Münchweilerer Höhenwanderweg

DSC_0439.JPGHerbstliche Waldlandschaften und der Duft von tausenden Pilzen erwarten mich heute in Münchweiler an der Rodalb, das im Landkreis Südwestpfalz gelegen, zu Rodalben gehört und sich nahe Pirmasens befindet. Der Höhenwanderweg ist der örtliche Regionalwanderweg mit eigener Markierung und einer Streckenlänge von 16 Kilometern. Er verbindet mit Bauwalderfels und Rotenstein zwei gigantische Buntsandsteinmassive mit Aussichtsplateau und führt zu weiteren großartigen Rastplätzen mit Traumblickgarantie. Mit über 400 Höhenmetern eine anspruchsvolle Halbtagestour.

Tolle Waldbilder auf dem ersten Wegstück.

Der Ort, an der B10 gelegen, ist ebenso schnell gefunden wie mein Parkplatz, der sich direkt am Bahnhof befindet. Ein geschnitztes Holzschild nimmt mich hier sofort in Empfang und weist mir den Weg zum Routenstart gen Waldnarbe. Das letzte Haus hinter mir gelassen, treffe ich auf Forstweg, der bergan in den Wald hinein führt und mit einem grünen H auf weissem Kreis markiert ist. Nur das erste Schild treibt mir Runzeln in die Stirn, da es die Gesamtroute mit 21km Länge angibt und damit sämtlichen Wanderportalen im Netz und der eigenen Homepage Münchweilers widerspricht. Egal, denke ich mir und gehe es an.

Am ersten Aussichtspunkt: Panoramablick.

Der erste Teil führt mich ausnahmslos bergauf und bringt mich innerhalb kürzester Zeit auf 460 Höhenmeter. Die Strecke verläuft ausschließlich über Waldautobahn, zu meiner Freude jedoch durch stellenweise traumhafte Waldbilder und offene Passagen, die immer mal wieder den Fernblick über die benachbarten Gipfel zulassen. Ein kleiner Rastplatz kommt mir vor meinem ersten Wegpunkt noch entgegen, den ich aber zugunsten des Panoramablick auf dem Kurzelberg links liegen lasse. Der erste Paukenschlag: wie im Widescreenformat reihen sich die Mittelgebirgsgipfel des Mittleren Pfälzerwald aneinander und bilden eine unendlich erscheinende Kette vor meinen Augen.

Traumpfad zum Bauwaldermassiv.

Ich gönne mir einen letzten Blick auf die gut erkennbaren Reste Burg Gräfensteins über Merzalben und folge meinem Weg nun über Serpentinen wieder leicht bergab. Zwischen Kurzelberg und Rotenstein werde ich die folgenden Kilometer stets auf etwa 400 Höhenmetern verbleiben. Ich passiere das Pecher Eck und wandere mit dem Bauwalderfels, dem nächsten Wegpunkt entgegen. Es geht durch offenen Buchen- und Eichenwald, bevor der wohl schönste Streckenteil, ein schmaler ansteigender Pfad, zum gewaltigen Felsmassiv führt, das unterhalb des Gipfels aus dem Bauwalder Kopf herausragt.

Am Fuße des Bauwalderfels.

Am Fuße des Sandsteingiganten geht es rechts über einen kurzen und steilen Pfad auf das überhängende Plateau, auf dem Bänke und Tisch zur Rast einladen und den Blick über die heidekrautbewachsenen Bruchkanten gewähren. Von links nach rechts schaut man über die fernen Kegelberge des Wasgau, weiter nach rechts zum Zweibrücker Westrich und auf das relativ naheliegende Münchweiler unter mir. Hinter mir geht es noch einige Meter bergauf zum Gipfel, den ich aber nicht besteige, um diesen malerischen und urigen Ort für die erste Rast zu nutzen.

Aussicht vom Bauwalderplateau.

Den Bauwalderfels über den gleichen Weg wieder verlassend, wandere ich auf dem Hauptweg in wenigen Minuten zum Rastplatz Wildsaufels, ein Aussichtspunkt umrahmt von moosbewachsenen Felskolossen und Treffpunkt mehrerer Wanderwege. Ich Folge weiterhin meiner Markierung, die seit einiger Zeit mit dem Pfälzer Waldpfad übereinstimmt: einer von drei zertifizierten Weitwanderwegen, die noch auf meiner To-Do-Liste stehen. Ein leider viel zu kurzer Pfad bringt mich Richtung Rotenstein bergan und führt zügig zum spektakulärsten und schönsten Aussichtspunkt heute, der samt steinerner Schützhütte in 420m Höhe thront.

Am Rastplatz/ Wegspinne Wildsaufels.

Vom großen Felsplateau sind der Sicht bei gutem Wetter keine Grenzen gesetzt. Und zwar in fast alle Richtungen! Bänke und Tische aber auch die Schützhütte zwingen sich förmlich als Ruheplatz auf. Eine Feuerstelle und mehrere Mülleimer machen den Ort wohl zum genialsten Grillplatz weit und breit und halten ihn ebenso sauber. Über einen gesicherten Abstieg gelangt man zur untersten Felsstufe, die zwar die Dimension des Massivs besser erahnen lässt, aber dem Ausblick von oben nicht das Wasser reichen kann. Ich genieße noch eine Weile das Panorama und die Sonne, die immer mal wieder durch die Wolkendecke bricht, bevor ich in Kehren ins Waschtal absteige.

Aussicht vom Rotensteinmassiv.

Vorbei an Schwarz Suhl gelange ich im Tal an den Annaweiher und an ErzgrubeRotsuhl und einem Wasserfall vorbei, zurück nach Münchweiler. Wer jetzt von Klein-Niagara träumt sei gewarnt: es heißt eben Wasserfall, ist aber die pfälzer Mikrovariante des Bildes vor Augen. Natürlich trotzdem mit dem Weiher toll anzuschauen. Jedoch ist dieser letzte Streckenabschnitt der deutlich schwächste, führt er nicht nur über Waldautobahn, sondern auch über noch unschöneren Asphalt. Wer dem entgehen möchte, kann die Strecke auf 12km Länge kürzen und vorm Rotenstein (den Abstecher dorthin natürlich mitgenommen) nach Münchweiler absteigen. Die Markierung bleibt dieselbe und hält auf der gesamten Strecke immer mal wieder ausgeschilderte Kürzungen bereit.

An der Rotensteinhütte.

Fazit: Wer ausgewiesener Pfad-Fetischist ist, wie ich auch, wird die Tour mit gemischten Gefühlen verlassen. Einerseits sind die Weg- und Aussichtspunkte wirklich grandios, dafür verläuft die Strecke fast zu 100% über Forstweg! Ein großes Plus ist die große Abgeschiedenheit, der ansonsten stark frequentierten Wanderwege im Umkreis. Auch bieten sich die Forstwege hier natürlich für die nasskalten Monate an. Wer also seine Erwartungshaltung anpasst und Freude in ruhigen Waldwegen mit tollen Aussichten findet, ist bestens aufgehoben. Da keinerlei Einkehrmöglichkeiten auf der Strecke liegen, ist Proviant Pflicht. Die perfekte Markierung macht jede Karte überflüssig.

Unterhalb des Rotensteinplateau.

Tipp: Wem die Rucksackverpflegung nicht gereicht hat, kann zurück auf der B10, entweder das > Café am Frauenstein bei Hinterweidenthal ansteuern, das direkt an der Straße liegt oder in anderer Richtung das > Forsthaus Beckenhof vor Pirmasens anfahren, das ebenso mit eigener Abfahrt in nur wenigen Minuten erreicht ist. Beide Varianten bieten gute pfälzer Küche und Kaffee und Kuchen. Viel Geschmack, kleiner Preis.

Bleibt wandern!

Patrick Scheller

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