Obersteinbacher Burgenrunde

Die elsässische Gemeinde Obersteinbach im Kanton Wissembourg liegt ungefähr fünf Kilometer östlich der Grenze zu Lothringen und südlich der Grenze zur Pfalz, im Tal des Steinbaches, einem Nebenfluss der Sauer. Das Dörfchen bildet den Ausgangspunkt meiner heutigen Sommertour und ist bei Gourmets längst bekannt. Der Ort ist umgeben von dichten Wäldern und Buntsandsteinfelsen, die als Landschaftsform eine Einheit mit dem südlichen Pfälzerwald bilden und so zum Wasgau verschmelzen.

Wahrzeichen Obersteinbachs: der Bayrisch Windstein.

Obersteinbach hat so einiges miterlebt, wechselte über die Jahrhunderte mehrfach die Staatszugehörigkeit, war Teil des Elsass, später Teil des Königreichs Bayern (wie der Rest der Pfalz) und wieder etwas später Teil des Deutschen Kaiserreichs. Im Zweiten Weltkrieg verlief nahe der Gemeinde die Gefechtslinie der Schlacht um den Maimont. Zahlreiche, in den Fels gehauene Burgen zeugen von der reichen Vergangenheit dieser ehemaligen Kernzone mittelalterlicher Geschichte. Einige von diesen Burgen werden mir heute auf meiner Wanderung begegnen. Die Ruine der Turmburg Klein Arnsburg erhebt sich über dem Ort und liegt malerisch inmitten dichten Waldes. Die Fülle an Möglichkeiten macht Obersteinbach zum El Dorado für Wanderer.

Die Kleine Arnsburg über Obersteinbach.

Meine Route habe ich sorgfältig geplant und wandere dem Süden entgegen, zum Felsen der Ruine Wittschlössel. Die Wegführung sorgt für Erheiterung. Schmale Pfade winden sich durch dichten Wald, in den sich kaum ein Sonnenstrahl verirrt. Kräftiges Grün begleitet mich über die gesamte Strecke, die Ränder meines Weges säumen wilde Brombeersträucher und Johannisbeeren.

Der Einstieg.

Ich treffe unterwegs nicht eine Menschenseele, was mir recht sein soll. So habe ich den Wald für mich alleine und kann mein erstes Ziel, die spärlichen Reste der Burg Wittschlössel ausgiebig begutachten. Allerdings habe ich nicht einen Stein entdeckt, der noch auf dem Anderen steht, was mich zu der Folgerung bringt, dass die Eroberer der Anlage entweder ganze Arbeit geleistet haben oder die Burg nach ihrer Zerstörung wie viele Anlagen in der Pfalz, als Steinbruch genutzt wurde. Das Ambiente verströmt trotzdem eine Menge Charme und ich nutze die Gelegenheit für meine erste, kleine Rast.

Aussicht kurz vor Wittschlössel.

Ich breche auf und setze meinen Weg in Richtung Burg Wineck fort. Kolossale Felsformationen begegnen mir unterwegs und sorgen mit ihren hohen und wilden Felswänden für einen schönen Kontrast zu den unaufgeregten Pfaden und zierlichen Blütenständen. Die Ruine der Burg Wineck versteckt sich tief im Wald und wird doch von mir gefunden. Ein verschlafener und verlassener Ort tut sich vor mir auf und ich warte nur darauf, dass mir eine Jungfrau ihr Haar vom Felsen herunter lässt. (Es ist nicht dazu gekommen!) Hier gibt es eindeutig mehr zu sehen als bei Burg Wittschlössel. Die Ringmauer steht beinahe vollständig und ein mächtiger Bergfried erhebt sich vom Burgfelsen in die Höhe. Meine Phantasie kommt auf Touren. Im heutigen Burghof entdecke ich wieder jede Menge Johannisbeeren, jedoch traue ich mich nicht davon zu kosten.

Der Burgfelsen von Wittschlössel.

Ich genieße noch ein wenig die Stille des Ortes und begebe mich schließlich doch schweren Herzens zurück auf meinen Weg, dem nächsten Ziel entgegen: Burg Schoeneck. Und wieder begegnen mir unzählige Felsen auf meinem Weg und ich stelle fest, dass ich nie genug davon bekomme.

Burg Wineck.

Das Finale hat es wieder einmal in sich, wird heute aber teuer erkauft. Der Anstieg zur Ruine Schoeneck hat es in sich und im Innern höre ich meine Beinmuskulatur schon das gesamte Repertoire an Schimpfwörtern auf mich anwenden. Doch es lohnt sich, gilt diese Burg doch als die besterhaltene Ruine des Elsass und selbigen Eindruck hatte ich auch, als sich die rießigen Mauern vor mir auftaten. Die Mauerreste sind so reichhaltig, dass sie heute noch einen guten Eindruck vermitteln, wie die Anlage einmal ausgesehen haben mag, die sich im Übrigen zur Zeit im Wiederaufbau befindet. Im Innern wurde ein kleines Burgmuseum im Innern eines Wehrturms hergerichtet, welches die Fundstücke präsentiert, die bei den Sanierungsarbeiten bisher gefunden wurden. Teile der Anlage sind aufgrund der Arbeiten momentan unzugänglich jedoch gelangt man ohne Probleme in die Kernburg, die mich mit einem grandiosen Panorama belohnte.

Tolles Wegstück.

Ich genieße diesen Anblick noch eine Weile, riskiere einen Blick auf die Reste meines Verpflegungsangebotes und wandere nach zwei Äpfeln und einem Brot zurück nach Obersteinbach.

Die Oberburg Schoenecks.

Fazit: Eine abwechslungsreiche und leichte Rundwanderung, die eine der schönsten Burgruinen des Elsass zu bieten hat. Lediglich die Anstiege zu den Ruinen verlangen etwas Schweiß. Die Aussichten sind stellenweise grandios und die Landschaft, besonders um die Ruine Wineck, wirkt wie verwunschen. Für Verpflegung muss gesorgt werden, denn die einzige Möglichkeit zur Einkehr bietet der Anfang und gleichsam das Ende der Tour: Obersteinbach.

Bleibt wandern!

Patrick Scheller

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