Erfensteiner Drei-Burgen-Rundweg

DSC_0036 - Kopie.JPGDer kurze Regionalwanderweg führt über 7km Streckenlänge und eigene Markierung zu eigentlich vier sehr sehenswerten Burgruinen mit Namen Spangenberg, Alt- und Neu-Erfenstein und Breitenstein und verbindet per Rundweg die beiden Seiten des Speyerbachtals bei Erfenstein. Ein Forsthaus nahe Breitenstein und die Schänke der Ruine Spangenberg dienen als Einkehrmöglichkeiten. Stutgarten und Brunnen der letztgenannten Burg komplettieren mit einem ehemaligen Steinbruch die Runde, die es auf etwas über 300 Höhenmeter bringt und auch für Sammler einen Ritterstein bereit hält.

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Novembermorgen auf dem Felsplateau Neu-Erfensteins.

Erfenstein liegt mitten im Pfälzerwald und ist mit 100 Einwohnern sehr überschaubar. Es gehört zu Esthal, das wiederum zur Verbandsgemeinde Lambrecht gehört und im Landkreis Bad Dürkheim liegt. Mit Neustadt liegt etwa 15 Autominuten die nächst größere Stadt in relativer Nähe. Obwohl die Ortschaft von zwei Burgen flankiert wird, ist sie statt im Mittelalter erst gegen Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden. Das Auto steht im Ortskern, unterhalb der beiden Ruinen im Speyerbachtal. Meine Markierung, eine weisse, stilisierte Burg mit drei Zinnen, ist zügig gefunden und lenkt mich nach rechts zur Waldnarbe und bergauf zur Ruine Erfenstein.

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Bergfried mit originalem Portal auf Neu-Erfenstein.

Da ich von einer Rundtour berichte, ist die Gehrichtung im Grunde egal. Ich bilde mir jedoch nach mehrmaligem Gehen ein, dass mit Erfenstein als Anfang, die An- und Abstiege etwas leichter ausfallen. Der anfängliche Forstweg geht zügig in weichen, ansteigenden Pfad über und bringt mich innerhalb kürzester Zeit zu besagter Burgruine. Laut dem Wegnamen, werden Alt- und Neu-Erfenstein als eine Ruine zusammengefasst, sind in Wahrheit aber zwei verschiedene Burgen, die zu unterschiedlichen Zeiten entstanden sind. Mein Weg führt mich zuerst zur bessererhaltenen, neueren Anlage, die mit Resten der Ringmauer und einem in voller Höhe erhaltenen Bergfried glänzt.

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Burgfelsen mit Aufgang zu Alt-Erfenstein.

Durch den Halsgraben führen mehrere Sandsteintreppen in den Kern und zum Felsplateau, das bei gutem Wetter einen grandiosen Blick zur benachbarten Ruine Spangenberg bereit hält. Eine Bank steht hier zum Rasten bereit, ein moderner Aufgang führt zum Fuße des Bergfrieds, dessen originales Portal in mehreren Metern Höhe sichtbar ist. Ich verlasse die Anlage und folge dem Wegzeichen zu der in Spuckweite gelegenen Ruine Alt-Erfenstein, die, wenn nicht einige Balkenlöcher im Fels sichtbar wären und knöchelhohes Buckelquadermauerwerk auf dem Plateau, glatt als Felsformation durchgehen würde.

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Blick auf Burg Nieder-Breitenstein. (Meine Wegvariante)

Ein kurzes Stück Pfad geht es noch hinunter, ehe ich wieder auf Waldautobahn treffe, die ohnehin den meisten Weganteil einnimmt. Lediglich die An- und Abstiege zu den Ruinen verlaufen über Pfad und dennoch hält der Streckenverlauf durchaus ein paar tolle Waldbilder bereit und mehrere, grandiose Aussichten. Die Nähe zur Straße lässt allerdings immer mal wieder deutliche Geräusche zu mir dringen, die aber, je höher ich steige, immer leiser werden und sich kaum vermeiden lassen. Folgt man nun dem eigentlichen Wegverlauf, schlägt man erst einen spitzen Haken, bevor es hinunter ins Tal und Richtung Breitenstein geht, was zumindest kurz vor erreichen der (offiziellen) zweiten Burg, ein recht hässliches Wegstück parallel zur Landstraße zur Folge hat.

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Oberhalb des Speyerbachtals. (Meine Wegvariante)

Vorschlag: Meine Variante lässt mich nach den Burgen Erfenstein erstmal nicht über die Markierung absteigen, stattdessen bleibe ich stets auf nahezu der gleichen Höhe und immer oberhalb des Speyerbachtals, laufe hart an der Steilflanke immer den linkesten Weg und treffe einige Zeit später auf den Wanderweg Nr.2. Dieser kommt aus Esthal und führt mich links hinunter ins Tal. Das hat zwar eine Erweiterung auf knapp 10km Länge zur Folge, beschert mir aber sensationelle Ausblicke auf Burg Breitenstein und ins Tal und hebt den Pfadanteil deutlich an, denn der Abstieg zum Wanderparkplatz unterhalb der Burg verläuft ausschließlich über schmalen Traumpfad und immer in Hörweite des unter mir fließenden Breitenbach.

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Traumpfad ins Breitenbachtal. (Meine Wegvariante)

Ich treffe wieder auf meine Ursprungsmarkierung am Parkplatz, die mich über einen kurzen aber heftigen Anstieg zur Ruine Nieder-Breitenstein bringt, die die deutlich besser erhaltene Anlage ist. Direkt am Parkplatz steht Ritterstein Nr. 113, mit Namen Ruine Breitenstein – 500 Schritte, also dieses Mal nur ein Wegweiser der besonderen Art. Ringmauerreste, ein erhaltenes Spitzbogenportal in der Unterburg und die gewaltigen Palas- und Schildmauerreste auf dem rießigen Felsen, machen die Burg zu einer Augenweide. Die Oberburg ist heute nicht mehr zugänglich, da der Aufgang fehlt. Jedoch kann man noch in mehreren Metern Höhe die originalen Felsentreppen erkennen, die in die Palasruine führen.

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Ritterstein Nr. 113.

Über einen steilen Pfad geht es zum höher gelegenen Vorwerk Ober-Breitenstein, das zwar einige Mauerreste aufweist, aber kein eindeutiges Bild mehr zulässt. Ich verlasse die Ruinen wieder auf gleichem Wege und überquere am Parkplatz angekommen, die Landstraße Richtung Forsthaus Breitenstein. Die Wirtschaft kann zum Einkehren benutzt werden, wer allerdings noch Reserven im Rucksack hat, sollte dieses Vorhaben auf den Höhepunkt der Tour verschieben. Auf der Ostseite des Tals geht es nun zurück zum Ausgangspunkt und vorbei am Stutgarten und Burgbrunnen Spangenbergs. Schilder erklären hier, wie auch an einigen anderen Stellen auf der Wanderung, die Funktion und Geschichte der Örtlichkeiten.

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Burgfelsen mit Ober- und Unterburg Nieder-Breitensteins.

Schließlich gelange ich zum letzten Wegpunkt und Highlight heute: der Burg Spangenberg, die sich in Unter- und Oberburg teilt und abermals einen gewaltigen Felsen in Beschlag nimmt. Die Ruine ist die am besten erhaltene aller Burgen auf diesem Rundweg und beherbergt eine Schänke, die wie die Hütten des Pfälzerwaldvereins, Mittwochs und an Wochenenden (8-18 Uhr) geöffnet hat. Die Unterburg ist nahezu komplett erhalten, die Oberburg immerhin in mehrgeschossiger Höhe und mit Torturm (bzw. Schildmauer), in dem ein perfekt erhaltenes Wappenrelief und die Reste eines Wehrerkers erkennbar sind.

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Ober- und Unterburg Spangenbergs.

Leider kann die Anlage nur zu den Öffnungszeiten der Schänke besichtigt werden und selbst dann nur die Unterburg. Wem das nicht reicht, kann telefonisch bei einem Vereinsmitglied eine Besichtigung anmelden. Für alle Informationen rund um die Burg einfach auf den >Link klicken! Ich verlasse die Burg wieder und laufe die wenigen, steilen Meter bergab und zurück zum Auto.

Tipp: Da die Tour recht kurz ist, ist sie zwar perfekt für den Nachmittag geeignet und oder die dunkle Jahreszeit, im Sommer würde ich die Route allerdings auf etwa 17km um die Schlaufe nach Esthal verlängern und von dort nach Westen gehend die Wolfsschluchthütte des Pfälzerwaldvereins mit integrieren: ich garantiere, dass es dort die beste Linsensuppe westlich des Ural zu löffeln gibt!

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Der Blick zum ersten Wegpunkt: Ruine Neu-Erfenstein.

Fazit: Wie eben bereits erwähnt, eignet sich die Tour aufgrund ihrer Kürze hervorragend für den Nachmittag und die dunklen Monate. Die Nähe zur Landstraße und die damit verbundenen Geräusche sind ertragbar, die Burgruinen ein Augenschmaus für jeden Burgenbegeisterten. Die Markierung hat die ein oder andere knifflige Stelle: ein, zwei Schilder mehr wären gut für die Orientierung gewesen. Wer unsicher ist oder verlängern möchte, packt die Karte ein. Proviant schadet nicht.

Bleibt wandern!

Patrick Scheller

 

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