Pirmasenser Felsenwald

DSC_0068.JPGHeute zünden wir das Premiumfeuerwerk! Der brandneue Premiumweg in Pirmasens (2017 zertifziert) führt bei 13,5km Streckenlänge und 365 Höhenmetern durch grandiose Waldbilder und reiht filmkulissenreife Buntsandsteinformationen aneinander, wie Schillerwand, Kanzel, Felsentor, Luitpoldfelsen oder das Mordloch. Um nur einige zu nennen! Keine leeren Worthülsen, sondern einer schöner als der andere. Mehrere Aussichten, der Starken- und Glastalbrunnen, Eis- und Hammelsweiher, sowie das Glastal sorgen für den perfekten Kontrast und runden das Wanderhighlight ab. Mit der Pfälzerwaldvereinshütte Starkenbrunnen und dem Forsthaus Beckenhof liegen gleich zwei Anlaufstationen auf der Strecke, die fürs leibliche Wohl sorgen. 64 Erlebnispunkte und 39% Pfadanteil versprechen ein Wandererlebnis der Extraklasse. Für Sammler liegen gleich zwei Rittersteine auf der Strecke. Mehr geht nicht! Aber im Detail:

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Das Felsentor.

Das Auto wird vor Pirmasens, auf dem Parkplatz des Forsthaus Beckenhof geparkt, das mit eigener Abfahrt direkt von der B10, einfacher kaum erreichbar sein könnte. Andy und ich überqueren den Parkplatz und suchen auf den übersichtlichen Schildern nach Orientierung. Die Wandermarkierung ist prägnant und zeigt eines der vielen Streckenhighlights: das rote Felsentor auf weissem Grund. Wer die Wahl hat, hat die Qual. Wir entscheiden uns gegen den Uhrzeigersinn zu wandern und folgen dem Forstweg in den Wald.

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Im Glastal.

Kaum eine Minute unterwegs, huscht vor unseren Augen ein Wiesel über den Weg und lässt mir keine Zeit die Kamera zu zücken. Wir geben den Versuch auf uns dem Tier zu nähern und gönnen ihm eine stressfreie Zeit, wegen der auch wir schließlich hier sind. Durch lichten Baumbestand führt uns der Weg bergan und bringt uns bereits nach wenigen Metern zum Felsentor. Ein durch Erosion natürlich entstandener Felsdurchbruch, der uns gerade so, erhobenes Hauptes passieren lässt.

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Ein Blutströpfchen.

Hinter dem Buntsandsteinmassiv geben wir sogleich die gewonnene Höhe auf und folgen in großem Bogen dem Forstweg zum ersten Wegkreuz. Schmaler Pfad führt von hier in Kehren bergab und endet im Glastal, das mit saftigen Wiesen, dem Glastalbrunnen und bauchnabelhohen Blütenständen glänzt. Wir verlassen zuvor jedoch für wenige Meter den offiziellen Streckenverlauf und biegen links ab, um den Ritterstein Nr. 298 Am alten Glastalerhof mitzunehmen, der im Schatten einer Baumkrone auf der Wiesennarbe ruht.

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Die Schillerwand.

Das Kleinstdenkmal gibt Auskunft über den Standort des ehemaligen Gutshofes, der im 18. Jahrhundert vom General der fürstlichen Leibgrenadiergarde zu Pirmasens errichtet wurde, samt Nebengebäude, Scheune und Unterkellerung. 80 Morgen Land und mehrere Gemüse- und Obstgärten gehörten zu dem Anwesen, das durch den geringen Ertrag und das überbordende Hofleben jedoch nicht gehalten werden konnte. Nachfolgend versuchten sich mehrere Pächter ebenfalls vergeblich durch eine Schankwirtschaft über Wasser zu halten, bis letztendlich 1872 die Pfälzische Forstkammer einen Schlussstrich zog, das Anwesen erwarb und alle Gebäude niederriss, um das Land wieder aufzuforsten.

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An den Gebrochenen Felsen.

Wir laufen die wenigen Meter zurück und folgen dem Streckenverlauf rechts um den Glastalbrunnen und kommen bald durch traumhafte Tallandschaften. Mächtige Ameisenburgen begrenzen den Wegrand, während die kleinen Arbeiter unbeirrt ihrem Tagesgeschäft nachgehen. Üppige Rainkohl- und Distelstände locken unzählige Schmetterlinge wie Blutströpfchen und Perlmutterfalter an. Man muss sich schon sehr anstrengen, hier keinen Falter vor die Linse zu bekommen! Wir selbst dienen als Nahrungsquelle für eine Unmenge an Stechmücken, die der Nähe zum Gewässer geschuldet sind.

Durchgang inmitten der Gebrochenen Felsen.

Die perfekte Markierung lenkt uns bald über einen wahrhaftigen Traumpfad hinauf zur Schillerwand, die sich uns mit zwei Ansichten präsentiert. Die rechte, wildere Seite zeigt deutliche Spuren vieler Felsabgänge, deren Bruchstücke nun als überdimensionale Findlinge den umliegenden Waldboden bevölkern. Die linke, dem Glastal zugewandte Seite lockt mit einer großen Felswand und allerlei Bändern, Rissen und Verwitterungsformen. Eine nagelneue Holzbank steht zum Rasten bereit, die wir verschieben, um uns nun dem schönsten Wegabschnitt der Tour zu widmen. Ein Traumpfad führt uns zu den nächsten beiden Wegpunkten. Während links der Hang steil abfällt, sorgen rechts die vielen Farne und moosüberzogenen Felsbrocken für die erste Reizüberflutung.

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Traumpfad zwischen Schillerwand und Luitpoldfelsen.

Ein langanhaltendes Erlebnis, das seinen vorläufigen Höhepunkt an der Felsformation Gebrochene Felsen erfährt. Eine Traumkulisse, die wie geschaffen für Abenteuerfilme und Western wirkt. Karl-May-Feeling kommt auf! Der Name des Wegpunktes ist Programm: rießige Bruchstücke liegen diagonal auf ihren Artverwandten und bilden einen höhlenartigen Durchgang, der zu einer intakten, kolossalen Felswand führt. Die Bruchstücke laden förmlich zum klettern ein und Andy lässt sich nicht lange bitten und blickt wenig später aus 5 Metern Höhe auf mich herab.

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Am Kugelfelsen.

Der Traumpfad findet sein Ende am Luitpoldfelsen, einem durch seine grotesken Felswände schön anzusehenden Naturdenkmal, das sich ebenfalls über mehrere Meter in die Höhe und Länge zieht. Breiter Forstweg führt uns nun zu einer Kreuzung, die uns wohl bekannt vorkommt und Gewissheit bringt, die nördliche Wegschlaufe nun vollendet zu haben. Wir biegen nach rechts, um die letzten 7km in Angriff zu nehmen, die (keine Sorge!) noch mehrere Augenweiden für uns bereit halten. Der Forstweg wandelt sich bald wieder in schmalen Pfad und durch felsdurchwirkten atmosphärischen Wald gelangen wir an einen Rastplatz, der inmitten einer Wegspinne gelegen, von uns für die erste Pause genutzt wird.

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Unter dem Kugelfelsen.

Gut genährt brechen wir in Richtung Kugelfelsen auf. Am Wegesrand finden sich erneut unzählige Disteln, auf denen sich mehrere C-Falter eingerichtet haben. Edelschmetterlinge auf dem Premiumweg: unheimlich passend wie ich finde. Ein paar Kiefern mischen sich nun unter die Buchen und sorgen für mehrere Blaubeer- und Heidefelder. Nach kurzer Zeit ist dann auch der Kugelfelsen erreicht, der mit einem großen Felsenkeller begeistert. Steintreppen führen auf das Plateau, das den Nahblick zum nächsten Wegpunkt freigibt: dem Eisweiher. Über steile Kehren, die hart an den Sandsteinwänden und teilweise mitten hindurch führen, gelangen wir zum Eisweher, einem kleinen idyllischen See, an dem mehrere Bänke zum Rasten bereit stehen.

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Am Eisweiher.

Wir passieren die linke Seeseite über Forstweg, der nach dem See in Pfad übergeht und uns wieder bergauf zum Mordloch führt, einem zu beiden Seiten durch hohe Felsen begrenzten Wegstück. Ideal für einen Hinterhalt geeignet. Wir kommen unbeschadet oben an und queren wenig später für winzige 30 Sekunden eine Straße in den Äusläufern von Pirmasens und gelangen danach sofort wieder in den Wald. Ein namenloser Felskoloss und die eingeschränkte aber schöne Aussicht von einem Felsvorsprung versüßen uns die Strecke zur Kanzel, einem eindrucksvollen Sandsteinmassiv, das Wahrzeichen von Pirmasens ist und sich in zwei Teilen vor uns aufbaut.

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Im Mordloch.

Ein herzhafter Anstieg führt zur Formation, dessen kleinerer Teil, ein Turm mit schmalem Aufbau und bauchigem Felsaufsatz, namensgebend für den rostroten Buntsandsteingigant war. Wir verlassen das Massiv sogleich über einen harten Abstieg und finden uns wenig später am Fuße des Starkenbrunnen ein. Die gleichnamige Hütte samt Ritterstein Nr. 223 steht in unmittelbarer Nähe und ist wie alle Hütten des Pfälzerwaldvereins, Mittwochs und an Wochenenden geöffnet und eignet sich hervorragend für den krönenden Abschluss dieser Tour. Wir ziehen jedoch unseres Weges und passieren noch den Hammelsweiher, bevor wir den Schlussanstieg durch hüfthohen Farn zum Forsthaus Beckenhof antreten.

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Die Kanzel.

Fazit: Die kongeniale Wegführung und die kontrastreichen Wegpunkte machen diesen Premiumweg zu einem einzigartigen Wandererlebnis im Mittleren Pfälzerwald, der es allemal mit den Touren des Wasgau aufnehmen kann und eine qualitätvolle Alternative zu Dahn darstellt. Große Streckenabschnitte führen über traumhafte Pfade, die einzigartigen Felsformationen suchen ihresgleichen. Die lückenlose Markierung macht jede Wanderkarte überflüssig. Das Forsthaus und die Hütte des Pfälzerwaldvereins sorgen für genügend Einkehrmöglichkeiten. Für ausreichend Verpflegung sollte trotzdem gesorgt werden! Ein Weg der es in meine Hitliste geschafft hat: Absolute Wanderempfehlung!

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Ein C-Falter.

Tipp von Andy, seines Zeichens Wanderassistent und Triathlet: wer die Tour im Uhrzeigersinn geht, kommt (als kleiner Gag) durch das Felsentor zum Zieleinlauf. Wo er Recht hat, hat er Recht! Die An- und Abstiege ändern sich dadurch nur marginal.

Bleibt wandern!

Patrick Scheller

4 Gedanken zu “Pirmasenser Felsenwald

    • Patrick Scheller schreibt:

      Hallo Harald. Erstmal danke für dein Feedback! War selbst das erste mal dort und kann dir sagen, es lohnt sich. Wunderschön dort. Hätte locker noch 20 Bilder hochladen können. Bin auf deine Meinung gespannt! 😉

      Gefällt mir

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