Grenzgängerweg

Logo GrenzgängerwegDie Tour heute steht unter zwei Mottos: Es gibt kein schlechtes Wetter, höchstens falsche Kleidung und ein Sonntag ohne Wald ist ein vergeudeter. Es ist Pfingsten ’17 und es sind bis 13 Uhr Schauer gemeldet, also ist es mal wieder Zeit für eine kurze Nachmittagstour. Da bietet sich der Grenzgängerweg mit seinen 7km Länge ja geradezu an, auch wenn der Blick aus dem Fenster meine Laune etwas trübt. Doch schon wenig später befinde ich mich auf dem Weg nach Nothweiler, dass mir nicht zuletzt wegen der Vier-Burgen-Wanderung bekannt und ans Herz gewachsen ist. Und spätestens wenn sich die B10 durch die Täler der Mittelgebirgsgipfel windet, putzt die Landschaft meine Laune so lange, bis sie wieder glänzend ist. Geraume Zeit später parke ich das Auto auf dem Wanderparkplatz Nothweilers. Kaum ausgestiegen erblicke ich bereits meine Wandermarkierung und wenige Schritte später, passiere ich die grüne Grenze zum Elsass.

Blick auf den Litschhof.

Der vergleichsweise noch recht junge Premiumweg wurde das letzte Mal 2014 zertifiziert und vom Deutschen Wanderinstitut mit 63 Erlebnispunkten bedacht. Die Zertifizierung gilt noch bis Oktober diesen Jahres. Auf den bereits erwähnten 7km Streckenlänge gilt es ca. 250 Höhenmeter zu bewältigen. Malerische Wiesenlandschaften, der Gipfel des Kappelstein, die Aussichten zu den Ruinen Wegelnburg und Hohenburg und in den Wasgau, ein Besucherberkwerg und die geniale Wegführung machen diese Rundtour zu einem kurzweiligen Erlebnis.

Auf dem Weg nach Col du Litschhof.

Es ist nach der Luger Geiersteinetour, die zweitkürzeste Premiumwanderung im Pfälzerwald. Zwei blaue, schlumpfähnliche Köpfe zieren meine Wandermarkierung, die mich erst einmal rechts an einer ausgedehnten Wiese vorbei führt, auf der einige Pferde weiden. Der anfänglich breite Forstweg geht schon recht zügig in schmalen Pfad über, der mich zum Forsthaus Litschhof führt, das direkt unterhalb der Wegelnburg liegt. Die Wiesenlandschaft ringsherum lässt schon beinahe Albfeeling aufkommen. Schmatzenden Schrittes folge ich dem aufgeweichten Pfad, während dampfende Gräser und Kräuter, kerniger Waldboden und würzige Nadelhölzer dieses unvergleichliche Bouquet komponieren, das meine Nase so sehr liebt. Ich biege rechts ab und folge dem Weg bis zur nächsten Wegspinne, Col du Litschhof.

Traumpfad zum Kappelstein.

Dort geht der Weg links der Schutzhütte weiter, der noch dreimal Forstweg quert, bevor sich ein wahrer Traumpfad mit moderater Steigung durch dichten Nadelbestand gräbt. Und wie gehabt, kann man hier die glücklichste Dreiecksbeziehung der Welt bewundern: Besenheide und Heidelbeere wetteifern um die besten Plätze zwischen den Kiefern und decken den gesamten Waldboden ab. Meine tropfende Stirn ist mehr meinem Feinkostgewölbe denn der Steigung geschuldet. Lediglich der Schlussanstieg zum Gipfel des Kappelstein, der immerhin 489m Höhe erreicht, hat seine Schweißberechtigung. Unterwegs erhascht man bereits einen kleinen Vorgeschmack auf das Panorama, das der Gipfel bereit hält. Nämlich den Blick auf auf die beiden Ruinen Wegelnburg und Hohenburg, auf den mir gegenüberliegenden Gipfeln. Und wie auf Bestellung schneidet die Sonne die Wolkendecke in zwei Hälften und lacht auf mich hinab. So hindern mich nur noch meine Ohren daran, im Kreis zu grinsen.

Auf dem Gipfel des Kappelstein.

Ich genieße noch eine Weile den tollen Ausblick hier oben, bevor ich den recht steilen Abstieg zum Sankt-Anna-Stollen der Eisenerzgrube Nothweiler beginne. Die ersten Fingerhüte zaubern ein wenig Farbe in die noch frischen Grüntöne und bringen meine Kamera auf Touren. Und völlig unerwartet tut sich wenig später die nächste, grandiose Aussicht vor mir auf, die die des Kappelstein sogar noch übertrumpft. Die durchbrechende Sonne taucht die Wasgauhügel in warme Farben und die Wolken sorgen für etwas Dramatik in dem Bild vor meinen Augen. Wer braucht schon 30° und stahlblauen Himmel?! In ein paar weiteren Minuten ist auch schon das erste Mundloch von ingesamt drei erreicht.

Zwischen Kappelstein und Bergwerk.

Die Eisenerzgrube Nothweiler zählt heute zu den technischen Kulturdenkmälern und ist ab März, von Mittwoch bis Sonntag für Besucher geöffnet. Feiertags auch an den ersten beiden Wochentagen. Schon die Kelten haben hier nach dem begehrten Metall gegraben. Zwischen 11 und 17 Uhr werden zu jeder vollen Stunde Führungen durchgeführt. Die Preise betragen pro Kind 3,50€ und für Erwachsene 5€. Wer als Familie unterwegs ist, kann durch den Kauf entsprechender Karte für 12€ in den Stollen (völlig egal wie fruchtbar die Ehe war!). Wer fragen hat oder Gruppen anmelden möchte, kann sich unter 06394/5354 bei Heinz Biehler mitteilen. Gewöhnlich dauert eine Führung um die 30 Minuten. Die eventuelle Wartezeit kann man mit Snacks und Getränken im Zechenhaus verkürzen. Im Mauerwerk des Mundlochs vom St. Anna Stollen ist Ritterstein Nr. 9 von 306, unter dem Namen Glückauf zu finden.

Schon nach dem Bergwerk beginnt bereits der Abstieg zurück zum Wanderparkplatz und führt in Kehren und über einen Waldlehrpfad zurück nach Nothweiler, die obligatorische Schleife durch den Ortskern inbegriffen. Obwohl ich mir wirklich Zeit gelassen und auch eine ganze Weile die Aussicht des Kappelstein genossen habe, ist meine Wanderung bereits nach drei Stunden zu Ende, was wohl das einzig erkennbare Manko dieser Premiumtour ist. Um die Erkenntnis reicher, dass ich soeben die wohl edelste Form eines Nachmittagsspaziergangs begangen habe, trete ich zufrieden die Heimreise an.


Zurück in Nothweiler.

Fazit: Wer keine weite Anreise hat oder diese trotz der geringen Streckenlänge nicht scheut, sollte sich diesen Wanderweg nicht entegehen lassen. Die Tour ist ein Augenöffner und begeistert mit sehr großem Pfadanteil, schönen Landschaften und tollen Aussichten. Eine Karte ist eigtl. unnötig, da die Markierung perfekt organisiert wurde. Verpflegung war für mich nicht notwendig, zumal man am Zechenhaus oder in Nothweiler einkehren kann. Wer noch Zeit und Lust hat, kann auf dem Rückweg in Lug halt machen und die Geiersteine-Tour mitnehmen und kommt mit deren 5km Streckenlänge auf 12km in Summe.

Bleibt wandern!

Patrick Scheller

 

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ÜBERSICHT

Ort: 76891 Nothweiler

Parkplatz: auf dem Wanderparkplatz im Süden (Straße links von Vetters Scheune)

Länge: 7 Kilometer

An- und Abstieg: 250 Höhenmeter

Karte: Westlicher Wasgau mit Dahn (Blatt 7 Landesvermessungsamt – 1:25000)

Karte Grenzgängerweg

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