Merzalbener Schloss-Tour

In Hinterweidenthal, ganz in der Nähe des berühmten Teufelstisch, beginnt diese lohnenswerte Rundwanderung zum Merzalbener Schloss (Burg Gräfenstein) und dem Sandsteingigant Rotenstein. Das urig romantische Wieslautertal und die Wälder des wunderschönen Gräfensteiner Landes ergänzen die beiden Hauptattraktionen zu einem spannenden Rundweg, der zwar kein Premiumweg ist, aber durchaus zu begeistern weiß. Entgegen der Hinweise mancher Wanderportale kann die Wanderung am Hinterweidenthaler Bahnhof begonnen werden. Die aktuellen Bauarbeiten an der B10 stellen keine Behinderung da! 

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Die Wieslauter.

Wie bereits erwähnt starte ich die Tour in Hinterweidenthal, dass direkt an der Bundesstraße liegt und vielen durch den Teufelstisch (eines der Top 10 Naturdenkmäler Deutschlands) bekannt sein dürfte. Das Auto wird am Bahnhof geparkt, der etwas erhöht über dem Ort liegt. Ich folge der Beschilderung am Bahnhof zur aktuell improvisierten Unterführung, die einerseits in den Ortskern führt und andererseits zum ehemaligen Wanderparkplatz, der vor den Bauarbeiten direkt angefahren werden konnte. Hier folge ich dem Roten Balken in das Tal der Wieslauter und dem entspanntesten Teil der heutigen Strecke. Wer Ruhe und Abgeschiedenheit sucht, wird hier fündig.

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Im Tal der Wieslauter.

Der Wegverlauf ist vielleicht anfänglich etwas unsexy, doch je tiefer man ins Tal wandert, desto spannender und schöner wird es. Der zu Beginn breite Forstweg verengt sich zu einem schmalen Naturpfad, der stets dem Verlauf der Wieslauter folgt, die somit nicht nur in Sehweite ist, sondern durch die Geräusche ihres langsam fließenden, kristallklaren Wassers fast schon therapeutische Entspannung verursacht. Die deutlichen Spuren der Wildschweine wechseln sich mit kleinen Seen und mehreren Forellenzuchtstationen ab, die direkt an den Wegverlauf angrenzen. Mehrere Lichtungen geben immer wieder Nahblicke auf Wildkräuterwiesen frei, auf denen Heuballen liegen. Die Nähe zum Gewässer treibt mir auch einige Smaragdlibellen vor die Augen und so wird das erste Teilstück zum wahren Seelenschmeichler.

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Einer der vielen Seen.

Das Naturschutzgebiet verlassend, tauche ich nun in die Waldpassage ein. Schmaler, weicher Pfad windet sich wie eine Schlange durch lichten Wald, in dem Kiefern die dominierende Kraft sind. Das warme Klima wird unter den Baumkronen etwas gemildert  und die durchfallenden Sonnenstrahlen erleuchten den Boden mit warmem Licht. Die im Tal faktisch kaum spürbare Steigung erfährt hier ihre Renaissance und findet ihren Höhepunkt im Anstieg zur Ruine. Die Abgeschiedenheit sucht ihresgleichen, treffe ich nicht einen Menschen unterwegs. Lediglich die Vögel und einige Ameisen, die hier mehrere Kolonien an der Wegnarbe unterhalten, mischen sich unter das wahrnehmbare Leben, während eine leichte Brise durch die Blätter rauscht und die Sinfonie des Waldes anstimmt. (Ich komme ins schwärmen…)

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Eingangssituation bei Burg Gräfenstein.

Den herzhaften Anstieg zur Burg gemeistert, finde ich mich zu Füßen der auch heute noch imposanten Ringmauer Gräfensteins wieder, aus deren Innern sich der gewaltige Burgfelsen erhebt, auf dem die Reste des Palas und der Bergfried thronen. Die Reste dieser Felsenburg sind so reichlich und gut erhalten, wie man sie selten im Pfälzerwald findet. Die stauferzeitliche Anlage stammt aus dem 12. Jahrhundert und fand ihr militärisches Ende im Dreißigjährigen Krieg. Über geschwungene Treppen gelangt man in den ehemaligen Palas und zum Eingang des intakten und begehbaren Bergfrieds, auf dessen Spitze man ein unvergleichliches 360° Panorama genießen kann.

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Blick aus der Unter- auf die Oberburg.

Im Innern der Kernburg sitze ich zu Füßen des ehemaligen Kamins und labe mich an allerlei Köstlichkeiten, die meinem Rucksack entspringen. Nach der ausgedehnten Rast winke ich der Altehrwürdigen nochmal zum Abschied, bevor ich mich auf den Rückweg begebe. Der rote Balken wird nun erst durch ein grünes Kreuz, dann von einem weissen Kreis und zu guter letzt, von einem grüngelben Balken ersetzt. Letzte Attraktion auf diesem Teilstück, dass zugegebenermaßen die Qualität der ersten Hälfte nicht mehr erreicht, ist das Buntsandsteinmassiv Rotenstein. Ein Aussichtsfelsen samt Schutzhütte, der nochmal die Augen öffnet. Hat man ihn denn erreicht und das letzte Panorama dieser Wanderung genossen, lässt man sich über sanft abfallenden Pfad zur Unterführung tragen, von der es die wenigen Meter zum Auto zurück geht.

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Blick über das Gräfensteiner Land.

Fazit: Es muss nicht immer Premiumtour sein! Eine Wanderung die auf ca. 15km Streckenlänge alles bietet, was das Wanderherz begehrt. Besonders das Wieslautertal hat es mir angetan, aber auch die Aussichten und die Burg sind Vergnügen pur. Für ausreichend Verpflegung muss gesorgt werden. Einkehren kann man in der Gräfensteiner Hütte, die abseits dieser Rundwanderung und fünfzehn Extraminuten von der Burg entfernt liegt. Den Abschluss kann man im Cafe Frauenstein begehen, das kurz vor Hinterweidenthal, direkt an der B10 liegt und gute Küche zu fairen Preisen bietet. Im Tal befinden sich ebenfalls zu beiden Seiten dee Wieslauter zwei Rittersteine. Absolute Wanderempfehlung!

Bleibt wandern!

Patrick Scheller

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