Rodalber Felsenwanderweg (Teilstück 2)

logoDie Reise geht nach Rodalben: eine Stadt mit 7000 Einwohnern im Landkreis Südwestpfalz, die etwa 5 km von Pirmasens entfernt, im Tal der Rodalb liegt. Der Ort wird von einer Reihe von Mittelgebirgsgipfeln eingerahmt und beherbergt den ältesten und ersten Premiumwanderweg seiner Art, im Pfälzerwald. Die ganze Region ist ein wahres Paradies für Naturliebhaber und Wanderer. Fünf Kilometer entfernt lockt der Pirmasenser Felsenwald, im benachbarten Lemberg warten zwei weitere Premiumwanderwege und in entgegengesetzter Richtung stehen die eindrucksvollen Reste des Merzalbener Schlosses, das mit einem Rundweg über den Rotenstein erobert werden kann. Der Rodalber Felsenwanderweg besteht seit langem und führt oberhalb des Rodalbtals mit einer Gesamtlänge von annähernd 45 km um die Stadt.

Der Einstieg in die Tour.

Die Mehrtagestour kann in mehreren Teilstrecken bewandert werden. Offiziell gibt es fünf Abschnitte, die wie das gesamte Streckennetz wirklich toll ausgeschildert sind. Die gesamte Tour ist mit einem grünem F auf weißem Kreis ausgeschildert, wobei F1, F2 usw. für die jeweiligen Teilstrecken verwendet werden und die Ein- und Abstiege durch durchnummerierte Pfosten gekennzeichnet sind. Auch im Ortskern weisen bereits Schilder zu den jeweiligen Einstiegen. Für die heutige Tagestour nehme ich Teilstrecke 2 in Angriff.

Kammereingang der Alten Burg.

Das gute an diesem Stück ist, dass man den gesamten nordwestlichen Teil der Gesamtroute erwandert und mit insgesamt 14 km auch was zu sehen bekommt. Durch das kurze Verbindungsstück durch Rodalben zum Ein- und Abstieg kann die Tour als eigenständige Rundwanderung angesehen werden. Das Auto steht auf dem Parkplatz am Bahnhof, die Markierung ist genialerweise für Teilstreckengeher schon am Bahnhofsgebäude angebracht. Nun gilt es erst einmal die Marienbrücke zu überqueren, die mich über die Gleise und zur Bergstraße führt. Über Teer geht es recht zügig zur Waldnarbe und das mit einiger Steigung, sodass ich bereits nach wenigen Minuten Pfosten 89 und somit den Pfad des Felsenwanderwegs erreicht habe.

An der Alten Burg.

Der erste Höhepunkt dieses Teilstücks tut sich vor mir auf, der alte Bierkeller. Mein erster Felsen von weit über hundert auf der Gesamtstrecke, von denen verständlicherweise nur die markantesten und größten benannt wurden. In diesem wurden Vorräte, unter anderem auch Bier gelagert. Die beiden Zugänge sind heute verschlossen, da akute Einsturzgefahr der Sandsteindecken droht. Über herrlichen Pfad geht es weiter durch saftiges Grün und obwohl ich weiß, wie nah die Stadt unter mir ist, ist es doch recht ruhig und erholsam hier oben.

Traumstück zu den Hettersbachfelsen.

Der Wegverlauf lässt mein Wanderherz höher schlagen. Der ohnehin weiche Waldboden ist mit Nadeln übersäht und wie gehabt, sind alle Freiflächen zwischen den aufstrebenden Kiefern über und über mit Besenheide und Heidelbeersträuchern bedeckt. Wobei immer wieder größere und kleinere Sandsteinfindlinge den Boden durchsetzen. Wanderherz, was begehrst du mehr?! Ich laufe der Alten Burg, dem ersten Aussichtspunkt der Tour entgegen und komme dabei an zwei herausragenden Felsformationen vorbei, den Fohnbachtal- und Kiesfelsen.

An den Hettersbachfelsen.

Schließlich ist die Alte Burg erreicht und lässt mich über die Ausläufer des mich umgebenden Waldes, sowie auf Rodalben blicken, das sich unter mir malerisch ins Waldbild einfügt. Den Namen hat dieser gewaltige Felsen nicht von ungefähr. So soll er als Fliehburg der keltischen Urbevölkerung gedient haben, die versträut über das gesamte Tal lebte und sich bei Gefahr hierauf geflüchtet hat. Eine kleine Felskammer gibt es noch und zwei Sitzgelegenheiten laden zur ersten Rast, die ich allerdings nach hinten verlege und weiter dem Weg folge.

Tolle Lichtstimmung.

Ich gelange über die Flanke des Horbergs zur gleichnamigen Siedlung und erfahre so, den für mich wohl schönsten Wegabschnitt der Wanderung. Ein wirklich schmaler Pfad fräst sich durch den steil abfallenden Hang, der zu meiner linken weiter bergauf geht und mir allerhand Kräuter, Gräser und Wildblumen entgegen streckt. Zu meiner rechten geht es steil bergab und so habe ich eine exzellente Sicht über das Rodalbtal. Ein fast alpines Erlebnis. Die Hettersbachfelsen hinter mir lassend, passiere ich schon die nächsten und lasse mich auf einer Bank, unweit der Horbergfelsen nieder, um nach etwa der Hälfte der heutigen Strecke eine Pause einzulegen.

An den Horbergfelsen.

Nach Würsten und Äpfeln geht es gestärkt Rodalben entgegen, dass ich am nordwestlichen Ende durchqueren muss, um auf anderer Seite wieder in den Wald zu gelangen. Für mich nicht weiter tragisch! Um die Schleife der Apostelmühle geht es der Flanke des Mühlkopfs folgend, dem nächsten, größeren Felsmassiv entgegen. Unterwegs gelange ich zu einer kneipschen Tretanlage, die auf mich aber nicht mehr vertrauenerweckend wirkt und zu einer kleinen Quelle. Ein Bächlein gräbt sich durch den dichten Urwuchs und ist ganz offensichtlich der Grund für eine Menge Smaragdlibellen, die um mich herum sausen und mich wahnsinnig machen, da keine den Schneid hat, sich vor meiner Kamera etwas auszuruhen. Zu schade! Trotzdem ein tolles Naturschauspiel.

Die Kanzel.

Die Massive der Zigeuner- und Maibrunnenfelsen versüßen mir nochmal ordentlich das letzte Teilstück, bevor ich den steilen Anstieg zum zweiten und letzten Aussichtspunkt meiner Wanderung beginne. Der Kanzelfelsen ist mit etwas Mühe und Schweiß doch recht schnell erreicht. Eine umzäunte Balkonkonstruktion aus Stahl und Hartholz widersetzt sich der Schwerkraft und ragt aus dem abfallenden Gelände heraus. Ich komme auf der einzigen Bank hier oben zur Ruhe und genieße die Nachmittagssonne auf meiner Haut, während ich erneut den Blick über das Rodalbtal schweifen lasse und den bereits erwanderten Teil des Felsenwanderwegs, der mir in einiger Entfernung direkt gegenüber liegt.

Blick auf Rodalben.

Nach meinem Sonnenbad beginne ich den Abstieg ins Städtchen und laufe dem Pfosten 16 entgegen, der der Letzte heute sein wird. Die kurz darauf folgende Abkürzung ist die meine und bringt mich durch abfallende Gassen wieder zurück zu Bahnhof und Auto. Wer mehr Zeit und Schmackes in den Beinen hat, kann ohne Probleme eines der anderen vier Teilstücke an die Tour anlehnen, von denen jedes mit weiteren Aussichtspunkten und Felsformationen glänzt. Darunter unter anderem die größte, natürliche Sandsteinhöhle der Pfalz, samt Wasserfall und so wohlklingende Naturschauspiele, wie die Karl-May-Felsen.

Toller Pfad oberhalb der Stadt.

Fazit: Eine tolle Wanderung über gefühlte 100 % Pfadanteil, die an kolossalen Felsformationen vorbei führt und zu zwei kleineren, aber schönen Aussichtspunkten. Die namenlosen Felsen, die in allen Größen und Formen den Waldboden bevölkern, sorgen mit ihren großen Brüdern für die ein oder andere Reizüberflutung. Die Beschilderung ist makellos und die Ruhe und Abgeschiedenheit trotz der Nähe zur Stadt bemerkenswert. Für Proviant muss gesorgt werden, denn es liegen keine Anlaufstationen auf diesem Teilstück, das ich nur jedem aufs Wärmste empfehlen kann.

Bleibt wandern!

Patrick Scheller

 

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ÜBERSICHT

Ort: 66976 Rodalben

Parkplatz: am Bahnhof

Länge: 14 Kilometer

An- und Abstieg: 260 Höhenmeter

Karte: Vom Johanniskreuz bis Pirmasens (Blatt 5 Landesvermessungsamt – 1:25000)

Homepage: >Rodalber Felsenwanderweg

Karte Rodalber Felsenwanderweg

Gesamtstrecke mit Teilrouten und Einstiegspunkten: dem offiziellen Flyer entnommen.

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