Schönauer Pfaffenfels-Tour

Mit dem Pfaffenfels steht heute einer der markantesten und spektakulärsten Aussichtsfelsen auf dem Programm, ist aber nur eines von vielen Highlights dieser Tour. Mit Froensburg und Fleckenstein liegen zwei elsässische Burgen auf der Strecke, die es auf knapp 14km Länge und etwa 360 Höhenmeter bringt. Der Fleckensteiner Weiher und das Hichten- und Saarbachtal bringen Abwechslung in die Wanderung, die mit dem Cafe unterhalb des Fleckenstein auch eine Einkehrmöglichkeit bietet. Der bemerkenswert hohe Pfadanteil in der ersten Hälfte erreicht fast Premiumwegqualität. 

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Aufgang zum Pfaffenfelsplateau.

Das Auto wird in Schönau abgestellt, einem romantisch gelegenem Örtchen an der elsässischen Grenze und der Verbandsgemeinde Dahner Felsenland angehörig. Der staatlich anerkannte Erholungsort ist Treff- und Ausgangpunkt einer Vielzahl an Weit- und Regionalwanderwegen, wie beispielsweise der 90km lange Felsenland Sagenweg oder der Graf-Zeppelin-Weg. Das liegt vor allem am Pfaffenfels, dem Wahrzeichen des Ortes und Hotspot für Kletterbegeisterte. Andererseits bildet Schönau genau die Mitte der legendären Sieben Burgen-Wanderung (Deutsch-Französischer Burgenweg) auf deutscher Seite, zwischen den ost- und westlichst gelegenen Burgen dieses 33km langen Wanderhighlights.

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Blick auf Schönau und den Königsweiher.

A+ Gallery_9Ich suche mein Zeichen in dem Wald aus Schildern und folge der Markierung des Graf-Zeppelin-Weg (weisser Zeppelin auf rotem Grund), die mich bis zur Schutzhütte Col de Hichtenbach begleiten wird. Der 328m hohe Pfaffenfels auf einem Ausläufer des  Hichtenberg, liegt genau über dem Ort und bringt gleich zu Beginn eine Menge Würze in die Strecke. Der kurze aber knackige Anstieg bringt die Waden auf Betriebstemperatur und belohnt die Augen nach der Besteigung der abenteuerlichen Leiterkonstruktion, mit dem spektakulären Ausblick auf den Ort samt Königsweiher und die ihn umgebenden Berge: toll!

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Tolles Wegstück zwischen Pfaffen- und Bruderfels.

Was von oben wie eine schmale Felsnadel erscheint, ist in Wirklichkeit eine langgezogene schmale Felsformation mit 35m hohen Steilwänden, die laut Alpenverein auf 7 verschiedenen Routen erklettert werden kann. Höchster Schwierigkeitsgrad: VIII. Ich steige wieder ab um einem schmalen Pfad an einigen größeren Felsen, zur nahegelegenen Formation Bruderfels zu folgen. Bis zur Schutzhütte werde ich fast ausschließlich samtweichen Pfad unter den Füßen haben, der seinen Höhepunkt nach dem zweiten Aussichtspunkt in einem Kammpfad findet.

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Blick vom Bruderfels zur Ruine Fleckenstein.

Logo deutsch französischer BurgenwanderwegDer Bruderfels gewährt auf seinem winzigen Aussichtsplateau einen grandiosen Fernblick über Hirschthal hinweg zur 4,5km entfernten Burgruine Fleckenstein, deren gewaltiger Felsen selbst auf diese Entfernung eindrucksvoll aus den entlaubten Baumkronen herausragt. Ein Toller Anblick. Rechts der Aussichtskanzel führt ein steiler Pfad zur Wand und Kammer des Felsens, dessen Ausmaße doch überraschen, da er von oben nicht einsehbar ist. Es folgt der Abstieg zum nächsten Wegpunkt, zur Schutzhütte Col de Hichtenbach, die an einer großen Wegspinne liegt. Ab hier folge ich der Markierung des Deutsch-Französischen Burgenwegs (schwarze Burg auf weissem Grund) über die Ruine Froensburg und dem Fleckensteiner Weiher zur gleichnamigen Burg.

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Traumpfad zur Schutzhütte.

Der überwiegende Pfad wird nur geringfügig von unschönem Forstweg unterbrochen und gewährt an einigen Stellen immer mal wieder den Blick ins benachbarte Steinbachtal und auf den Katzenthaler Wald. Nach gut einer dreiviertel Stunde erreiche ich den Halsgraben der ehemaligen Raubritterfeste Froensburg, die mit ihrem mächtigen Burgfelsen oberhalb von Niedersteinbach thront und über mehrere Leitern bestiegen werden kann. Im Westen führt entlang des Felsens ein Pfad hinunter zur ehemaligen Pforte und eingemeißelten Treppenaufgängen. Über den Halsgraben gelangt man in die große Kammer, rechts davon führen Treppen und Leitern zur Kernburg und der bebauten Felsnadel.

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Ruine Froensburg.

Aus den hüfthohen Palasmauern auf dem höchsten Punkt der Burg, erhascht man die nächste grandiose Aussicht, die bei der ersten Rast ausgiebig genossen wird. Richtung Osten verlasse ich die Anlage um wenig später auf Forstweg zu treffen, der mich immer stärker abfallend zum Fleckensteiner Weiher bringt, einem beliebten Badesee, der an einem Campingplatz liegt und von der Sauer (=Saarbach) durchflossen und gespeißt wird, die später in den Rhein mündet. Die Landstraße überquert, geht ein kurzes aber hässlich ansteigendes und anstrengendes Stück hinauf zum Fleckenstein, Frankreichs bestbesuchter Ruine. Die monströse Burgruine ist touristisch erschlossen und Magnet für eine Vielzahl von Ausflüglern, die besonders an Wochenenden völkerwanderungsähnliche Besucherströme auslösen.

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Südseite des Fleckenstein.

logo-felsenland-sagenwegDie Stammburg des Fleckensteiner Adelsgeschlechts ist in ihrer Größe kaum übertroffen, was zu Lebzeiten bereits Stahlstecher zu hanebüchenen Abbildern der Festung beflügelte. Die Reste sind reichhaltig, das Kammerngeflecht und der Aufgang durch den Fels nahezu einzigartig. Allerdings kann die Burg nur gegen Entgeld besichtigt werden. Die Karte wird im Burgshop gelöst, an den sich ein Kindermuseum und ein Cafe anschließen. Eine gute Gelegenheit das Wasser im Rucksack durch einen Radler zu ersetzen oder den menschlichen Bedürfnissen auf gepflegte Art nachzugehen, bevor man den Rückweg antritt. Wer ausreichend Zeit hat, kann das kurze Stück zum Langenfels ersteigen und nach Kletterern Ausschau halten, die an diesem Fels auch ihre Schüler einweisen. In nordöstlicher Richtung erblickt man die beiden Felsen der Burguine Löwenstein

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An der Sauer.

Logo PWVAb hier folge ich der Markierung des Felsenland Sagenwegs (schwarzer Geist auf blauem Grund) bis nach Hirschthal, ab da bis zurück zum Ausgangspunkt den grüngelben Balken. Der letzte Teil ist der gemütlichste Wegabschnitt der gesamten Strecke und verläuft überwiegend über Waldautobahn. Erwähnenswert sind der Zehntkeller in Hirschthal, ein Vorratskeller, in dem die damalige Bevölkerung ein Zehntel ihrer Einkünfte oder Erträge den Fleckensteinern abgetreten und gelagert hat. Ich überquere den Saarbach und gelange durchs romantische Saarbachtal und immer dem Verlauf des Flüsschens folgend zurück nach Schönau. 

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Im Saarbachtal.

Fazit: Eine durchaus fordernde Runde, die alle Mühen aber überdurchschnittlich gut entlohnt. Sei es in Form grandioser Ausblicke oder mit den resten spektakulärer Felsenburgen. Der Weiher und das Tal sorgen für eine gute Mischung, das Cafe am Fleckenstein löst Hunger-, Durst- oder Hygieneprobleme. Wer weis, dass links nicht immer gleichbedeutend mit Westen ist, hat keine Probleme sich anhand der lückenlosen Markierungen zu orientieren. Der Rest nimmt zur Sicherheit eine Karte und in jedem Fall Proviant mit. Einkehren kann man später auch im Ort oder im benachbarten Nothweiler. Absolute Wanderempfehlung!

Bleibt wandern!

Patrick Scheller

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