Nothweilerer Vier-Burgen-Tour

Wir haben Juli und strahlenden Sonnenschein. Meine Tagestour heute umfasst 10-12 km Streckenlänge mit abwechslungsreichen Wegabschnitten. Als Ausgangspunkt dient mir der Wanderparkplatz in Nothweiler, einem 164 Seelendorf im Dahner Felsenland, das exakt an der Grenze zum malerischen Elsass liegt. Diese Tour kenne ich in und auswendig und so freue ich mich bereits zu Beginn auf die Highlights dieser Wanderung, von denen es eine ganze Menge gibt. Meine Route führt mich durch eine traumhafte Wiesenlandschaft im Schatten der Ruine Wegelnburg. 

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Die Wiesenlandschaft am Wanderparkplatz.

Nachdem ich den weidenden Kühen hallo gesagt und meine Nikon warm geknipst habe, verlasse ich das Tal und wandere nun stetig bergauf, meinem nächsten Ziel entgegen, dem Gimbelhof. Der Gimbelhof ist ein Hotel-Restaurant, welches allzeit gut besucht ist. Bei der schmackhaften und preiswerten Küche nicht wirklich ein Wunder. Das Topping, falls man denn im Freien platzgenommen hat, ist das für mich schönste Panorama dieser Tour. Mein Blick erfasst den kolossalen Felsen der Ruine Fleckenstein, Frankreichs meist besuchte Burgruine (Ich befinde mich bereits im Elsass).

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Ausblick vom Gimbelhof zur Ruine Fleckenstein.

Über die Wiese, dem Zaun folgend, geht es  nun erst wieder bergab, bevor man den nächsten Anstieg zur eben erwähnten Burg Fleckenstein zu bewältigen hat. Nahe der Anlage ahnt man bereits deren Berühmtheit. So wurde unlängst unterhalb ein kleines Museum, eine Gaststätte und ein kleiner Shop errichtet. Die Busse stehen auch schon in Reihe und so bin ich mir sicher, wer diese Burg heute nicht besichtigen wird. (Die Ruine ist vollständig umzäunt und nur gegen Gebühr zugänglich. So wurde eigens ein elektronisches Drehkreuz (kein Scherz) gebaut, dass die im Shop erhältlichen Tickets liest.) Ich nutze die Örtlichkeit nur, um eine kurze Rast einzulegen und begebe mich nun auf den Felsenpfad, der mich meiner dritten Station entgegen bringt: der Burg Löwenstein. Hier führen zwei Wege zum Ziel. Bei schlechtem Wetter würde ich den breiten Forstweg bevorzugen, der Felsenweg bleibt sonst aber mein absoluter Favorit. Von nun an geht es bis zum letzten Aussichtspunkt dieser Wanderung, ausnahmslos bergauf. Kondition sollte also vorhanden sein.

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Auf dem Felsenpfad, zwischen Fleckenstein und Löwenstein.

Ich gelange nach diesem wirklich tollen Pfad an eine Wegspinne und nehme die zweite Abzweigung von rechts, die mich mit moderater Steigung immer am Hang des Berges entlang, das letzte Stück zur Ruine Löwenstein bringt. Der Sage nach hauste hier ein berüchtigter Raubritter, der sich seiner Zeit einen Namen gemacht haben soll, indem er seine Pferde falsch herum beschlagen ließ, um seine Verfolger in die Irre zu führen. Das half ihm aber nur eine Weile, denn in Frankenthal wurde er von seinem Kopf getrennt. Seine Burg wurde dem Erdboden gleich gemacht und so sieht man heute nur noch spärliches Mauerwerk und die Treppen, die aus dem Fels gemeißelt wurden. Macht jedoch gar nichts, denn ihren heutigen Zweck als Aussichtspunkt erfüllt sie allemal. Der Aufgang zur obersten Plattform ist spektakulär, die Aussicht von ihr ist noch spektakulärer. Schwindelfreiheit und das Fehlen von Höhenangst vorausgesetzt!

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Burgfelsen und Aussichtsplateau von Burg Löwenstein.

Ich genieße die Sonne hier oben und die vielen Eidechsen tun es mir gleich. Nach einer Weile breche ich wieder auf, überwinde die Treppen und laufe, an herrlichen Blütenständen vorbei, zur in Sichtweite gelegenen Burg Hohenburg. Auch diese spare ich mir an diesem Tag aus, da ich wie gesagt schon sehr oft hier war. Für Neulinge sei gesagt, dass die Burg durchaus sehenswert ist, stehen doch immer noch im Gegensatz zur Löwenstein, ihre dicken Mauern. Das originale Wappen der Sickinger flankiert noch heute den Zugang zur Burg und klärt jeden Besucher darüber auf, wer hier einst das sagen hatte. Das Renaissanceportal ist das Aushängeschild der Burg und ihr Bergfried lädt ein zur Weitsicht. Jedoch ist die Aussicht von hier etwas eingeschränkter.

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Übergang zum vorderen Felsen Löwensteins, mit Ausblick ins Elsass.

Von hier ist es nun nicht mehr weit zum letzten großen Aussichtspunkt meiner Wanderung. Das Finale kann sich sehen lassen. Die Ruine der ehemaligen Reichsburg Wegelnburg ist die höchstgelene der Pfalz und bietet einen unbegrenzten Fernblick ins Dahner Felsenland und den Wasgau. Ich bin zwar nicht müde oder geschlaucht, aber eine Rast gönne ich mir hier immer. Es ist später Nachmittag und die Sonne gibt noch einmal alles, wofür ich ihr sehr dankbar bin. Hier liegt Magie in der Luft und ich inhaliere jeden Tropfen davon. Die Zeit vergeht und mein Magen erinnert mich allmählich daran, dass mir Nothweiler zum Abschluss noch ein paar Gaumenfreuden bereit hält. So trete ich den Rückweg ins Dorf an und folge den stetig abwärts führenden Kehren ins Tal.

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Blick aus dem Kern der Wegelnburg in den Wasgau.

FAZIT: Eine absolute Traumtour! Wiesen, Bergrücken, Felsenpfade und traumhafte Aussichtspunkte sorgen für den perfekten Kontrast. Der Gimbelhof bietet mit der Nothweiler Gastronomie Gelegenheit zur kulinarischen Pause oder dem schmackhaften Abschluss. Zeit ist Grundvoraussetzung, denn die Burgen wollen entdeckt und die Aussichten genossen werden. Etwas Schmackes in den Waden wäre von Vorteil. Hat man Zeit und Muße, lädt das Bergwerk in Nothweiler zur späten Besichtigung ein.

Bleibt wandern!

Patrick Scheller

2 Gedanken zu “Nothweilerer Vier-Burgen-Tour

  1. gsharald schreibt:

    Hallo Patrick,

    diese Tour bin ich auch schon gewandert. Ich finde es schade, dass sie den Fleckenstein so vermarkten. Es ist nämlich auch eine schöne Burg. Mal sehen vielleicht zeige ich demnächst meine Bilder von dieser Wanderung.

    Liebe Grüße und einen schönen Abend
    Harald

    Danke für’s folgen.

    Gefällt 1 Person

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