Hinterweidenthaler Teufelstisch-Tour

Logo.jpgDie heutige Premiumtour der Verbandsgemeinde Hauenstein führt mich in die Südwestpfalz, nach Hinterweidenthal. Das unbestrittene Highlight wird gleich zu Beginn der Teufelstisch sein, das Wahrzeichen der Pfalz. Die Buntsandsteinformationen Teufelsschmiede und -küche ergänzen mit der Schwambornquelle und einem Aussichtspunkt die Route, die es auf 10km Streckenlänge und 380 Höhenmeter bringt. Die Rundwanderung bekam vom Deutschen Wanderinstitut 50 Erlebnispunkte verliehen, die Zertifizierung gilt noch bis Ende 2018.

DSC_0077.JPG

Der Teufelstisch.

Das Auto steht auf dem Parkplatz des >Erlebnispark Teufelstisch, der die Kleinen u.a. mit Felsenmeer, Seilbahn, Rießenrutsche oder einem Wasserspielplatz begeistert. Das Beste daran: der Eintritt ist völlig frei, lediglich die Nutzung der integrierten Minigolfanlage kostet kleine Münze, das Parken 50 Cent pro Stunde. Achtung: Hunde sind auf dem Gelände verboten! Wer sich die Kosten sparen möchte, kann auch im Ortskern parken und den Kilometer zu Fuß gehen. Ich jedenfalls überquere den Parkplatz und laufe zu einer Schautafel, die mir die Hauensteiner Premiumwege schmackhaft macht und mit einer präzisen Karte die heutige Tour erläutert.

DSC_0123.JPG

Die Teufelsküche.

Ich folge meiner Markierung (der gelben Silhouette des Teufelstisches auf weissem Grund) in den Wald hinein und gelange nach wenigen Metern zum Aufstieg. Über hölzerne Treppen ist der Felsen sogleich erreicht und ragt vor mir 14m in die Höhe. Der Teufelstisch ist der Star unter seinen 19 großen und kleinen Artverwandten und ist nationales, im Pfälzerwald alleiniges Geotop. Was ihn in eine Reihe mit der Bastei, der Grube Messel oder der Saarschleife stellt! Als Naturbotschafter für Rheinland-Pfalz ist er als Briefmarkenmotiv mittlerweile in dritter Auflage erschienen und hat für Fotogrößen wie Norbert Rosing (National Geographic) oder Berthold Steinhilber Modell gestanden.

DSC_0164.JPG

Die Teufelsschmiede.

Jahrmillionen hat die Natur gebraucht, um mit Hilfe der Erosion die weicheren Gesteinsschichten abzutragen, bis der heutige Kern stehen blieb, der 280 Tonnen auf die Waage bringt. Schlägt man das Pfälzer Sagenbuch auf, das alleine schon der Existenzberechtigung wegen eine andere Geschichte erzählt, stößt man auf folgende Erklärung: 

Im Kaltenbacher Tale ein Tisch von Felsen steht. Dort saß der Teufel beim Mahle. 

… Kein Stein zum Sitzen. Kein Tisch zum nächt’gen Mahl. 

… Da – wie mit Blitzesschnelle packt jetzt zwei Felsen frisch der finstere Geselle und stellt sie auf als Tisch.

DSC_0232.JPG

Wegstück zwischen Teufelsschmiede und Aussichtspunkt.

Ein Glück, dass er ihn nicht als Reisemöbel konzipiert hat, denn so können wir heute noch den Steinpilz bestaunen oder beklettern. Drei Routen führen auf die Tischplatte, die anspruchsvollste mit Schwierigkeitsgrad 8+. Ich brauche eine Zeit bis ich mich wieder beruhigt habe und setze den Weg in Richtung Teufelsküche fort. Der kleine Abstecher nimmt nur wenige Meter in Anspruch und lohnt sich, obwohl die schöne Felsformation doch im Schatten des eben erlebten steht. Ein paar Meter weiter erreiche ich bereits die Teufelsschmiede, der kleinste der drei Felsen. Eine Bank lädt hier zur Rast ein, die aber noch warten muss.

DSC_0240.JPG

Am Aussichtspunkt.

Über einen breiten Naturweg geht es weiter durch tolle Waldbilder. Da es am Vortag noch geregnet hat, gönnt mir der noch feuchte Waldboden eine kostenlose Aromatherapie. Die morgendliche Sonne hat keine Schwierigkeiten durch die Baumkronen der weit auseinander stehenden Buchen zu dringen und marmoriert die Erde mit leuchtend gelben Lichtadern. Was soll ich sagen: ich liebe es! Die Wegführung bleibt dieselbe bis zum nächsten Wegpunkt, dem Aussichtspunkt Schöne Aussicht, der seinem Namen alle Ehre macht. Eine Holzbank lädt zum verweilen ein und so gönne ich mir ein paar Minuten Sonne mit Traumblick in den Wasgau.

DSC_0254.JPG

Im Windelstal.

Es folgt der Abstieg ins Windelstal, das mit einer ausgedehnten Weidefläche daherkommt und sich erneut mit Bänken und Tischen als Rastplatz eignet. Mit unlesbarem Blick schaut mir eine massige Kuh beim Fotografieren zu, die auf dem Grün liegt und genüsslich ihr Erbrochenes isst. Lediglich die Kehren hinunter ins Tal verliefen bisher über schmalen Pfad, der unten angekommen sogleich in Forstweg übergeht und mich auf den Etschberg führt.

Großer Perlmutterfalter

Großer Perlmutterfalter.

Ich wandere mit der Schwambornquelle dem nächsten Wegpunkt entgegen, die sich verwunschen inmitten eines Springkrautteppichs befindet. Das Quellwasser wird in einem Steinbecken aufgefangen, von dem es weiter in einen Trog fließt. Vorsicht: keine Trinkwasserqualität! Am Fuße der Quelle stehen abermals Bänke und Tische zum rasten bereit. Ein schmaler Pfad führt durch hüfthohe Gräser und Disteln durch das Salzwooger Tal nach Salzwoog. Das folgende Teilstück hätte ein Traumpfad sein können, wenn er nicht parallel zur L487 verlaufen würde. Die deutlichen Geräusche lassen sich leider nicht überhören.

DSC_0261

Schöner Rastplatz vorm Abstieg zur Schwambornquelle.

In Salzwoog angekommen, geht es rechts über den Hang des Etschberges zurück nach Hinterweidenthal. Der Pfad wird recht schnell zu Forstweg und folgt vorm Schlussanstieg zum Teufelstisch dem Verlauf des Salzbach, der sich durch das gleichnamige Tal fräst und kristallklares Wasser führt. Mehrere Stellen erlauben den Zutritt zur Flussnarbe. Das gemächlich fließende Gewässer stellt sozusagen die Gegenbewegung zur naheliegenden B10 dar. Auf dem angrenzenden Waldboden tummeln sich Sauerklee und Bärlapp: das letzte Highlight der heutigen Tour.

DSC_0297

Gedenkstein für den Oberförster Otto Groß in einem Meer von Springkraut. (An der Quelle)

Fazit: Hand aufs Herz: der einzige Grund für eine Premiumzertifizierung war hier der Teufelstisch. Mit gerade einmal 30% Pfadanteil und 50 Erlebnispunkten nimmt die Strecke zweimal den letzten Platz der Hauensteiner Premiumwanderwege ein. Die Wegpunkte sind ohne Frage schön, doch die Felsen werden alle bereits auf den ersten 0,5km abgehandelt. Über die Geräuschkulisse in der zweiten Hälfte können auch der Aussichtspunkt und die Schwambornquelle nicht hinwegtrösten.

DSC_0310

Kleines Kamerabonbon unterwegs.

Premiumwegverwöhnte Wanderer erleben hier sicherlich eine Enttäuschung, allerdings halte ich den Teufelstisch für ein Muss für jeden Pfalzfreund. Abwechslungsreichere Premiumwege finden sich mit dem >Rothenberg- und >Graf-Heinrich-Weg im benachbarten Lemberg oder dem >Dimbacher Buntsandstein-Höhenweg. Der Erlebnispark ist ein Traum für jedes Kind. Angrenzend zum Parkplatz befinden sich zwei Gaststätten mit Biergarten, die sich hervorragend zur Einkehr eignen. Trotzdem bleibt Verpflegung Pflicht! Die Markierung macht jede Karte überflüssig.

Bleibt wandern!

Patrick Scheller

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s