Napoleon-Steig

markierungszeichen-napoleon-steigHeute stelle ich einen der beiden recht neuen Premiumwanderwege in Bruchweiler-Bärenbach vor. Bruchweiler-Bärenbach ist eine Gemeinde im Landkreis Südwestpfalz, recht nahe bei Dahn. Das Auto steht auf dem Wanderparkplatz hinter der Schuhfabrik Däumling. Der Napoleon-Steig wird mich zu unzähligen größeren Felsformationen führen, von denen manche erst jetzt, durch neu angelegte Pfade zugänglich gemacht wurden. Die Wegführung lässt das Wanderherz höher schlagen, geht es doch bei gefühlten hundert Prozent, über weiche Naturpfade, die direkt an den steil aufragenden Felswänden vorbei führen, die stellenweise bis zu 40 Meter Höhe erreichen.

Am Einstieg.

Darunter finden sich so wohlklingende Namen wie Retschelfelsen, Eisenbahnfelsen oder Rauhfelsen. Namenspatron dieser Rundwanderung ist der Napoleonfels, seit jeher Naturdenkmal und Sehenswürdigkeit Bruchweiler-Bärenbachs. Die Tour gehe ich entgegen dem Uhrzeigersinn, was weniger beschwerliche Anstiege zur Folge hat und so führt mich die Wandermarkierung vom Parkplatz aus nach rechts in den Wald hinein. Normalerweise ist man in der Pfalz ja eher Buche gewohnt und so fällt mir gleich zu Beginn der hohe Gehalt an Nadelbäumen auf. Meist Fichten, die aber mit ihren vielen Artgenossen einen unheimlich wohlriechenden Duft versprühen und meinem Gewürzprüfer schmeicheln. Der Anstieg zu den ersten Felsen ist eigentlich gar keiner. Jedenfalls empfinde ich die Steigung als äußerst gering und tue mir sehr leicht dem Traumpfad durch den Wald zu folgen.

Der erste Koloss.

Die insgesamt 340 Höhenmeter die es gilt zu überwinden, verteilen sich superb über die ganze Strecke. Das strahlende Wetter an diesem Tag ist mehr als angemessen, schließlich ist Vatertag heute. Die Laune in der Truppe könnte kaum besser sein. Der Weg führt mich zur nächsten großen Attraktion auf dieser Tour. Das Massiv des Eisenbahnfelsen ragt vor mir empor und ich folge der rießigen und langen Wand aus rot schimmerndem Buntsandstein zu einer kahlen Stelle, die mir den ersten Ausblick beschert.

Am Retschelfels.

Der bis dahin wirklich toll markierte Weg hat am Ende des Eisenbahnfelsens seine Tücke. Läuft man etwas zu schnell, übersieht man leicht die Fortsetzung des Steigs, die sich links um den Felsen windet. Das Problem: die Markierung ist soweit links angebracht, dass durch einen Schritt zu viel, ein Baum die direkte Sicht darauf blockiert. Ein Problem, dem ich und elf weitere Wanderer, die sich 300 Meter weiter unten sammelten und fragten, wo denn eigentlich die Markierung geblieben ist, anheim gefallen bin. Also aufpassen! Allerdings ist das auch die einzige Stelle, der ansonsten einwandfrei beschilderten Tour.

Ausblick vom Eisenbahnfels.

Ich laufe also die 300 Meter wieder zurück und finde die übersehene Markierung, der ich um den Felsen herum folge und erreiche so nach einiger Zeit die nächste Station auf meiner Tour: die Kaiserslauterer Hütte. Die Hütte ist unbewirtschaftet und gehört dem Alpenverein an. An diesem Tag jedoch, scheint sich ein Mitglied hierauf verirrt zu haben, denn Türen und Fenster stehen offen. Ein unglaublicher Gestank aus Muff und Schimmel kommt mir entgegen und verrät, dass dies seit langer Zeit die erste Lüftung ist. Der langgestreckte Bau ist von mehreren Felsen eingefasst, die bei Kletterern scheinbar sehr beliebt sind. Gegenüber der Hütte gelange ich zu einem exponierten Rastplatz, der mit zwei Bänken und einer eingeschränkten, aber schönen Aussicht lockt.

Am Eisenbahnfels.

Die Gelegenheit ist zu gut um missachtet zu werden und so erobere ich einen kleinen Felsbrocken und staune im Sitzen auf die Landschaft. Die Sonne sorgt für angenehme Wärme bei mir und meinen tierischen Freunden, die mir ihren Echsenbauch entgegen strecken. Die üppig belegten Brötchen sind zügig gegessen und es fällt mir schwer hier auszuharren. Das Ambiente ist zwar toll, aber ich kann es kaum erwarten diese schöne Tour fortzusetzen. In steilen Kehren verlasse ich den Platz und gelange nach einiger Zeit in den Talkessel, der mit seinen Wiesen eine gelungene Abwechslung zu der schroffen Felsenlandschaft bildet.

An der ‚Lauterer Hütte.

Ich streife die Reingshofquelle (Trinkwasserqualität) und setze meinen Weg durch diese herrliche Wiesenlandschaft fort. Ich gelange erneut in den Wald und wandere nun durch dichten Fichtenbestand, der eigentlichen Attraktion dieser Premiumtour entgegen. Es dauert eine Weile, aber ich meistere den Aufstieg und erreiche den Napoleonfelsen, der seinen Namen der Form von Napoleons Hut verdankt. So steht es zumindest im Prospekt. Ich tat mir allerdings schwer, den Zweispitz Bonapartes aus dem Felsmassiv heraus zu filtern. Dem Ansehen tut das aber keinen Abbruch, denn auch ohne Hut ist dieser Buntsandsteinkoloss ein beeindruckendes Naturschauspiel.

Im Talkessel.

Es geht erneut nach unten und in kürzester Zeit ist das letzte Ziel dieser Tour erreicht. Die Hütte am Schmalstein gehört dem Pfälzerwaldverein an und hat wie gehabt Mittwochs und Sonntags geöffnet. Die Lage ist recht schön und es bietet sich an, bei pfälzer Köstlichkeiten hier den Abschluss einer großartigen Wanderung zu begehen. Von der Hütte zum Ausgangspunkt der Tour sind es nochmal gute 2,5 Kilometer, die nun ebenerdig über breite Forstwege führen. Als kleines, letztes Highlight kann die Flecksteinhochebene genannt werden, die auf halber Strecke zwischen der Hütte und Bruchweiler-Bärenbach liegt. Wer Glück hat, darf sich seinen Weg durch eine Herde Lämmer bahnen! Das letzte Stück führt nach links an den Häusern vorbei und bringt mich zurück ans Auto.

Am Namenspatron: der Napoleonfels.

Fazit: Der, der diesen neuen Premiumweg konzipiert hat, versteht sein Handwerk. Die Tour glänzt durch (gefühlt) annähernd hundert Prozent naturbelassenen Waldpfad und eine Vielzahl grandioser Felsmassive. Aussichten gibt es dafür wenig, tut dem Erlebnis aber keinen Abbruch. Die Tour ist reiner Sohlensex. Verpflegung sollte mitgenommen werden, eine Karte ist im Grunde überflüssig, da die Markierung bis auf die genannte Stelle einwandfrei funktioniert. Möglichkeiten zur Einkehr bietet die Hütte des Pfälzerwaldvereins oder die Gastronomie Bruchweiler-Bärenbachs.
Die Wanderung kann ich nur wärmstens empfehlen. Sollte man sich nicht entgehen lassen! Wer länger in der Region ist, sollte den zweiten Premiumweg des Ortes nicht verpassen: >Bären-Steig.

Bleibt wandern!

Patrick Scheller

 

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ÜBERSICHT

Ort: 76891 Bruchweiler-Bärenbach

Parkplatz: an der Schuhfabrik

Länge: 12 Kilometer

An- und Abstieg: 340 Höhenmeter

Karte: Westlicher Wasgau mit Dahn (Blatt 7 Landesvermessungsamt – 1:25000) + Östlicher Wasgau mit Bad Bergzabern (Blatt 8 …)

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