Hardenburger Rahnfels-Pfad

Für die zweite Herbsttour diesen Jahres der Marke Eigenbau, nutzen wir das Markierungsnetz des Pfälzerwaldvereins und ersteigen neben dem größten und schönsten Aussichtsturm der Pfalz, dem Bismarckturm, auch den Rahnfels samt Schutzhütte. Der höchste Gipfel nördlich der Isenach. Mit einer der beliebtesten Hütten der Region, dem Forsthaus Lindemannsruhe, liegt in der Mitte der Tour eine hervorragende Einkehr- und Rastmöglichkeit. Der Abstecher zum Heidenfels und die Burgruine Schlosseck komplettieren die Runde, die für Sammler auch einen Ritterstein bereit hält. Mit 13,5km Streckenlänge und etwas mehr als 450 Höhenmeter eine Halbtagestour mit weit über 50% Pfadanteil.

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Herbstliche Traumstimmung.

Logo PWV3Das Auto steht auf dem Wanderparkplatz Klaustal, der direkt an der B37 im Stadtteil Hardenburg Bad Dürkheims liegt. Gegenüber blicken wir zur gewaltigen >Festungsruine, die ab hier in 10 Gehminuten erreicht ist und einen Abstecher nach der Tour lohnt. Die riesige Anlage ist erst kürzlich durch EU-Fördermittel rundumerneuert worden und beherbergt nun ein interaktives Museum im westlichen Bollwerk. Die Burg ersetzte als Stammsitz der Grafen von Leiningen die ältere Stammburg Altleiningen. Der Eintritt reißt niemandem Löcher in den Beutel. Wir sind allerdings heiß auf die Tour und folgen der Markierung blauweisser Balken in Richtung Hardenburg den Hang hinauf.

Am Bismarckturm.

Kreis 1.jpgDa wir im Tal geparkt haben, ist Steigung vorprogrammiert. Gleich zu Beginn geht es über schmalen und federweichen Pfad nach oben. Mit erheblicher Steigung machen wir recht schnell an Höhe gut und folgen dem Weg durch felsdurchwirkten Kiefernwald, bis wir auf einen Wanderweg mit Roter-Kreis-Markierung treffen. Diesem folgen wir rechts herum bis zur Wegspinne Schlagbaum über Waldautobahn und kommen unterwegs an einem kleinen Rastplatz mit Spruchtafel vorbei. Trotz der Nähe zur Bundesstraße nehmen wir schon nach kurzer Zeit keinerlei Geräusche mehr wahr, die nicht der Natur geschuldet wären. Am Schlagbaum stehen mehrere Tische und Bänke zum Rasten bereit, die man sich vielleicht auch gönnen sollte, bevor es die nächsten 1,7km über den anstrengendsten Teil der Tour, hinauf zum Aussichtsturm geht.

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Waldautobahn zur Lindemannsruhe.

Kurz unterhalb unseres nächsten Wegpunktes passieren wir den Schillerfels und Gayersbrunnen, der 1874 erbaut, an Karl-Johann Gayer (t1907) erinnert. Als Revierleiter in Weisenheim am Berg, Dozent und Professor für Forstwirtschaft hat er Grundsätze für eine ökologisch orientierte Forstwirtschaft verfasst, die heute noch Anwendung finden. Eine 2002 aufgestellte Sitzgruppe oberhalb des Brunnens bietet sich nochmal zur Rast an, die wir dankend ablehnen, um die wenigen verbliebenen Meter zum Bismarckturm zu wandern, der auf dem Peterskopf in 493m Höhe steht und mit seinen eigenen 36m die spektakulärste Aussicht der heutigen Wanderung bereit hält.

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An der Lindemannsruhe.

Er ist einer von sage und schreibe 146 >Bismarcktürmen auf deutschem Boden, von denen es ehemals sogar 184 gab. Sie alle stellen eine besondere Form des Bismarckdenkmals dar. Der hiesige wurde bereits 1903 eingeweiht und überstand zwei Weltkriege. Bismarck selbst, dessen Konterfei eine Plakette über dem Aufgang zur unteren Aussichtsplattform schmückt, kam allerdings weniger gut davon. Erst wurde er nach Ende des Ersten Weltkrieges von Franzosen abgerissen, nach Überwindung des Westwalls von Alliierten im Zweiten Weltkrieg später als Zielscheibe benutzt. Auf der Rückseite überspannt ein Triumphbogen die Halle, der die Inschrift „Dem großen Deutschen“ trägt. Zu den Öffnungszeiten kann hier auch eingekehrt werden. Seit 1986 ist der Turm Kulturdenkmal.

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Durchgang zur untersten Stufe und Felswand des Heidenfels.

12004272Wir verlassen das beeindruckende Bauwerk und folgen weiterhin der rotweissen Markierung des Pfälzer Weinsteig zum Forsthaus >Lindemannsruhe. Es geht nun durch Buchenwald mit deutlich sichtbarem Kastanieneinschlag. Wer also im Herbst unterwegs ist, sollte eventuell eine Tasche und Zeit zum Sammeln einplanen. Wir treffen auf die L518 und den angrenzenden Wanderparkplatz gegenüber der Lindemannsruhe: ein Haus mit dunkler Holzverkleidung und grünlackierten Fensterläden, die die weissen Fenster umfassen. Über dem Eingang prangt ein Hirschgeweih, das auch Logo des Lokals ist. So stelle ich mir ein Forsthaus vor! Die gute Anbindung an Landstraße und das Wanderwegenetz machen das Haus zu einem beliebten Ausflugslokal, das gute pfälzer Küche zu fairen Preisen anbietet.

An der untersten Stufe des Heidenfels.

Logo PWV7.jpgWir überqueren den Parkplatz und wandern über Pfad, den grünweissen Balken folgend, zur nächsten Kreuzung. Hier zweigt links ein Abstecher zum Heidenfels ab, der uns mit der Markierung roter Kreis in wenigen Minuten zum Felsmassiv führt, das sich in mehreren Stufen in den Hang des Berges fügt. Über steinerne Treppen gelangen wir durch große Felsbrocken hindurch zu einem Durchbruch, der zum Fuße einer großen Wand führt. Rechts davon führt ein schmaler Gang zur Grotte hinauf. Wir nutzen diesen malerischen Ort für unsere Rast und erfreuen uns an den Dingen, die unserem Rucksack entspringen. Gestärkt und ausgeruht nehmen wir den gleichen Weg wieder zurück und folgen nun dem roten Kreis in anderer Richtung parallel zur Landstraße. Keine Sorge: es ist trotz dessen sehr ruhig und die Straße ohnehin nicht stark befahren.

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Ritterstein Nr. 282 – Rote Hohl.

Kreis 1Wir wechseln die Seite und queren ein letztes mal Asphalt. Links des Grahbergs laufen wir nun durch traumhafte Waldbilder und mit der Frankenthaler Hütte, dem vorletzten Wegpunkt entgegen. Nach wenigen Metern kommen wir an Ritterstein Nr. 282 vorbei, der im Schatten eines Baumes direkt an der Wegnarbe steht. Das Kleinstdenkmal mit der Aufschrift Rote Hohl – Altstraße/Kreuzsteig weist auf die Kreuzung zweier ehemaliger Straßen an gleicher Stelle hin, die zu gräflicher Zeit die beiden Leininger Burgen Hardenburg und Altleiningen und Kieskautberg und Peterskopf verbanden. Ein schmaler Pfad führt später bergan und bringt uns auf 516m Höhe, den höchsten Punkt nördlich der Isenach, die das Tal unter uns in zwei Hälften teilt. Von der vorderen Bruchkante des Rahnfels blicken wir über die Haardt zur Rheinebene und auf die naheliegende Hardenburg.

Auf dem Rahnfels.

Kreis 6.jpgWir tauschen den roten Kreis gegen sein weisses Pendant ein, und verlassen die Frankenthaler Hütte um über Serpentinen den Rahnfels hinabzusteigen. Das harte Gefälle schwächt sich immer mehr ab und endet schließlich in einen fast ebenen Pfad, der nun wieder durch Kiefernwald zur Ruine der Burg Schlosseck führt. Die Anlage liegt recht verwunschen inmitten des Waldes und ist erst im 19. Jahrhundert wiederentdeckt worden. Ein tiefer Halsgraben trennt die Burg vom Bergmassiv, durch den wir zum rekonstruierten Burgtor gelangen, in dessen Bogen eine wachende Fratze auf uns hinunter starrt. Der anschließende Stumpf des quadratischen Bergfrieds, der niedrige Bering und eine in Fundamenten erhaltene Kammer sind die letzten Reste der einstigen Bebauung.

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Die Frankenthaler Hütte auf dem Rahnfels.

Logo PWV20.jpgMit Schlosseck, dem letzten Wegpunkt dieser Tour, verlassen wir den Berg und wandern zurück ins Isenachtal. Zuletzt mündet unser Pfad in breiten Forstweg, der an der B37 endet. Wir überqueren die Straße und laufen rechts von der Papierfabrik über den grünen Balken in wenigen Minuten zu unserem Parkplatz zurück.

Fazit: Eine tolle Halbtagestour, die über die gut markierten Wanderwege des Pfälzerwaldvereins zu markanten und lohnenswerten Wegpunkten führt. Mit der Lindemannsruhe liegt eine perfekte Einkehrmöglichkeit auf halber Strecke, mit Bismarckturm und Rahnfels zwei überragende Aussichtspunkte auf der Route. Trotz der anfänglichen Nähe zur Straße, auch bei der Lindemannsruhe, ist die Strecke erstaunlich ruhig. Karte bitte mitnehmen. Absolute Wanderempfehlung!

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Blick auf Burgtor und Schildmauerrest Schlossecks.

Tipp: Wer während der Tour nicht eingekehrt ist, aber nach der Tour gerne einen gelungenen Abschluss erleben möchte, kann in 5 Autominuten ab Parkplatz Klaustal, über die B37 zum Waldhaus >Saupferch fahren (eigene Abfahrt). Die Hütte liegt am Wanderweg nach Drachenfels und Lambertskreuz und glänzt mit guter pfälzer Küche und einer freundlichen Bedienung. Wer nach der Tour noch Saft und Lust hat, kann über das gelbe Kreuz einen steilen Pfad zur >Ruine Nonnenfels nehmen, der direkt am Parkplatz beginnt und in wenigen Minuten zum Felsmassiv führt.

Bleibt wandern!

Patrick Scheller

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