Hahnfels-Tour

DSC_0440 - KopieHeute geht es nach Erfweiler, einem schmucken Fachwerkdörflein in unmittelbarer Nähe zu Dahn. Die Hahnfels-Tour ist eine relativ junge Premiumwanderung, die mit allerhand Aha-Erlebnissen aufwartet. Die Streckenlänge beträgt 14,5 km, wobei mehrere Abkürzungen möglich und meiner Meinung nach, sogar sinnvoll sind. Aber dazu später mehr. Bei überwiegendem Waldpfadanteil gilt es 450 Höhenmeter zu bewältigen, die sich aber auf mehrere An- und Abstiege verteilen und für Geübte sowie Gelegenheitswanderer, keine Schwierigkeiten darstellen.

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Auf dem Hahnfels. Im Hintergrund stehen die Türme Altdahns.

Das Auto steht auf dem großen Parkplatz gegenüber der Dorfkirche. Die Tour beginnt an der Treppe zum Kircheingang und ist mit einem Hahn auf blauem Hintergrund markiert. Also durchaus markant und passend. Die ersten Meter fordern gleich zu Beginn eine Menge Schweiß, da es direkt bergauf und zur ersten Aussicht geht. Der Pfad schlängelt sich durch lichten Kiefernwald, der aber trotzdem Schatten und Kühlung erzeugt. Die Steigung ist deftig, bringt mich aber umso schneller auf angemessene Höhe und so erreiche ich schon nach wenigen Minuten den Hahnfels.

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Schöne Lichtstimmung unterwegs.

Eine neue, vollumzäunte Stahlbrücke bringt mich auf den vordersten Sandsteinbrocken und ermöglicht mir die grandiose Aussicht auf den Wasgau und die gegenüberliegenden Burgen Altdahn, Tanstein und Grafendahn. Ein Paukenschlag! Ich genieße die Aussicht eine Weile und lasse mich von der Sonne etwas grillen, bevor ich den Abstieg ins Tal beginne. Bis dahin bin ich ausschließlich auf Waldpfaden unterwegs, was den Füßen wirklich gut tut. Das Bärenbrunnertal begrüßt mich mit einem großen Sandsteinkreuz. Rechts von mir und gegenüber erstrecken sich ausgedehnte Wiesen, die Wegränder sind mit allerlei Wildblumen gespickt, die mir teilweise bis zum Nabel reichen. Auch Kamille und Johanniskraut lässt sich hier entdecken. Ein kurzes Stück geteerten Weges unterbricht den Pfad, bevor es erneut in den Wald und hinauf zum Schafsfelsen geht.

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Am Schafsfelsen.

Das Buntsandsteimassiv erreicht an seiner höchsten Stelle 30 Meter, bei einer Durchschnittshöhe von 22 Metern. Ein wahres Kletterparadies, das auch an diesem Tag genutzt wird. So beobachte ich zwei Kletterer, die sich in luftiger Höhe bewegen. Die Sportler unterscheiden die Schafsfelsen in Schäferturm, Schandarie und Holderturm, die drei erlaubten Passagen hier. Der Waldpfad führt direkt unterhalb der steil aufragenden Sandsteinwände vorbei und so beeindruckt die Tour einmal mehr durch die gelungene Wegführung.

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Ausblick vom Kahlenberg.

Mit stetiger Steigung verlasse ich das eindrucksvolle Felsmassiv und wandere dem Kahlenberggipfel entgegen, der die zweite Aussicht der Tour bereithält. Verständlicherweise weniger spektakulär als das Hahnfelspanorama, aber trotzdem schön. Immerhin hat man hier noch einmal die direkte Sicht zur Altdahner Burgengruppe. Eine Holzbank, die noch recht gut in Schuss ist, lädt zur Rast ein. Einziges Manko: sie steht falsch herum und so blickt man statt zu den Burgen, zu den Bäumen auf der anderen Seite.

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Wegstück zwischen den beiden Aussichtspunkten des Kahlenbergs.

Die ersten Brötchen werden hier oben trotzdem verspeist, bevor es auf dem Rücken des Kahlenbergs weitergeht. Ein traumhafter Kammpfad führt mich hinunter, zur zweiten Aussicht dieses Berges, die nahe an die des Hahnfelsens heran reicht und ebenfalls mit Bank und Tisch zur Rast auffordert. Diesmal richtig herum. (Hätte man vorher wissen müssen!) Mein Blick schweift über herrliche Wiesen und golden schimmernde Getreidefelder, die sich bis nach Busenberg erstrecken, dass mir mit seiner Burg Drachenfels genau gegenüberliegt. Toll!

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Zweite Kahlenbergaussicht.

Die Tour bringt mich über federnde Waldpfade und die Flanke des Kahlenbergs, dem unangefochtenen Highlight dieser Wanderung entgegen. Der größten Burgruine der Pfalz: die Burgengruppe Altdahn. Der Anstieg bis unterhalb des Burgfelsens fordert nochmal meine Waden und eine Menge Schweiß. Zu meiner Überraschung ist der Eintritt völlig kostenlos, anders als bei Trifels und Hardenburg. Am Fuße der gewaltigen Anlage liegt die Burgschänke, die aber nicht dem Pfälzerwaldverein angehört und deshalb (Vorsicht!) auch nicht Mittwochs geöffnet hat. Im Gegenteil: Mittwochs Ruhetag, an allen anderen Tagen wie die Burg, von 9-18 Uhr geöffnet.

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Blick von Altdahn auf Grafendahn.

Zu den Ruinen selbst ist zu sagen, dass sie alleine schon eine Ausnahme darstellen, weil man bei ihnen eine recht genaue Entstehungszeit benennen kann. Sehr ungewöhnlich bei den südpfälzer Felsenburgen. Die im frühen 12. Jahrhundert entstandene Anlage wird 1127 das erste mal in Urkunden erwähnt. Die bei den meisten Menschen als Altdahn bekannte Burg, besteht aus drei unterschiedlichen Ruinen, mit Namen Altdahn, Tanstein und Grafendahn. Altdahn ist die größte Ruine der drei und nimmt wie Tanstein auch, zwei der insgesamt fünf Felsen ein. Grafendahn, die kleinste Burg, liegt genau inmitten der beiden anderen.

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Tanstein im Vorder- und Grafendahn im Hintergrund.

Die Burgengruppe gilt der Fläche nach, als größte Anlage ihrer Art in der Pfalz. Aber auch die Mauerreste suchen ihresgleichen. Zudem gibt es unzählige Treppen, Schächte, Felskammern, Aufgänge, Türme und Höfe zu erobern. Die erhaltenen Sitzbänke in den Fenstern des altdahner Palas, bieten die perfekte Rastmöglichkeit, sowie einen phänomenalen Ausblick. Wie übrigens vom Rest der Burgengruppe auch! Ein kleines Burgmuseum im rekonstruierten Stallhaus Grafendahns, beherbergt einige schöne Stücke, die nach telefonischer Voranmeldung besichtigt werden können.

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Grafendahn im Vorder- und Altdahn im Hintergrund.

Für die Burgenkundler gibt es aber auch ein paar Aufreger, wie z.B. die moderne Brüstung Grafendahns, die analog auf dem Trifels gebaut wurde. Das restliche Mauerwerk ist aber original erhalten und im Falle Grafendahns, auch in originaler Höhe. Hier hat man wirklich viel zu sehen und zu entdecken. Also extra Zeit einplanen! Der weitere Weg geht unterhalb des Altdahner Burgfelsens weiter und verläuft auf gewohnt schmalem Waldpfad, durch lichten Nadelbestand. Einige kleine und größere Buntsandsteinformationen durchsetzen die Strecke, bevor man an eine große Höhle kommt, die den Anzeichen nach, des öfteren als Schlaf- und Grillplatz genutzt wird. Es geht stetig bergab und nach einiger Zeit erreiche ich schließlich den Ortseingang von Erfweiler.

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Höhle unterhalb der Burgengruppe.

Zu meiner großen Überraschung muss ich sagen, denn es sind noch über 7 km zu bewältigen. Die Wandermarkierung gegenüber der Straße lenkt mich nach links und führt mich wieder weg vom Ort. Parallel zur Straße, verläuft nun erst einmal ein geteerter Weg, bevor ein Forstweg erneut in den Wald führt. Nach kurzer Zeit erreiche ich erneut Erfweiler und soll mich dem Schild nach, wieder weitere 5,7 km vom Ort entfernen. Der weitere Verlauf, würde mich durch das Bottental, über den Liebespfad zu einem kleinen Wasserfall führen. Ich entscheide mich allerdings nach einem Blick auf die Kirche links von mir (meinem Ausgangspunkt) dazu, die Tour abzukürzen und zurück ans Auto zu laufen, da mir dieses letzte Stück, doch zu sehr konstruiert erscheint. Als hätte man versucht, auf Biegen und Brechen noch ein paar Kilometer an die bisherige Strecke anzuhängen. Ich hingegen fand bis dahin, die bisherige Tour absolut stimmig, mit vielen Höhepunkten und tollen Kontrasten, die trotz Abkürzung auf 9,8 km kommt. Übrigens die gleiche Länge wie die des >Dimbacher-Buntsandstein-Höhenwegs.

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Wiesenlandschaft vor Erfweiler.

Fazit: Eine grandiose Wanderung, die mit vielen Aussichten und der größten Ruine der Pfalz begeistert. Die Schafsfelsen und das Bärenbrunnertal sorgen für einen tollen Kontrast. Die 450 Höhenmeter gehen zwar auf die Pumpe, sind aber durchaus machbar. Verpflegung ist Pflicht, Zeit ist reichlich einzuplanen. Die Gastronomie bei den Ruinen und in Erfweiler bieten die Möglichkeit zur Einkehr.

Bleibt wandern!

Patrick Scheller

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