Klingenmünsterer Burgenweg

LogoDie heutige Tour ist einer von drei regionalen Rundwanderwegen, die an der Burg Landeck oberhalb Klingenmünsters beginnen. Der Erholungsort ist an der südlichen Weinstraße gelegen, direkt an der Waldnarbe und fünf Kilometer von Bad Bergzabern entfernt. Die Strecke ist mit 7km verhältnismäßig klein, reiht aber drei Burgruinen, einen Aussichtsturm und unzählige Aussichten über die Rheinebene und das Annweiler Land aneinander. Dreihundert Höhenmeter gilt es auf der perfekt markierten Strecke zu bewältigen.

An der Burgruine Schlössel.

Das Auto steht auf dem Wanderparkplatz in unmittelbarer Nähe zur Burg Landeck, oberhalb Klingenmünsters, der auch Ausgangspunkt des Quellen- und Panoramaweges ist. Die Ruine ist außerdem Wegpunkt des Prädikats-Weitwanderweges Pfälzer Weinsteig. Meine Markierung wird eine stilisierte rote Burg auf weissem Grund sein, die mich links von Landeck über die Flanke des Treitelsberges lenkt und nach wenigen Metern den Blick über die Rheinebene zulässt. Der breite Forstweg fällt stetig ab und endet an den nördlichen Ausläufern Klingenmünsters. Nach wenigen Metern Teer führt mich die Markierung sofort wieder in den Wald. Ein schmaler Waldpfad führt ab hier mit entschlossener Steigung durch duftende Kiefern zur Ruine Schlössel, die auf dem östlichen Ausläufer des Treitelsberges thront und eine echte Ausnahme in der pfälzer Burgenlandschaft darstellt.

An der Wallmauer Heidenschuhs.

Der heutige Salierbau, der auch als Wald- und Landeck-Schlössel bekannt ist, ist die einzige Turmhügelburg im Pfälzerwald. Eine rare Bauform, die der Ruine den Schutz der UNESCO einbrachte. Ein gewaltiger quadratischer Turmstumpf mit einer Steitenlänge von über 13m und einer Mauerstärke von 2,5m ist in zweigeschossiger Höhe erhalten und wird von einem Bering umgeben, an den sich Gebäude anlehnten, die teilweise noch in ihren Fundamenten erhalten sind. Das innere Burgtor wird von einem Ringwall aus karolingischer Zeit geschützt, der es auf ein Alter von über 1100 Jahren bringt. In der Kernburg stehen Bänke und Tische zum Rasten bereit, eine Schautafel erläutert neueste Erkenntnisse und informiert über die Fundstücke neuerer Ausgrabungen.

Äußeres Burgtor des Heidenschuh.

Ich verlasse den 350m hohen Bergkegel und wandere weiterhin über Pfad der Kaisersbachermühle (Talmühle) entgegen, die als Aussichtspunkt fungiert und den Blick zur benachbarten Madenburg zulässt. Die Steigung dorthin ist moderat und führt durch ein schönes Waldbild, das mit Sandsteinbrocken und Baumleichen durchwirkt ist, die als Nahrungsquelle für Flechten, Moose, Käfer und Pilze dienen. Der recht nahe Heidenschuh ist in wenigen Minuten erreicht und riegelte ehemals die Bergzunge des Treitelsberges ab. Die Fliehburg stammt aus karolingisch-ottonischer Zeit und ist fast 1200 Jahre alt. Das äußere der beiden Burgtore ist das besterhaltene und besteht wie die Ringwallanlage Heidenlöcher bei Deidesheim, aus Trockenmauerwerk, das in Schulterhöhe erhalten ist.

Tolles Wegstück zum Martinsturm.

Der Ort wird als Rastplatz genutzt, um den Köstlichkeiten zu frönen, die meinem Rucksack entspringen, bevor ich die Ausläufer des Walls überwinde und über eine Schutzhütte zum Martinsturm wandere. Der Abschnitt zwischen Heidenschuh und Martinsturm ist für mich der schönste der gesamten Rundwanderung und gewährt mir bei der Hütte einen tollen Blick auf den Trifels und das Annweiler Land. Ein Pfad schlängelt sich bis zur nächsten Wegspinne durch lichten Kiefernwald mit seiner typischen Begleitflora und geht an der Kreuzung in breiten Forstweg über. Unterhalb des Turms weist ein Schild zur Röxelquelle, die einen halben Kilometer entfernt liegt und einen Abstecher lohnt. Ein paar Regentropfen verirren sich bis auf den Boden und sorgen für eine Aromaexplosion.

Schutzhütte zwischen Heidenschuh und Martinsturm.

Ein kurzer entschlossener Anstieg führt zum Turm, der es mit seinen eigenen 14m auf 517m Höhe bringt und bei Sonnenschein den Blick bis zum Odenwald, Schwarzwald und dem Elsass gewährt. Ich kann heute bis zur Annweiler Burgentroika blicken, die mir auf ihren drei Hügeln gegenüberliegt und zur Feste Madenburg. Eine Schautafel informiert auf der Aussichtskanzel über die Sichtpunkte in der Ferne. Der Turm steht hier bereits seit 1886, stammt also noch aus königlich bayrischer Zeit und nimmt den höchsten Punkt des Treitelsberges ein. Am Fuße des Sandsteingebäudes stehen mehrere Sitzgelegenheiten zur Rast bereit. In wenigen Metern Entfernung befindet sich unterhalb des Turms ein kleiner Felsvorsprung mit Aussicht, die logischerweise nicht diesselbe Qualität erreicht. Im Felsen erkennt man Fenster und Tür einer ehemaligen Steinstube.

Am Martinsturm.

Links des Felsens zweigt mein Pfad ab, der mit starkem Gefälle und in Kehren vom Gipfel führt. Ab hier befinde ich mich bereits auf dem Rückweg zur Burg Landeck, gelange aber noch an zwei schönen Aussichtspunkten vorbei. Ersterer lädt mit Bank und Tisch zur Rast ein und ist übersäht mit einem ganzen Bataillon Steinmännli, die ein hervorragendes Motiv abgeben und sich in die Aussicht fügen. Eine breite Waldautobahn verbindet die beiden Wegpunkte miteinander von denen letzterer, Weißer Felsen genannt, auch der schönere ist und von einem kleinen Felsvorsprung den Blick in die unendlichen Weiten des Pfälzerwaldes gewährt. Rechts ragt das Massiv des Asselstein empor, einem Kletterhotspot nahe Annweiler, während sich mittig zwei Gemeinden in die Täler schmiegen und von den typischen Kegelbergen des Wasgau umgeben sind: ein toller Anblick!

Ausblick vom Martinsturm.

Ich genieße den Ort noch eine Weile bevor ich die wenigen Meter zum Wanderparkplatz in Angriff nehme, um in der Burgschänke den Abschluss zu begehen. Den Ballast im Auto verstaut, geht es über eine Holzbrücke durch Torturm und Vorwerk zum zweiten Burgtor. Im Hintergrund erheben sich die Reste des Hohen Mantels, einer gewaltigen Schildmauer die mit einem 25m hohen Bergfried verbunden ist und die eingeschossigen Palasreste im Innern schützt. Der Turm beherbergt heute ein kleines Museum, von seiner Aussichtsplattform hat man einen sensationellen Blick über die Rheinebene. Ein rießiger Halsgraben trennt die Ruine vom Bergmassiv, die über die volle Länge von einem Zwinger umgeben ist, in den mehrere Flankierungstürme eingelassen sind.

Am Aussichtspunkt Weißer Felsen.

Die Burgschänke verköstigt die Besucher mit pfälzer Köstlichkeiten oder Kaffee und Kuchen. Ob man sich am Burgbrunnen oder der Palasruine niederlässt oder den Blick über die Brüstung genießt, die Burg lohnt einen Besuch und ist für Groß und Klein ein Erlebnis. Ritterfest, Weihnachtsmarkt und Konzerte werten den Ort nochmals auf und sorgen über das Jahr hinweg für einen steten Besucherandrang, der vor allem an Wochenenden seinen Höhepunkt erlebt. Wer sich vorab über die Gastronomie oder die Veranstaltungen informieren möchte klickt einfach auf den nachstehenden Link: >Burg Landeck. Die Burg ist frei zugänglich, die Schänke ist von 11 bis 19 Uhr geöffnet, die Küche von 11.30 bis 18 Uhr.

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Start und Ziel: Burg Landeck.

Fazit: Eine kleine aber fordernde Rundwanderung, die auf wenigen Kilometern drei Burgen und unzählige Traumaussichten vereint. Wenig Pfadanteil stehen einer tollen Waldlandschaft und der lückenlosen Markierung gegenüber. Außer Sprudel braucht es nicht unbedingt Verpflegung. Burg Landeck lädt zum staunenswerten und kulinarischen Abschluss ein. Ideal für den Nachmittag geeignet. Wer seine Ruhe haben will, sollte die Wochenenden meiden.

Bleibt wandern!

Patrick Scheller

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