Dornröschen-Rundwanderweg

img_logo_rundwanderwegDie heutige Wanderung führt mich nach Dörrenbach, das der Verbandsgemeinde Bad Bergzabern angehört und genau auf der Grenze von Pfälzerwald und Rheinebene liegt. Der Ortskern glänzt mit einigen erhaltenen Bauwerken verschiedener Epochen, unter anderem der Renaissance und des Mittelalters. Ein kleines Wunder, da das Dorf im Zweiten Weltkrieg alliiertem Artilleriebeschuss ausgesetzt war, was dem angrenzenden Mundatwald geschuldet war, der besonders auf dem Farrenberg noch heute mit deutschen Bunkeranlagen durchsetzt ist, von denen ich einige sehen werde. Der Dornröschen-Rundwanderweg liegt stellenweise genau über dem Westwallweg und dem Gebrüder Grimm Weg. Die Prädikatswanderung ist vom Deutschen Wanderverband zertifiziert und hält für Sammler zwei Rittersteine bereit.

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Der Einstieg in die Rundtour.

Die Streckenlänge beträgt 13,5km, sofern man der Beschreibung folgt und die Wanderung im Ortseingang beginnt, wovon ich jedem abraten möchte! Weshalb? Weil der Ortskern zwar schön ist, aber nicht so schön, dass ich 2km über Asphalt laufen möchte und schon gar nicht zweimal, wenn ich wieder zurück will. Deshalb stelle ich mein Auto auf dem Wanderparkplatz (Am Alten Bild) oberhalb des Ortes ab, wo der eigentliche Rundweg auch startet und endet! Hier steht auch der gleichnamige Ritterstein Nr. 194. Meine Wegmarkierung ist trotz des überwältigenden Angebotes zügig gefunden: eine rote Rose auf weissem Grund. Ich nehme den linken der beiden Wege und laufe die Strecke somit im Uhrzeigersinn.

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Laufgräben der Wehrmacht.

Die Wanderung vereint auf geniale Weise alte und neuere Geschichte mit dem Besuch der Burg Guttenberg und der Relikte des II. Weltkriegs und hält mehrere geniale Aussichten bereit. Auch der kleine Bruder des Teufelstisches liegt einen halben Kilometer abseits des eigentlichen Weges und so habe ich ein Pfälzer Allerlei vor mir. Was will ich mehr?! Trotz der noch vorhandenen Nähe zum Ort herrscht hier absolute Ruhe und Stille. Die anfängliche Strecke verläuft über breiten Forstweg, der sich schon recht bald mit dem Westwallweg überschneidet. Tut mir also nicht weh, da die Attraktion hier eindeutig die Schützengräben, Panzersperren und gesprengten Bunker im Unterholz sind und sowieso alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

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Gesprengter Bunker auf dem Farrenberg.

Bereits angrenzend an den Hauptweg, kann man deutliche Spuren des nationalsozialistischen Machwerks erkennen. Das eindeutige Highlight liegt allerdings etwas abseits und kann mit entschlossenen Schritten auf dem Farrenberg bestaunt werden. Der Aufstieg zum Gipfel ist mit einer Steigung jenseits der 10% ein echter Wadenbeißer, gibt aber sofort einen Hinweis auf die strategisch clevere Lage der größten vier Anlagen hier. Zumindest die größten, die besichtigt werden können. Große Teile des Farrenberg sind gesperrt, zum einen aus Sicherheitsgründen, zum anderen dem Tierschutz geschuldet. So haben Fledermäuse und Feuersalamander einige der alten Wehrbauten zu ihrem Zuhause erkoren. 

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Eine weitere der großen vier Anlagen auf dem Gipfel.

Natürlich gibt es noch vom Wald verborgene Anlagen, die intakt und begehbar wären. Der Zutritt ist allerdings strengstens verboten, was manche Chaoten nicht davon abhält, eben diese zu suchen, die Versiegelung aufzubrechen und ihre Unvernunft in peinlichen Youtubevideos zu veröffentlichen. Und wer will behaupten, dass dieses ganze Thema, so schrecklich es auch ist, nicht eine absurde Anziehungskraft ausübt und Neugierde in uns weckt. Dennoch sind solche Aktionen teilweise lebensgefährlich, da etwa Gase ohne entsprechendes Equipment nicht rechtzeitig erkannt werden können. Nach der Besichtigung besagter vier Anlagen laufe ich den selben Weg wieder zurück, bis ich den Dornröschenweg kreuze und steuere mit gemischten Gefühlen mein nächstes Ziel an, die Burg Guttenberg

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Schöne Lichtstimmung auf dem Weg zur Burg.

Kaum trennt sich mein Weg vom Westwall, geht der Forstweg in Pfad über und heitert mich etwas auf. Auch die Szenerie ist eine völlig andere: hüfthoher Wurmfarn begrenzt den Pfad, der durch wohlduftenden Mischwald führt. Wenige Sonnenstrahlen verirren sich bis auf den Boden, bleiben stattdessen im Obergeschoss hängen und bringen die sattgrünen Blätter zum leuchten. Eine besondere Lichtstimmung, der ich mich mit meiner Kamera widme. Ein paar Schritte weiter treffe ich auch schon bei der Wegspinne ein, die mich links zur Burg schickt, die 400m über mir liegt und über einen steilen Anstieg schnell erreicht ist.

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Burgfelsen und Tor Ruine Guttenbergs.

Die Anlage zählte mal wie Schlössel oder Schlosseck zu den am wenigsten besuchten Ruinen im Pfälzerwald, was sich, seit der noch recht frische Prädikatsweg zu ihr führt, doch wesentlich zum Besseren gewendet hat. Zugegeben, es gibt Burgen mit mehr Mauerresten, aber es stehen noch das Burgtor und eingeschossige Reste des Bering, in dem noch mehrere Schießscharten erkennbar sind. Der langgestreckte, hohe Burgfelsen weist unzählige Balkenlöcher der ehemaligen Gebäude auf. Über steinerne Treppen gelangt man auf die Kernburg, auf der noch mehrgeschossige Reste des Bergfrieds stehen. Absolutes Highlight ist die spektakuläre Aussicht über die umliegenden Gipfel hinweg, in die Rheinebene und in anderer Richtung ins Elsass. Ein Fest fürs Auge.

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Blick vom Burgfelsen über den Mundatwald ins Elsass.

Ich überlasse den Felsen der Gruppe Wanderer, die vor mir hier waren und komme auf der Bank im Burghof zur Ruhe. Eine halbe Flasche Sprudel brauche ich doch, bevor ich den Schlossberg wieder hinunter zur Wegspinne laufe und meiner Markierung zum Steinernen Tisch folge. Nach der Burg beginnt der für mich schönste Streckenabschnitt der Tour, denn meine Füße werden bis zum Sandsteinkoloss nur weichen Pfad unter sich haben, der sich zu meiner Freude auch recht lange zieht. Wie bereits erwähnt, ist der Steinerne Tisch ein Abstecher vom eigentlichen Wegverlauf und lässt mich an der darauf folgenden Kreuzung einer anderen Markierung folgen. Die passende Gelegenheit, die perfekte Beschilderung zu loben, die nicht eine Sekunde Zweifel aufkommen lässt. Karte: nicht notwendig. Wer sich hier verlaufen möchte, muss schon deutlich mehr Dioptrien als meine 2.5 in die Brillenfassung bringen!

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Der Steinerne Tisch bei Böllenborn: Ritterstein Nr. 20

Die 500m (einfach) sind ebenfalls über weichen Pfad recht schnell bewältigt und halten kurz vorm Ziel noch eine Aussicht in die Rheinebene bereit. Der kleine Bruder des berühmten Teufelstisches, der immerhin schon seine eigene Briefmarke bekommen hat, kann es natürlich nicht mit Größe und Form seines Artverwandten aufnehmen, muss sich aber keinesfalls verstecken. Auch ihn findet man als herausragendes Beispiel in einschlägiger Literatur! Die kleinere Variante weis mich durchaus zu begeistern und wird von einem Regiment Fingerhüte bewacht. Der Felsen ist außerdem Ritterstein Nr. 20 von 306. Der Extrakilometer war es allemal wehrt. Ich kehre zur letzten Wegkreuzung zurück und biege in Richtung Stäffelsbergturm ab.

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Traumpfad zwischen Steinernem Tisch und Stäffelsbergturm.

Ich folge immer noch Pfad, bis sich mein Weg mit dem Gebrüder Grimm Weg überschneidet, der mir den Aufstieg auf den 480m hohen Stäffelsberg, mit geschnitzten Märchenfiguren verfeinert. Von nun an werde ich ausschließlich auf Forstwegen unterwegs sein. Das Mineralwasser habe ich, oben angekommen, längst wieder in Tropfenform abgegeben, als ich eine schon ungewöhnlich große Menge an Wanderern erblicke, die sich am Fuße des Turms versammelt haben. Auf der Turmspitze angekommen, verstehe ich wieso. Die Treppen ärgern mich allerdings noch einmal, belohnen mich dafür mit dem schönsten Ausblick der gesamten Wanderung. Ein unvergleichliches 360° Panorama tut sich vor mir auf und wird ausgiebig genossen, bevor ich die letzten 900m zurück zum Auto schlendere.

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Blick vom Stäffelsbergturm.

Fazit: Keine ausgewiesene Premiumtour, aber eine, die genau das sein sollte. Der Abwechslungsreichtum durch Westwall und Burg, die spektakulären Aussichten und der Steinernen Tisch, sollten jeden über den geringen Pfadanteil hinweg trösten. Auf der Strecke gibt es keinerlei Einkehrmöglichkeiten, weshalb ein gut gefüllter Rucksack Pflicht ist! Wer verlängern oder umbauen möchte, nimmt eine Karte mit, für alle anderen ist der Rundweg lückenlos und eindeutig markiert. Der kulinarische Abschluss kann im Orstkern von Dörrenbach begangen werden. Absolute Wanderempfehlung!

Bleibt wandern!

Patrick Scheller

Nachtrag: Es liegen natürlich keine zwei, sondern 3 Rittersteine auf der Tour! Der dritte (an dem ich glatt vorbei gelaufen bin) steht vor der Schutzhütte des Wanderparkplatz Drei Eichen. Es ist Ritterstein Nr. 21, mit Namen Drei Eichen.

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