Forster Vulkankrater-Tour

Die heutige Rundtour ist Marke Eigenbau und nicht zertifiziert, verläuft allerdings zu fast einem Drittel über den Pfälzer Weinsteig (170km langer Prädikats-Weitwanderweg) und führt mich zu zahlreichen Highlights, die auf ca. 16km Streckenlänge für eine Menge Abwechslung und Staunen sorgen. Die Reichfeste Wachtenburg, die Heidenlöcher (eine Fliehburg aus dem 9. Jahrhundert), die spätgotische Michaelskapelle mit Traumblick über die Rheinebene, der Eckkopfgpifel samt Hütte und Aussichtsturm und die Sahnehaube in Form der einzigen Vulkankraterseen im Pfälzerwald, machen diese Wanderung zu einem wahren Erlebnis. Der duftende Kiefern- und Edelkastanienwald ist die Kirsche obendrauf.

Ruine Wachtenburg. (März desselben Jahres.)

12004272Das Auto parke ich in Wachenheim, Landkreis Bad Dürkheim, auf dem Wanderparkplatz des Campingplatzes. Etwa 500m nach der Ortsausfahrt Richtung Kurpfalzpark. Die Wanderschuhe umgeschnallt, geht es erst einmal an der Gaststube des Campingplatzes vorbei und rechts den Burgweg hinauf, der bereits jetzt über den Pfälzer Weinsteig verläuft und in Kehren recht zügig nach oben und zur Ruine führt. Die große Anlage steht in Spornlage über dem Ort und ist in großen Teilen erhalten. Ein 400m langer Bering mit einigen Halbschalentürmen umschließt das Innere, in dem noch eingeschossige Palasmauern und ein 30m hoher Bergfried stehen, was das Wahrzeichen Wachenheims von weither sichtbar macht. Die Ruine ist durch einen Halsgraben vom Bergmassiv getrennt. Am Osthang wird Wein angebaut, den man am Wochenende auch in der Burgschänke zu trinken bekommt, die nicht zuletzt wegen dem Panoramablick über die Rheinebene stets gut besucht ist.

Traumpfad zur Wegspinne.

Gegenüber der Schildmauer und oberhalb des Halsgrabens, führt mich der Weinsteig weiter über den Rücken des Schloßbergs, Richtung Wegspinne Grüne Bank/ Hinterbrunnen. Das Opening war schonmal recht vielversprechend und innerhalb weniger Minuten das erste von vielen Highlights heute. Der Streckenverkauf führt anfänglich an mehreren Privatparzellen vorbei und geht später in Waldpfad über, der durch lichten Kiefernwald mit seinen Heidelbeer- und Heidefeldern führt: ein Augenschmaus. Je höher ich steige, desto ruhiger die Kulisse, trotz der relativen Nähe zur Landstraße unter mir.

Am kleinen Vulkankratersee.

Nach einiger Zeit erreiche ich besagte Wegkreuzung, die mit Bank und Tisch zur Rast einlädt. Ich folge ab hier jedoch der Markierung des Pfälzer Weinsteigs nach links und nehme vor dem Abzweig nach rechts, den unmarkierten Forstweg zu den beiden Seen, die in fünf Gehminuten etwas unterhalb der Grünen Bank liegen. Die erste Station ist der frei zugängliche Vulkankratersee, der der kleinere aber schönere ist und sich wie selbstverständlich in das Waldbild fügt. Das stille Gewässer ist Heimat von Fischschwärmen und Kleinlibellen wie der Speer-Azurjungfer. Der größere, aber heuer abgesperrte See liegt im Südwesten und erreicht eine Trichtertiefe von 100m, bei einem Durchmesser von 200m. Bis 1980 wurde hier Basalt (basischer Vulkanit) abgebaut, der vor 35 Millionen Jahren durch das Aufsteigen von flüssigem Magma entstand.

Speer-Azurjungfer.

Das einzige Vorkommen seiner Art im Pfälzerwald, das früher auch als Pechstein bezeichnet wurde, weshalb der Berg, in dem sich die beiden Seen befinden, heute noch Pechsteinkopf heist. Das ganze Gebiet steht mittlerweile unter Naturschutz und ist Heimat unzähliger Tierarten. Besonders Uhus fühlen sich zwischen den Bruchkanten der hohen Basaltstufen wohl. Auch finden sich hier verschiedene Mineralien wie Calcit, die für Sammler jedoch unerreichbar bleiben. Der ehemalige Steinbruch ist wegen akuter Absturz- und Lebensgefahr vollständig abgeriegelt, lässt aber einen Blick über die Umzäunung zu, der sich allemal lohnt. Nachdem ich den beiden Kratern einen Besuch abgestattet habe, laufe ich die wenigen Meter unmarkierten Weges zurück und folge meinem Zeichen Richtung Heidenlöcher.

Blick zum großen Vulkankratersee.

Ein ziemlich langes Stück Forstweg schmälert den Wandergenuss, geht allerdings nach einiger Zeit in wahrhaftigen Traumpfad über, der auf die Kuppe des Martensberges (eigtl. Kirchberg) führt, wo nahe Deidesheim die Überreste der einstigen Fliehburg auf mich warten. Über 60 eingeschossige Häuserreste von ehemals 80, sind von einem halben Kilometer langen Mauerring umgeben, der an manchen Stellen noch immer 3m Stärke erreicht. Die rechteckigen Hausbauten sind nur im Innern freigelegt, während ihre Mauern noch immer von Waldboden umgeben sind und so wie Keller (=Löcher) wirken. Die ovale Burgruine ist als Heidenlöcher bekannt, hat und hatte allerdings so gar nichts mit selbigen zu tun, wie man heute weis. Das Haupttor ist noch immer von Teilen des Zwingers geschützt, am Südtor steht Ritterstein Nr. 260. Das Trockenmauerwerk besteht anders als bei den sonst typischen Felsenburgen, nicht aus Buckelquadern, sondern unbehauenen Natursteinen. Die 1,3 Hektar große Anlage vermittelt noch heute ein deutliches Bild ihres ehemaligen Aussehens.

DSC_0440.JPG

An den Heidenlöchern.

Logo PWV4,2Nach der Erkundung dieses kulturellen Highlights folge ich weiterhin dem Pfälzer Weinsteig, der durch das Haupttor verläuft und der Innenwand des Ringwalls folgt. Über das Südtor verlasse ich die Burg Richtung Michaelskapelle, die in Hanglage an der Waldnarbe liegt und deren Urbau bis ins 15. Jahrhundert zurückreicht. Die spätgotische Kirche ist dem Erzengel Michael geweiht und leider nicht frei zugänglich. Der Ort ist zugleich Aussichtspunkt und hält einen schönen Ausblick in die Rheinebene bereit. Die perfekte Gelegenheit meinen Wasserhaushalt wieder ins Reine zu bringen und mir ein paar Vitamine zu gönnen, bevor ich die Markierung wechsle und den weissroten Balken über die Flanke des Kirchbergs folge. Oberhalb des Sensentals, das Kirchberg und Saupferch voneinander trennt, geht es über einen ausgedehnten und stillen Pfad zum östlichen Ende des Eckkopfs. Ein schönes und unaufgeregtes Stück Wanderweg, auf dem Imker einige ihrer Bienenstöcke aufgestellt haben.

An der Michaelskapelle.

PWV15Am westlichen Ende des Sensentals beginnt der Aufstieg zur Eckkopfhütte. Ich nehme den Mountanbikeweg Nr. 4 als Verbindungsstück zu den weissblauen Balken: meine Wandermarkierung bis zum Gipfel. (Über die 4 hinauf bis zur Kreuzung und an der Bank ein kurzes Stück links hinauf, um auf blauweiss zu treffen und weiter bergauf!) Von nun an geht es stetig und recht steil bergauf. Die 29° Temperatur sind da wenig hilfreich! Und so fühle ich mich recht schnell wie eine Sahnetorte nach zweistündigem Sonnenbad, die verzweifelt versucht ihre Form zu wahren. Die Aussicht auf einen kühlen Radler weis mich durchaus zu motivieren und schließlich, wenn auch ein paar Minuten später als meine drei Begleiter, erreiche ich den 516m hohen Eckkopfgipfel.

Blick von Süden auf den Eckkopfturm.

Logo PWV2,2Karl Carstens, Bundespräsident a.D., war bereits 1982 hier zu Gast, hat sich allerdings über das Kloster Limburg genähert, mit dem historischen Rathaus in Deidesheim zum Ziel. Der Berg beherbergt besagte Hütte, die zwar nicht dem Pfälzerwaldverein angehört aber preislich und kulinarisch vergleichbar ist und in der Regel von Freitag bis Sonntag geöffnet hat. Deidesheimer Vereine und Abiklassen wechseln sich mit der Bewirtschaftung wöchentlich ab. Der Bewirtschaftungsplan kann über den Link eingesehen werden (Bewirtschaftungsplan). Ein 25m hoher Aussichtsturm, der mit dem Eckkopf auf 541m kommt, ist Garant für ein 360° Panorama über Haardt und Rheinebene. Ich quäle meine Schenkel noch hinauf, bevor ich die wohlverdiente Pause einleite, für die wahlweise Bierzeltgarnituren oder Hängematten bereit stehen.

Eckkopfgipfel, -turm und -hütte.

PWV16Ich genieße mein Kaltgetränk und lasse meiner Kleidung Zeit zum trocknen, bevor ich den Abstieg nach Wachenheim in Angriff nehme. Ein rotes Dreieck bringt mich wieder zurück zur Wegspinne Grüne Bank. Es liegen zwar keine Highlights mehr auf dem Rückweg, jedoch verläuft der gesamte Streckenverlauf zwischen Eckkopf und Wegkreuz über samtweichen Waldpfad, der durch reinen Kiefernwald führt. Ein Fest fürs Auge, das sich ab Grüne Bank, über einen unmarkiert absteigenden Pfad bis zum Campingplatz fortsetzt.

Ausblick vom Eckkopfturm.

Fazit: Zwei Burgen, zwei Vulkanseen, ein Ritterstein und mehrere Traumaussichten machen diese Rundwanderung trotz der Längen und Anstiege so lohnenswert. Die charakteristischen Sandsteinformationen der Südpfalz sucht man hier vergebens, der Kiefernwald mit seinen Heidelbeer- und Heidefeldern trösten aber darüber hinweg. Eine Karte muss mitgeführt werden, da die Markierungen teilweise lückenhaft sind. Der Rucksack sollte trotz Einkehrmöglichkeiten auf Eckkopf und Wachtenburg gut gefüllt sein. Absolute Wanderempfehlung!

Bleibt wandern!

Patrick Scheller

 

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ÜBERSICHT

Ort: 67157 Wachenheim (Bad Dürkheim)

Parkplatz: am Campingplatz, Waldstraße 105 Richtung Kurpfalzpark

Länge: ~ 16km

An- und Abstieg: ~ 500 Höhenmeter

Karte: Mittel- und Unterhaardt mit Bad Dürkheim und Leininger Land (Blatt 4 Landesvermessungsamt – 1:25000)

Forster Vulkankrater-Tour

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