Graf-Heinrich-Weg

graf-heinrich-weg1Die heutige Rundwanderung ist eine von zwei Premiumwanderungen des Ortes Lemberg. Das Deutsche Wanderinstitut hat die Route mit 54 Erlebnispunkten bedacht. Die Streckenlänge ist mit 12 km angegeben, kam mir allerdings deutlich länger vor. Den größten Teil geht es über weiche Pfade an unzähligen Felsen vorbei, deren Spektrum von klein bis gewaltig reicht. Mehrere Aussichtspunkte und die Reste der Ruine Ruppertstein runden das Wandererlebnis ab. Als Ausgangs- und Schlusspunkt der Rundwanderung dient der Parkplatz unterhalb der Burgruine Lemberg, die vom Parkplatz in fünf Gehminuten erreichbar ist.

Die erste Aussicht.

Die Burg ist nicht gerade das was ich mir unter einer Ruine vorstelle. Nämlich efeubewachsene Mauerreste und leere Sandsteinfenster, die mit ihrem Burgfelsen wie aus dem Nichts, zwischen den Bäumen inmitten des Waldes auftauchen; eingestürzte Baureste oder ein nun unzugänglicher Bergfried, die einen philosophieren lassen, was dort einst wohl geschah und wie es einmal ausgesehen haben mag. In Lemberg führt eine geteerte Straße zum ehemaligen Burgtor, Straßenlaternen beleuchten die Anlage am Abend und eine Stahl-/ Glaskonstruktion beherbergt das Burgeninformationszentrum. Nicht die Art von Denkmalschutz die ich favorisiere, aber scheinbar eine ganze Menge anderer Leute, die sich hier oben ein Glas Bier in der Schänke gönnen und die wunderbare Aussicht genießen.

Vorbei an bizarren Felsen.

Nun wieder zurück zur Wanderung. Eine Kreuzung direkt oberhalb des Parkplatzes macht durch die gelungene Beschilderung das Orientieren leicht. Ich folge dem Geist auf blauem Hintergrund nach links in den Wald und wandere die Route im Uhrzeigersinn. Die leichte Steigung trägt mich stetig bergauf und führt mich bereits zu Beginn an unzähligen kleineren Felsen vorbei, die den Wegesrand säumen. Ich wandere auf einem weichen Pfad, der über und über mit Nadeln und Kiefernzapfen bedeckt ist. Die Bäume stehen in weitem Abstand zueinander und so ist der Wald mit Sonne durchflutet. Wenige Edelkastanien, Buchen und Eichen sorgen für etwas Vielfalt. Nach circa zehn Minuten unterbrechen Betonstufen (?!?) meinen Pfad und führen mich zum ersten Aussichtspunkt.

Am Aussichtspunkt Ringstein.

Die Aussicht ist lediglich in eine Richtung durch dichtes Grün begrenzt. Ansonsten blickt man hier, so weit das Auge reicht. Die Dächer etwas weiter Weg gehören bereits zu Pirmasens, das unweit von Lemberg entfernt ist. Mit dem ersten Aha-Erlebnis wandere ich zu den Betonstufen zurück und nehme von dort erneut den Pfad, der jetzt an eindrucksvollen Felswänden vorbei führt und so die Route fort setzt. Zwischen dem Rabenfels und Ringstein, dem nächsten Aussichtspunkt, geht es an einigen spektakulären Felsformationen vorbei, die teils durch ihre rundliche Form an Wellen, teils durch Überhange an Höhlen erinnern.

Zwischen Ring- und Ruppertstein.

Und weiterhin treten die Füße auf weichem Pfad. Die Sonne strahlt durch den lichten Wald und ich sehe weit und breit keine Menschenseele. Große, mit allerlei Pflanzen bewachsene Gesteinsbrocken liegen verloren zwischen den Farnwedeln und sorgen für eine tolle Atmosphäre. Unterhalb des Ringstein geht es durch ein Nadelöhr im Felsen, bevor der Aufstieg zum Aussichtspunkt beginnt, der nach wenigen Minuten auch erreicht ist. Vom Ringstein blickt man direkt zur gegenüberliegenden Ruine Lemberg und das umliegende Land. Die Holzbank hier oben wird zur ersten Rast genutzt und die große Kiefer links von mir spendet etwas Schatten. Während meine Vorräte immer weniger werden, beobachte ich das Spiel zweier Eidechsen auf einem Sandsteinbrocken. Die Sonne will es heute wirklich wissen und das Gefühl von gebackener Haut auf meiner Stirn ist mir Signal genug, um den Rundweg fortzusetzen.

Felsen mit Treppe Ruppertsteins.

Der Weg ist zwar nach Heinrich I., dem Grafen von Zweibrücken benannt, aber Lemberger Felsenmeer hätte genauso gut gepasst. Die Strecke zwischen meinem letzten Aussichtspunkt und der Ruine Ruppertstein überschüttet mich förmlich mit Felsen, von denen einige wirklich außergewöhnliche Formen und Verwitterungen aufweisen. Die anfänglich dominierenden Kiefern sind nun in der Unterzahl und werden von Buchen abgelöst. Die Sandsteinwände kommen immer näher, denn der Wegverlauf führt unmittelbar an ihnen vorbei. Dabei fällt mir auf, dass der Sandstein hier doch etwas anders aussieht, als ich es gewohnt bin. Die Steinwände sind über und über mit Kieseln durchwirkt und erwecken nicht zuletzt durch ihre fließende Form den Eindruck, als wären sie noch vor hundert Jahren unter Wasser gelegen und nicht vor Jahrmillionen. Die Risse und Löcher im Fels werden nun von unzähligen Spinnen bewohnt, um die ich den größtmöglichen Bogen mache.

Auf dem Burgfelsen.

Mein nächstes Ziel ist die Ruine Ruppertstein, die wohl im 12. Jahrhundert entstanden ist und vom bereits erwähnten Grafen erbaut wurde. Wann sie zerstört wurde ist unklar. Von der ehemaligen Bebauung sind heute keine Reste mehr zu sehen, dafür führt eine Steintreppe aus dem 19. Jahrhundert auf den Felsen, der eine tolle Aussicht sowie mehrere Sitzgelegenheiten bereit hält. Aber Vorsicht, wie beim Rötzenfels (Dimbacher Buntsandstein Höhenweg) kann es im Frühjahr vorkommen, dass der Felsen wegen Falkenbrut gesperrt ist. Im September aber nicht und so genieße ich den Blick auf die, im blau schimmernden Pfälzerwald aufragenden Ruinen Altdahn, Grafendahn und Tanstein. Das Ambiente zwingt sich förmlich auf, als Rastplatz genutzt zu werden. Wie auf dem Ringstein, gewährt mir ein nahe stehender Baum etwas Schatten. Diesmal Eiche statt Kiefer.

Grandioses Wegstück zum Maiblumenfels.

Nach einem ausgiebigen Sonnenbad geht es mit vollem Magen meinem nächsten Ziel entgegen, dem Maiblumenfels. Hat die Strecke bisher wenig an Höhe gewonnen und mich somit nur leicht bergab oder -auf getragen, steige ich jetzt vom Ruppertstein, der etwas über 450 Meter liegt, ins Tal ab und erreiche so den niedrigsten Punkt dieser Wanderung. Die Schutzhütte Ämschel sieht zwar von weiter weg, recht einladend aus, bei näherer Betrachtung bin ich allerdings froh, auf dem Ruppertstein Rast gemacht zu haben. Von Nahem sehe ich nur das weiss unzähliger Spinnweben im Inneren der Hütte und nehme etwas angeekelt, den ersten, richtigen Anstieg in Angriff. Was ich eben noch nach unten gelaufen bin, muss ich nun in Gänze wieder rauf und mit vollem Magen habe ich so meine Mühe. Mit reichlich Schweiß auf meinem Gesicht, erreiche ich dennoch den Maiblumenfels, der wie eine Miniaturausgabe des Teufelstisches auf mich wirkt und unheimlich schön anzusehen ist. Ein paar Schritte dem Pfad folgend erreicht man einen Aussichtspunkt mit Bank, oder sagen wir, einen Aussichtspunkt, der gerne einer wäre. Die rießigen Bäume, die der Bank direkt gegenüber stehen, machen es praktisch unmöglich etwas anderes außer Rinde und Nadeln zu sehen. Lediglich in eine Richtung ist der Blick frei und lässt die Weitsicht zum Merzalbener Schloss (Burg Gräfenstein) zu.

Der Maiblumenfels.

Ich folge der Markierung und steige erneut ins Tal ab, nur um unten angekommen, wieder bergauf zu müssen. Der Abstieg lohnt sich aber, denn an der Schutzhütte Klosterbrunnen steht der gleichnamige Ritterstein Nr. 36. Der folgende Anstieg hat es noch einmal in sich. In fünf bis zehn Minuten erreicht man dafür den Lohn seiner Mühen und findet sich in einem Meer aus Heidekraut wieder, das offensichtlich alles andere Leben am Boden verdrängt hat. Die Abbruchkante des Sandsteinfelsens, auf dem ich mich jetzt befinde, weißt das Kraut in seine Schranken und fällt unzählige Meter steil bergab. Die Ausläufer des mich umgebenden Waldes liegen zu meinen Füßen und werden von der Abendsonne in warmes Licht getaucht. Mehrere Holzbänke bieten mir Sitzgelegenheiten und so nehme ich auf der saubersten Platz und staune in die Ferne. Langmühler Aussicht heißt dieser wundervolle Flecken und ist der nicht mehr zu toppende, krönende Abschluss einer wirklich besonderen Wanderung, die mich nunmehr den ganzen Tag bei Laune gehalten halt. In wenigen Minuten ist man nach einem kurzen Abstieg wieder am Ausgangspunkt angelangt und hat die Möglichkeit, den Tag in der Burgschänke Ruine Lembergs ausklingen zu lassen, die in weiteren fünf Minuten erreicht ist.

Die Langmühler Aussicht.

Fazit: Eine Wanderung fernab des Mainstream. Die Markierung ist prägnant und lückenlos, die Wegführung einfach großartig. Mehrere Aussichtspunkte und die große Zahl an Felsen unterschiedlichster Größe und Form, machen diesen Premiumwanderweg zu einem Erlebnis , der mit seinen weichen Pfaden den Füßen schmeichelt. Lediglich ab Maiblumenfels zieht sich die Strecke etwas, belohnt aber mit einer finalen Aussicht, die es in sich hat. Da keine Einkehrmöglichkeiten bestehen, unbedinkt den Rucksack füllen. Die Rundtour würde ich im Uhrzeigersinn gehen und nicht während der Falkenbrut, um die Aussicht des Ruppertstein nicht zu versäumen, dessen Felsen gewöhnlich zwischen Februar und Juni gesperrt ist. Ob und wie lange, kann über folgenden Link eingesehen werden: >Liste der Sperrungen

Bleibt wandern!

Patrick Scheller

 

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ÜBERSICHT

Ort: 66969 Lemberg

Parkplatz: unterhalb von Burg Lemberg (ausgeschildert)

Länge: 12 Kilometer

An- und Abstieg: 480 Höhenmeter

Karte: Vom Johanniskreuz bis Pirmasens (Blatt 5 Landesvermessungsamt – 1:25000)

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