Neuscharfeneck-Orensfelsen-Runde

12004272.jpgDie heutige Rundwanderung führt mich in den staatlich anerkannten Erholungsort Ramberg. Die kleine Gemeinde befindet sich in relativer Nähe zu Annweiler und wird von den weither sichtbaren Burgruinen Ramburg und Neuscharfeneck flankiert. Mit Meistersel (auch Modeneck genannt) verbirgt sich eine dritte Ruine im Wald, die in wenigen Gehminuten vom Wanderparkplatz Drei Buchen erreicht werden kann. Der Orensfelsen und die Ruine Neuscharfeneck sind die Highlights auf dieser Wanderung, die mit vielen anderen, teils spektakulären Aussichten unterwegs den Fernblick ins Annweiler Land und zur Feste Trifels erlauben. Mit der Landauer Hütte und dem Waldhaus Drei Buchen liegen zwei Hütten des Pfälzerwaldvereins auf der Strecke, sowie für Sammler die Rittersteine Nr. 58 und 243. Die Wegführung verläuft außerdem zu 85% auf dem Prädikatsweitwanderweg Pfälzer Weinsteig. 

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Der Einstieg in die Runde. Im Vordergrund Ritterstein Nr. 243.

Das Auto steht auf dem Parkplatz Drei Buchen, der stets gut besucht ist. Zum einen wegen dem leicht erreichbaren Waldhaus Drei Buchen, zum anderen verlaufen ab hier eine Vielzahl verschiedenster Wanderwege, die unzählige Möglichkeiten bieten und für jedes Wanderherz das Passende bereit halten. Ritterstein Nr. 243 mit der Aufschrift Waldhaus Drei Buchen, steht direkt an der Wegspinne und ist Wegweiser zur beliebten Pfälzerwaldvereinshütte. Ich folge der Markierung des Pfälzer Weinsteigs über breiten Forstweg nach rechts in den Wald hinein. Mit kaum erwähnenswerter Steigung geht es in großem Bogen um den Roßberg und meinem ersten Wegpunkt entgegen: dem Aussichtspunkt Burgenblick

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Blick von der Schildmauer auf Zwinger und Torturm.

Nach einiger Zeit lichtet sich die Reihe aus Kiefern, die bis dato meinen Weg begrenzten und ermöglichen mir so einen traumhaften ersten Blick ins Tal und zur mir nun gegenüberliegenden Ruine. Eine nagelneue Holzbank mit Tisch steht zum Rasten bereit und mehrere Steinmännli bevölkern den umliegenden Boden. Ich setze meinen Weg fort und verlasse den breiten Forstweg um einem schmalen Pfad zu folgen, der hier links abzweigt und die moderate Steigung fortsetzt: ein schöner Wegabschnitt mit ungewöhnlich vielen Birken und wurzeldurchzogenem Waldboden.

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Blick ins Annweiler Land.

Ich gelange wenige Minuten später durch dichtes Blattwerk in den Halsgraben der Burg Neuscharfeneck, der die Ruine vom Bergmassiv trennt. 58 Meter Mauer erheben sich vor meinen Augen in bis zu 20 Meter Höhe: die gewaltigste Schildmauer aller südpfälzer Burgen! Ich folge dem schmalen Pfad rechts um die Ringmauer herum und gelange zum Burgtor samt Turm. Die Ringmauer bildet mit der Schildmauer nahezu ein Dreieck mit 150 Metern Seitenlänge, was man wunderbar vom Torturm aus erkennen kann. Im Hof, der Kernburg vorgelagert, stehen die Reste der ehemaligen Schmiede, an den drei Bögen unterhalb des rekonstruierten Fensters zu erkennen.

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Blick auf Burgfelsen und Palas, bzw. Kemenate.

Rechts davon führt ein schmaler Pfad durch das zweite Burgtor in den Zwinger der Anlage. Durch den kolossalen Burgfelsen und die Reste der Wachstube gelange ich in die Palasreste und erhasche durch die efeubwachsenen Burgfenster einen Blick zur gegenüberliegenden Ramburg. Die Kasematten sind zwar erhalten, aber nicht mehr öffentlich zugänglich, weil hier wiedermal einige Chaoten mit der Intelligenz einer Instantsuppe Vandalismus betrieben haben. Eine Wendeltreppe führt auf die Schildmauer, die gleichsam grandioser Aussichtspunkt ist und einen mit einem Traumblick ins Annweiler Land belohnt. Die besten Geschütze ihrer Zeit, in Nürnberg gegossen, standen hier um Angreifer auf dem gegenüberliegenden Bergmassiv unter schweres Feuer zu nehmen. Dass die Burg im Bauernkrieg trotz ihrer monströsen Befestigung mühelos eingenommen werden konnte, hatten die Angreifer dem Burghauptmann zu verdanken, der es nicht schaffte, rechtzeitig das Schwarzpulver für seine Scharfmetzen zu besorgen. Seit ihrer endgültigen Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg ist die Anlage Ruine.

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Zimmerbrunnen und Weltkriegsdenkmal des PWV, gegenüber der Landauer Hütte.

Nachdem ich die alten Gemäuer ausgiebig begutachtet habe, folge ich meiner Markierung zur Landauer Hütte, die in nur wenigen Gehminuten erreicht ist und an einem großen Wegkreuz liegt. Die Hütte gehört dem Pfälzerwaldverein an, ist somit Mittwochs und am Wochenende geöffnet und allzeit gut besucht. Ritterstein Nr. 58 mit der Aufschrift Zimmerplatz steht an einem Baum unmittelbar vor der Hütte und zeigt an, dass hier der Zimmermannsplatz beim Bau der eben besuchten Burg lag. Gegenüber finden sich der Zimmerbrunnen und ein Denkmal des Pfälzerwaldverein, das der in beiden Weltkriegen gefallenen Vereinsmitglieder gedenkt.

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Traumblick von der Drachenfliegerschneise.

Ich mache keine Anstalten eine Rast einzulegen und folge immer noch derselben Markierung über steilen, steinigen Pfad zum Orensfelsen, der genau gegenüber der Hütte beginnt. Ab hier geht es vorläufig nur noch bergauf. Dieses Teilstück ist der anstrengendste Abschnitt der gesamten Wanderung und wird mich bis auf 564 Meter Höhe bringen. Unterwegs gelange ich über eine breite Lichtung, die wiedermal eine tolle Weitsicht ins Annweiler Land und zu den Burgen Scharfenberg, Anebos und Trifels erlaubt. Die Schneise wird von Gleitschirmfliegern als Startplatz genutzt. Mehrere Sitzgelegenheiten bieten sich an, um bei einer Rast die phänomenale Aussicht zu genießen oder den Fliegern beim Starten zuzusehen.

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Wegstück zwischen Schneise und Orensfelsen.

Am Orensfelsen angekommen beschleicht mich bereits der Verdacht, etwas Großes vor mir zu haben. Der markante Felsvorsprung ragt aus dem Orensberg heraus und bietet die spektakulärste Aussicht dieser Wanderung. Vom vordersten Punkt des Plateaus sind der Weitsicht bei gutem Wetter keine Grenzen gesetzt und die Burgen über Annweiler sehr gut zu erkennen. In anderer Richtung blickt man über die Rheinebene bis zum Odenwald. Ein Erlebnis! Der Ort verlangt geradezu nach einer ausgedehnten Rast und so genieße ich dieses einmalige Panorama bei üppig belegten Broten und Sprudel. Am Fuße des Plateaus führt links ein schmaler und steiler Pfad zur Felswand, an der eine Bank ebenfalls zum Rasten einlädt. Allerdings erreicht die Aussicht hier unten bei weitem nicht dieselbe Qualität.

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Ostwand des Orensfelsens.

Logo PWV3Gestärkt trete ich den Rückweg zur Landauer Hütte an und vollende so die Wegschlaufe um den Orensberg, die mich unterwegs zu grotesken Felsen und durch schöne Waldbilder führt. Weiterhin über das Rotweiss des Pfälzer Weinsteig, gelange ich wieder zur Hütte, an der es nun mit den blauweissen Balken rechts vorbei geht. Die Dreimarker Schutzhütte ist der letzte Wegpunkt heute und Ausgangspunkt mehrerer Pfade. Ich nehme ab hier wieder die Markierung des Pfälzer Weinsteig, der mich über einen ausgedehnten Forstweg rechts 12004272an der Hütte vorbei, zurück ans Auto führt und mir unterwegs den Nahblick zur Ruine Meistersel beschert. Ansonsten hält das letzte Stück keine Überraschungen mehr bereit und gleicht einem Nachmittagsspaziergang in der Natur. Nach etwa 11km ist diese Rundwanderung zu Ende und ich befinde mich wieder am ursprünglichen Ausgangspunkt.

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Auf dem Plateau des Orensfelsens. Im Hintergrund die Silhouetten von Scharfenberg und Trifels.

Als kleines Sahnehäubchen ist die dem Parkplatz gegenüberliegende Ruine Meistersel zu empfehlen, die in steilen zehn Minuten erobert ist und in jedem Falle einen Besuch lohnt. Nach Jahrzenten des Verfalls durch überforderte Privatbesitzer befindet sich die Anlage seit mehreren Jahren in der Sanierung und Sicherung, was Archäologen auch die Gelegenheit für Ausgrabungen bot und dadurch zu bemerkenswerten Funden und neuesten Erkenntnissen gelangten. Zudem zählt Meistersel zu den ältesten Anlagen der Südpfalz und hatte das einzig original erhaltene fünfgliedrige Fenster der Gotik, das im Privatbesitz zerstört und nun wieder rekonstruiert wurde. Die Anlage soll im Frühling 2018 wiedereröffnet werden. (Sonderbeitrag dazu folgt!)

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Kleine Kamerazugabe auf dem Rückweg ans Auto.

Fazit: Eine leichte Wanderung, die lediglich mit dem Aufstieg zum Orensfelsen etwas Schweiß verlangt. Die breiten Forstwege (Pfadanteil ~ 10%) sind weniger schön, aber Neuscharfeneck, Orensfelsen und die vielen grandiosen Aussichten unterwegs, machen die fehlenden Waldpfade schnell vergessen. Die Wegpunkte sind ausgeschildert, eine Karte sollte aber mitgeführt werden. Die Landauer Hütte bietet mittwochs und an Wochenenden die Möglichkeit zur Rast, an anderen Tagen ist Verpflegung Pflicht! Ein würdiger Abschluss kann im Waldhaus Drei Buchen (selbe Öffnungszeiten) begangen werden, das mit zwei Minuten Gehzeit dem Parkplatz direkt gegenüberliegt. Die Ruine Meistersel (wenn wiedereröffnet) sollte jedem ein bißchen Schweiß wert sein! 

Anmerkung: Da auf dem Rückweg lediglich das Verbindungsstück zwischen Landauer Hütte und Dreimarker Schutzhütte über die blauweissen Balken verläuft, der Rest jedoch über die Markierung des Pfälzer Weinsteig, habe ich mir erlaubt, die Tour mit dieser Markierung anzugeben und unter Prädikatstour zu listen.

Bleibt wandern!

Patrick Scheller

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