Eppenbrunner Altschlossfelsen-Tour

LogoPfälzer Buntsandstein-Hochadel steht heute auf dem Programm. Die Altschlossfelsen bei Eppenbrunn sind die Krönung der an Felsen nicht gerade armen Region Süd- und Südwestpfalz. Mit einer Länge von anderthalb Kilometern purem Fels sind sie das längste, zusammenhängende Massiv des Pfälzerwald und auch an Schönheit und Vielfalt unübertroffen. Mit mehreren Seen, einem ehemaligen Schmugglerpfad, zwei Aussichtspunkten, dem Stäffelskopfgipfel samt Fels, einem Ritterstein und dem stillen Stüdenbachtal, runde ich die kontrastreiche Halbtagestour ab, die es auf 12 Kilometer Länge und 260 Höhenmeter bringt.

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An den ersten Türmen der Altschlossfelsen.

Die Reise geht nach Eppenbrunn, einer verschlafenen Gemeinde mit knapp 1400 Einwohnern, die der Verbandsgemeinde Pirmasens angehört. Der Luftkurort geht bis ins 12. Jahrhundert zurück und liegt exakt an der Grenze zu den französischen Nordvogesen und gegenüber des lothringischen Roppeviller. Das Auto wird auf dem Wanderparkplatz im Stüdenbachtal geparkt, der sich am Spießweiher gelegen, etwa einen Kilometer nach der Ortsausfahrt und südöstlich vom Ortskern befindet. Wer gleich am ersten der beiden Weiher parkt, nimmt noch eine kurze aber schöne Strecke um den idyllischen ersten Anglersee mit.

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Der Anfang des westlichen Teils der Formation.

Es ist Ende Oktober und der starke Herbstwind hat einen großen Teil der freistehenden Bäume bereits abgedeckt und so den anfänglichen Forstweg mit einem braunen Belag aus Blättern versehen. Jede neue Brise lässt einen steten Schauer goldgelben Laubs auf mich herab regnen, während ich den ersten See rechts herum umrunde und mich dem eigentlichen Einstieg in die Wanderung nähere. Am Spießweiher, dem zweiten See und eigentlichen Wanderparkplatz angekommen, folge ich dem Pfeil des Helmut-Kohl-Wanderwegs, der weiterhin durchs Tal und über Forstweg verläuft.

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Die Natur findet immer einen Weg.

Die Schotterpiste geht bald in einen ansteigenden Pfad über, der bergan über steinigen und mit Baumwurzeln fein geäderten, weichen Waldboden führt. Ein Schild lenkt mich nach links zum Massiv, das ich nach etwa einer halben Stunde erreiche. Über mir ragen bereits die ersten Türme des Sandsteinspektakels mit 30m Höhe auf: der erste Paukenschlag! Die Felsen zählen zu den Natur- und Kulturdenkmälern, da bereits die Römer hier ihr Lager aufschlugen. Als eindrucksvollster Beleg dafür gilt das Dianarelief, ein in den Stein gehauenes Bildnis einer römischen Gottheit, das zwar nicht auf der heutigen Route liegt, aber über einen ausgeschilderten Abstecher erreichbar ist.

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An der Ostseite, kurz nach den Türmen.

Mit scharfen und geübten Augen lassen sich bereits in den ersten Türmen noch eingemeißelte Treppenstufen der einstigen Burg erkennen. Bevor ich meinen Weg entlang der Ostseite fortsetze, der von nun an mit der Nr.2 markiert ist, laufe ich die Westseite bis zur Bank unterhalb eines senkrecht angewachsenen Baumes und bestaune die grotesken, mit Schwefelflechte bedeckten Wände und Bruchkanten, die mit allerlei Überhängen, bienenwabenförmigen Verwitterungsmustern und Durchbrüchen und Felspalten begeistern.

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Tolle Felstrümmerlandschaft nahe dem Felsentor.

Ich kann mich kaum satt sehen, reiße mich aber los, um die Wanderung zwischen den Felstürmen hindurch fortzusetzen. Von nun an geht es immer hart an den Steilwänden der Ostseite entlang, durch den alles umgebenden Buchenurwald in Richtung Felsentor. Der feuchte Boden und die Leichen natürlich gestorbener Bäume sind hier idealer Nährboden für ein Heer von Pilzen, deren bunte Fruchtkörper überall und in den verschiedensten Farben und Formen aus Boden und Holz spriesen. Rießige Felstrümmer bevölkern die Grenze meines schmalen Pfades, die ehemaligen Felsabgängen geschuldet sind. Mit jedem Schritt legt der Weg noch eine Schippe obendrauf!

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Am Felsentor.

Schließlich erreiche ich das Felsentor, beziehungsweise die Felsentore, von denen allerdings nur das rechte den eigentlichen Weg fortsetzt. Abertausende Jahre dem Wetter ausgesetzt, hat die Natur hier außergewöhnliche Verwitterungsformen geschaffen, indem sie die weicheren Schichten aus dem harten Muttergestein heraus gewaschen hat. Absolut einzigartig im gesamten Wasgau ist die Horizontal-Kugelerosion, die in einem einzigen, winzigen Felstrümmer zu bestaunen ist. Formvollendete Kugeln sind hier aus dem mit Moos bewachsenen Fels gewaschen, der vor Jahrmillionen noch auf dem Meeresboden stand. Ein Anblick, der an Schweizer Käse erinnert.

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Blick aus dem kleineren Felsentor auf die Kugelerosionen im gegenüberliegenden Fels.

Ich verlasse das Felsentor und nähere mich dem Bergsattel, komme aber weiterhin an monströsen Sandsteinwänden und mehreren Höhlen vorbei. Die größte davon wäre ein idealer Schlafplatz für Backpacker, sofern man keine Angst vor Spinnen hat. Die Ausmaße würden einer ganzen Bärenfamilie Platz bieten. Die letzten beiden Highlights der fast vollendeten anderthalb Kilometer Fels, sind der Weg unterhalb eines mehrere dutzend Meter langen Überhangs und die höchste Wand des östlichen Massivs, auf deren Spitze sich ein Aussichtspunkt befindet, den ich am Sattel angekommen, mit einem kurzen Abstecher über die Markierung Nr.3 erreiche.

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Die letzte große Steilwand vor dem Sattel.

Der Abstecher kostet mich gerade einmal fünf Minuten Gehzeit und führt auf der Westseite auf das Plateau des Altschlossfelsens. Der erste, kleinere Aussichtspunkt befindet sich bereits direkt oberhalb des Sattels und bietet mit einer Holzbank eine Rastmöglichkeit mit Blick auf den Ort. Ich laufe jedoch weiter und gelange so zum größeren, sehr nahe gelegenen Rastplatz, der den Blick in anderer Richtung nach Lothringen gewährt und die deutlich bessere Qualität hat. Der Ort dient mir zur ersten Rast und so verdaue ich das bisher Erlebte bei einem kleinen Imbiss und komme auf einer der vier Bänke zur Ruhe.

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Erster Aussichtspunkt direkt über dem Sattel.

Nach meiner Rast laufe ich die wenigen Meter zurück zum Sattel und folge weiterhin der Markierung Nr.2 in Richtung Stäffels- und Erlenkopf. Der folgende Wegverlauf hält auch seine Überraschungen bereit, auch wenn die Qualität wie an den Altschlossfelsen nicht mehr erreicht wird. Andererseits lässt sich das Feeling auf der bisherigen Strecke schwerlich toppen. Immer an der Grenze zur Militärischen Sperrzone und genau auf der Grenze zu Lothringen schlängelt sich ein wahrer Traumpfad durch hüfthohe Farnwedel auf den Spuren ehemaliger Schmuggler, die hier noch bis ins 19. Jahrhundert unterwegs waren.

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Zweite Aussicht mit Blick nach Lothringen.

Zwei Dutzend alter Grenzsteine des Herzogtums Lothringen begleiten mich auf meinem Weg zur Schutzhütte am Zollstock, die in gleichdosierten Abständen an der Wegnarbe stehen und bis ins Jahr 1600 zurückreichen. Der Weg ist geprägt vom stetigen Wechsel der An- und Abstiege und fordert die Beine letztendlich nur im Schlussanstieg auf den Stäffelskopf, der sich in knapp 420m Höhe befindet und auf seinem Sandsteinplateau ehemals einen Aussichtspunkt beherbergte, der heuer leider völlig verwachsen ist. Besonders der Abstieg zur Schutzhütte verlangt gerade im feuchten Herbst nach guten Schuhen und Trittsicherheit! Die Explosionen, deren Knall vereinzelt durch den lichten Mischwald dringt, ist der nähe zum Militärgelände geschuldet.

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Grenzstein des Herzogtums Lothringen.

Ich erreiche die steinerne Schutzhütte am Zollstock, die nochmal eine Rastmöglichkeit bietet und an einer großen Wegspinne liegt. Geradeaus gelangt man innerhalb einer halben Stunde zum Erlenkopf und dem Ritterstein Nr. 195 – Ehemals Erlenkopfer Hof, was durchaus einen weiteren Abstecher lohnt, bei ausreichend Zeit und Kraft. Ich spare beides, sowohl Rast als auch den Abstecher aus und folge weiterhin bis zurück zum Auto, der Markierung Nr.2, die seit einiger Zeit mit den blauweissen Balken übereinstimmt. Die letzten 3,5km geht es nur noch über Waldautobahn durchs stille Stüdenbachtal, in dem mehrere Seen liegen. Vor dem zweiten kleinen Weiher, der etwas akkurat und menschengemacht wirkt, zweigt nach Westen ein Seitental ab, an dessen Ende ein weiterer Ritterstein steht.

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Traumhafte Lichtstimmung am Rande des Stüdenbachtals.

Ritterstein Nr. 37 – Ruine Kaleseyerhof 1855 markiert den Standort und die spärlichen Überreste eines ehemaligen Gutshofes, der 1855 verstaatlicht und in der Folge niedergerissen wurde. Sein Name ist an den seines Erbauers angelehnt. Ich laufe den kurzen Abstecher zurück auf den Hauptweg und gelange am zweitgrößten Talsee, dem Sägweiher, vorbei zum Forsthaus Stüdenbachtal, das heute aber nicht mehr bewirtschaftet wird und nur zu privaten Zwecken dient. Eine Schar Gänse und mehrere Pferde weiden die Grünflächen um den Fachwerkbau ab und geben dem Ganzen einen fast märchenfilmhaften Bauernhofcharme. Meine Markierung führt mich links des Hauses zurück zum Spießweiher, von dem aus ich in fünf Minuten zum Auto gelange.

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Im Stüdenbachtal.

Fazit: Wem beim Anblick dieser einzigartigen Felsformation nicht warm ums Wanderherz wird, sollte sich dringend einen Termin beim Therapeuten besorgen. Größer und spektakulärer geht es nicht! Die erste Hälfte dieser Tour sorgt für die Reizüberflutung, die man dann in der zweiten Hälfte in romantischen und stillen Tallandschaften abklingen lassen kann. Da die Strecke keine Einkehrmöglichkeiten bereit hält, ist Rucksackverpflegung Pflicht. Die Orientierung ab Parkplatz zu den Felsen fällt nicht schwer, ab den Felsen ist die Tour mit der Nr.2 durchgängig markiert. Eine Karte schadet natürlich nicht. Einkehren kann man im Ort oder in Roppeviller. Ein Fest fürs Auge und eine Premiumwanderung, die offiziell gar keine ist. Absolute Wanderempfehlung!

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Zurück am Parkplatz.

Tipp: Wer es etwas kürzer mag und oder keinen Wert auf Rittersteine legt, kann Logodie Altschlossfelsen auch über den offiziellen Premiumwanderweg Altschlosspfad erwandern, einer jungen Tour, die erst 2016 zertifiziert wurde und wie gewohnt mit eigener Markierung daherkommt. Die Wanderung beginnt dann allerdings im Ortskern von Eppenbrunn und biegt am Bergsattel Richtung Roppeviller ab, verläuft quasi in entgegengesetzter Richtung zur Artikelbeschreibung, um einen Bogen in nordöstlicher Richtung zurück zum Ort zu schlagen. Die Tour ist mit 10km Länge angegeben, bei einem Pfadanteil von 32% und 67 Erlebnispunkten.

Bleibt wandern!

Patrick Scheller

2 Gedanken zu “Eppenbrunner Altschlossfelsen-Tour

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