Bären-Steig

indexDer Backenzahn – die legendäre Burg Drachenfels, der Jüngstberg, das gewaltige Felsenriff des Buchkammerfelsens auf dem Heidenberg, der Bruchweiler Geierstein und der Lourdessteig sind die edlen Zutaten für das Rezept dieses Wanderhighlights. Auf offiziellen 13,6 Kilometern bekommt man alles geboten, was den Pfälzerwald so spannend macht: gewaltige Buntsandsteinfelsen, eine typische Felsenburg und sagenhafte Ausblicke über den Wasgau. Die Strecke verläuft zu großen Teilen über weiche und schmale Waldpfade und hält nach einigen harten Steigungen das passende Kontrastprogramm in Form des Scharbachtälchens und Wiesen bereit. Vom deutschen Wanderinstitut als Premiumweg zertifiziert und mit 62 Erlebnispunkten bedacht, verspricht der Bären-Steig puren Wandergenuss.

Die erste Aussicht des Tages.

Neben dem Napoleonsteig ist der Bären-Steig die zweite und letzte Premiumtour in Bruchweiler-Bärenbach, ganz in der Nähe zu Dahn. Das Auto steht auf dem Parkplatz des Waldfriedhofs, der heute als Ausgangs- und Endpunkt dient. Eine große Schautafel mit Karte und Längenangaben bietet vorab noch einmal die Gelegenheit, sich einen Überblick zu verschaffen, bevor es dem weißen Bären auf gelbem Hintergrund folgend, zum ersten Aussichtspunkt geht. Ein breiter Forstweg führt mich mit sanfter Steigung ein gutes Stück hinauf, bevor es an einem Wasserreservoir nach links zu einem kleinen Felsvorsprung geht. Eine in Signalfarben lackierte Bank steht direkt über dem Ort und gibt den Blick darauf frei.

Die Kanzel.

Der Anfang ist gemacht und war schonmal recht vielversprechend. Der Weg führt nun zunächst zu einem weiteren kleineren Aussichtspunkt, bei dem man zwar einen recht eingeschränkten, aber direkten Blick zur Burgruine Drachenfels erhält. Nun folgt die erste große Anstrengung des Tages, geht es doch über schmalen Pfad und mit entschlossener Steigung auf den Jüngstberg und dessen Aussichtsplattform, die den nächsten und deutlich interessanteren Ausblick bereit hält. Ein 270° Panorama und eine Metallplatte die die umliegenden Örtlich- und Sehenswürdigkeiten benennt, sind das erste große Highlight dieser Tour.

Wegstück zwischen Kanzel und Jagdhütte.

Die Kanzel verlassend, geht es über einen Traumpfad an unzähligen größeren Felsformationen vorbei, die in der Mittagssonne rot leuchten und allerlei Verwitterungsformen aufweisen. Es folgt ein kleiner Abstieg durch idyllischen Wald, der die ersehnte Entschleunigung und Ruhe bringt. Die bis dahin einwandfrei markierte Strecke hat hier einen kleinen Knackpunkt. Nach dem Abstieg von der Kanzel gerät man an eine Wegspinne: den nächsten Bär bereits im Blick und stupide dem Weg geradeaus folgend, versäumt man hier schnell nochmal auf die Markierung zu schauen, die mit einem kleinen Pfeil die Laufrichtung ändert. Der Fehler ist allerdings schon bald bemerkt und so geht es nach rechts und weiter abwärts, zum vierten Aussichtspunkt.

Vierte Aussicht kurz vor der Jagdhütte.

Das Gefühl in meinem Magen und die tolle Sitzgelegenheit verlangen von mir, diesen grandiosen Platz für die erste Rast zu nutzen. Das Wetter könnte kaum besser sein und so lasse ich mir die Sonne auf den Bauch scheinen, während sich meine Vorräte stetig verringern. Was eben noch schmaler Pfad war, wird nun zu breitem Forstweg, der mich zur Bundenthaler Jagdhütte und einer größeren Wiese führt, die eine gelunge Abwechslung darstellt und den Blick auf mein nächstes Ziel freigibt, die 60 Meter hohen Sandsteinwände des Buchkammerfelsens.

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Andy an der vordersten Kante des Buchkammerfels.

Wenig später zeigt auch schon ein Schild den Abstecher zum Buchkammerfels an, der zwar nicht unmittelbar an den Weg angrenzt, aber in gut 200 Metern schnell erreicht ist. Der Aufstieg bis zu diesem langgezogenen und beeindruckenden Felsenriff hat es allerdings in sich. Das leichte Zwicken in den Waden und die Schweißtropfen auf meiner Stirn haben sich allerdings mehr als gelohnt. In acht Metern Höhe erkennt man den Eingang zu den Buchkammern des Heidenbergs, ein höhlenartiges Kammernsystem, dass vermutlich um 1523 in den Fels gehauen wurde. Über ihre Verwendung gibt es viele Theorien von denen noch keine belegt werden konnten.

Blick auf Drachenfels und Altdahn im Hintergrund.

Die einen meinen, sie wären als vorgelagerter Aussichtspunkt des Drachenfels genutzt worden, die anderen vermuten ein Gefängnis. Jedenfalls sind sich alle einig, dass die Jahreszahl 1678, die in die Wand einer der Kammern gemeißelt wurde, nicht das Enstehungsdatum anzeigt. Leider gibt es heute keinen Aufgang mehr, weder zu den Buchkammern, noch auf den Rücken des Heidenberg. Wer aber trittsicher, schwindelfrei und mutig genug ist, kann sich an den passenden Stellen den Zugang erklettern. Gleiches haben ich und mein Begleiter getan. Ein kleiner Felskamin war unser Tor zur Spitze des Felsens, der uns mit der genialsten Aussicht der Tour belohnt hat.

Ausblick vom Buchkammerfels.

Dem Ausblick sind hier oben faktisch keine Grenzen gesetzt und so hat man den Nahblick auf Burg Drachenfels und den Fernblick zu den Altdahner Burgen und dem Hochsteinmassiv. Herunter zu kommen war zwar um einiges schwieriger, wer sich aber dazu in der Lage sieht, sollte sich dieses Panorama nicht entgehen lassen. Ich laufe die steilen 200 Meter wieder zu meinem eigentlichen Weg zurück und folge dem Verlauf zur Drachenfelshütte, die innerhalb kürzester Zeit erreicht ist und zu Füßen der gleichnamigen Burg liegt. Die Hütte gehört dem Pfälzerwaldverein an und ist Mittwochs und an Wochenenden geöffnet und zählt nicht zuletzt aufgrund ihrer Lage zu den beliebtesten im Umkreis. Allerdings muss man deswegen hier auch, besonders am Wochenende, mit Massen von Wanderern und Ausflüglern rechnen.

Felsen mit Aufgängen des Drachenfels.

Da mich die Massen doch etwas abgeschreckt haben, laufe ich geradewegs zur Burg, die noch einmal einen kleinen Anstieg erfordert. Über das toll erhaltene Burgtor geht es über unzählige Treppen, teilweise originale Felsentreppen und teilweise Stahltreppen, auf das gewaltige Felsenschiff. Die Anlage der im 13. Jahrhundert entstandenen Burg ist recht weitläufig und erfordert eine gewisse Zeit, um die vielen Kammern, Keller und Aussichtspunkte zu entdecken. Vom 150 Meter langen Burgfelsen, der sich in 368 Metern Höhe befindet, hat man (ich habe längst aufgehört zu zählen) die nächste, grandiose Aussicht über das Umland.

Auf Burg Drachenfels.

Während sich die vielen Eidechsen auf den Sandsteinwänden der Burg wärmen, steige ich in den Halsgraben ab, um im Schatten die letzte Rast einzulegen. Eine Flasche Sprudel später laufe ich bereits dem letzten Höhepunkt der Tour entgegen. Zuerst gelange ich jedoch in das romantische Scharbachtal, das einen tollen Kontrast zum bisherigen Streckenverlauf bietet, bevor es noch ein- und zum letzten Mal kräftig bergauf geht. Das Mineralwasser habe ich schon längst wieder ausgeschwitzt, als ich zum Fuße der Bruchweiler Geiersteine gelange, einem der top Kletterhotspots im Pfälzerwald. Die Kletterer bieten einen tollen Anblick und eine perfekte Gelegenheit um wieder zu Atem zu kommen.

Im Scharbachtal.

Ich bewundere noch eine Weile das Treiben in der Felswand, bevor ich das letzte Stück dieser Rundtour in Angriff nehme. Der Abschluss reißt nochmal ein Päckchen Romantik auf, denn der schmale Pfad windet sich an bizarren Felsformationen vorbei, durch wohl duftenden, lichten Nadelwald. Die Lourdesgrotte weiß mich weniger zu Begeistern als der Rastplatz „Elwetritsche Steckdose“. Der Lourdessteig bringt mich schließlich zurück zum Wasserreservoir, von dem ich die wenigen Meter auf gleicher Strecke zurück zum Waldfriedhof und somit zum Auto schlendere.

Kletterer in der Wand des Geierstein.

Fazit: Diese Premiumtour hat sich defintiv einen Platz im meiner persönlichen Top10 erobert und ist ein Garant für phänomenale Aussichten am laufenden Band. Die Vielzahl an Felsen, die Wiesen- und Tallandschaften und die imposante Burgruine Drachenfels sorgen für reichlich Abwechslung. Es gilt einige heftige Anstiege zu bewältigen, die sich aber allesamt mehr als lohnen. Der Pfadanteil ist, wie auch die Markierung der Strecke, lobenswert. Die Drachenfelshütte eignet sich hervorragend zur Einkehr, allerdings sollte ausreichend Verpflegung mitgeführt werden. Absolute Wanderempfehlung!

Bleibt wandern!

Patrick Scheller

 

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ÜBERSICHT

Ort: 76891 Bruchweiler-Bärenbach

Parkplatz: am Friedhof

Länge: 13,6 Kilometer

An- und Abstieg: 430 Höhenmeter

Karte: Östlicher Wasgau mit Bad Bergzabern (Blatt 8 Landesvermessungsamt – 1:25000)

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