer Nähe des Aussichtspunktes, stehen die Reste der >Ringwallanlage Heidenburg, von der sich noch ein kleiner Trockenmauerzug erhalten hat. Direkt an der Mauer steht Ritterstein Nr. 257, mit Namen Heidenburg. Der Rückzugsort ist einer von zwei Bauten dieser Art in der Haardt, für den wiedermal, wie bei den >Heidenlöchern die armen Kelten als Namensgeber herhalten mussten.

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Am Weinbietturm.

Womit man die Kelten gleich zweifach gestraft hat, da sie alles andere als Heiden waren und mit den Bauten beider Ringwallanlagen rein gar nichts zu tun hatten, wie man mittlerweile weis. Die anfänglichen Geräusche, die der Nähe zum Ort geschuldet waren, nehmen mit zunehmender Höhe immer mehr ab und dringen nur noch schemenhaft an meine Ohren. Schon bald löst die typische Haardtflora den Buchenmischwald ab und säumt meinen Pfad mit Heidelbeer- und Heidesträuchern, die zwischen den weit auseinander stehenden Kiefern wachsen. Bis zum Gipfel des Weinbiet, dem Berg auf dem ich mich heute bewege und dessen Ausläufer alle Wegpunkte tragen, geht es ausnahmslos bergauf. Soll heißen, ein Mindestmaß an Kondition wäre von Vorteil.

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Im Felsenmeer unterhalb des Gipfels.

Der Gipfel, der sich immerhin in 554m Höhe befindet, ist Heimat des Weinbiethauses, eine beliebte Hütte des Pfälzerwaldverein und eines Aussichtsturms mit Wetterstation, der bei klarem Wetter die Leiden des Aufstiegs mit einem grandiosen Rheinebenenpanorama belohnt. Die Hütte hat aktuell von SA-MI von 10-17 Uhr geöffnet. Im Sommer bis DO und 18 Uhr. Mehr Informationen sind über den >Link erhältlich! Der Berg Weinbiet ist außerdem Namensgeber der Winzergenossenschaft von Mußbach, Gimmeldingen und Haardt und durch seine Rundfunkantenne weithin sicht- und erkennbar.

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Grandioser Naturpfad zum Bergstein.

12004272Ab hier werde ich bis zum Ende der Tour über die Markierung des Pfälzer Weinsteig wandern, einer von mehreren Prädikatsweitwanderwegen, die die Pfalz durchziehen. Die frohe Botschaft: mit erreichen des Weinbietgipfels ist der höchste Punkt der Wanderung erklommen und es geht von nun an, nur noch bergab. Es folgt eine der schönsten Wegstrecken! Über einen hart abfallenden Traumpfad verlasse ich den Ort und wandere durch ein kleines Felsenmeer, das wiederum in einen atemberaubenden Naturpfad mündet, der durch offenen Kiefernwald führt, in dem der Waldboden in einem Meer von Heide verschwindet. Klein Eden mitten im Pfälzerwald. Die Nebelschwarten tun ihr Übriges dazu und tauchen die Szenerie in ein mystisches grauweisses Kleid.

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Mystische Waldbilder auf dem Weg zum Bergstein.

Der Pfad wird später immer mal wieder, aber nur kurz von Forstweg unterbrochen und führt mich zum Bergstein, einem kleinen Felsvorsprung, der aus dem Südausläufer des Weinbiet herausragt und oberhalb Neustadts als Aussichtspunkt fungiert. Die folgende Strecke zu den letzten beiden Wegpunkten legt sich nochmal mächtig ins Zeug, glänzt erneut durch wurzeldurchzogenen Pfad und offenen Kierfernwald, in dem sich aber nun mehrere Felder mit versprengten Sandsteinfindlingen befinden: eine Augenweide. Das relativ nahe gelegene Buntsandsteinmassiv Hohfels ist der vorletzte Wegpunkt heute und präsentiert sich in mehreren Ebenen, einem Aussichtsplateau und großen Steilwänden.

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Am Bergstein.

Nur wenige Minuten später erreiche ich den Halsgraben von Burg Wolfsburg, an dessen Ende sich die gut erhaltene Schildmauer erhebt und den Blick auf die weitläufige Anlage versperrt, die es mit Vor- und Kernburg auf 140m Länge bringt. Ein Zwinger umspannt die gesamte Ruine, deren Highlight der zweigeschossige Palasbau ist. An die innere Schildmauer lehnen sich die Reste des Bergfried an, in der Vorburg steht der eingeschossige Rest eines zweiten Turms. Mehrere Sitzgelegenheiten und Tische laden zur letzten Rast, vor dem Abstieg nach Neustadt. Über einen geteerten Weg gelange ich zum Stadtkern und nutze das öffentliche Verkehrsnetz, um wieder zurück nach Gimmeldingen zu gelangen.

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Traumpfad zur Wolfsburg.

Variante: Wer keinen größeren Wert auf Rittersteine legt, kann statt dem grünen Kreis zu folgen, ab Parkplatz direkt über die Markierung des Pfälzer Weinsteig beginnen, die an der alten Talmühle, dem Gasthaus Looganlage und durchs Benjental am gleichnamigen Forsthaus vorbei führt. Der kriminelle Anstieg zum Weinbiethaus bleibt bestehen, verzögert sich dadurch nur etwas. Wer die Tour im Sommer als Rundweg gehen möchte, kann von der Wolfsburg auf gleicher Strecke bis zur letzten Kreuzung (vor dem Hohfels) zurückwandern und dann über ein Verbindungsstück des Weinsteig nach Neustadt absteigen. Über die Ruine Josephskapelle und Burg Winzingen (Haardter Schloss) geht es dann durch die Weinberge zurück nach Gimmeldingen. Die Rundtour kommt dann allerdings auf etwas über 17km Länge.

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Am unteren Hohfels.

Fazit: Eine grandiose Tour, die mit einer Vielzahl an Highlights glänzt und über sehr hohen Pfadanteil durch traumhafte Waldlandschaften führt. Die spätere Nähe zu Neustadt hebt den Geräuschpegel etwas an, bleibt aber ertragbar. Die Aussichten belohnen den anfänglich heftigen Anstieg, das Weinbiethaus eignet sich zur perfekten Einkehr. Der Gimmeldingener Ortsverein des Pfälzerwaldverein hat ganze Arbeit geleistet, denn die Markierungen glänzen wie frisch gestrichen und sind lückenlos angebracht. Einkehren kann man natürlich auch nach der Tour in der nahe gelegenen Looganlage (wenige Minuten mit dem Auto) oder im Ort. Anmerkung: Da man die gesamte Strecke über die Weinsteigmarkierung gehen kann, habe ich die Tour auch unter Prädikatswanderweg gespeichert. Absolute Wanderempfehlung! 

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Blick über die Palasruine Richtung Lambrecht.

Tipp: Wer sich entschließt nach Neustadt abzusteigen und kulturell interessiert ist, sollte sich eine Runde durch die Altstadt mit seinen Fachwerkbauten gönnen. Besonders sehenswert sind der Elwetritschebrunnen am Marktplatz, der Saalbau am Hauptbahnhof, in dem die deutsche Weinkönigin gekrönt wird und das Casimiranium, ein Schlossbau Pfalzgraf Casimirs aus der Renaissance. Weiteres Highlight ist die Stiftskirche, die als bedeutendste gotische Kirche der Pfalz gilt und die größte Gussstahlglocke der Welt beherbergt.

Bleibt wandern!

Patrick Scheller

2 Gedanken zu “Gimmeldingener Wolfsburg-Pfad

    • Patrick Scheller schreibt:

      Erstmal danke für dein Feedback. Du hast natürlich völlig recht, aber ich finde, es hat beides seinen Reiz. Einfach zweimal gehen, um beides erleben zu können. Einmal im Sommer und einmal im Herbst. 😉
      LG Patrick und dir ebenfalls ein tolles Restwochenende.

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