Hauensteiner Schusterpfad

Markierung.jpgIm wasgauischen Schuh-ElDorado Hauenstein beginnt und endet eine der schönsten Premiumwanderungen der Südpfalz, die auf über 15km Streckenlänge ein ganzes Füllhorn mit pfälzer Spezialitäten bereit hält. Darunter mehrere spektakuläre Aussichtspunkte, eine Waldkapelle aus dem 18. Jahrhundert, Kammpfade, die typischen Buntsandsteinformationen, wie der über eine abenteuerliche Konstruktion begehbare Hühnerstein, die Pfälzerwaldvereinshütte Dicke Eiche und als Highlight der Backelstein: Jagdschloss Kaiser Friedrich Barbarossas, das zugleich Ritterstein und Kletterparadies mit 59m hohen Steilwänden ist. Vom Deutschen Wanderinstitut mit 67 Erlebnispunkten bedacht, garantiert die Tour bei fast 50% Pfadanteil Wanderkost vom Feinsten.

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Start- und Endpunkt (Hintergrund links) der Tour.

Ausgangspunkt ist der Parkplatz des PENNY-Marktes in Hauenstein, der direkt an der Hauptstraße liegt und zügig gefunden ist. Wer nicht gerade Sonntags unterwegs ist, kann hier noch schnell ein paar Fressalien für den Rucksack besorgen, der gut gefüllt sein sollte, da die Strecke nur eine einzige Einkehrmöglichkeit bietet. Zu beiden Seiten der Straße erheben sich bereits markante Felsformationen, die die Anfangs- und Endpunkte der heutigen Rundwanderung markieren. Andy und ich laufen die Tour gegen den Uhrzeigersinn und folgen der einprägsamen Wegmarkierung, einem schwarzen Schuh auf gelbem Grund, vom Parkplatz aus direkt nach rechts in den Wald.

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Aussichtspunkt Trifelsblick.

Die ersten Meter führen gleich bergan und bringen uns in wenigen Minuten auf komfortable Höhe. Durch lichten Buchenwald geht es unserem ersten Wegpunkt entgegen, dem Aussichtspunkt Trifelsblick: ein exponierter Rastplatz mit Sitzgelegenheit und Schützhütte, samt Traumblick zur Reichsfeste über Annweiler. (Sofern man mit der Kamera zoomt oder ein Fernglas parat hat.) Aber auch der Weg dorthin hält bereits tolle Waldbilder bereit und einen Traumpfad oberhalb eines weitläufigen Tals. Wir setzen den Weg fort und gelangen durch weitere, jedoch wenige Traumpassagen zur Waldkapelle

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Die Wallfahrtskapelle Winterkirchel.

Die Kapelle Maria Himmelpforte ist heute nur noch unter dem Namen Winterkirchel bekannt. Auch im gängigen Kartenmaterial wird der Wallfahrtsort so genannt. Sie steht auf einem Bergrücken zwischen Erfweiler und Hauenstein und reicht bis ins Jahr 1748 zurück, worauf eine sandsteinerne Plakette hinweist. Bereits 1789 wurde sie in den Wirren der französischen Revolution zerstört und erst 1948, also genau 200 Jahre nach ihrem Erstbau wiedererrichtet. Mehrere hölzerne Sitzreihen nehmen den offenen Platz vor der Kapelle ein, ein reduzierter und unzugänglicher Altar ist das einzige Schmuckelement der ansonsten eher spartanisch wirkenden Kirche.

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Am Hühnerstein.

Wir verlassen den Ort um den nächsten zwei Wegpunkten entgegen zu gehen, die sich in relativer Nähe befinden und nach einigen Minuten erreicht sind. Die Dicke Eiche ist wieder so ein Beispiel für die grenzenlose Dummheit mancher Menschen, von denen einige Unbekannte 1994 den 300 Jahre alten und 27m hohen Baum mit einer Kettensäge dermaßen verletzt haben, dass er letztenendes gefällt werden musste. Ein heute noch eindrucksvoller Rest des Naturdenkmals mit einem Umfang von über 5m, markiert ihren einstigen Standort, den auch der Pfälzerwaldverein für seine jährliche Maifeiern nutze. Die benachbarte Hütte Dicke Eiche des Pfälzerwaldvereins lädt zum Verschnaufen und Rasten ein und hat wie alle anderen Vereinshütten Mittwochs und an Wochenenden geöffnet.

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Traumblick vom Hühnerstein.

Von hier beginnen wir den kurzen und moderaten Anstieg zum Hühnerstein, einem markanten Massiv aus Buntsandstein, das auch Wegpunkt des hier überkreuzliegenden Rimbachsteigs ist. Der Felsen kann über eine moderne Stahlleiter, die fast senkrecht an die Steilwand lehnt, begangen werden. Vom Aussichtsplateau kann das grandiose 360° Panorama genossen werden, eine Plakette gibt den vielen Sichtpunkten in der Ferne einen Namen. Bei gutem Wetter ist der Blick bis zum Schwarzwald möglich. Vorsicht: wer von April bis Juni hier unterwegs ist, läuft Gefahr den Felsen wegen Uhu-Brut nicht begehen zu können. Also entweder auf Hoch- und Spätsommer ausweichen oder sich vorab über den Link des Pfälzischen >Wanderfalkenschutz über die aktuellen Sperrungen informieren, denn dieses Highlight sollte man nicht verpassen!

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Blick zum Massiv des Backelstein.

Der weitere Wegverlauf führt uns durch herrlichen Kiefernwald samt typischer Begleitflora zu einem weiteren Aussichtspunkt, der einen spektakulären Blick zum Felsgigant Backelstein gewährt, der sich mit annähernd 60m Höhe aus dem Grün des umliegenden Waldes erhebt und einen grandiosen Anblick bietet. Über einen schmalen Pfad, der hart an einigen schönen Sandsteinformationen vorbei führt, gelangen wir schließlich zum Fuße der einstigen Holzburg aus frühmittelalterlicher Zeit. Aus dem Fels gehauene Treppenstufen und einige Balkenlöcher sind heute die einzigen Zeugen der ehemaligen Bebauung. Über eine Holzbrücke und -treppen erklimmt man den Rücken des mächtigen Sandsteinmassivs. 

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Traumstück zwischen Hühner- und Backelstein.

Auf halber Höhe gelangt man an einer Felskammer vorbei, an deren Wand die typisch gelbe Gravur der Rittersteine erkennbar ist. Der Felsen wird mit Namen Backelstein als Ritterstein Nr. 220 geführt. Die Burgruine soll einmal als Jagdschloss Kaiser Friedrich Barbarossa gedient haben, was sich aber durch fehlende Funde und schriftliche Beweise bis heute nicht belegen lässt und wohl eher ins Reich der Sagen gehört. Sicher ist hingegen, dass der Felsen gegenwärtig ein wahres Kletterparadies darstellt. So führen laut Alpenverein 35 mögliche Routen auf die Spitze, davon die zwei anspruchsvollsten mit Schwierigkeitsgrad IX. Andy und ich überwinden die marode Sicherheitsbegrenzung der Aussichtskanzel, um uns ein schönes Plätzchen auf dem Felsrücken für die Rast zu suchen. 

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Auf dem Backelstein.

Gestärkt und mit unübersehbarem Grinsen im Gesicht verlassen wir diesen einmaligen Ort in Richtung Kreuzelfelsen, einem gipfelkreuzbewehrten Aussichtspunkt direkt über dem Ort, bevor wir in die Ausläufer Hauensteins absteigen und einige Meter Asphalt zu bewältigen haben, die aber unumgänglich sind, um die Rundtour fortzuführen, die schließlich mit einem gewaltigen Bogen rings um Hauenstein führt. Die zwei Straßen überwunden, passieren wir einige ausgedehnte Weideflächen und Wiesen, die mit Birnen- und Apfelbäumen durchsetzt sind und als Herberge für einige grasende Pferde dienen.

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Blick von der vorderen Bruchkante zu Andy in der Aussichtskanzel.

Ein Traum für jeden, der das Glück hat hier wohnen zu dürfen! Wir kreuzen einen Wirtschaftsweg, der ebenfalls an eine rießige Wiese grenzt und uns einen Traumblick zur direkt gegenüber liegenden Falkenburg gewährt, deren spärliche Reste auf einem langestreckten, gewaltigen Felsenriff thronen. Die Markierung lenkt uns nach links und weiter bergab und wir erkennen oberhalb der gegenüberliegenden Waldnarbe unseren nächsten Wegpunkt. Nach dem Wiedereintritt in den Wald macht mich Andy, adleräugig wie immer, auf eine übergewichtige Ringelnatter aufmerksam, die scheinbar gerade die Wegseite wechseln will. Wir stören sie nicht länger und gehen mit entschlossenen Schritten dem anstrengendsten Teil dieser Tour entgegen. 

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Auf dem Verbindungsstück in Hauenstein.

Mit herzhafter Steigung führen uns Serpentinen schnell wieder nach oben, um die eben verlorene Höhe wiederherzustellen. Da bereits 12km Strecke hinter uns liegen ein echter Wadenbeißer, der aber lohnt, weil uns nun der vorletzte Traumpfad nochmal hart an einigen größeren Felsen vorbei führt und zum letzten, beeindruckenden Aussichtspunkt dieser Tour: dem Nedingfelsen. Der exponierte und ebenfalls mit Gipfelkreuz bewehrte Felsrücken lädt mit mehreren Bänken zum Verschnaufen ein. Das Angebot nehmen wir dankbar an, um den Fernblick über die Kegelberge des Wasgau zu genießen.

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Kammpfad zum Plateau des Nedingfelsens. Im Hintergrund das Gipfelkreuz.

Das letzte Wegstück führt uns noch einmal über traumhaften Pfad stets links des Nedingmassivs, in dessen unterstem Teil wir zum Felsentor gelangen, einem mehrere Meter großen Felsauge, das nicht nur der letzte Wegpunkt dieser Wanderung ist, sondern auch mit einer Holzbank zur letzten Rast einlädt. Wir verlieren danach zügig an Höhe und steigen wieder ab um für wenige Sekunden nochmals Straße zu überqueren. Über den Adolph-Kolping-Pfad, der oberhalb der Dächer Hauensteins verläuft, überwinden wir den spärlichen Streckenrest und finden uns oberhalb unseres Parkplatzes ein. Durch einen Spalt im Felsen, auf den wir heute morgen zu Beginn unserer Tour geblickt hatten, steigen wir die wenigen Meter zum Auto ab und sind uns einig, eine der schönsten Touren der Region vollendet zu haben.

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Das Felsenauge (Felsentor) im Nedingmassiv.

Tipp: Ich möchte jedem ans Herz legen gegen den Uhrzeigersinn zu laufen, da die ersten 4km bis auf wenige Stellen doch sehr gewöhnlich sind und zudem größtenteils über Waldautobahn verlaufen, was als Finale doch sehr unsexy ist. So fängt ab dem Aussichtspunkt Trifelsblick die eigentliche Premiumtour an und steigert sich kontinuierlich zum Ende hin. Auch die Wegpunkte verteilen sich superb auf die letzten 11,5km und der Kiefernwald mit hüfthohen Heidesträuchern läuft dem anfänglichen Buchenwald den Rang ab! Das „Schuh-ElDorado“ aus dem Opener war natürlich auf die Geschichte des Ortes bezogen, der wie Pirmasens einstmals zu den deutschen Topadressen der Schuhherstellung zählte. Wer noch Zeit und Muße hat, kann im Ort Deutschlands erstem und einzigen >Schuhmuseum einen Besuch abstatten und sich auf einen Streifzug durch sämtliche Epochen der Quantenverpackung begeben.

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Zurück auf Los – auf dem Adolph-Kolping-Pfad.

Fazit: Die ganze Region Hauenstein ist einfach ein Garant für qualitätvolle Premiumwanderwege. Der Schusterpfad ist dabei nicht nur der zweitlängste nach dem Rimbachsteig, sondern mit Sicherheit auch einer der abwechslungsreichsten und schönsten. Die 250 Höhenmeter hören sich womöglich etwas einfach an, jedoch weis die knapp über 15km lange Strecke durchaus zu fordern! Die gewohnt perfekte Markierung macht jede Karte überflüssig. Der Rucksack sollte dafür gut gefüllt sein. Einkehren kann man in der Hütte Dicke Eiche und im Ort. Absolute Wanderempfehlung!

Bleibt wandern!

Patrick Scheller

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