Maimonter Burgenrunde

Heute geht es erneut zum Grenzberg zwischen dem deutschen Petersbächel und dem Elsassdörfchen Obersteinbach. Der Berg ist reich an Geschichte, Kultur und Wanderwegen. Von einer weiteren, größeren Tour habe ich bereits berichtet. Nachzulesen unter >Maimonter Ostschleife. Die Tour heute ist mit ca 7-8km Streckenlänge relativ kurz und bis auf den Start- und Schlussanstieg sehr leicht zu laufen. Allerdings begegnen mir unterwegs keine meiner geliebten Felsformationen, abgesehen von den  Kolossen, auf denen die Burgen thronen. Auch weiche Waldpfade sucht man hier vergebens, verläuft die Route doch nahezu ausschließlich über breite Forstwege. Wer aber einen Faible für Burgen hat kommt hier allemal auf seine Kosten, geht es doch zu gleich zwei kleineren aber schönen Ruinen und einer echten elsässischen Legende, deren Spitzen schöne Aussichten bieten.

Traumsicht und Rastmöglichkeit bei Burg Blumenstein.

Ausgangspunkt ist Petersbächel. Das Auto steht auf dem Parkplatz der Pfälzerwaldvereinshütte. Von dort geht es geradewegs nach rechts in den Wald hinein und den gesalzenen Anstieg bis zur ersten Wegkreuzung hinauf. Dieses Stück ist das steilste der gesamten Wanderung und bringt mich direkt auf ausreichende Höhe. An der Wegkreuzung angekommen filtere ich Burg Blumenstein aus dem Wald aus Schildern und folge in der angezeigten Richtung, links dem breiten Forstweg folgend um den Berg herum. Der Weg bis zur Ruine ist beinahe eben, lediglich das letzte Stück (an der nächsten Kreuzung wieder links) fällt etwas ab. Es vergehen nur wenige Minuten und schon tut sich der große Felsen Blumensteins vor mir auf.

Zisterne (links unten), Aufgang und Burgfelsen Blumensteins.

Die Anlage ist recht klein, aber gut besucht, da sie nur wenige Gehminuten vom legendären Wasigenstein entfernt liegt. Die erste urkundliche Erwähnung findet 1332 statt, wobei wie bei eigtl. allen Felsenburgen des südlichen Pfälzerwaldes die exakte Entstehungszeit nicht geklärt werden kann. Die Burg wurde ursprünglich als Kriegsbefestigung genutzt und nicht als Adelssitz, weshalb ihr nie größere Besitzungen übertragen wurden. Die Ruine begeistert heute mit noch intakten Pferdeanbindevorrichtungen, der erhaltenen Zisterne, der Felsentreppe und einer schönen Felsenkammer, sowie den niedrigen Resten des Wohnbaus. Gegenüber des Aufgangs stehen ein Holztisch und zwei Bänke, von denen man einen schönen Ausblick auf die gegenüberliegenden Berge genießt. Auf dem Rest des heute nicht mehr existenten Bergfrieds klammert sich eine Kiefer fest, die ein tolles Motiv abgibt. Blumenstein wurde in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts zerstört und blieb bis 1707 Ruine, als sie letztmalig und notdürftig als Fluchtburg teilwiederaufgebaut wurde.

Blick von Großwasigenstein ins Steinbachtal.

Der weitere Weg führt mich zunächst auf gleichem Weg zurück zur Wegkreuzung, an der ich eben zur Burg hinab ging. Nun geht es dem ursprünglichen Forstweg folgend weiter um den Berg herum und zur nächsten Ruine: Klein- und Großwasigenstein. Die Burg steht bereits auf elsässischem Gebiet und ist wohl neben Burg Fleckenstein die berühmteste Ruine Frankreichs. Diesen Status verdankt sie wohl hauptsächlich dem Waltharilied, demnach niemand Geringeres als Hagen von Tronje und Gunther von Burgund hier mit Walther von Aquitanien die Klingen gekreuzt haben sollen. Sein Auge soll Hagen genau unterhalb und zwischen den beiden Burgfelsen Groß- und Kleinwasigensteins verloren haben. Die Burg ist immer gut besucht und begeistert nicht nur mit kolossalen Ausmaßen, sondern ebenso mit einer Fülle von Felsenkammern, unzähligen Felsentreppen und einem der besterhaltenen Maßwerkfenster des Elsass. Ihr historischer Ursprung liegt im 13. Jahrhundert, wo sie vom Hofmarschall Hagenaus erbaut wurde. Ihr Ende findet die Burg im 17. Jahrhundert. Anfang 18. Jahrhundert wird sie nur noch als Ruine erwähnt.

Aufgang zur Oberburg Kleinwasigensteins.

Aus den Resten des Palas Großwasigensteins blicke ich zu meinem nächsten Ziel, der Turmburg Klein Arnsburg und ins Steinbachtal. Ich folge der Beschilderung am Fuße Wasigensteins und folge das erste Mal auf dieser Wanderung, weichem Pfad hinunter nach Obersteinbach. Ich überquere den Langenbach und gelange oberhalb des Ortes an einem beliebten Kletterfelsen vorbei, zur Ruine. Die Anlage nimmt nur einen kleinen Felsen in Beschlag und streckt sich auf diesem in die Höhe. Ein breiter Halsgraben trennt die Kernburg vom Bergmassiv und den darauf verschwundenen, ehemaligen Holzbauten. Die Vorburg ist lediglich in den aus dem Berg herausgearbeiteten Terassen erhalten und weist noch ein in den Fels gearbeitetes Portal auf. Die Kernburg ist über eine Stahltreppe begehbar, von der man durch den ehemaligen Wachraum und die Felsenkammer zu den Palasresten gelangt. Oben angekommen erhält man eine Aussicht auf das umliegende Land und Obersteinbach. Die Anlage ist vermutlich im 13. Jahrhundert entstanden und defintiv im 17. Jahrhundert, während des Dreißigjährigen Krieges zerstört worden.

Aufgang zur Wachkammer der Kleinen Arnsburg.

Die Kleine Arnsburg verlassend geht es zunächst wieder den gleichen Weg zurück, bis ich den Übergang des Langenbachs erneut passiere. Wer mag, kann die 3 Minuten hinunter nach Obersteinbach laufen und sich eine wirklich leckere, elsässische Mahlzeit gönnen. Ich jedoch folge von nun an dem Verlauf des Langenbach und steige stetig bergauf und gelange so, nach einer guten halben Stunde wieder zurück, zur allerersten Wegkreuzung dieses Rundwegs. Die folgenden Meter die ich mich zu Beginn nach oben quälte, laufe ich nun entspannt hinunter nach Petersbächel und zurück ans Auto. Da ich Obersteinbach übersprungen habe, gönne ich mir zum Abschluss pfälzer Köstlichkeiten in der Hütte des Pfälzerwaldvereins, die Mittwochs und an Wochenenden geöffnet hat.

Blick aus der Felskammer der Kleinen Arnsburg auf Obersteinbach.

Fazit: Eine kleine Rundtour die bis auf zwei Anstiege keine Schwierigkeiten bereit hält und durch eine gute Beschilderung glänzt. Die Ruinen sind deutlich ausgeschildert, wer aber die Strecke ergänzen will, sollte unbedingt die entsprechende Karte dabei haben. Die Natur, ebenso die Streckenführung ist hier wenig spektakulär, die Burgen dafür umso mehr. Verpflegung ist aufgrund der Kürze eigentlich nicht notwendig, wer mag, kann aber in der Hälfte in Obersteinbach oder am Ende im Vereinshaus einkehren.

Bleibt wandern!

Patrick Scheller

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